Code der Lügen

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Summary

Verrat ist tödlich. Vertrauen ist gefährlicher. Nach einem gescheiterten Coup landet Hackerin Nora Voss vor der Wahl: Gefängnis oder Zusammenarbeit mit der Polizei. Ihre Freiheit hängt von einem Mann ab, der sie in den Wahnsinn treibt - Detective Damien Holt, Zyniker, Kontrollfreak und der Inbegriff von Arroganz in Lederjacke. Während sie Seite an Seite Cyberverbrecher jagen, holt Noras Vergangenheit sie ein. Die Spur führt direkt zu dem Mann, der sie einst verraten hat und diesmal steht mehr auf dem Spiel als ihr Leben. Zwischen Lügen, Leidenschaft und Loyalität muss Nora entscheiden: Rache oder Liebe? Was ist ihr Code wirklich wert?

Genre
Romance
Author
AnyDii
Status
Ongoing
Chapters
12
Rating
5.0 2 reviews
Age Rating
18+

P R O L O G

Ich schwöre, ich habe schon bessere Nächte erlebt. Zum Beispiel alle, in denen ich nicht in einer stickigen Lagerhalle hocke, während mein Herz so laut schlägt, dass ich denke, es verrät mich gleich. Aber wir wollen doch nicht wählerisch sein, oder?

Die Monitore flackern im Dunkeln. Vier Laptops, ein improvisiertes Netzwerk, ein paar gestohlene Zugangscodes – mein kleines Stück Magie. Und ich bin verdammt gut darin.

„Noch drei Minuten, dann sind wir drin“, murmele ich und ziehe mir das Headset zurecht.

Mein Partner lacht leise durch die Leitung. „Du bist ein verdammtes Genie, Nora.“

Ich grinse. „Sag ich doch ständig. Nur hört keiner zu.“

Ich tippe, hacke, trickse mich durch Firewalls, die so komplex sind, dass normale Menschen schon beim Passwort scheitern würden. Ich dagegen tanze mit dem Code, lasse ihn singen, beuge ihn nach meinem Willen. Es fühlt sich so sinnlich wie Tango an, aber nur besser.

Ein digitaler Einbruch – sauber, elegant, spurlos.

„Okay“, sage ich und juble innerlich wie ein kleines Kind. „Zugang zu den Servern steht. Ich lade die Dateien runter. Wie sieht’s draußen aus?“

Stille.

Meine Hände verkrampfen. „Lukas?“

Nur Rauschen.

Ich runzle die Stirn. „Das ist jetzt echt ein schlechter Zeitpunkt für Funkabbruch, oder?“

Immer noch keine Antwort.

Ein leises Geräusch hinter mir lässt mich herumfahren. Schritte. Gleichmäßig, schwer. So gehen Menschen, die wissen, dass sie gleich gewinnen. Vor allem, da niemand hier sein sollte. Nur bin ich nicht allein. Verdammt.

„Nora Voss?“

Die Stimme ist tief, männlich – und viel zu ruhig. Ich brauche keine Taschenlampe, um zu wissen, dass das keine Wachen sind.

Doppelt verdammt.

Ich springe auf, reiße die Festplatte vom Rechner, stopfe sie in meine Jacke und renne los. Zwischen Metallregalen hindurch, über Kabel, die ich selbst verlegt habe. Hinter mir hallen Stimmen – mehrere. Waffen klicken.

„Stehen bleiben! Polizei!“

Natürlich.

Ich könnte lachen, wenn ich nicht gerade um mein Leben rennen würde.

„Lukas!“, fauche ich ins Headset. „Sag mir, dass du da bist. Sag mir, dass du einen Plan hast!“

Stille. Nur das dumpfe Echo meiner Schritte. Eine leise Vorahnung beschleicht mich, und wenn sie sich als wahr herausstellt, werde ich ihn selbst den Wölfen zum Fraß werfen.

Ich stürme durch eine Seitentür, raus in die Nacht. Regen prasselt auf Asphalt, der Mond spiegelt sich in Pfützen. Die Stadt riecht nach Benzin und Verrat.

