ALINA - Juric Branovic Band 2

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Summary

Band 2 der Juri Branovic Serie . DARK Mafia Romance Story Er sollte ihr Henker sein - doch sie machte ihn zum Gefangenen. „Juric erwacht ohne Vergangenheit –kein Gesicht, kein Gefühl, kein Gestern. Nur ein Befehl bleibt: Die Frau, die behauptet, seine große Liebe zu sein, muss sterben. Der Killer in ihm verlangt Gehorsam, doch ihr Blick entfacht etwas, das stärker ist als jeder Befehl. Zwischen Gang-Blut und verbotener Leidenschaft muss Juric eine Entscheidung treffen – Henker oder Herz... Wie wird er sich entscheiden ?

Genre
Romance
Author
ScaNo
Status
Complete
Chapters
40
Rating
5.0 3 reviews
Age Rating
18+

Matratzenjudo

ALINA ( NEELE )

Eingewickelt in eine Decke saß ich auf dem Sofa unserer New Yorker Wohnung die Olec für uns gemietet hatte .Die Vorhänge waren halb zugezogen, draußen schoben sich graue Wolken zwischen die Hochhäuser, und das ferne Hupen der gelben Taxis drang gedämpft zu mir herauf. Sechs Monate. Ein halbes Jahr, in dem mein Leben stillstand, während die Welt draußen einfach weiterlief.

Alexander war nach seiner Genesung verschwunden. Keiner wusste, wo er war, und ehrlich gesagt interessierte es mich auch nicht. Ich verspürte weder Mitleid noch Wut – er war einfach nicht mehr wichtig. Ein Kapitel, das sich von selbst geschlossen hatte.

An seine Stelle war Dean getreten. Einer von Vinces Männern. Auf den ersten Blick wirkte er wie ein typischer Gauner: ein Schlitzohr, das mit jedem umgehen konnte, immer ein lockerer Spruch auf den Lippen, ständig gute Laune. Aber genau das machte ihn effektiv. Er verstand es, die Leute im Red Reign bei Laune zu halten – sowohl die Angestellten als auch die Gäste. Unter seiner Leitung lief der Club reibungslos, fast schon besser als vorher. Ich musste mir eingestehen, dass er seine Sache wirklich gut machte.

Vince hatte mir damals direkt nach Alexanders Verschwinden angeboten, das Red Reign selbst zu übernehmen. „Der Laden könnte dir gehören, wenn du willst.“ Für einen kurzen Moment hatte ich darüber nachgedacht – nicht, weil es mich reizte, sondern weil es so klang, als sollte es eine Ehre sein. Aber ich lehnte ab. Ich konnte mir nicht vorstellen, jeden Abend im Club zu stehen, während Juric noch immer im Krankenhaus lag, angeschlossen an Schläuche, die ihn am Leben hielten. Der Gedanke allein reichte, um mir das Red Reign unerträglich zu machen. Musik, Alkohol, Lachen – all das passte nicht in mein Leben.

Juric hatte es bei der Schießerei schlimm erwischt. Wir hatten ihn im letzten Moment aus dem Gebäude ziehen können, nachdem Olec Malone und seine Männer niedergeschossen hatte. Ju war schwer getroffen – zwei Kugeln hatten ihn erwischt. Die erste steckte in der Lunge, jeder Atemzug war ein Kampf, begleitet von einem keuchenden, rasselnden Geräusch, das mir bis heute im Ohr nachhallte. Die zweite Kugel, abgefeuert von Clint, hatte seine Milz zerfetzt. Als ich das Blut sah, das unaufhaltsam aus ihm herausströmte, war ich mir sicher gewesen, dass wir ihn verlieren würden.

Es war ein Wunder, dass er überhaupt überlebte. Nur weil die Ärzte sofort reagierten, ihn ohne eine Sekunde zu zögern in den OP brachten und um sein Leben kämpften, atmete er überhaupt noch. Doch das Ergebnis war ernüchternd: Seitdem lag Juric im Koma. Vollkommen reglos, angeschlossen an Schläuche und Maschinen, die seine Organe entlasteten. Niemand konnte uns sagen, ob – oder wann – er wieder aufwachen würde. Jeder Tag brachte dieselbe unsichere Antwort, dieselben ernsten Blicke der Ärzte.

