Kapitel 1: Erste Funken, Tiefe Schatten: Eine Bege
Der Geruch von Schwefel und verbranntem Fleisch hing schwer in der Luft der zerstörten Lagerhalle. Staub tanzte in den spärlichen Lichtstrahlen, die durch die zerborstenen Fenster fielen. Baby Saja, der Jüngste der gefürchteten Saja Boys, spürte das Pochen in seinem Schädel. Er wischte sich Blut von der Lippe – nicht sein eigenes, sondern das eines törichten Menschen, der seinem Weg zu nahe gekommen war. Die Jagd war erfolgreich gewesen, doch nicht ohne ungebetene Gesellschaft.
Als er sich umsah, sah er sie: Zoey von den Huntrix. Ihr Blick ruhte auf ihm, kühl und unleserlich, wie geschliffenes Obsidian. Eine Dämonenjägerin. Eine derjenigen, die geschworen hatten, seine Art auszulöschen. Ihr Auftauchen war unerwartet und zutiefst ärgerlich.
„Du bist unvorsichtig“, sagte Zoey, ihre Stimme scharf und ohne jede Spur von Wärme. Sie klang nicht besorgt, eher vorwurfsvoll. „Hättest du gewartet, hätten wir die Falle perfektioniert. Dein voreiliger Angriff hat uns fast die Beute gekostet.“
Baby Saja schnaubte, eine tiefe, gutturale Untermischung seines normalerweise sanften Lächelns. „Die ‚Beute‘ war mein Ziel, Jägerin. Und ich überlasse meine Arbeit nicht denjenigen, die im Schatten kriechen und auf den richtigen Moment warten. Ich nehme ihn mir.“
Zoeys Augenbraue zuckte. Ein Anzeichen von Irritation. „Arroganz. Im Kampf ist das ein Luxus, der zum Verhängnis wird.“ Sie trat näher, ihre Schritte leise und zielstrebig, bereit für den nächsten Schlag. „Deine Magie ist zu auffällig. Das macht dich zu einem leichten Ziel für die, die wirklich wissen, wie man kämpft.“
Ein Stich der Wut durchzuckte Baby Saja. Er war der Tanzkönig unter den Dämonen, bekannt für seine elegante und doch tödliche Kampfkunst. „Meine Techniken sind effektiv“, konterte er, seine Stimme nun ebenfalls härter. „Sie haben mich bisher noch nie im Stich gelassen.“
„Bisher“, wiederholte Zoey trocken. Ihre Augen glitten über seine makellose Robe, die trotz des Kampfes kaum einen Kratzer aufwies, verweilten kurz auf dem blutigen Siegel an seiner Hand – dem Zeichen der Saja Boys. „Es gibt immer ein erstes Mal, wo der Schein nicht trügt.“
Die Spannung zwischen ihnen war beinahe greifbar, ein Kampf der Überzeugungen. Die Saja Boys, die die Welt nach ihren eigenen Regeln formten und sich in ihrer Macht sonnten, trafen auf die Huntrix, die im Verborgenen agierten, effizient und gnadenlos in ihrem Ziel, die dämonische Bedrohung zu eliminieren. Zoey war das perfekte Beispiel für die letztere Gruppe: pragmatisch, kühl und ohne sichtbare Emotionen – eine wandelnde Klinge.
„Ich weiß nicht, wie ihr Saja Boys eure kleinen Spiele spielt“, fuhr Zoey fort, ihre Stimme eisig. „Aber Dämonen jagen ist kein Bühnenstück, um euer Ego zu füttern. Es ist Überleben. Für uns.“
Baby Saja ballte die Faust. Seine Krallen schnitten sich leicht in seine Handfläche. „Und ich sorge dafür, dass meine Art überlebt. Das mag nicht deinem… ‚moralischen‘ Kompass entsprechen, aber es funktioniert für uns. Oder hast du vergessen, wer heute hier die Überhand hatte?“
Zoey schnaubte leicht, ein Geräusch, das wie knirschender Frost klang. „Glück. Und irgendwann ist das Glück aufgebraucht. Bleib mir nicht im Weg, wenn wir das nächste Mal gezwungen sind, uns zu ‚treffen‘. Und sei weniger… existent.“
Mit diesen Worten verschwand sie in den Schatten, so schnell und lautlos, wie sie erschienen war, hinterließ nichts als einen kalten Luftzug. Baby Saja blieb allein zurück, die Worte brannten in ihm. Misstrauen. Abneigung. Das war nicht die Zusammenarbeit, die er erwartet hatte, eher eine Warnung. Er hatte gehört, dass die Huntrix unerbittlich waren, aber Zoey übertraf alles, was er sich vorgestellt hatte.
Er spürte eine seltsame Mischung aus Wut und einer unwilligen Faszination. Was steckte hinter dieser eisigen Fassade? Er wusste nicht, ob er es herausfinden wollte, aber eines war klar: Der nächste unfreiwillige „Aufeinandertreffen“ würde alles andere als einfach werden. Das Vertrauen musste sich diese beiden erbitterten Gegner erst noch verdienen – oder auch nicht.