Lykanerblut

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Summary

Die Protagonistin ist die junge Hexe Faye, die auf der verzweifelten Suche nach ihrem Bruder Joseph ist. Ihr Hass gegen die verfluchten Werwölfe ist groß, doch dann erblickt sie ausgerechnet einem scheinbar Einzelgänger von dem sie Informationen zu dem Aufenthaltspunkt ihres Bruders erwartet. Doch stattdessen entwickelt es sich in eine Reise mit unerwarteter Gesellschaft...

Status
Ongoing
Chapters
54
Rating
5.0 1 review
Age Rating
18+

Kapitel 1

Die pulsierende Großstadt war für Faye einst ein ferner Gedanke, doch nun wurde sie zur Realität. Der ständige Lärm, die Müllberge, die in jeder Straßenecke lagen waren plötzlich Teil ihrer Gegenwart. Noch vor wenigen Wochen hatte sie an einem ruhigen Ort in Frieden gelernt und Zauber geübt, doch dieses beschauliche Leben lag nun hinter ihr.

Getrieben von der Hoffnung, ihren Bruder wiederzufinden, ließ sich Faye von einem Informanten in die Großstadt führen. Sie war bereit, alles zu tun und jedes Mittel einzusetzen, um Joseph aufzuspüren. Dabei scheute sie nicht davor zurück, ihre besonderen Fähigkeiten einzusetzen und auch Druck auszuüben, wenn es sein musste.

Doch nun war sie hier in der nächsten Großstadt, weit weg von ihrem beschaulichen, ruhigen Leben, welches sie sich so sehr ersehnt und erarbeitet hatte. Nun hatte sie ein Informant hierhergeführt. Sie war auf der Suche, auf der Suche nach ihrem Bruder und wollte ihn endlich finden, egal wie! Und egal mit welchen Mitteln! Ihr letzter Informant hatte ihr die Informationen auch nicht freiwillig gegeben, ein wenig Druck und ihre ganz eigenen Fähigkeiten hatten ihm die Zunge gelockert.

Faye’s Schritte hallten von den Gebäuden an den Seiten wider, es war spät, dennoch führte sie ihr Weg zielstrebig in die nächste Kneipe. Hier konnte sie vielleicht neue Informationen aufspüren, einen neuen Informanten finden.

Die junge Hexe sah kaum alt genug aus, um ein Auto zu fahren, ihre langen, roten Haare fielen in sanften Locken über ihre Schultern und ihre tiefgrünen, intelligenten Augen beobachteten genau ihre Umgebung, auch ihre schlanke Figur zog die Aufmerksamkeit so manches Mannes auf sich, denn obwohl sie schlank war, hatte sie Kurven an genau den richtigen Stellen.

Sie war allerdings keine besonders große Frau, aber ihr Temperament und ihre Fähigkeiten gaben ihr die Kraft es mit jedem aufzunehmen. Sie trug eine türkisfarbene Bluse, die am Ausschnitt mit Spitze verziert war und einen schönen Einblick in ihr Dekolleté gab. Dazu eine einfache, graue Jeans und weiße Sneaker. Faye hatte sich nur dezent geschminkt und keinen Schmuck angelegt bis auf kleine Ohrringe.

Gerade jetzt brannte ein Feuer in ihr, was sich kaum löschen ließ. Auch wenn sie jetzt hier war, hatte sie bisher noch keine weiteren Informationen bekommen und die Zeit drängte, wer wüsste, was man mit ihrem Bruder gerade machte oder ihm antat. Wenn sie nur daran dachte, wurde ihr übel vor aufsteigendem Zorn. Vielleicht lag es aber auch an ihrem Alkoholpegel, denn in den ersten zwei Kneipen hatte sie sich auch etwas großzügig einschenken lassen.

