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Summary

-Püppchen, du und ich waren immer füreinander da, und wenn ich daran denke das ich das kaputt mache, wenn ich mich auf dich einlasse...ich habe Angst. Scheiße ich habe so verdammte Angst, dass ich das alles ruiniere. Baby… Wenn ich dich verliere. Das ertrage ich nicht.- Zitat Kay Sechs Waisenkinder, werden in einem geheimen Regierungsprojekt zu lebenden Waffen ausgebildet. Jahre später leben sie getrennt voneinander, getarnt als gewöhnliche Menschen – bis einer von ihnen gefoltert und verschleppt wird. Was als Flucht aus der Vergangenheit begann, wird zu einem gnadenlosen Wettlauf gegen die Zeit: Denn jemand kennt ihr Geheimnis.

Genre
Scifi
Author
Luna Luis
Status
Complete
Chapters
36
Rating
n/a
Age Rating
18+

Kapitel 1 - Alicia Gegenwart

-Alicia- höre ich die Stimme in meinem Kopf und erschrecke mich dabei, so dass ich fast den Kaffee, aus dem ich gerade trinken wollte über mir verschütte.

Ich weiß, dass es Bryan ist, der mich ruft – doch ich blockiere ihn und versuche mich auf meine Umgebung zu konzentrieren. Sich mental in der Öffentlichkeit zu unterhalten, ist uns verboten, sofern wir keinen Einsatz haben. Außerdem darf er mich nicht mehr kontaktieren. Nie wieder, und das weiß er ganz genau. Meine Finger krallen sich in die Lehne des Stuhles unter mir und ich muss meine ganze Kraft aufwenden, um ihm zu widerstehen. Was wenn er mich gerade braucht? Ich schüttle den Kopf, um den Gedanken schnell zu verwerfen, es sollte nicht mehr an mir sein, wir dürfen nicht reden.

Ich sitze in einem kleinen Café am Stadtrand von Berlin und genieße meinen zweiten Cappuccino. Es ist ein wunderschöner sonniger Tag und so habe ich mir einen Tisch auf der Terrasse geschnappt und atme die noch kühle morgenluft ein, bevor die Temperaturen wieder steigen. Ich liebe es hier. Zum ersten Mal in meinem Leben fühlt sich diese Stadt nach zuhause an –nur meine Familie fehlt mir. Vor allem er. Seit zwei Monaten wohne ich jetzt hier, nicht direkt in der Stadtmitte aber doch zentral genug, um überall schnell hinzugelangen. Heute ist mein zweiter Arbeitstag, und ich warte gerade auf meine neue Kollegin Shaila. Sie soll mir helfen, mich in der Firma einzugewöhnen, die sich direkt gegenüber von dem Café befindet, in dem ich gerade meinen Morgen genieße, naja genossen habe, bis Bryan meinen Kopf unter beschlag nahm.

Buchhaltung. Ein ganz normaler Job. Ich kann es kaum glauben:eine eigene Wohnung, ein normaler Beruf – und ich versuche, meine erste richtige Freundin zu finden. Hätte ich einen Psychologen, wäre der sicher stolz auf mich. Ich frage mich, ob es den anderen gleich geht. Genießen sie ihr neues normales Leben?

Ich versuche es zumindest, auch wenn ich nacht für nacht immernoch nicht richtig schlafen kann, weil ich mich so alleine fühle.

Als ich Shaila an der gegenüberliegenden Straßenseite entdecke, winke ich ihr zu. Sie läuft fröhlich zu mir und umarmt mich, als hätten wir uns nicht erst gestern kennengelernt, an diese offenheit mancher Menschen muss ich mich noch gewöhnen. Dann bezahle ich und gemeinsam gehen wir zum Bürogebäude, in dem wir arbeiten. Sie redet wie ein Wasserfall,und ich muss mich konzentrieren, um ihren Worten zu folgen und mir alles Wichtige zu merken.