Ich hatte wochenlang sein Zimmer nicht verlassen. Ich schlief neben ihm auf einer schmalen Liege, hielt seine Hand, flehte ihn an, zurückzukommen. Ich aß nicht mehr, trank kaum. Alles in mir war nur noch ein einziger Schrei nach ihm. Bis Olec mich eines Tages wortlos unter Protest hochgerissen und aus dem Krankenhaus geschleppt hatte.

„Verdammt nochmal, Alina, so geht das nicht weiter!“ Seine Stimme war laut gewesen, scharf, aber darunter vibrierte etwas anderes – eine rohe, beinahe hilflose Sorge. „Denkst du, er würde wollen, dass du hier als Schatten umherläufst? Schau dich an! Wenn du so weitermachst, landest du bald selbst im Krankenhaus.“

Olec war ein stiller Typ, einer, der zu Jurics Zeiten kaum aufgefallen war. Er hielt sich im Hintergrund, redete nicht viel und wirkte fast unscheinbar neben Jurics dominanter Präsenz. Erst seit Juric im Krankenhaus lag, sah ich ihn mit anderen Augen.

Er kümmerte sich um mich, fast wie ein großer Bruder – auch wenn in seinen Blicken manchmal etwas mehr lag, als nur reine Fürsorge. Olec brachte mir Tee, legte mir Decken über die Schultern, wenn ich vor Kälte zitterte, und versuchte mich mit trockenen Sprüchen oder unerwartet sanften Worten aufzumuntern. Gleichzeitig verstand er es, mich zurechtzuweisen, wenn ich mich gehen ließ. Er hatte diese Mischung aus Strenge und Fürsorge, die mich einerseits stützte und andererseits immer wieder aus der Reserve lockte.

Aber man hatte auch nicht wirklich den Mut, ihm zu widersprechen. Er hatte diesen Olec-Blick – eine Mischung aus gelangweilter Russenmafia und „Wenn du jetzt diskutierst, grab ich dir eigenhändig ein Loch im Garten.“ Kein Geschrei, keine großen Gesten, nur Augen, die mehr sprachen als tausend Drohungen.

Heute stand er wieder vor mir, mit verschränkten Armen, während ich´auf der Couch vor mich hin starrte. In seiner Hand dampfte eine Tasse Tee. „Hier. Trink das. Danach isst du. Ich hab Nudelsuppe gemacht.“

Es war absurd, aber ich musste lächeln – das erste Mal seit Wochen. Meine Lippen fühlten sich dabei spröde und ungewohnt an, als hätte ich vergessen, wie Lächeln überhaupt funktioniert. „Du… hast gekocht?“

Er nickte knapp. „Ja. Nach russischem Babuschka-Rezept. Es wird dir guttun.“

„Ich mag keine Nudeln“, murmelte ich, halb trotzig, halb müde.

Ein schnaubendes Lachen entwich ihm. „Dann nimm die Nudeln raus und zähl sie. Aber du isst.“

In diesem Punkt ließ Olec nicht mit sich reden. Nie. Und vielleicht war das genau das, was ich brauchte. Während er mir die Tasse reichte, spürte ich, wie die Wärme durch meine Finger in mich hineinsickerte. Ein winziges Stück Leben, das zurück in mich kroch.

Er hatte ja recht. So konnte es nicht weitergehen. Ich war ein Wrack, und wenn ich nicht bald wieder anfing zu leben , dann würde Juric – sollte er je die Augen wieder öffnen – nur noch ein Schatten von mir vorfinden.

Olec hatte mich zwar längst in Jurics Geschäfte eingebunden. Termine, Finanzen, Meetings, Lieferungen – alles lief über uns, und doch… es reichte nicht. Ich brauchte etwas, das nur mir gehörte. Etwas, das mir das Gefühl gab, nicht völlig machtlos zu sein.