Endlich hatte sie die nächste Kneipe an einer verwinkelten Straßenecke erreicht und hob ihren Blick auf die große Leuchtschrift “Dem Ons” über der Tür. Nun in dem Licht konnte man ihre zarten Gesichtszüge erkennen, auch wenn der Schatten immer noch stärker war.

Entschlossen öffnete Faye die Tür und trat in die stickige Kneipe ein, dass sie die Tür kräftiger aufstieß, als nötig war der jungen Frau gleich. So zog sie jedenfalls genug Aufmerksamkeit auf sich. Es herrschte einen Moment schweigen in der Kneipe, die abgestandene Luft von Alkohol, Rauch und den Menschen, schlug ihr entgegen. Unbeirrt und ohne eine Miene zu verziehen, ging sie auf den Tresen zu und setzte sich auf einen der freien Hocker, von wo sie einen guten Überblick hatte. Langsam kamen die Gespräche in Gang und der Lärmpegel stieg allmählich.

„Bourban“, zwinkerten die grünen Augen einem der Barkeeper zu und augenblicklich fand sich ein Glas mit dem begehrten Getränk und zwei Eiswürfeln darin vor ihr auf dem Holztresen wieder. Die Barkeeper bekamen immer einige Gerüchte mit, so dass sie hoffte, dass sie vielleicht hier etwas aufschnappen konnte. Vielleicht war Joseph, ihr Bruder, sogar hier gewesen? Aber so viel Glück hatte sie sicherlich nicht...

Sie ließ ihren Blick über die anderen Gäste schweifen, um irgendetwas Auffälliges oder Verdächtiges zu erkennen. Doch obwohl sie so viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen hatte, beobachtete sie scheinbar niemand mehr. Dabei gab sie sich so viel Mühe wie ein hilfloses Wesen zu wirken.

Die Junghexe nippte an ihrem Getränk und fuhr sich bedacht durch ihr langes Haar, meistens dauerte es nicht lange bis sie angesprochen wurde und abschätzen konnte, ob derjenige für sie interessant oder nützlich wäre.

Wieder ging die Tür auf und der nächste Kneipengänger trat in die sowieso schon gut gefüllte Kneipe ein, doch dieser Mann überragte sie alle, als er sich mit einem düsteren Blick einen Weg durch den Menschenmenge bahnte.

Wobei sie ihm auszuweichen schienen, jedenfalls kam er zügig an dem Tresen an. Und bestellte etwas, doch unterhielt der Hüne sich länger mit dem Barkeeper, scheinbar fragte er ihn etwas. Wegen der Lautstärke konnte sie einfach nichts verstehen, worum es ging. Im nächsten Moment zuckte der Barkeeper im nächsten Moment mit den Schultern und stellte ihm ein Getränk hin und nickte ihm zu..

Faye’s Blick blieb einfach an diesem Hünen hängen und musterte diesen Mann genauer. Er war höchsten Anfang 30, obwohl er hochgewachsen war, muskulös und strahlte eine seltsame Ruhe aus.

Sein braunes Haar war etwas zerzaust, auch sein Bart war etwas lang und gab ihm etwas Wildes. Seine dunkle Lederjacke, die schwarze Jeans und seine schwarzen Springerstiefel unterstrich dieses Erscheinungsbild nur noch. Als hätte er ihren Blick gespürt, neigte er seinen Kopf bedächtig in ihre Richtung und sein gleichgültiger Blick aus dunkelbraunen Augen begegnete ihren.

Die junge, rothaarige Frau wich seinem direkten Blick nicht aus, dennoch lief es ihr eiskalt den Rücken hinunter. Faye hatte kurz das Gefühl in den Blick eines lauernden Jägers zu schauen, besonders als sein Blick über ihren Körper glitt. In Gedanken kam ihr nur ‘Wolf’ in den Sinn, aber so einfach konnte es doch wohl sein?