In der Kaffeepause lerne ich drei weitere Kollegen kennen. Alles wirkt so normal, jeder hier begrüßt mich freundlich und keiner von Ihnen scheint einen wirklichen Stress im Leben zu haben. Dieses „Normal“ macht mich so glücklich, dass ich kurz vergesse, wie sehr ich die anderen vermisse. Doch dann schleicht sich wieder eine Stimme in meinen Kopf,während ich an meinen Schreibtisch sitze und mich zu konzentrieren versuche.

-Al, bitte.- Es ist wieder Bryan.

Verdammt, was an„kein Kontakt mehr“ hat er nicht verstanden?

Seit gestern versucht er, mich zu erreichen. Einen Moment lang habe ich überlegt, ob ich ihn antworte – aber Befehl ist Befehl.Auch wenn ich sie alle vermisse, dürfen wir keinen Kontakt mehr haben. Nicht in echt, nicht im Kopf. Nie wieder. Ich bringe meine ganze Konzentration auf den Computer vor mir und ignoriere seine Stimme in meinen Kopf. Er klingt flehend und ich höre das es eventuell dringend sein könnte, doch ich bleibe stark. Wir können uns nicht mehr aufeinander verlassen.

Ich arbeite den ganzen Tag fleißig und ignoriere Bryans Stimme, bis ich abends endlich die Tür meiner Wohnung hinter mir schließe. Doch dann halte ich es nicht mehr aus, weil seine Worte immer öfter zu mir durchdringen und ehrlich gesagt möchte ich auch jemanden von meinen Tag erzählen.

-Was? - pfeffere ich gedanklich in seine Richtung.

-Gott sei Dank, Al, bist du bist alleine? - ruft er mir zu.

-Ja, was zum Teufel willst du? -frage ich halb genervt und halb glücklich, weil ich ihn so vermisst habe.

Im nächsten Moment öffnet er die mentale Barriere zwischen uns und er lädt mich in seinen Kopf ein. Kurz zögere ich – doch dann siegt die Neugier, den uns so zu verbinden passiert eigentlich fast nie also muss es tatsächlich wichtig sein. Ich schließe die Augen, gehe durch die mentale Tür, die ich nur für ihn in meinen Kopf errichtet habe– und plötzlich bin ich er.

Oder besser gesagt: ein stiller Zuschauer. Man kann nur mit Einladung des anderen durch dessen Augen sehen und spüren, was er spürt. Ich habe keine Kontrolle über seinen Körper, aber ich fühle und sehe alles. Jedes Mal aufs Neue bin ich wieder überwältigt davon, wie es ist nicht ich selber zu sein und trotzdem zu fühlen,was der fühlt in dessen Kopf ich gerade stecke. Doch diesesmal hält das Gefühl der faszination nicht lange an den ich fühle und sehe, was er sieht.

Mit entsetzen muss ich feststellen: Er hängt in einem Kerker, angekettet an die Decke. Schmerzen durchbohren mich – seine Kopfschmerzen, die ausgekugelte Schulter, das brennende Knie, die Kälte, die ihn zittern lässt. Scheiße…

-Wo bist du? - frage ich ihn gedanklich und versuche dabei so gefasst wie möglich zu klingen.

-Das ist jetzt egal. Er kommt gleich zurück. Merk dir alles, okay? – ich spüre die Panik in seinen Körper und die unglaubliche Sorge, die er empfindet. Sein Herz rast und es fühlt sich an, als würde es ihm fast aus der Brust springen.

-Bryan, verdammt, was passiert hier? - Ich schreie durch seinen Kopf, doch es fällt mir schwer, mich zu konzentrieren. Der Schmerz überflutet mich. Sein Schmerz. Ich bereue sofort ihn den ganzen Tag ignoriert zu haben, ich hätte wissen sollen das er mich braucht.