Meine Finger glitten über das Handy-Display. Ohne zu wissen, wonach ich suchte, scrollte ich gedankenlos, bis eine Anzeige meine Aufmerksamkeit fesselte: Kampfsportschule Dwayne Zock – Nahkampf, Kickboxen, Schießtraining. Ich tippte auf die Seite, sah Fotos von Trainingshallen, verschwitzten Kämpfern, Schießständen. Ein kleines Lächeln stahl sich auf meine Lippen .

„Was schaust du da?“ Olecs Stimme riss mich zurück in die Realität.

Ich zuckte leicht zusammen, weil er wie aus dem Nichts im Türrahmen stand, die Arme verschränkt, den Kopf leicht zur Seite geneigt. Bevor ich etwas sagen konnte, ließ er sich neben mich auf die Couch sinken – so nah, dass sein Knie meines streifte. Diese Nähe war typisch für ihn: unscheinbar, unaufdringlich, und trotzdem so, dass man plötzlich jede Bewegung doppelt wahrnahm. Ich drehte das Display zu ihm. „Ich dachte… ein bisschen Selbstverteidigung könnte nicht schaden. Vielleicht sollte ich mich—“

Weiter kam ich nicht. Er griff zu, nahm mir das Handy einfach aus der Hand, als wäre es seins. Sein Mundwinkel zuckte, kaum merklich – das war schon fast ein Grinsen, für Olec-Verhältnisse. Dann kam dieser Blick. Der Olec-Blick. So eine Mischung aus genervtem Mafioso und überbesorgtem Babysitter, der genau weiß, dass sein Schützling gerade Blödsinn plant. Ein Blick, der gleichzeitig sagte: „Lass es bleiben.“ und „Widersprich mir bloß nicht.“

„Brauchst du nicht“, sagte er schließlich, mit diesem ruhigen Unterton, der keine Widerrede zuließ.

„Hey, gib das wieder her!“ Ich griff nach meinem Handy, doch Olec hielt es locker außerhalb meiner Reichweite. „Warum brauche ich das nicht? Jeder kann ein bisschen Selbstverteidigung gebrauchen – gerade hier in New York ist es für Frauen nicht ungefährlich… das wissen wir ja bereits!“

Er lehnte sich zurück, als hätte er alle Zeit der Welt, und musterte mich mit diesem halb abwesenden, halb gefährlichen Olec-Blick. „Brauchst du trotzdem nicht.“ Seine Stimme war ruhig, fast schon beiläufig, aber so bestimmt, dass man automatisch spürte, dass es keinen Sinn hatte, dagegen anzureden.

„Olec, ernsthaft!“ Ich verschränkte die Arme vor der Brust, auch wenn das wohl eher trotzig als überzeugend wirkte. „Du kannst nicht vierundzwanzig Stunden am Tag auf mich aufpassen. Und ich muss auch mal raus aus der Wohnung!“

„Doch.“ Er beugte sich etwas vor, seine Stimme senkte sich eine Spur tiefer. „Du brauchst keine Youtube-Karate-Stunden, keine Kurse, keinen Mist. Ich werde es dir beibringen Kätzchen . “

„Wie meinst du das?“ Ich blinzelte irritiert.

Seine eisblauen Augen bohrten sich in meine, ein Glimmen darin, das gefährlich und gleichzeitig… aufregend wirkte. „Na ich trainiere dich !”

