Lagging Hearts

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Summary

Sie ist die Blume, die sich nicht traut zu blühen. Er will das Mädchen kennenlernen, mit der er täglich Zeit verbringt. Seit drei Jahren kennen sich Ella und Spencer aus dem Online Spiel - Fallen Kingdom- Seit drei Jahren haben sie täglich Kontakt. Sie schreiben, telefonieren und zocken zusammen. Nur gesehen haben sie sich noch nie. Obwohl sie in der selben Stadt wohnen lehnte Ella jegliche Frage nach einem treffen ab, bis er plötzlich vor ihr steht.

Status
Ongoing
Chapters
15
Rating
5.0 1 review
Age Rating
16+

Prolog - Ella

- Fünf Jahre zuvor –


„Findest du es nicht langsam albern mit diesem Kinderkram? Willst du das die Leute reden?“. Genervt sah ich Mom an, die perfekt gestylt im beigen Lougesessel saß und ihr Klatschmagazin fixierte. Ihr rotes Hermés Kleid im Hemd-Stil und den weißen Slingback Ballerinas von Valentino ließen sie elegant aussehen. „Was meinst du?“, fragte ich, obwohl ich die Antwort bereits kannte. Zwanghaft hielt ich die neuen Mangas vor der Brust, als könnten sie mich vor den Worten schützen, die sie mir gleich an den Kopf warf. Sie sah nicht einmal hoch, als sie weiter sprach. „Ich meine die Kinderhefte die du ständig kaufst. Du solltest dich lieber um die Schule kümmern. Und wann hast du das letzte mal in den Spiegel geschaut? Du läufst herum wie die Menschen aus dem Brennpunkt Viertel“. Ich schluckte, als ihr strenger Blick mich traf.

Du bist nicht gut genug.

Du machst Probleme.

Du bist anders.

Ich trug einen unbedruckten hellblauen Hoodie und eine schwarze ausgewaschene Jeans. Meine weißen Sneaker sahen vom vielen Tragen abgenutzt aus und die Haare hatte ich zu einem wilden Knoten zusammen gebunden. Ich versuchte auszusehen, wie alle fünfzehnjährigen in meinem Alter. In der Schule war ich bereits das merkwürdige Mädchen mit den merkwürdigen Interessen. Ich las gerne Mangas und liebte es, Animes zu schauen. Fieberte jeden Sonntag entgegen, wenn die neuste Folge von Tokyo Ghoul online kam. Verprasste mein Taschengeld für Bücher und Second Hand Kleidung, um die teuren Fummel meiner Mom zu entgehen, die sie ständig für mich bestellte. „Ich trage normale Sachen und es sind keine Kinderhelfte. Es sind Mangas“. Mom hörte mir nicht einmal zu, als sie aufstand und mich musterte. Wie Säure brannte ihr verächtlicher Blick auf der Haut. Kalter Schweiß bildete sich an meinem Nacken.

Beruhig dich Ella.

„Nachher kommen wichtige Geschäftspartner deines Vaters. Blamier uns nicht“. Ihr ernster Blick duldete keine Widerworte. „Und zieh dir etwas Langärmliges an. Ich will nicht das die Leute es sehen“. Ihre Worte stachen wie heiße Nadeln mitten ins Herz. Obwohl ich nicht zum ersten Mal diesen Satz hörte, schmerzte es immer wieder ein bisschen mehr. Jeder neue Spruch riss die alten Wunden, die ihre Worte verursachten, wieder auf. Heiße Tränen brannten in meinen Augen und ich kämpfte fieberhaft gegen an, sie nicht gewinnen zu lassen. Sie sahen es. Sie bemerkten mein selbstzerstörerisches Verhalten. Seit ich mich erinnern kann, war ich ständig ihrer Kritik ausgesetzt. Jedes Kleidungsstück, jeden Krümel, den ich aß, jedes Hobby, das ich ausprobierte. Ich war nie für etwas gut genug. Dieses schleichende Gefühl von Leere, die mein Herz vergiftete.

Sie wissen von den Narben

Es ist ihnen egal

Du bist nicht gut genug

„Mom?“ Mit gesenkten Kopf blieb ich reglos stehen. Sah sie mich weiter mit ihrem strengen Blick an? War sie angewidert von mir? Sie atmete tief durch und kam einen Schritt auf mich zu. „Was ist?“ Sie war es Leid, über diese Themen zu sprechen. Und ich war müde. So müde. Ich lächelte ihr zu, ehe ich den Raum verließ. „Schon gut. Ich werde mich nun für heute Abend fertig machen“.

Neben meinen Eltern begrüßte ich die Gäste meines Vaters. Der Himmel schimmerte in rötlichen und orangenen Farben wie ein zerlaufenes Bild an einer Leinwand. Es hatte etwas melancholisches und beruhigendes, wie die letzten Sonnstrahlen den Himmel verabschiedeten.