Die schwere eisen Tür vor uns knarrt. Ein gutaussehender schwarzer Mann im Anzug tritt ein, gefolgt von einem kräftigen, grauhaarigen,weißen Kerl – eindeutig nur ein Schläger, aber dass er hier ist, steigert jetzt Bryans Panik, die ich auch fühle auf ein maximum. Er schließt seine Augen und versucht tief durchzuatmen. Jeder Atemzug zerreißt seinen Körper vor Schmerzen.

„Na? Haben wir es uns anders überlegt?“ fragt der Anzugträger ruhig. Er kommt näher und fixiert uns mit einem wütenden Blick. Ich rieche durch Bryans Nase das AfterShave das den Mann umhüllt, es kommt mir bekannt vor, aber ich weiß nicht woher.

„Niemals“ höre ich Bryans Stimme aus seinem Mund brüllen.

-Wer ist das? - frage ich in seinen Gedanken.

„Keine Ahnung“, antwortet er.

Der Mann im Anzug seufzt

„Das ist schade. Dann tut mir leid, was jetzt mit dir passiert.“ Er hebt die Hand. Der Schläger löst Bryans Ketten. Wir stürzen zu Boden. Dann treten die Stiefel los. Jeder Tritt schmerzt mehr als der zuvor, und ich fühle sie, als würden mich die stahl gestärkten Stiefel treffen. Bryan stöhnt und wimmert und ich flehe und weine in seinen Kopf hinein.

-Wehr dich! - schreie ich Bryan zu, weil ich nichts machen kann außer in seinen Kopf gefangen zuzusehen, wie mein bester Freund getötet wird.

-Ich kann nicht…- flüstert er verzweifelt, ich spüre einen weiteren Tritt in Bryans Brust und versuche ihm beizustehen, als ihm der Atem kurz wegbleibt. Ich kann nichts machen, nur zusehen als der Mann uns am Kragen nimmt und uns jetzt ist Gesicht schlägt. Ein ekliges Geräusch und ein unglaublicher Schmerz offenbart mir das Bryans Nase gerade gebrochen ist und er schreit so herzzerreißend, dass ich in seinen Kopf weine.

„Wie sieht’s jetzt aus mit reden?“ brüllt der Anzugmann als der Schläger uns endlich loslässt und Bryan kraftlos zu Boden stürzt.

„Sag mir, wie ihr wusstet, wo sie ist. Ich will es von dir hören, Bryan!“

-Von wem redet er? - frage ich Bryan immer noch mit schluchzender Stimme, ich bin mir sicher mein Körper, der gerade leblos in Berlin liegt, weint.

-Er meint Desi. Er will wissen, wie wir sie damals aus dem Haus des Winzers befreit haben. – haucht er schwach.

-Fuck. Er will den Chip, oder?-

-Ja- bestätigt Bryan. -Deshalb musstest du das sehen. Damit du die anderen warnst.- Wimmert er und es bricht mir das Herz.

-Wo bist du? Ich hol dich raus! -

Bitte, bitte sei in meiner nähe, Bitte.

-Amerika. Kalifornien. Miami Beach“, keucht er, kurz davor ohnmächtig zu werden, ich fühle es. Ich schweige kurz, ich weiß, was das bedeutet, ich werde zu spät kommen und er wird sterben…

„Scheiße. Ich bin in Berlin. Ist niemand von den anderen in deiner Nähe?“- der letzte Funke Hoffnung platzt als er nun wieder antwortet.

-Keine Ahnung. Nur du hast mich reingelassen.-

Verweifelt sehe ich durch Bryans Augen und versuche irgendeinen Anhaltspunkt zu finden, woran ich mich orientieren kann. Aber wir liegen hier nur in einen Keller und durch Bryans gewimmer höre ich keine Geräusche, die mir verraten könnten, was sich in unserer Nähe befindet.

-Versprich mir nicht aufzugeben Bryan ich hol dich raus- er antwortet nicht, weil er wie ich weiß das die Chancen schlecht stehen.

Der Anzugmann unterbricht unsere Gedanken. „Rede!“schreit er wieder und wieder. Er steht jetzt über uns und sieht auf uns herab mit seinen dunklen Augen, die mir verraten, dass er Bryan verabscheut.