Ich verschränkte die Arme, ließ meine Stimme extra gelangweilt klingen. „Aha. Und was ist deine Spezialdisziplin? Nudelsuppe kochen? Frauen umwerfen und auf die Matte legen, hm?“

Er zog nur minimal eine Braue hoch, „Genau das. Ich habe den schwarzen Gürtel in Judo und Sambo. War dreimal russischer Meister im Combat Sambo. Dazu Kickboxen und ein bisschen Krav Maga – na ja, eher mehr als ein bisschen.“ Er schnaubte leise, als wäre das alles nebensächlich. „Du brauchst keinen Dwayne Zock. Du hast mich.“

Ich starrte ihn an. „Russischer Meister?“

„Mhm.“ Ein winziges Grinsen huschte über seine Lippen. „Aber hey, ich bin ein bescheidener Typ.“ zwitscherte er fröhlich. „Also?“ fragte er nach einer Weile, die Luft zwischen uns zum Schneiden dick. „Bist du bereit, vom Besten zu lernen?“ Er schlürfte genüsslich an seiner Tasse Tee und hatte dieses selbstzufriedene Funkeln in den Augen.

Die Idee gefiel mir mehr, als ich zugeben wollte. Gerade weil er so große Töne spuckte, kitzelte es in meinen Fingern, ihm zu zeigen das ich nicht so leicht bezwingbar war , wie er sich das vorstellte .„Na schön, großer Meister.“ Ich hob herausfordernd das Kinn. „Dann zeig mir was du drauf hast!“

Sein Grinsen wurde breiter, teuflischer. „Gut. Dann komm ins Bett.“

Mir fiel buchstäblich die Kinnlade runter. „W–was?! Ohh nein ..nein .. netter Versuch ..aber ich werde nicht mit dir in dein ” Balaika Bumsbett ” gehen .

Doch Olec war schon in Bewegung, völlig ungerührt, als wäre das die selbstverständlichste Antwort der Welt. Breitbeinig, seelenruhig marschierte er Richtung Schlafzimmer. „Los, Kätzchen. Russisches Doppelbett. Viel Platz für Matzratzenjudo .“

Ich blieb wie angewurzelt auf dem Sofa sitzen. Keine Chance. Ich war doch nicht verrückt. Von wegen Matratzenjudo … weiß der Geier, was ein männlicher Russe darunter verstand.

Ich ließ ihn gehen – in der Hoffnung, dass er nicht zurückkam – und zog sofort den Ordner unter dem Tisch hervor. Mit gespieltem Ernst blätterte ich durch die Warenlieferungen, so als hätte ich gerade die wichtigste Entdeckung meines Lebens gemacht. Vielleicht würde er darauf reinfallen.

Keine zwei Minuten später tauchte er wieder auf – mit diesem diabolischen Grinsen, das mir schon die ganze Zeit Bauchschmerzen machte. „Na gut, Kätzchen … soll ich dich jetzt ins Bett tragen, oder kommst du freiwillig?“

Ich sah nicht auf, tippte mit dem Finger auf eine Seite. „Olec, das ist jetzt wirklich ungünstig. Ich habe hier gerade eine Unregelmäßigkeit bei der Containerlieferung in Sankt Petersburg entdeckt.“ Meine Stimme klang so sachlich wie möglich, obwohl ich genau wusste, dass er mir das nicht abkaufte.

Er trat näher, seine Präsenz plötzlich dicht hinter mir. „Containerlieferungen…?“ Ein Schatten fiel über den Tisch, dann packte er zu. Mit einer schnellen Bewegung riss er mir den Ordner aus den Händen. „Hat Zeit bis morgen.“

„Hey!“, protestierte ich und wollte nach dem Ordner greifen.

Doch Olec ließ mir keine Chance. „Jetzt ist Training.“ Ohne jede Anstrengung hob er mich hoch, als wäre ich kaum schwerer als ein Stück Papier. Ich quietschte überrascht auf, als er mich kurzerhand über seine Schulter warf. „Olec! Spinnst du?! Lass mich runter!“ Ich trommelte mit den Fäusten gegen seinen Rücken, aber er ging seelenruhig los, als würde er einen Einkaufskorb tragen.

„Du hattest die Wahl, Alina“, brummte er mit einem Anflug von Amüsement in der Stimme. „Freiwillig oder unfreiwillig. Du hast dich entschieden.“

Ich stöhnte frustriert. „Das ist doch lächerlich! Ich wollte nur—“

„—Ausreden finden“, fiel er mir ins Wort. „Nicht mit mir.“