Silent Obsession

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Summary

„Er ist mein Boss. Mein Fehler. Meine Obsession." Gideon Thorne ist das Gesicht von Macht und Gefahr - eiskalt, diszipliniert, gnadenlos. Sein Imperium ruht auf Blut, Schweigen und Geheimnissen, die niemand ungestraft berührt. Er ist es gewohnt zu nehmen, was er will - und niemand stellt diese Regel infrage. Elise Laurent wollte nur Sicherheit, einen Neuanfang. Doch der Job, den sie annimmt, wird zu einem Käfig. Je näher sie Gideon kommt, desto deutlicher spürt sie, dass sie nicht einfach eine Angestellte ist - sondern ein Besitz. Aus Faszination wird stille Obsession. Aus Anziehung wird Abhängigkeit. Und aus Elise' Sehnsucht nach Liebe wird die Waffe, mit der Gideon sie an sich bindet. Doch ist es wirklich Liebe - wenn einer nur nimmt und der andere immer mehr verliert?

Status
Ongoing
Chapters
57
Rating
5.0 7 reviews
Age Rating
18+

Prolog

Der Schlüssel zittert in meiner Hand, als würde er mich warnen. Dreh nicht. Aber meine Finger gehorchen nicht. Metall trifft Metall, das Schloss klickt, und die schwere Tür schwingt auf.

Gideons Haus. Nein – unser Haus, wie er es nennt. Ich habe diesen Begriff nie benutzt. Für mich war es nie ein Zuhause. Für mich war es ein Käfig.

Die Tasche auf meinem Rücken schneidet mir in die Schultern. Zu schwer. Sie trägt alles, was ich habe, alles, was ich retten wollte, bevor er es mir nehmen konnte. Doch jetzt drückt sie wie ein Beweisstück meiner Schuld, meiner Angst.

Ich gehe hinein. Meine Schritte hallen auf dem Marmorboden, laut, wie kleine Geständnisse. Der Kamin im Wohnzimmer brennt, Flammen tanzen, Holz knackt. Es riecht nach Rauch, nach Whiskey – nach ihm.

Und da sitzt er. Natürlich. Gideon Thorne. In seinem Ledersessel, die Beine übereinandergeschlagen, ein Glas in der Hand. Er sieht nicht überrascht aus. Er sieht nie überrascht aus.

„Du bist spät." Seine Stimme schneidet durch den Raum. Ruhig. Zu ruhig.

Mein Herz hämmert. Ich hasse es, dass allein der Klang seiner Stimme meine Haut elektrisiert. Ich balle die Fäuste. „Daniel..." Meine Kehle verengt sich. Ich zwinge die Worte heraus. „Er liegt auf der Intensivstation. Ein Unfall. Du... du warst es, oder?"

Er hebt den Blick. Grau-blaue Augen fixieren mich. Augen, die jede Wahrheit verzerren, bis ich selbst nicht mehr weiß, was echt ist.

Ein leises Lächeln. Kalt. „Interessant, dass du sofort zu mir kommst. Dass du glaubst, ich hätte etwas damit zu tun." Er neigt den Kopf. „Oder hoffst du das?"

„Hoffen?" Mein Atem stockt. „Er könnte sterben, Gideon!"

„Und dennoch stehst du hier." Er nippt an seinem Glas, als sei ich nur eine weitere Figur in seinem Schachspiel. „Mit einer Tasche auf dem Rücken."

Sein Blick wandert hinab. Mein Körper spannt sich an. Die Tasche. Ich fasse unbewusst an den Riemen, als könnte ich sie verschwinden lassen.

„Wolltest du etwa gehen?"

Meine Kehle ist trocken. „Das... das hat nichts damit zu tun."

Sein Lächeln wird breiter. „Alles hat damit zu tun. Du lässt Daniel in dein Leben, du packst deine Tasche – und jetzt stehst du hier und verlangst Antworten. Als wärst du das unschuldige Opfer."

„Er ist nur ein Freund!" Meine Stimme überschlägt sich. „Ein Freund, der nichts mit uns zu tun hat!"

Er lacht. Tief, gefährlich. „Nur ein Freund? Der dich ansieht, als wärst du sein Ein und Alles? Du nennst das Freundschaft?"

„Ja!" Ich schreie. „Nicht jeder will besitzen, Gideon! Nicht jeder ist so krank wie du!"

Stille. Schwere, tödliche Stille. Dann stellt er sein Glas ab. Steht auf. Langsam. Berechnend. Jeder Schritt ist ein Schlag gegen meine Rippen, bis er vor mir steht.

So nah, dass ich seinen Duft rieche. Teures Aftershave, Rauch, etwas Dunkles, das ich nur mit ihm verbinde.

Seine Hand streift die Tasche. „Flucht", murmelt er. „Ich wusste, dass du es irgendwann versuchen würdest. So lächerlich vorhersehbar."

Ich presse die Lippen zusammen. Ich will es nicht sagen, aber es brennt in mir, reißt sich heraus wie eine Wunde.

„Ich bin schwanger."

Sein Gesicht verändert sich kaum. Nur ein Blinzeln. Ein kaum sichtbarer Riss. Dann – ein Lächeln. Eines, das mir das Blut in den Adern gefrieren lässt.

„Natürlich bist du das."

Die Welt kippt. „Was?"

