Das Leben von Sam und David II

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Summary

Insgesamt drei Jahre sind vergangen, seit Sam seinen David in das Leben des BDSM geführt hat. Mit allen Höhen und Tiefen und unter manchmal schwierigen Bedingungen. Beide haben gemeistert, was ihnen das Schicksal zugespielt hat. Doch neue Herausforderungen stehen bereits in den Startlöchern und verlangen unumstößliche Stabilität, inniges Vertrauen und unerschütterliche Liebe.

Status
Ongoing
Chapters
24
Rating
5.0 3 reviews
Age Rating
18+

Urlaub (David)

Die Sonne scheint vom blauen Himmel ohne eine einzige Wolke. Es ist herrlich warm und ich liege entspannt und faul auf meinem Handtuch. Mich stört nicht mal das Kindergeschrei oder das Stimmengewirr der Leute. Ich liege einfach da mit geschlossenen Augen und lausche dem Rauschen des Ozeans.

Mitten in diesem herrlichen Moment legt sich ein Finger auf meine nackte Brust, wandert langsam hoch zu meinem Kinn und ich drehe meinen Kopf etwas zur Seite. Der Finger wandert weiter meine Wange entlang, wird zu einer ganzen Hand und streichelt durch meine Haare.

„Hatte ich dir nicht vor zehn Minuten gesagt, dass du dich eincremen sollst?“, werde ich auf eine Art und Weise gefragt, die den Sub in mir anspricht. Kurz überlege ich, ob ich es mir leisten kann einfach zu nicken, doch Sam hat immer einige Überraschungen parat. Deshalb riskiere ich vor meiner Antwort einen Blick und schaue in wunderschöne blaue Augen, die mich amüsiert, aber mit einem Funkeln ansehen. Und weil ich genau weiß, was das bedeutet, entscheide ich mich im ersten Anlauf zu einer Sicherheitsantwort.

„Ja, Sir. Das hast du.“

„Und warum tust du dann nicht, was ich dir sage?“

„Weil ich dachte, ich hätte noch etwas Zeit. Du hast nicht gesagt, dass ich es sofort machen soll.“

Noch in derselben Sekunde dieser frechen Antwort will ich mich von meinem Handtuch rollen und etwas Abstand zwischen uns bringen, doch Sam kennt mich einfach zu gut und ist vorbereitet. Er vergreift sich in meinen Haaren und sollte ich mich jetzt drehen, tue ich mir nur selbst weh.

„Sag das nochmal“, flüstert er ganz nah an meinem Ohr und ich suche nach dem rettenden Satz, der meine Provokation etwas abschwächt.

„Ich muss da was missverstanden haben. Vielleicht habe ich nicht richtig zugehört. Es ist auch echt laut hier. Da hört man ja sein eigenes Wort nicht, oder?“

Ein leises Lachen verlässt seine Lippen und ich ahne, dass er sich ein paar Gemeinheiten für mich ausdenkt.

„Hey Sam, du hast versprochen mit mir eine Runde zu schwimmen. Wann kommst du?“

Ruby. Wo Timing sonst nicht immer so das Ding meiner Schwester ist, steht sie mit ihrer Forderung gerade genau am richtigen Platz. Und nur das ist der Grund, warum der Wahnsinn in meinem Kopf eine zweite Runde einlegt.

„Du hast es ihr versprochen“, wiederhole ich grinsend.

„Mach es nicht noch schlimmer“, flötet er zurück, greift nach der Sonnencreme und schmeißt sie mir zu. Ich kann sie gerade so auffangen, während er aufsteht und mir mit nur einem einzigen Blick klarmacht, dass ich mich eingecremt haben sollte, wenn er wieder zurück ist.

Niemals hätte ich vor rund drei Jahren gedacht, dass ich mal so eine Beziehung haben würde. BDSM. Das war ein völliges Fremdwort für mich. Ich verdanke es Sams unendlicher Geduld und nicht zuletzt auch seiner Liebe, dass ich den Sub in mir entdecken konnte. Er hat mir immer die Zeit gelassen, die ich brauchte, um den nächsten Schritt zu gehen. Es war nicht immer einfach, aber wir sind gemeinsam diesen Weg gegangen und ich habe es bis heute kein einziges Mal bereut.

Er ist perfekt für mich. Als mein Freund und mein Dom. Ganz besonders schätze ich die Art, wie er mir Raum zur Entfaltung lässt, obwohl ich immer mal wieder an seinen gesteckten Grenzen kratze. Denn als unterwürfig kann man mich, im Gegensatz zu meinem besten Freund Simon, wirklich nicht bezeichnen. Doch ich weiß, wo Gehorsam gefordert ist und wo ich ausbrechen kann. Und das macht das Zusammenleben mit Sam so einzigartig.

