Prolog
Der Schmerz, den man immerzu zu unterdrücken versucht, vergeht nicht einfach.
Er bleibt ... wandelt sich …
... wird zu etwas Tieferem.
Zu einer Stimme, die in den stillsten Nächten flüstert,
wenn selbst die Welt den Atem anhält.
Eine Narbe … wie eine Gravur...
... tief ins Herz eingebrannt,
die niemals schweigt.
Ich hätte dich nie lieben dürfen.
Du warst die Grenze, die ich nicht überschreiten durfte.
Die Grenze, die ohne mein Wissen und ohne meine Erlaubnis gesetzt wurde.
Ich erfuhr es erst, als es schon zu spät war und nachdem unsere Welten bereits kollidierten.
Und doch habe ich nie aufgehört, es zu tun.
Ich liebe dich. Hörst du?
Und ich habe nie aufgehört, dich zu lieben.
Ich hätte es nicht ändern können.
Du hast mich angesehen, als würdest du mich wirklich sehen.
Nicht nur den Wolf. Nicht nur den Krieger. Nur mich … einfach mich.
Du warst der Ort, an dem ich zum ersten Mal ganz war und mich frei gefühlt habe.
Du hast den kleinen schüchternen Jungen zum Vorschein gebracht, der ich tief im Innern war.
Der Junge, der dir sein unschuldiges Herz geschenkt hatte.
Der, der dich nie verletzen wollte.
Aber ich musste dich verlassen, weil ich glaubte, es sei richtig und der einzige Weg, dich zu schützen.
Ich dachte, wenn ich dich verletze, würde es dir helfen, mich zu vergessen …
… es wäre einfacher für dich ...
... doch ich habe mich selbst dabei verloren.
Und ich habe es nicht überlebt, ohne Narben davon zu tragen.
Ich erinnere mich an diesen Morgen.
An den Tag, an dem die Sonne aufgehört hat zu scheinen.
Wie könnte ich das nicht?
Es war der Tag, an dem alles zerbrach.
Die erdrückende Gewissheit, dass es für dich keine Bedeutung hatte, während es für mich der Anfang von allem wurde.
Ich werde dich nicht suchen.
Nicht bitten.
Nicht flehen.
Das Schicksal kennt seine eigenen Wege.
Und dein Weg ist jetzt ... ein anderer …
Nicht meiner. Das war es nie, das habe ich akzeptiert.
Und ich?
Ich versuche, zu überleben.
Du glaubst, du hättest alles hinter dir gelassen.
Aber manches folgt dir,
wenngleich du dich nie umdrehst.
Manchmal träume ich von Augen, die mich ansehen.
Als wüssten sie, wer ich wirklich bin.
Nicht der Alpha.
Nicht der Wolf.
Nur ich.
Ich verstehe es nicht.
Es bereitet mir Kopfschmerzen.
Aber jede Faser meines Körpers schreit danach.
Und manchmal, wenn der Mond hoch am Himmel steht und wenn das Blut unruhig wird, dann heule ich.
Nicht nach dir.
Nicht nach mir.
Sondern nach dem, was ich verloren habe, ohne es je zu kennen.
Hörst du es?
Ein leises, rhythmisches Geräusch, fast überhörbar, aber sie sind da.
Kleine Schritte, die über trockenes Laub huschen.
Zögernd.
Leise.
Und doch geführt von etwas, das tiefer ruft als Worte.