„Ich wusste es längst." Seine Stimme ist samtig, grausam. „Du dachtest wirklich, ich merke es nicht? Elise... ich sehe alles. Immer."

Meine Beine zittern. „Du wusstest es... und hast nichts gesagt?"

„Warum sollte ich?" Seine Hand streift meinen Bauch. Zärtlich, besitzergreifend. „Du gehörst mir. Und jetzt erst recht."

„Du hasst Kinder." Meine Stimme ist ein Flüstern. „Du hast immer gesagt, sie sind schwach, eine Last—"

„Kinder sind irrelevant." Seine Augen glitzern. „Aber du bist es nicht. Dieses Kind macht dich untrennbar von mir."

Tränen steigen mir in die Augen. Ich reiße mich los. „Das stimmt nicht! Ich wollte... ich wollte Liebe, Gideon. Eine normale Liebe!"

Er lacht. Ein Laut ohne Freude. „Es gibt keine normale Liebe. Nicht für uns."

Etwas in mir zerreißt, so lautlos, dass es niemand hören kann — nur ich. Ich sehe mich wie aus einer fremden Perspektive: eine Frau mit dieser verdammten Tasche, gefangen neben einem Mann, der alles, was ich war, vergiftet hat. Und in diesem Riss meiner selbst wächst ein Gedanke, schneidend und klar: Es reicht.

Ein Funken schneidet ins Blickfeld. Ich drehe den Kopf, und da liegt es: das Messer. Auf dem niedrigen Tisch, gleich neben dem Glas. Whiskey und Stahl, zwei Spiegel derselben Wahrheit. Das Feuer im Kamin kriecht über die Schneide und zeichnet Adern aus Licht, als wären sie mit Blut gefüllt. Es atmet, es lebt — oder ich bilde es mir nur ein.

Meine Brust schmerzt, als wäre dort ein Hohlraum, der zu kollabieren droht. Ich starre auf die Klinge, nicht weil ich weiß, was ich tun soll, sondern weil diese Müdigkeit mich auffrisst, von innen her, Knochen und Haut.

Müde von seinen Spielen. Müde von den Schatten, die er auf jeden wirft, den ich liebe. Müde davon, wie Daniel in sterile Laken gelegt wurde, sein Werk, sein Stempel. Müde von diesen Nächten, in denen sein Blick mich durchbohrt, bis nicht einmal meine Träume mehr mir gehören.

Meine Hand bewegt sich, bevor ich es bewusst entscheide. Finger um Metall. Kälte in der Haut. Und auf einmal halte ich etwas, das nur mir gehört.

„Elise."

Seine Stimme durchschneidet den Raum, leise, rau, ein Befehl. Nur mein Name – und doch ein Anspruch. Normalerweise reicht das, um mich innehalten zu lassen. Doch nicht heute.

Ein Stoß. Wärme schießt durch meine Brust, mein Atem bricht. Die Welt kippt.

„Nein!"

Sein Schrei füllt den Raum, tief, wütend, nicht verzweifelt – wütend. Das Glas zerspringt, Splitter fliegen. In Sekundenbruchteilen ist er bei mir. Hände auf meiner Brust, Druck, Gewalt, als könne er mit purem Willen das Blut zurückzwingen.

„Nicht du." Seine Zähne sind gefletscht, die Stimme dunkel, gefährlich, ein Mann, der es nicht gewohnt ist, dass ihm etwas entgleitet. „Nicht du, verdammt!"

Blut sickert durch seine Finger. Sein Gesicht ist nah, steinern, verzerrt – nicht von Angst, sondern von Raserei, dass die Welt ihm nicht gehorcht.

„Du bist mein," knurrt er. „Niemand nimmt dich mir weg. Nicht mal du selbst."

Seine Augen brennen. Keine Tränen, kein Flehen – nur ein irrer Glanz, ein Funken von etwas, das wie Angst aussieht, aber tiefer sitzt: der Horror, Kontrolle zu verlieren. Zum ersten Mal ist er nicht der unantastbare Herrscher, sondern ein Mann, der kämpft wie ein Tier im Käfig.

Meine Stimme ist schwach, doch sie bricht durch. „Es... tut mir leid."

„Halt den Mund!" Seine Hände pressen fester, härter, er zwingt den Atem in meine Lungen zurück, als könnte er mich mit Gewalt ans Leben ketten. „Du stirbst nicht. Hörst du mich? Du stirbst mir nicht weg."

Das Feuer knackt. Mein Kleid klebt an meiner Haut, nass, kalt. Ich sehe, wie sein Gesicht bebt, wie der Riss in seiner Fassade immer größer wird. Er ruft nach Hilfe, nach Männern, nach Ärzten – Befehle, die sonst Berge versetzen. Jetzt nichts als Echo.

Mein Baby. Ein einziger, leiser Gedanke, heller als alles andere. Es tut mir leid, Kleines.

Seine Hand streift mein Gesicht, blutverschmiert. „Bleib", zischt er, und zum ersten Mal ist es nicht ganz ein Befehl. Zum ersten Mal klingt es wie nackte Angst.

Und das ist mein Trost.

Denn Gideon, der mächtigste Mann der Stadt, verliert gerade.

Nicht an Feinde, nicht an Rivalen.

An mich.

Meine Lider werden schwer. Mein letzter Atemzug ist endlich nur meiner.

Er schreit meinen Namen, aber ich lasse los.

Vielleicht bin ich frei.