1 Kapitel
Die Sonne scheint hell vom klaren blauen Himmel, doch meine schlechte Laune bleibt. Ich kann den Gedanken nicht loslassen, wie ich meinen Ex-Verlobten mit einer anderen attraktiven Frau erwischt habe, als ich früher als sonst von der Arbeit nach Hause kam. Sonst hätte ich vielleicht nie erfahren, dass er mich betrogen hat. Die Frau hat mir sogar angeboten, mitzumachen, was mich neugierig gemacht hat, aber ich würde meinen Partner niemals teilen. Vertrauen und offene Kommunikation sind uns wichtig, Dinge, die ihm völlig fremd sind. Wir hätten in zwei Monaten heiraten können, aber ehrlich gesagt, ist das vielleicht nicht mehr möglich. Das alles passierte vor drei Wochen. Trotzdem ist das Wetter in Sizilien heute schön und warm, und es gibt viel zu sehen. Das fabelhafte Meer, hohe Berge, einzigartige Orte und tolle Menschen. Vor allem lebe ich in der Nähe des Meeres in einem traumhaften Haus im Dorf meiner besten Freundin. Was will man mehr?
Ich beschließe, durch die Gegend zu spazieren und mich überraschen zu lassen, was der Tag bringt, aber ich möchte keine Männer treffen, da ich keine neue Beziehung eingehen möchte. Mein Magen knurrt, und ich sehne mich schon sehr lange nach Arancini. Ich finde einen Laden in der Nähe, der sie verkauft, und stille meinen Hunger.
Nachdem ich gegessen habe, spüre ich, dass ich beobachtet werde. Eine unglaubliche starke Präsenz, die mich erschüttert, und es ist der attraktive Mann in dunkler Kleidung. Dieser Mann steht auf einem schmalen Gang, der zum Meer führt. Er trägt ein schwarzes Kurzarmhemd, das seine muskulöse Brust zeigt, eine breite goldene Kette und dunkle Chinos mit Business-Schuhen. Er ist wirklich attraktiv, aber ich erinnere mich daran, dass ich keine Männer in meinem Leben möchte. Selbst nicht einmal den attraktivsten Mann der Welt.
Seine Schritte nähern sich direkt in meine Richtung, während ich in Gedanken versunken bin. »Ciao bella. So ein wunderschönes Gesicht habe ich hier noch nie gesehen. Bist du neu hier?« entgegnet er. Seine dunklen Augen durchdringen mich, und das macht mich sehr nervös. Will er mir den Atem rauben, dass ich kaum antworten kann? Elisa, reiß dich zusammen, lass ihn nicht länger hängen lassen. Er darf nicht das Gefühl haben, dass ich ihm hilflos ausgeliefert bin mit seiner starken Präsenz. Das ist peinlich, also muss ich mich gefälligst zusammenreißen. »Ich lebe hier seit zwei Wochen mit meiner besten Freundin. Echt verrückt, dass ich die einzige bin, die du nicht kennst«, antworte ich trocken. Wenn ich unsicher bin, bin ich entweder sarkastisch oder dumm, die ihr Gehirn raushängen lässt. Oder beides. Trotz des Smalltalks muss ich hart bleiben und mich nicht von seiner Attraktivität beeinflussen lassen. Seine Augen bleiben starr, er grinst leicht und fährt sich durch die schwarzen Haare. »Ich verstehe. Nun kennt jeder aus diesem Dorf mich. Schließlich habe ich dieses Dorf als mein Revier markiert. Also sollte ich hier jeden kennen. Es ist nur eine Frage der Höflichkeit.« Sein Ton wirkt noch trockener als meiner. Meine Augen weiten sich, mein Mund bleibt offen, dass mir jedes Wort fehlt. Jeder kennt ihn? Sein Revier, sein Dorf? Wer ist denn bitte dieser Typ? Langsam ist mir hier alles sehr unangenehm. Ich will ohne nachzudenken von hier verschwinden. Aber seine Anziehungskraft hält mich hier gefangen, wie eine Katze, die ihre Maus keine Möglichkeit gibt zu entfliehen.
»Du überrumpelst jeden, der dir fremd ist, nur weil derjenige dein sozusagen Revier betritt? Da bleibe ich eben lieber die Unbekannte dieses Dorfes, die einfach nur hier und da genießen will. Jeder kann im Dorf tun und lassen, was er will. Jeder hat das gleiche Recht.« Ich weiche ihm aus und wedele mir braune Haare aus dem Gesicht. Ich schenke ihm keine Beachtung und halte die kühle Distanz zu ihm. Seine schönen Zähne zeigen sich mehr, und er lacht tief, als ob er mich nicht ernst nimmt. Er scheint sich nicht um die Meinung anderer zu kümmern. Er ist wirklich ein selbstverliebtes Arschloch. Der selbstverliebte Mann nimmt eine letzte Zigarette, entzündet sie, während sich sein muskulöser Unterarm mit Tattoos spannt. Sein Selbstvertrauen scheint überdimensional. Er raucht mit einem frechen Grinsen, das zeigt, dass er nicht aufhören kann. Der schadenfrohe Tünnes hat sie wirklich nicht mehr alle! Meine Augen rollen genervt. Warum sollte ich es mir weiter antun? Ich habe genug von Möchtegern-Macho-Idioten. Mit einem schnelleren Modelabgang wende ich mich von ihm ab und verschwinde, schneller, als er etwas sagen kann.