Bisher waren die Werwölfe, denen sie begegnet war, wohl allesamt starke Männer gewesen, doch normal aussehend und fast unauffällig. Aber dieser war einfach ein Hüne und so auffällig, dass er sich doch gar nicht verbergen konnte... Stattdessen lächelte sie ihn einladend an und spielte verführerisch mit einer Haarsträhne.

Überzeugt von ihren äußerlichen Reizen war sie sich sicher, dass egal was dieser Mann war, auch er nicht wieder stehen konnte, doch stattdessen nahm er sein Glas, prostete ihr höflich zu und wandte einfach seinen Blick von ihr ab, um einen kräftigen Schluck aus seinem Glas nehmen und stoisch vor sich hinzustarren.



Ciaran ging zwischen den Menschen hindurch, die ihm weder anrempelten noch in die Quere kam, auch wenn sie nicht bewusst ahnten, was er war, hatten sie noch genug Instinkte erhalten, um ihm auszuweichen. Er hatte sich nicht erkundigt, als er aufgebrochen war, wo die nächste Bar lag. Der Geruch von Alkohol, Schweiß und Qualm stieg ihm auch ohne Wegweiser in die Nase.

Wenigstens gewöhnte man sich irgendwann daran und lernte es sogar auszublenden. Ciaran blieb vor der vollen Bar stehen. Hier sollte es doch Arbeit für ihn geben. Mit seinen fast zwei Metern war er vielen schon allein von der Körpergröße überlegen, seine dunkelbraunen Haare und Augen verstärkten es nur.

Ciaran drückte seine Zigarette in dem Aschenbecher vor der Türe aus. Die Musik hämmerte in seinen Ohren und dabei war er noch gar nicht in dem Laden. Der Lykaner atmete einmal tief ein und schloss für einen Moment die Augen, bevor er diese wieder öffnete und seinen Weg durch das Getümmel schritt, während die Menschen fast aufeinander traten bei dem Versuch sich einen Weg zu den Tresen zu bannen. Er kam an die Bar und nahm auf einen leeren Hocker platz, dem ihm ein Mensch netterweise überließ und winkte dem Barkeeper zu, der eigentlich schon alle Hände voll hatte.

″Gin Tonic″ sagte Ciaran laut genug, damit der Mann es verstehen konnte und mit seiner tiefen, rauchigen Stimme. Dann blickte sich der Lykaner um. Warum Menschen immer in Massen auf einem Fleck hocken mussten, war ihm unbegreiflich. Oder warum der Wirt sich nicht einfach vergrößerte, wenn er so gut besucht war.

Der Hüne hatte nichts gegen gute Feste oder Saufgelage, die er tatsächlich ein wenig vermisste, aber bei dieser Enge schnürte es sogar ihm die Kehle zu.

Doch er war hier um sich seine nächsten Mahlzeiten zu erarbeiten und nicht wie ein Welpe davon zu rennen, weshalb er das Glas ergriff welches ihm der Barkeeper reichte und sich weiter über die Theke lehnte. ″Habt ihr vielleicht auch etwas Arbeit für mich?″ fragte Ciaran direkt bevor der Barkeeper wieder verschwinden konnte.

Dieser schaute ihn ziemlich überrascht an und schien einen Moment zu überlegen. ″Da muss ich den Chef fragen, dass dauert aber etwas…″ erwiderte der Mann und der Lykaner nickte leicht. Zeit hatte er nun wirklich zu genüge. Der Barkeeper bediente noch einen Gast, dann verschwand er erst in den hinteren Bereich. Ciaran holte unauffällig Luft, was ihn im selben Augenblick als schlechte Idee klar wurde.

Egal wie sehr er es auch versuchte und weiter zu desensibilisieren, aber bei so vielen Menschen und verschiedenster Gerüche, wurde ihm übel. Einen kräftigen Schluck aus dem Glas half wohl für den Moment, aber noch besser wäre es zu gehen.