„Vergiss es. Du musst mich schon töten“, hustet Bryan, ich spüre, wie ihm Blut aus der Nase tropft und sich am Boden zu einer roten Lache sammelt.

„Tot nützt du mir nichts“, lacht der Mann. „Deine Freunde habe ich noch nicht gefunden. Noch nicht. Bis dahin musst du leben,danach werde ich euch mit euren treuen Freund Alex dem Staat übergeben, für das,was ihr getan habt, werdet ihr leiden.“

-Wovon redet er? Was sollen wir getan haben? - frage ich, aber Bryan wimmert nur.

-Rette die anderen, Al. Ich liebe dich-, fleht Bryan jetzt und ich merke, wie er sich in Bewegung setzt.

Dann schleppt er sich hoch – unter unglaublichen Qualen aber trotzdem so schnell, dass die beiden Männer zu spät reagieren können. Ich spüre alles. Wie er noch stehen kann, ist mir ein Rätsel. Er stürzt sich auf den grauhaarigen Schläger, schlägt ihn bewusstlos, innerhalb nur einer Sekunde geht der Mann zu Boden, dann geht er auf den Mann im Anzug los.

Doch plötzlich fallen zwei Schüsse. Ein brennender Schmerz in der Brust zerreißt uns– und im nächsten Moment liege ich wieder in meinem Wohnzimmer, schreiend am Boden.

Die Schmerzen verschwinden sofort, als dieVerbindung bricht. Nur mein Kopf hämmert, vermutlich vom Aufprall, als ich mit ihm in Verbindung trat, ich hätte mich davor hinsetzen sollen. Doch schlimmer ist der Verlust. Bryan ist tot. Oder hat er mich nur ausgeschlossen? Ist er Bewusstlos und bin ich deshalb zurück? Wenn er den Schuss überlebt hat, schafft er es ohne Hilfe nie.

Ich krümme mich auf dem Boden zusammen und weine,bis ich kaum noch atmen kann. Mein bester Freund ist tot, er der alles über mich wusste. Über den ich alles wusste. Er war mein Seelenverwander und der Verlust zerreißt mein Herz, wie damals als wir Tony verloren. Er hätte es verdient glücklich zu sein, ausgerechnet ihm hätte ich mehr als uns allen anderen ein Leben voller Liebe und Freude gewünscht. Wenn es einen Gott gibt,werde ich in dem Moment, wo ich sterbe vor ihn treten und ihn für das Qualvolle Leben,das er Bryan geschenkt hat, einen Schuss zwischen die Augen verpassen. Er hat das nicht verdient so zu sterben, ich dachte es würde ihm besser gehen als wir uns trennten, aber ich fühlte neben all den Schmerz und der Panik noch immer seine Schuldgefühle und das er mit ihnen sterben musste schmerzt mehr als alles andere.

Zwei Stunden vergehen, bis ich wieder klar denken kann und meine Atmung sich halbwegs beruhigt hat. Normalerweise würde ich jetzt schlafen – mentale Verbindungen rauben jede Kraft. Doch ich zwinge mich hoch,stolpere ins Bad und drehe die Dusche kalt auf, um meinen Kreislauf in schwung zu bringen. Noch in Klamotten setzte ich mich auf den harten Fließenboden und umschlinge meinen Oberkörper mit meinen Armen. Ich starre durch das wasser, was mein Gesucht runterläuft und weiß genau was ich jetzt zu tun habe. Als ich frisch geduscht und angezogen bin, packe ich die nötigsten Sachen zusammen.

Nur ein kleiner Rollkoffer, all mein Geld und ein Gefälschter ausweis. Das ist das Einzige, was ich brauche, alles andere lasse ich in der Wohnung zurück. Ich werde nicht mehr wiederkommen und kann unnötigen Besitz nicht gebrauchen.

-Kay! - brülle ich in meinen Gedanken.

Zwei Monate Normalität. Mehr war mir wohl nicht vergönnt.

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