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Briefe für dich

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Summary

Amalias Leben bricht zusammen, als ihre Großmutter plötzlich stirbt. Während sie in das verlassene Haus zieht, entdeckt sie Briefe an einen unbekannten Mann, die nie abgeschickt wurden. Neugierig will sie herausfinden, wer dieser Mann ist und macht sich auf die Suche nach ihm. Niemals hätte sie gedacht, eine neue Freundschaft zu finden, die ihr hilft, über den Tod ihrer Oma hinwegzukommen. Auf ihrer Reise lernt sie aber nicht nur Gregory kennen, sondern auch jemanden, der ihr langsam den Kopf verdreht ...

Genre
Romance
Author
AnyDii
Status
Ongoing
Chapters
10
Rating
5.0 2 reviews
Age Rating
18+

1 | Ausmisten

AMALIA

Das kleine Haus mit der lindgrünen Fassade und den weißen Fensterläden springt mir sofort ins Auge, als ich den Blinker setze und in die Straße einbiege. Ein Stich durchfährt meine Brust, wenn ich daran denke, dass es zurzeit niemand bewohnt und meine Oma mich nicht auf der Veranda mit Keksen und Kaffee oder Tee begrüßen wird. Auch wenn sie in den letzten Jahren hier allein gewohnt hat, war es immer mit Leben erfüllt gewesen.

Stark kämpfe ich gegen die Tränen an, die sich angekündigt haben. Der Schmerz ist noch frisch nach ihrem Tod. Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht an sie denke. An ihr Lachen, ihre liebevollen Ratschläge und ihre weisen Worte. Wir hatten eine ganz besondere Beziehung zueinander. Sie war mein Vorbild, meine ganz persönliche Heldin. Und jetzt ist sie fort.

In der Auffahrt parke ich den Wagen und lehne mich kurz zurück, nachdem ich den Motor abstelle. Mein Blick gleitet sofort nach draußen. Erinnerungen lungern an jeder Ecke, die mir den Atem rauben und mich traurig lächeln lassen. Jeden Sommer habe ich hier bei ihr verbracht. Es war unsere besondere Zeit, die uns jedes Mal noch enger zusammengeschweißt hat.

Tief atme ich ein und steige aus dem Wagen aus. Es sieht alles wie immer aus. Der alte Schaukelstuhl auf der Veranda, die tannengrünen Vasen mit den Blumen darin, die überall herumliegen und nicht zu vergessen diese lindgrüne Fassade. Omas Geschmack war schon immer sehr speziell gewesen und niemand durfte etwas daran ändern. Wenn ich sie danach gefragt habe, tat sie als würde sie mich nicht hören. Sie wollte mir ihr Geheimnis nie verraten, egal wie sehr ich es versucht habe herauszufinden. Sie schwieg wie ein Fisch.

»Auf gehts, Lia«, murmle ich mir selbst zu und krame in der Tasche den Schlüssel hervor.

Seufzend streiche ich meine dunklen Haare aus dem Gesicht, ehe ich auf die Tür schreite und sie öffne. Sofort trifft mich der Duft, nach dem ich mich immer gesehnt habe. Lavendel und Zimt. Überall in diesem Haus riecht es danach, was mich zufrieden atmen lässt. Ein wenig Angst hatte ich. Ich habe ehrlich gedacht, dass sich der Geruch nach vier Wochen ein wenig verändern würde. Aber ich bin richtig froh darüber, das es dem nicht so ist.

Meine Augen wandern durch den Raum. Über allen Möbel liegen weiße Baumwolllaken. Langsam entferne ich jedes einzelne, da ich einige Tage hier bleiben werde. Oma hat mir dieses Haus vererbt und im Moment brauche ich einen Ort, an den ich mich zurückziehen kann. Außerdem werde ich mich hier ablenken können, da ich vorhabe, hier ein wenig Ordnung zu schaffen.

Den ganzen Vormittag inspiziere ich jeden Raum. Schaue, was ich noch gebrauchen könnte und überlege mir, ob ich die Dinge ausmisten soll. Irgendwie fühlt es sich nicht richtig an, hier etwas anzufassen oder wegzuwerfen. In meinem Inneren gehört es immer noch meiner Oma, auch wenn sie nicht mehr da ist.

Aus dem Grund habe ich ihr Zimmer nicht betreten. Erstens könnte ich es nicht, da ich in Tränen ausbrechen werde und zweitens, war es ihr privater Rückzugsort. Da drin habe ich nichts zu suchen.

Nach einem kurzen Mittagessen, das nur ein kleines Sandwich gewesen ist, mache ich weiter. Ich schaue mir alles genau an, um es wieder vorsichtig zurückzulegen.

Als ich durch alle Räume bin, lasse ich mich kurz auf das Sofa fallen. Dieses Haus scheint auf den ersten Blick so klein zu sein, aber das Trugbild täuscht. Hier wartet eine Menge Arbeit auf mich, sobald ich mich entschieden habe, was ich genau tun will.