Dass er die Blicke auf sich zog, war für den jungen Mann nichts neues, sobald er einen Raum betrat, überragte er die meisten anderen Männer. Deshalb ignorierte er die abschätzigen, teils neugierigen Blicke der Menschen. Zudem musste er sich konzentrieren, da die verbrauchte Luft hier, verschlechterten seine Laune immens, wobei gute Laune hatte er sowieso nicht gehabt. Schon an der Kneipentür schlug sie ihm hart ins Gesicht.

Er war immerhin ein Wolf und seine Sinne waren scharf, auch in seinem menschlichen Körper. Man musste schnell lernen nicht jedes Mal gleich flüchten zu wollen oder noch schlimmer sich zu verwandeln, wenn man bei den Menschen in der Großstadt verweilte. Aber dennoch schlug es ziemlich auf sein Gemüt, zudem hatte er noch nichts gegessen oder eine Dusche genommen.

Nun saß er in der Kneipe, um sich etwas Geld für die nächsten Tage dazu zu verdienen und wartete. Viele Augenpaare waren auf ihm gerichtet gewesen, doch hatten sich in zwischen die meisten schon abgewandt, doch eins starrte ihn immer noch direkt an.

Ciaran hob seinen Blick in die Richtung der Person und blickte in tiefgrüne, forsche Augen, die nicht mal in dem Augenblick auswichen, als er sie entdeckt hatte. Die junge, zierliche Frau saß ebenfalls an den Tresen, jedoch einige Plätze entfernt und hielt in ihrer Hand ebenfalls ein Glas.

Selbst in dem schwachen Licht der Kneipe konnte man sehen, wie hübsch sie war, aber Ciaran hatte gerade anderes im Kopf als einen Flirt, dennoch prostete er ihr zu, auch weil sie seinem Blick stand hielt, die meisten Frauen senkten automatisch ihren Blick, wenn sie in seine Augen sahen.

Es wagte auch kein anderer ihn anzusprechen. Obwohl es immer wieder an den Tresen voll wurde, hatte der Lykaner genug Platz. Es schien so, als ahnten die Menschen, dass er mehr war, als es schien. Die Zeit verging und nach einer Weile bemerkte er eine Bewegung aus dem Augenwinkel und eine zierliche Hand wurde auf seine Schulter gelegt. “Schade,” hauchte eine feminine Frauenstimme ihm zu und verschwand aber sofort.

Die junge Frau war inzwischen aufgestanden und auf dem Weg Richtung der Kneipentür bei ihm vorbeigekommen. Ihr Lächeln war niedlich, als sie mit Ciaran sprach. Da er saß, waren sie auf einer Augenhöhe…

Aber diese Frau war zierlich und klein, dennoch mit Kurven genau an den richtigen Stellen versehen, sie als hübsch zu bezeichnen, verhöhnte sie, außerdem stieg ihm ihr hinreißender Geruch in die Nase. Nun das er sich zurückhalten musste, ihren Duft nicht tiefer zu inhalieren, eine Wohltat im Gegensatz zu der stickigen Luft in der Bar. Doch war sie so schnell auf dem Weg nach draußen, dass er keine Chance hatte mit ihr zu sprechen oder gar zu antworten. Außer er griff nach ihr, doch stattdessen schloss er seine Hand fester ums Glas. Warum beschäftigte es ihn so sehr?

Der Lykaner legte leicht den Kopf schief und beobachtete, wie sie sich durch die Menge einen Weg suchte, als sie von drei jungen Typen angehalten wurde. Ciaran drehte sich langsam wieder um, denn es waren genug andere Leute um sie herum, außerdem dachte er sich, dass die junge Frau sich sicherlich auch selbst verteidigen konnte.

Wenn er sich einmischte, würde er viel zu viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen und das konnte er aktuell nicht gebrauchen. Ihren Duft hatte er immer noch in der Nase und das reicht schon, um ihn unruhig werden zu lassen. Dafür hatte er aber keine Zeit für diese Art von Ablenkung.

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