Seufzend, weil ich gerade so viel lieber seiner sexy Rückenansicht hinterherlaufen möchte, setze ich mich auf, öffne die Tube und creme mich nach und nach ein. Ich hasse dieses Zeug auf meiner Haut. Alles klebt immer und es dauert seine Zeit, bis alles eingezogen ist. Aber mein Dom besteht darauf und wenn ich an diesem Abend noch einen Rest Hoffnung auf einen auch für mich angenehmen Ausgang haben möchte, sollte ich seinem “Wunsch“ nachkommen.



Einige Stunden später schlendern wir nach einem gemeinsamen Restaurantbesuch zu fünft durch die Straßen. Joschua und mein Vater laufen voran, meine Schwester und Sam dahinter und ich ganz am Schluss.

Ich kann nicht genau sagen warum, aber Sam und Ruby haben seit Anfang an ein sehr gutes Verhältnis zueinander. Sie bewundert ihn, weil er das Leben so leicht aussehen lässt, obwohl er einiges durchgemacht hat. Und er mag sie, weil sie… na ja, einfach weil sie Ruby ist. Sie hat einen starken Charakter, ist selbstbewusst geworden mit ihren dreizehn Jahren und geht ihren Weg. Besonders den, ein Teenager zu werden. Waren vor zwei Jahren Pferde noch das Wichtigste in ihrem Leben, bekommen langsam auch Klamotten und Make-Up ihre Aufmerksamkeit. Und gerade Make-Up gefällt unserem Dad gar nicht. In der letzten Zeit hatten beide immer wieder Diskussionen zu dem Thema. Er meint, sie ist zu jung dafür und sie sagt, aber alle ihre Freunde hätten auch welches. Typische Sachen halt, wenn Mädchen erwachsen werden.

Ich schaue auf und stelle mich zu dem Schaufenster, vor dem alle stehen bleiben und sich etwas ansehen. Dabei zieht Joshua meinen Dad an sich, küsst ihn, schiebt sichtbar seine Zunge vor und ich überlege, ob ich einen Kommentar abgeben soll, doch das übernimmt meine Schwester.

„Boah Paps, echt jetzt? Das ist voll peinlich!“

„Warum?“, fragt Joshua mit einem Lächeln im Gesicht.

„Weil du Dad fast das Gesicht ableckst. Das ist total eklig!“

Ich will schon anfangen zu lachen, sehe dann aber den Blick unseres Vaters.

„Selbst wenn, kleine Dame. Das ist dann immer noch meine Entscheidung.“

Er sagt das so trocken, dass ich nicht anders kann, als loszuprusten und lauthals zu lachen. Damit sichere ich mir direkt alle Blicke meiner Familie.

„Das findest du also lustig“, fragt William und ich kichere vor mich hin.

„Ja, schon. Ich würde zu gerne sehen, wie Joshua dir über das Gesicht leckt und du da stehst, als wäre das total normal.“

Mein Dad rollt die Augen, aber er versteht meinen manchmal echt kindlichen Humor. Gerade dafür liebe ich ihn.

Die Situation löst sich von selbst, als die beiden sich absichtlich nochmal intensiv küssen und wir beide versuchen, kein Wort dazu zu sagen. Wobei Ruby echt ihre Schwierigkeiten hat, obwohl ihr das sonst nie etwas ausgemacht hat. Aber auch das ändert sich wohl, wenn man ein Teenager wird.

Als sich alle wieder in Bewegung setzen, klatschen wir zwei uns heimlich ab und haben dann unser eigenes Gespräch. Über alles, was in Rubys Leben gerade wichtig ist. Vor allem Make-Up wird nochmal zum Thema.

„Kaufst du mir welches?“, flüstert sie und ich versuche so leise wie möglich zu antworten.

„Dad killt mich, wenn ich das mache.“

„Bitte David. Alle meine Freundinnen haben so geiles Make-Up und nur ich bin die Dumme, die ohne daneben steht.“

„Er will dich nur beschützen.“

„Ich bin kein kleines Kind mehr.“

„Natürlich nicht. Genau das ist es ja. Nicht jeder hat nur Gutes im Sinn, Shorty.“

„Ach, komm schon…“

Ein leises Räuspern erinnert uns an Jemanden, den wir völlig vergessen haben. Sam. Er läuft direkt hinter uns und hat wahrscheinlich alles gehört.

Schneller als wir die Lage wirklich begreifen, steht er neben uns und legt schützend seinen Arm um die Schultern meiner Schwester, während wir so weiterlaufen.

„Ich sage es dir nur ungerne, aber Make-Up gibt dir nur die Illusion schöner auszusehen. Sobald du die ganzen Mineralöle und Silikone abschminkst, wirst du erkennen, dass deine Haut darunter leidet. Sie wird austrocknen und verstopfte Poren enden in Pickeln. Dann hoffst du durch mehr Abdeckung, dass niemand das sieht und die Haut wird immer schlimmer. Das endet dann in einem Kreislauf und solltest du mal einen Freund haben, wird er sich wundern, wie deine Haut wirklich aussieht, wenn du dich vor ihm abschminkst. Willst du das wirklich?“

In nicht mal zehn Sekunden hat er meine kleine Schwester Schachmatt gesetzt und ich höre an ihrer Antwort, dass sie es genauso sieht.