Wie konnte ich nur so dumm sein?

Mein Herz rast, meine Lungen brennen. Ich biege in eine Gasse ab, presse mich an die Wand und hole tief Luft.

Okay, Nora. Denk nach. Du bist gut. Du warst schon in schlimmeren Situationen. Okay, vielleicht nicht viel schlimmeren, aber immerhin.

Ich greife in die Tasche, hole mein Handy raus – oder das, was davon übrig ist. Kein Signal. Kein GPS. Keine Verbindung.

Lukas hat die Verbindung getrennt. Absichtlich.

„Du mieser, kleiner Bastard“, flüstere ich vor mich hin.

Meine Augen schliessen sich, während ich mir innerlich auf die Stirn schlage. Ich sollte es geahnt haben. Niemand arbeitet freiwillig mit jemandem wie mir – es sei denn, er will was. Und Lukas wollte definitiv was. Leider hat er es auch bekommen.

Am anderen Ende der Gasse kann ich dumpfe Schritte wahrnehmen. Stimmen, die nicht hierher gehören, während Taschenlampenstrahlen über die Wände tanzen.

„Da lang! Sie ist in der Nähe!“

Tief hole ich Luft, ehe ich mit den Zähnen knirsche und mir einen Plan ausdenke. Wohin? Diese Typen haben mich umzingelt. Schnell renne ich los, biege um eine Ecke – und pralle gegen eine Wand. Eine menschliche Wand.

Ich weiß nicht, was härter ist: seine Brust oder mein Ego, das krachend gegen den Boden fällt.

„Na toll“, keuche ich, als mich jemand am Arm packt. „Ihr hättet wenigstens klopfen können.“

„Nora Voss, Sie stehen unter Arrest.“

Blinzlend blicke ich gegen das grelle Licht. Ein Mann mit dunklem Bartschatten, grauem Hemd und zu ernstem Blick sieht auf mich hinab. Eine Taschenlampe in seiner Hand, was das Licht erklären würde und hinter ihm zwei Uniformierte mit Waffen im Anschlag.

„Oh bitte. Das ist doch kein richtiger Arrest. Das ist mehr so... ein ungewolltes Treffen mit schlechter Beleuchtung.“

„Hände hoch.“

Meine Hände heben sich sofort. „Wie Sie wünschen, Officer Drama.“

Sie reißen mir die Tasche herunter, finden natürlich sofort die Festplatte, die mir das alles eingebrockt hat. Der graue Hemdtyp hält sie hoch, als wäre es eine Trophäe.

„Sie haben keine Ahnung, was das ist“, sage ich, während sie mir Handschellen anlegen. „Das ist Kunst. Digitale Kunst.“

„Aha.“ Er mustert mich mit diesem Blick, den Männer haben, wenn sie glauben, sie wären schlauer als du. Spoiler: sind sie meistens nicht.

„Sie sind also die berüchtigte Nora Voss. Die Hackerin, die sich für Robin Hood hält.“

„Robin Hood hatte Stil. Und ein besseres Timing.“

Hände packen mich an der Schulter und reißen mich nach vorne. Wie ein Krimineller werde ich abgeführt, und obwohl mir das Herz bis zum Hals schlägt, muss ich grinsen. Sarkasmus ist mein Rettungsanker. Schon immer gewesen.

Im Rückspiegel des Polizeiwagens sehe ich, wie die Halle hinter uns verschwindet. Mein Leben, mein System, meine Kontrolle – alles weg. Und irgendwo da draußen sitzt Lukas, wahrscheinlich mit einem Drink in der Hand, während ich in Handschellen liege.

In diesem Moment schwöre ich mir, ihn zu finden. Und wenn ich ihn finde, wird er bereuen, dass er mich verraten hat.

°°○°°

Das Verhörraumlicht ist das hässlichste Weiß, das ich je gesehen habe. Kalt. Brutal. Wie die Wahrheit, die gleich folgen soll.