Bumm, bubum.

Schreiend springe ich auf und lege eine Hand auf meine Brust, als ein dumpfes Geräusch erklingt. Schnell blicke ich mich um, kann aber nichts erkennen und versuche meinen Puls zu beruhigen. Aber das Adrenalin strömt durch meine Adern und versetzt meinen Körper ein leichtes Kribbeln.

Verdammt, habe ich mich erschreckt. Was war das?

Es klingt fast, als wäre etwas im oberen Stockwerk auf den Boden gefallen. Zügig gehe ich nach oben, blicke in jeden Raum, außer Omis Schlafzimmer, aber nichts. Alles sieht noch genauso aus, wie ich es verlassen habe.

Stöhnen lege ich meinen Kopf in den Nacken und halte inne, als mir etwas auffällt. Mit runzelnder Stirn beobachte ich die kleine Tür oben an der Decke.

Der Dachboden!

Wieso bin ich nicht schneller darauf gekommen?

Neugierig öffne ich es und ziehe die Leiter herunter, um eine Sekunde später hochzuklettern. Früher habe ich es geliebt hier oben zu sein, wo mich niemand finden konnte. Das war mein Rückzugsort, wenn ich einen Moment für mich gebraucht habe. Oma wusste natürlich davon, aber sie hat mich hier in Ruhe gelassen.

Sobald ich oben bin, schaue ich mich um. Nichts wirkt anders. Meine Leseecke ist noch immer voll mit allen Arten von Büchern, die ich zig mal gelesen habe. Alte Kisten liegen verstreut herum und Omas selbstgemachte Decke liegt noch auf ihrem Platz.

Kurz halte ich inne.

Meine Augen verengen sich leicht, als mein Blick auf eine kleine Holztruhe fällt, die ich hier oben noch nie gesehen habe. Sie liegt auf dem Boden und ich könnte mir vorstellen, dass genau dieses Ding mir einen riesigen Schrecken eingejagt hat.

Neugierig betrachte ich sie, als ich näher komme. Das Holz wirkt alt und zerbrechlich. Am Rande gibt es kleine Muster, die in verschiedenen Linien gleiten und in der Mitte erkenne ich Omas Initialen. Das muss alles handgefertigt worden sein. Außerdem habe ich sowas noch nie in meinem Leben gesehen. Wie ist das hier oben gelandet?

Vorsichtig greife ich danach. Die Oberfläche fühlt sich glatt in meinen Händen an. Sobald ich sie umdrehe, bemerke ich das Schloss. Es ist offen. Die Furche auf meiner Stirn kehrt zurück, ehe ich sie langsam öffne.

Unzählige Briefe sind darin. Alle adressiert, jedoch wurde keins verschickt. Die Neugier treibt mich weiter an. Auf irgendeine Weise fühlt sich das verboten an, aber ich unterdrücke den Gedanken und nehme einen in die Hand. Omas Handschrift springt mir ins Auge, aber auch …

Wer zum Teufel ist Gregory Williams?

Die Adresse ist nicht weit von hier, aber diesen Namen habe ich noch nie in meinem Leben gehört. Oma hat ihn nie erwähnt. Mit keiner Silbe.

Mit einem plumpsen lande ich auf dem Boden, die Kiste vor meinen Füßen, der Brief noch immer in meiner Hand. Ungläubig schaue ich hinab und kann nicht fassen, was ich hier alles habe.

Hatte meine Oma einen Freund, von dem ich nichts wusste? Einen Liebhaber oder sogar etwas mehr?

Schnell öffne ich einen und schaue mir zuerst das Datum an. Meine Augen weiten sich, als ich bemerke, dass diese Briefe über fünfzig Jahre alt sind. Über zwanzig Umschläge, die in dieser Kiste jahrelang verschlossen waren.

Warum tauchen sie jetzt auf?

Ohne darüber nachzudenken, kippe ich alles auf den Boden und fange an zu sortieren. Von links nach rechts und nach Datum. Sobald ich zufrieden bin, nehme ich den ersten Brief in die Hand. Tief hole ich Luft, ehe ich anfange zu lesen und in eine Welt eintauche, die mich in ihren Bann zieht.

Es sieht so aus, als hätte ich gerade die perfekte Ablenkung gefunden.

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Heartwarming

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Good Writing

4

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Compelling Plot

3

Compelling Plot

Great Character

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Great Character

Strong Dialog

2

Strong Dialog

View 3 previous comments…
author

Gar nicht so einfach zu entscheiden, liest man die Briefe oder nicht. Sie hat sich dafür entschieden und darum kann Deine Geschichte auch erzählt werden...🫠

7 months
author

Ich kenne diese Geschichte bereits und kann nur sagen: traurig tragödisch sehr schön

7 months
author

Der Anfang der Geschichte ist sehr interessant und emotional. Es könnten noch viele Geheimnisse in diesen nicht abgeschickten Briefen🤔

6 months

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