PROLOG
Mit zitternder Hand wischt er sich den Schweiß von der Stirn, das graue Shirt klebt feucht an seinem muskulösen Oberkörper. Die Fitnessuhr an seinem Handgelenk blinkt, ihre Zahlen bestätigen, was er längst spürt: er hat seine üblichen fünf Kilometer weit überschritten. Doch anhalten kann er nicht. Nicht, wenn die Müdigkeit der letzten Nacht ihm noch in den Knochen sitzt. Kaum Schlaf. Zu viele Gedanken. Zu viele Schatten. Arbeit. Verpflichtungen. Und immer wieder diese Albträume. Bilder, die sich wie Brandnarben in sein Unterbewusstsein brennen.
Fluchend fährt er sich mit den langen Fingern durch das dichte, dunkle Haar, wobei der graue Ansatz an den Schläfen sichtbar wird – ein stummes Zeugnis der Jahre, die er sich nie gönnte. Wären da nicht diese verfluchten Träume… vielleicht könnte er sich für einen Moment Frieden erlauben. Aber so ist es nun einmal. Er lebt mit den Geistern, die in den Nächten wie hungrige Tiere an seinem Verstand nagen.
Seine Lungen brennen, doch er zwingt sich zu einem tiefen Atemzug, während der Horizont langsam Feuer fängt. Die Sonne schiebt sich über die Dächer von Dallas, gießt ihr goldrotes Licht über Stahl, Glas und Asphalt. Die Stadt erwacht in einem Rausch aus Licht und Lärm, der Geruch von Öl, Beton und heißem Asphalt dringt ihm in die Nase – ein Duft, der Macht und Gier verheißt. Vielleicht sollte er heute früher ins Büro…
Der Gedanke entlockt ihm ein hartes, tonloses Lachen. Gestern hatte Mayra, seine Assistentin, berichtet, dass ein Praktikant beginnen würde. Ein Praktikant. Ausgerechnet er soll sich mit so etwas herumschlagen. Der letzte hatte keine Woche durchgehalten – Tränen in den Augen, die Stimme gebrochen, als er das Gebäude verlassen hatte. Und jetzt? Alles wieder von vorn. Ein weiterer Name. Ein weiterer Versuch. Ein weiterer, der unter seinem Blick zerbrechen wird.
Er schließt die Augen für einen Moment, spürt die brennenden Muskeln, den Schweiß auf der Haut, und lässt die Gedanken schweifen. Vielleicht ist es die Müdigkeit, die alles überhöht. Vielleicht ist es die Unruhe, die in ihm nistet, seit die Träume angefangen haben. Aber die Wahrheit kennt keine Ruhe, kein Erbarmen. Jeden Tag dieselbe Maske, jeden Tag dieselbe Kontrolle. Menschen fallen, Pläne scheitern, und er bleibt – unverrückbar, unnahbar, unerschütterlich.
Als er den nächsten Schritt setzt, hört er den entfernten Lärm der Stadt – hupende Autos, die ersten Lieferungen, die sich durch enge Straßen quetschen, Stimmen, die in der Ferne durcheinanderklingen. Alles wirkt lebendig, pulsierend, und gleichzeitig einsam. Ein eigenartiger Zwiespalt, der ihn schon sein ganzes Leben begleitet.
Er spürt die Schatten der Nacht noch auf seiner Haut, aber auch die erste Wärme des Morgens, die verspricht, dass ein weiterer Tag beginnt. Ein Tag voller Entscheidungen, voller Menschen, die sich ihm ausliefern werden – freiwillig oder nicht. Und während er weiterläuft, Schritt für Schritt, Herzschlag gegen Herzschlag, weiß er: Es gibt keinen Ausweg aus den Albträumen. Nur die Kontrolle. Nur die Macht. Und das kalte, unbarmherzige Wissen, dass niemand unter diesem Himmel unversehrt bleibt.
Er atmet noch einmal tief ein, öffnet die Augen, die Sonne blendet ihn, und ein knappes Lächeln huscht über sein Gesicht. Heute wird wieder ein Tag werden, an dem er alles fordert. Und alles bekommt. Oder es zerbricht.









Der Einstieg ist Dir schon einmal gut gelungen und es hat mich so überzeugt, dieses Buch in meiner Leseliste aufzunehmen 🤣🤣🤣🤣🤣