Dad zeigte mit seinem Blick deutlich, dass das langärmlige blaue Kleid nicht zu seiner Veranstaltung passte. Als Stadtdirektor von New Haven legte er besonderen Wert darauf, das alles bis ins kleinste Detail makellos aussah. Von außen betrachtet zumindest. Ich lächelte den Gästen zu und hoffte inständig, dass die Fassade standhielt. Nachdem der Empfang sein Ende fand und Dad seine Rede hielt, erzählte er, wie glücklich und perfekt unsere Familie war. Wie stolz er auf mich war und sich freute, unterstützt zu werden.

Alles Lügen.

Seine Kollegen, Geschäftspartner und Freunde klatschen. Ich hielt das Sektglas fest umklammert und lächelte gezwungen. Gleich würde es vorbei sein. Während er allen zuprostete, setzte ich mein bestes aufgesetztes Lächeln auf und kippte den Inhalt des Glases hinunter. Ohne große Aufmerksamkeit zu erregen entschuldigte ich mich und lief hinein ins Haus. Mein blaues Kleid fühlte sich wie ein viel zu enges Korsett an. Die schwarzen Schuhe mit den hohen Absätzen donnerten durch den Flur, als ich eilig den Marmorboden überquerte. Es war zu viel. Ich war zu viel. Ihre Gleichgültigkeit und die Lügen, die sie erzählten, waren zu viel für mich. Im Badezimmer angekommen griff ich nach der mittleren Schublade, nahm die Tücher beiseite und entdeckte den kleinen durchsichtigen Beutel, in dem sich das weiße Pulver befand. Mit zitternden Händen öffnete ich das Päckchen und verteilte das Zeug zu einem geraden Strich. In der anderen Hand hielt ich eine Plastikkarte, mit der ich die Linie korrigierte. Wie ein glückliches Kind an Weihnachten lehnte ich mich über den weißen Stoff und inhalierte es mit einem kleinen Röhrchen durch die Nase. Gleich würde ich mir um nichts mehr Sorgen machen müssen, solange die Wirkung anhielt. Ich drehte mich um und lehnte mich an den Badewannenrand, um den Rausch abzuwarten. Es war nicht meine erste Dosis und würde wahrscheinlich nicht die letzte an diesem Abend werden. Wie verkorkst war bitte mein Leben, wenn ich hier saß, in einem teuren Abendkleid sitzend auf den Badezimmerfliesen und mich zudröhnte, weil ich es anders nicht mehr aushielt? Noch einmal drehte ich mich zum weißen Stoff herum und zog die nächste Linie durch die Nase. Plötzlich hörte ich das klopfen an der Tür, was mich zusammenzucken ließ. Scheiße. Scheiße. Scheiße. „Ella bist du da?“ Luc, mein bester Freund und Cousin stand auf der anderen Seite der Tür. Wie im Galopp polterte das Herz in meiner Brust los. Wenn er wüsste, was ich hier tat, würde er mich mit Sicherheit hassen. „Ich komme sofort“, stotterte ich und beeilte mich, die Karte und das Röhrchen in die Tüte zu stopfen. Kalter Schweiß rann mir die Stirn hinunter und als ich zu schnell auf stand, wusste ich, dass es ein Fehler war. Meine Sicht verschwamm. Alles drehte sich. Ich griff nach dem Waschbecken, um halt zu finden, rutschte ab und fiel zu Boden. Ungebremst landete ich auf den kalten Fließen. Ruckartig sprang die Tür auf und Luc fluchte, als er mich am Boden liegen sah. Panik und Angst ergriff mich. Das Tütchen lag direkt vor uns. „Scheiße Ella was ist passiert?“ Er kniete sich hin um mir aufzuhelfen. Ich versuchte, nach dem Stoff zu greifen, doch ich war zu langsam. Er schnappte sich den Beutel und wusste sofort, dass sich darin kein Brausepulver befand. Tränen liefen mir übers Gesicht, als ich mich aufrichtete. Etwas Warmes tropfte aus meiner Nase, als ich den Kopf gereckt hielt und ihn ansah. Eine Mischung aus, Angst, Trauer und Wut zeichnete sich in seinem Gesicht ab. „Gib es mir“,flehte ich ihn an und streckte meine Hand aus. „Ist das dein Ernst? Seit wann? Seit wann nimmst du diese scheiße?“. Sein wütender Tonfall ließ mich zusammenzucken. Vor Angst gelähmt starrte ich ihn an. Er wird mich dafür hassen. „Ich..“,setzte ich an. „Bitte hass mich nicht“, wisperte ich, ehe sich alles in mir zusammenzog. Verzweifelt drückte ich die Hand auf den Brustkorb, spürte, wie sich meine Lungen verkrampften. Etwas stimmte nicht. Panisch sah ich Luc an, versuchte irgendwie Luft in meine Lungen zu pumpen, doch es passierte nichts. Instinktiv griff Luc nach mir, hob mich hoch und rannte los. Panisch schrie er nach Hilfe. Ich bekam keine Luft, während mein Herz aus dem Takt geriet. Mir war warm und kalt zugleich. Übelkeit ergriff mich. Ich schloss die Augen, bemerkte am Rande meiner Wahrnehmung, wie Luc meinen Körper förmlich auf den Boden warf und an mir rüttelte, mich anschrie. Immer und immer wieder, bis ich nichts mehr wahrnahm.