🪐Das Tagebuch einer unvollständigen Anführerin🪐

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Summary

Und doch war das Leben als Anführerin normal. Irgendwie. Also eigentlich doch nicht. Drei Fraktionen, die sich untereinander bekriegt hatten. Übernatürliche Fähigkeiten, an die keiner zu glauben vermochte, wenn er es nicht selbst mit eigenen Augen gesehen hatte. Unter ihnen die 32-jährige Mayu Tsukinaga, die das besondere Los gezogen hatte, die kleinste, dafür aber mächtigste Fraktion anzuführen. Ungefragt natürlich und daran hatte die äußerst seltene Planetenkonstellation bei ihrer Geburt schuld. Keine leichte Aufgabe, wobei sie ihre physische Begabung nicht gänzlich unter Kontrolle hatte und sich immer wieder selbst verfluchte. Zudem reihte sich noch ein weiteres sehr seltenes abermals perfides Problem dazu, welches die böse Fraktion der Schattenträger auf den Plan ruft.

Status
Ongoing
Chapters
3
Rating
n/a
Age Rating
18+

Prolog

Das Tagebuch einer unvollständigen Anführerin


Prolog

Gedankenverloren strich ich über das schwarze Buch in meinen Händen, mit der Aufschrift und schlug es auf.

Auch wenn ich die Zeilen bereits auswendig kannte, nicht nur, weil ich sie selbst geschrieben hatte, sondern... Ich las sie trotzdem zum unzähligen Male durch.


’Pyrokinese – die Kraft des Feuers, welche dem Mars innewohnte.

Hydrokinese – das Wasser bändigen, wie der Planet Merkur.

Elektrokinese – Kontrolle über die Elektrizität, so goldgelb wie der Jupiter.

Hellsehen – ein Blick in die nahe Zukunft werfen, wie Tageslicht auf unsere Erde fiel.

Absorption – unbegrenzte Aufnahme anderer Fähigkeiten im Zeichen der Sonne.′


Ich strich mir eine fliederfarbene Haarsträhne zurück hinters Ohr, welche während des Lesens nach vorne gefallen war.

Diese und noch unzählige weitere physische Begabungen gab es doch nur in Geschichten und Sciencefiction Filme, oder?Das würden zumindest alle bejahen und ich würde mich eifrig nickend dazu stellen und so tun, als hätten alle anderen recht.

Doch so war es leider nicht.

In meiner Realität war ich selbst mit den genannten Fähigkeiten gesegnet – oder auch verflucht und ich hatte ganz gewiss keinen verdammt großen Dachschaden.

Unter den Dächern der ehemaligen Kurstadt, in welcher ich aufgewachsen und mein Zuhause genannt hatte, schien nichts, wie es auf dem ersten Blick schien.

Menschen mit übernatürlichen Begabungen, von denen keiner etwas wissen durfte – geschweige denn auch nur ahnen durfte, regierten unsere Spitzen. Handel, Politik und Infrastrukturen.

Drei Fraktionen an der Anzahl, die unterschiedlicher gar nicht sein konnten.

Und ich? Mittendrin. Als unvollständige Anführerin einer dieser Fraktionen.

Unfreiwillig.

Tief einatmend schlug ich in meinem Tagebuch die neueste, leere Seite auf und ließ die Spitze des Kugelschreibers über das hellbeige Blatt gleiten.


′Liebes Tagebuch ♥ 20.09.2023′


Das war auch schon zunächst alles, was ich hineinschrieb, ehe ich mich auf meiner Fensterbank zurücklehnte und durch die große Fensterfront in die Dunkelheit hinausschaute.

Es war bereits weit über 21 Uhr hinaus.

Die Stadt begann allmählich zu schlummern, während die Bäume ihre bunten Herbstblätter zur nassen Straße hinabwarfen.

Der Mond in scharfer Sichelform lugte hin und wieder durch die grauen Wolken hindurch und jedes Mal bitzelte es angenehm unter meiner verletzten Haut an meinem Zeigefinger. Dabei stieg sanfter, violetter Nebeldunst in die Luft hinauf.

Meine Heilung.

Vor wenigen Tagen hatte ich mich beim Kochen mit dem Messer geschnitten.

Alsbald das Mondlicht darauf fiel, aktivierte es meine übernatürliche Heilung. Zwar nur sanft und langsam, aber für mich merklich.

