Prolog
Müde starre ich die kahle Wand vor mir an. Kein Fetzen Tapete klebt darauf. Ob sich dort überhaupt mal welche befand? Bestimmt nicht. Ich erkenne zwar in der Dämmerung nicht viel, aber es ist zu behaupten, dass es der Tatsache entspricht.
Leise seufze ich auf und wische mir Tränen des Zorns von den Wangen. Dann holte ich tief Luft, probiere einen klaren Gedanken zu fassen. Nur einen kleinen. Ich muss nachdenken. Ich sollte nachdenken, was ich nun als nächstes tue. Denn hier in diesem Raum, mit einem kleinen Fenster, kann ich nicht bleiben. Niemals. Alles würde ich daransetzen, um wieder herauszukommen. Keiner hält mich davon ab, auch wenn das womöglich noch mehr Chaos anrichten wird. Aber ich lasse mich nicht einsperren.
Trotz meiner Wut, bin ich innerlich zerrissen, weiß nicht mehr, was ich überhaupt dazu denken soll, so verkorkst ist mein Leben im Moment. Und dann auch noch er... Wie kann er es nur wagen, die Tür von außen zu verriegeln, sodass ich hier festsitze? Arschloch, denke ich, springe auf meine wackeligen Füße und versuche das Gleichgewicht wiederzufinden, da ich mich zu schnell aufrichte.
Ich bin wahnsinnig sauer auf diesen Idioten. So lasse ich nicht mit mir umspringen. Hinzukommend fühle ich mich eingeengt. Die Wände scheinen mich erdrücken zu wollen. Grau um Grau. Dieses winzige Fenster, was so klein ist, dass ich gerade so hindurch passe, spendet aus diesem Winkel so viel Mondlicht, dass man bloß die Hand vor Augen erkennt; nicht mehr.
Mein Blick fällt nach oben an die Decke. Stromkabel hängen in wenigen Zentimetern aus kleinen Löchern. Hier ist rein gar nichts in diesem Raum. Nur die Matratze. Auch, wenn sie neu ist, fühle ich mich deswegen nicht unbedingt besser. Ich bin eingesperrt. Darüber freut sich natürlich keiner. Hart balle ich meine Hände zu Fäusten, sodass es knackt. Ich werde meinen Arsch schon hier herausbekommen. Da ist er falsch gewickelt, wenn er tatsächlich glaubt, mich so unter Kontrolle zu kriegen, bloß weil ich nicht nach seiner Pfeife tanze. Das würde ich bei niemandem. Erst recht nicht bei ihm. Auch er muss das irgendwann kapieren und ich öffne geräuschlos das Fenster.
Ich überlege hin und her, ob ich es wagen soll. Nach unten sind es mindestens fünf Meter. Falls ich doch hinausklettere und dabei abrutsche, dann wars das bestimmt mit mir gewesen. Doch ich bin definitiv zu stur, um mich wie ein Stück Scheiße behandeln zu lassen. Keiner springt so mit mir um. Verbissen knabbere ich auf meiner Unterlippe herum. Soll ich es wirklich wagen nach unten zu klettern? Der Mut treibt einen ja manchmal zu komischen Dingen. Jedoch ist es bei mir nicht der Mut, sondern eher die Verzweiflung, die mich zu dieser Entscheidung hinreißen lässt.