Aus dem Nichts

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Summary

Dunkelheit, Kälte, Enge. Ich weiß nicht, wo ich bin, verliere mich selbst. Jeder Tag bringt das ständige Gefühl, ausgeliefert zu sein. Aus dem Nichts erzählt von Angst, Körperlichkeit und dem Überleben in einer Welt, die weder Gnade noch Antworten kennt.

Status
Complete
Chapters
14
Rating
5.0 6 reviews
Age Rating
18+

Kapitel 1

Als ich zu mir kam, war ich umgeben von Dunkelheit. Die mir so vertraute Wärme und Geborgenheit war wie weggeblasen; stattdessen erfüllten Gestank und Kälte die Luft. Es war, als hätte man mir den einzigen Ort genommen, an dem ich aufgehoben gewesen war, und mich in ein Nichts gestoßen, das jede Spur von Vertrautem verschluckte.

Der Boden unter mir war hart und glatt, kalt wie Stein. Ich lag in meinen eigenen Ausscheidungen, und der beißende, süßlich-faulige Geruch drang mir in Nase und Kehle, als wollte er mich ersticken. Für einen Moment fragte ich mich, ob es wirklich nur meine eigenen Überreste waren, die mich umgaben – oder ob schon etwas Fremdes dazwischenlag. Der Gedanke ließ meinen Magen rebellieren, ich wollte würgen, kotzen, mich befreien. Doch der Körper gehorchte nicht, er bäumte sich nur innerlich auf, während ich schwach und schutzlos auf dem Boden lag.

Die einzelnen Härchen meiner Arme und Beine stellten sich auf, die Kälte kroch von meinem Unterleib hinauf bis zu meinem Nacken, wo meine Muskeln sich schmerzlich verkrampften. Mein Herz raste, als wüsste es etwas, das mir noch verborgen blieb. Ich war orientierungslos, konnte nicht unterscheiden, ob die Dunkelheit nur um mich war oder auch in mir. Schutzlos ausgeliefert – und ich wusste nicht einmal, an wen oder an was ich ausgeliefert worden war.

Ich wollte zurück – zurück an den Ort, den ich gerade erst verloren hatte. Doch dieser Schein lag so unendlich weit entfernt, dass mir die Angst in die Glieder fuhr. Eine Angst, so tief, wie ich sie nie zuvor gespürt hatte. Sie stieg aus meinen Eingeweiden empor, kroch durch jede Ader und entwich schließlich meinem Körper aus jeder Pore. Ich bebte, zitterte, schloss die Augen, doch die Dunkelheit war ohnehin schon vollkommen.

Dann spürte ich einen Griff. Hart, grob, zielgerichtet. Etwas packte mich am Bein. Man riss mich hoch und warf mich in eine Kammer. Ich schlug auf, hart, schutzlos. Der Aufprall ließ mich spüren, wie wertlos ich zu sein schien. Es war egal, ob ich verletzt oder unversehrt den Boden erreichte – mein Leben war hier für keinen relevant genug, um auf mich achtgeben zu müssen. Orientierungslosigkeit überfiel mich wie eine Welle. Noch ehe ich einen klaren Gedanken fassen konnte, schlossen sich Wände um mich, kalt, unbeugsam, unüberwindbar.

Eine Weile lag ich nur da. Meine Gedanken taumelten von Frage zu Frage. Wo war ich? Warum hier? Wie lange schon? Ich wusste nicht, wie viel Zeit vergangen war. Vielleicht nur ein Atemzug. Vielleicht eine Ewigkeit.

Dann geschah etwas Unerwartetes: Über mir flammte eine Lampe auf. Ein rotglühendes Licht ergoss sich in die Kammer, warm und fast trügerisch sanft. Ich blinzelte, duckte mich, versuchte der plötzlichen Helligkeit zu entkommen. Doch es gab keinen Schatten, keine Flucht, nur das rote Licht, das mich wie ein fremder Blick fixierte.

Ich kauerte mich zusammen, presste die Glieder dicht an meinen Körper. Das Licht wirkte seltsam beruhigend auf mich. Es spendete mir Wärme in einer Atmosphäre, die alles andere als wohlwollend war. Wie ein falsches Versprechen legte es sich über mich, schmeichelnd und zugleich verräterisch. Es dauerte nicht lange, bis mich schließlich der Schlaf übermannte.

Ein dumpfes Geräusch riss mich wieder aus meinen Träumen. Erst fern, dann rhythmisch. Eine Klappe öffnete sich und fiel wieder zu, mit einem festen Schlag. Wieder und wieder, lauter und näher, bis auch meine Kammer erreicht wurde. Ein Ruck, ein Schaben, und etwas fiel vor mir auf den Boden.

Ich roch daran. Ein Geruch, den ich nicht kannte. Scharf, fremd, schwer. Zögernd stupste ich es an. Es war weich und doch widerständig, als wäre es dazu gesmacht mir zu zeigen in welcher Lage ich mich hier befand. Meine Zähne schoben die groben Stücke der mir so fremden Nahrung im Mund hin und her. Ich spürte, wie der Hunger an mir nagte und ich keine Wahl hatte, diese Mahlzeit – wo sie schon einmal vor mir stand – ausfallen zu lassen. Etwas im Magen zu haben war ein befriedigendes Gefühl und nahm mir die dadurch entstandenen Schmerzen.

Beim Essen stieß ich gegen etwas Metallisches. Ein kleiner Trog, in dem sich Wasser sammelte, sobald ich Druck auf ihn ausübte. Erst verstand ich nicht, dann begriff ich instinktiv: Ich musste es selbst hervorrufen, meine Not bestätigen, bevor sie gestillt wurde. Das Wasser war kühl und schmeckte nach Eisen. Ich trank, als sei es das Einzige, das mich an Leben band.

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