„Name?“

Ich sehe den Beamten an. „Steht doch auf eurer Liste. Zweimal sogar, wenn ihr gründlich wart.“

Er seufzt. „Nora. Letzte Chance. Wenn Sie mit uns kooperieren—“

„—Dann krieg ich vielleicht ne Medaille?“ Ich grinse. „Oder wenigstens ein Kissen? Diese Stühle sind Folter.“

Er reibt sich die Schläfen. „Warum haben Sie es getan?“

Ich zucke mit den Schultern. „Weil mir langweilig war? Weil Netflix mir zu viele Vorschläge gemacht hat? Suchen Sie sich etwas aus.“

Plötzlich öffnet sich die Tür. Und er kommt rein.

Groß. Dunkle Augen. Anzug, aber kein Typ für Anzüge. Eher jemand, der lieber Lederjacken trägt, aber sich trotzdem an die Regeln hält – solange sie ihm nützen.

Er lehnt sich gegen den Tisch, verschränkt die Arme. „Sie machen es uns nicht leicht, Miss Voss.“ Keine Begrüßung, kein Nicken. Er geht direkt aufs Ganze.

„Oh, ich wusste nicht, dass das mein Job ist.“

„Ich bin Detective Damien Holt.“ Seine Stimme ist tief, ruhig – die Sorte Tonfall, die dich gleichzeitig reizt und warnt. „Ich leite die Abteilung Cybercrime.“

Gleichgültig hebe ich eine Augenbraue. „Cybercrime? Wie aufregend. Klingt, als hätten Sie da echt viel Spaß.“

„Weniger, seit Sie dabei sind.“

Touché.

Er legt mir ein paar Ausdrucke hin – Beweise, Überweisungen, Bilder. Ich sehe das Gesicht darauf. Lukas. Mein Partner. Der Verräter.

„Wir haben ihn laufen lassen“, sagt Holt. „Er arbeitet jetzt für uns.“

Ich lache. Laut. Zu laut. „Das ist ein Witz, oder?“

Er sieht mich nur an. Kein Zucken. Kein Schmunzeln. Nur pure, kalte Ernsthaftigkeit.

Mir wird schlagartig schlecht.

„Also... er verrät mich, ich lande hier, und ihr gebt ihm einen verdammten Job?“

„Er hat uns geholfen, Sie zu fassen. Das macht ihn... nützlich.“

Langsam beuge ich mich vor. „Dann bin ich wohl überflüssig.“

„Nicht ganz.“ Holt schiebt mir ein Tablet hin. Darauf ist eine Akte zu sehen mit meinem verdammten Namen. Mein Gesicht. Meine Tat. Und darunter ein Vorschlag, der so lächerlich klingt, dass ich fast wieder lachen muss.

„Sie wollen, dass ich für Sie arbeite?“

Er nickt. „Sie helfen uns, Cyberverbrechen aufzuklären. Dafür bleiben Sie aus dem Gefängnis.“

„Das ist ja großzügig.“ Ich lehne mich zurück. „Und wenn ich ablehne?“

„Dann sehen Sie die Sonne durch Gitterstäbe.“

Ich sehe ihn an. Er sieht nicht aus wie jemand, der blufft. Ich hasse das an ihm. Diese Sicherheit. Diese Selbstgefälligkeit.

„Und ich nehme an, Sie werden mein ... Babysitter?“

„Chef“, korrigiert er.

Ich grinse schief. „Das wird Ihnen nicht gefallen, Detective.“

Er erwidert den Blick – ruhig, prüfend, gefährlich nah an einem Lächeln.

„Oh, Miss Voss“, sagt er. „Ich bin sicher, Sie werden mir gefallen. Die Frage ist nur, wie lange.“In dem Moment weiß ich zwei Dinge:Er wird mir auf die Nerven gehen – gewaltig.Und ich werde alles tun, um Lukas zu finden.Selbst wenn ich dafür mit dem Teufel zusammenarbeiten muss.Und der Teufel hat verdammt schöne Augen.