Prolog
🥀 Emilia 🥀
Es ist still.
Totenstill.
Selbst die Bäume am Ufer wirken erstarrt – als hätte die Welt den Atem angehalten.
Nur das Knacken des Eises unter seinen Schuhsohlen zerschneidet die Luft.
Ein messerscharfer Ton, der sich tief in meine Eingeweide bohrt.
Ich zucke.
Doch seine Arme halten mich.
Drücken mich an seinen Körper.
Sanft.
Warm.
Wärme, die ich einmal so geliebt habe – und die mich jetzt nicht mehr erreicht.
Ich will schreien, ihn schlagen, ihn zwingen, mich loszulassen.
Doch die Taubheit frisst sich tiefer, bis ich mich fast im Nichts auflöse.
«Alles wird gut, Ems.»
Ein Versprechen.
Ein Schwur – aus Liebe.
Er beugt sich über mich.
Sein Kopf ragt wie ein dunkler Schatten vor dem blutenden Abendhimmel – einem Abend, der keinen Morgen mehr verspricht.
Dann küsst er mich – zärtlich, vertraut.
Sein Geschmack dringt in mich wie eine bittersüße Erinnerung.
Ein Echo unserer gemeinsamen Zeit.
Wir hatten so viel.
Warum muss es so enden?
«Bitte.»
Nur ein Windhauch.
Mehr nicht.
Er lächelt, streicht eine einzelne Träne von meiner Wange.
«So wird es nicht weh tun», flüstert er.
Er glaubt daran.
Das macht es noch erschütternder.
Meine Finger verkrampfen sich in seiner Jacke.
Ich will mich festhalten, doch er löst sie sanft.
Legt mich ins Wasser.
Mit einer Zärtlichkeit, als wäre ich das Kostbarste der Welt.
Als wäre dies einfach unausweichlich.
Die Kälte trifft mich wie tausend Nadelstiche.
Mein Atem entweicht in einem leisen Keuchen – dann ist es still.
Ich sehe ihn an.
Mit weit aufgerissenen Augen.
Wissend, dass er das Letzte ist, was ich sehen werde.
Sein Blick ist schmerzerfüllt.
Verloren.
So wie ich.
«Ich bin gleich bei dir. Versprochen, meine wilde Rose.»
Aber ich bin nicht seine Rose.
Ich bin Emilia Rogers.
Und ich gehöre nur mir.
Dann lässt er los.
Das Wasser zieht mich hinab.
Die Oberfläche flackert silbern.
Meine Finger krümmen sich, als könnten sie das Licht festhalten – doch es wird kleiner.
Und kleiner.
Wandelt sich zu Schatten.
Schatten zu Nichts.
Ich will kämpfen.
Doch mein Körper weigert sich – er weiß längst, was ich nicht akzeptieren will:
Es ist vorbei.
Und als die Schwärze an mein Bewusstsein klopft,
mein letztes Ausatmen mich in die Tiefe reißt,
bleibt ein Gedanke.
Brennend.
Schmerzhaft.
Es tut mir leid …
ich hätte dir vertrauen sollen.
Nicht ihm.