An der Fensterscheibe lieferten sich die kleinen Regentropfen ein wahrliches Wettrennen – wer zuerst heruntergekullert war, hatte gewonnen.

Zum Glück kam ich vorhin nach meinem Tanztraining noch rechtzeitig nach Hause, bevor es anfing, seicht zu nieseln.

Dieser Tag heute...

Mit fokussiertem Blick schenkte ich meinem Tagebuch wieder meine vollste Aufmerksamkeit und schrieb weiter.


′Mein heutiger Tag könnte die Adjektive , <überrannt worden>, <gefährlich> und besser beschreiben, als jenes Lehrbuch.

Die Arbeit verlangte heute mal wieder alles an Ausdauer, Freundlichkeit und Fürsorge ab. Selbst meine Reserven sind leerer als leer. Und ich kann das Wort oder nicht mehr hören.

Dann der große Schock auf dem Nachhauseweg!

Mir wurde heute nach langer Ruhe wieder mies aufgelauert.

Natürlich... Die Schattenträger...

Angekündigt durch meinen Blick in die gleich passierende Zukunft – wie immer zu spät.

Dafür hatte ich zumindest meine verteidigenden Fähigkeiten unter Kontrolle gehabt :)!

Ich konnte sie zwar vertreiben, doch jetzt wussten sie erneut, wo sie mich finden konnten.

Es ist also nur noch eine Frage der Zeit, dass ich in diesem Zuhause sicher bin, bevor ich mal wieder umziehen werden muss.

Das darauffolgende Tanzen bot mir leider keine große Ablenkung, wie es sonst immer der Fall war.

Begann also mein allzu bekannter Alptraum wieder von vorne?

Suchte Akane, meine Zwillingsschwester ,wieder nach mir :/?

Liebes Tagebuch –

Ich hoffe, ich habe für morgen andere, bessere Nachrichten.′


Seufzend wie auch resignierend schloss ich das Buch, welches ich bereits zu einem Viertel vollgeschrieben hatte und ließ es auf meinem Schoß liegen.

Über der Kuscheldecke, die mir Wärme geschenkt hatte.

Mit meinen Fingern strich ich über das kalte sowie harte Material, ehe ich nach meiner Tasse griff, die neben mir auf der Fensterbank stand.

Nur noch lauwarm.

Zu kalt für einen heißen Kaffee und zu warm für einen Eiskaffee.

Ich konzentrierte mich auf meine innere Kraft des Feuers, ließ diese von meiner Brustmitte aus, durch meine Arme fließen, bis sie schließlich meine Fingerspitzen erreichte und erhitzte meinen süßen Blondie.

Das wohl einzig Sinnvolle an meiner schicksalhaften Übernatürlichkeit.

Ich setzte vorsichtig das Porzellan an meinen Lippen an und nippte behutsam.

Mein Blick schweifte durch mein warmweiß beleuchtetes Wohnzimmer. Genauer auf das herbstliche Tischgesteck, umringt von Kerzen.

Jene, die noch aus gewesen waren.

Ich hob meinen Finger, konzentrierte mich erneut auf meine Feuerkraft, machte diese typischen Tippbewegungen und ließ eine Kerze nach der anderen aufflackernd entbrennen.

Zufrieden lächelnd musterte ich meine Deko.

Dabei schlug mir die tadelnde wie auch besorgte Stimmfarbe von Max eine weitere Gedankenwurzel in meinem Kopf auf.

Du musst morgen unbedingt mit Raiji darüber sprechen! Du musst so schnell es geht eine Sitzung einberufen, in der du davon berichtest, dass du wieder gesucht wirst, Mayu!“

So die Worte meiner besten Freundin, die ich vorhin beim Tanzen nach unserer gemeinsamen Arbeit getroffen hatte.

Ja, sie hatte recht.

Das besorgte Funkeln in ihren smaragdgrünen Augen sprach Bände – wie all die Male zuvor auch schon, als mir die Fraktion der Schattenträger auflauerte.

Da musste ich wohl morgen unbedingt meinen Aufseher anrufen und ihm mitteilen, dass ich ab sofort meinen unerträglichen Personenschutz gebraucht hatte. Wieder – nach langer Ruhezeit.

Denn das Schlechteste, was mir, als Anführerin meiner Fraktion, der Mondhüter passieren konnte, war, in die Hände der bösen Fraktion der Schattenträger zu gelangen.

Besonders mit meiner verehrenden sowie verhassten Fähigkeit, die für unsere Feinde als der heilige Gral galt.