„Sam, das ist total fies!“

„Hm hm. Fiese Realität.“

„Manchmal hasse ich es, wenn du einen auf Arzt machst.“

„Na ja, er ist Arzt“, mische ich mich ein, weiß aber gleichzeitig aus leidvoller Erfahrung, was sie meint.

„Okay… gut… ihr habt gewonnen.“

Echt jetzt? So einfach? Nein, das glaube ich nicht. Sie meint wahrscheinlich, wir haben für heute gewonnen. Das passt eher zu ihrem Sturkopf. Und als sie sich aus Sams Arm befreit und ich mit ihm einen Blick austausche, ist klar, dass er genau denselben Gedanken hat wie ich. Aber es ist immerhin ein Teilsieg.

„Mein Arm wäre frei“, bietet er mir den freigewordenen Platz an und ich beeile mich an seine Seite zu kommen. Es ist zwar immer noch warm draußen, aber ich liebe es, wenn er mich an sich zieht und allen anderen damit zeigt, dass ich schon Jemandem gehöre. Nämlich ihm.



Der Rest des Tages zieht schnell an uns vorbei und ich kann es kaum fassen, dass morgen unser Urlaub endet. Ich könnte ewig hier bleiben, faul rumliegen und mein Leben genießen. Aber leider ist das Leben kein Dauerurlaub. Ich habe mit meinem Studium alle Hände voll zu tun und auch Sam wird in seiner Praxis nicht langweilig. Zumal er vor einigen Monaten zu mir kam und danach fragte, ob es für mich vorstellbar wäre, dass er einen Tag in der Woche nachmittags seine Praxis geschlossen hält und sich wieder dem Rettungsdienst öffnet. Und das war wirklich überraschend, denn er hat den Krankenhausdienst damals ja an den Nagel gehängt, um Privat mehr Zeit zu haben und weil er mit vielen schmerzhaften Erfahrungen lernen musste, dass er nicht jedes Leben retten konnte.

Nach langer Überlegung und gegenseitigem Abwägen hat er sich dazu entschlossen, diesen einen Nachmittag in der Woche dem Rettungsdienst zur Verfügung zu stehen.

Anfangs habe ich mir viele Sorgen gemacht. Ob er das gut wegsteckt oder wir als Paar zu kurz kommen. Es hat etwas länger gedauert, bis ich verstanden habe, dass Sam damit auch einen sehr wichtigen Schritt zurück zu seinen eigentlichen Wurzeln geht und hier nur meine stille Rückendeckung gefragt ist.

Vielleicht wäre es auch nicht dazu gekommen, wenn es das eine Gespräch mit Simon nicht gegeben hätte. Denn wie er und die damalige Ärztin einer Notaufnahme Sams Leben retteten, hat Simon dazu gebracht eine Ausbildung im Rettungsdienst zu beginnen. Dort arbeitet er inzwischen und tauscht sich mit Sam immer wieder über medizinische Dinge aus. Auch darüber, wie viel Personal auf der Straße fehlt. Ich glaube, das war der Stein, der das alles ins Rollen gebracht hat. Aber das ist okay für mich, solange es das ist, was Sam tun will.

„Dann haben wir alles für die Abreise morgen geklärt“, höre ich meinen Freund sagen. „Habt eine gute Nacht. Wir sehen uns beim Frühstück.“

Einige Abschiedsfloskeln später schließt sich die Tür und ich könnte trotz der Leute auf dem Flur schwören, dass ich ganz allein mit Sam hier stehe. Ich fühle seinen Blick auf mir, spüre die Präsenz, die von ihm ausgeht und erinnere mich direkt an meine Stänkerei von heute Mittag.

Lässig geht er ohne ein Wort an mir vorbei, schließt die Tür zu unserem Zimmer auf und ich riskiere einen kurzen Blick. Und was ich sehe, kann alles für mich bedeuten. Jede Menge Spaß für uns beide oder nur für ihn. Ein phänomenales Ende für mich oder ein Betteln, was er vielleicht noch erhört oder erhaben weg lächelt. Es liegt ganz bei ihm und das macht es jedes Mal so unfassbar sexy, faszinierend und spannend.

„Brauchst du eine schriftliche Einladung, Kleiner?“, kappt er meinen Gedankenfluss und ich murmele eine leise Entschuldigung, husche an ihm vorbei und finde in meine Rolle.

„Grundstellung“, erklärt er ruhig und besonnen.

Am Anfang unserer Beziehung hätte ich sicher Probleme gehabt, es als Befehl zu verstehen. Man könnte sagen, ich war die Nervosität höchstpersönlich, was mich oft durcheinander gebracht hat. Zweifel und die Angst vor dem Unbekannten nahmen mir häufig die Luft zum Atmen. Doch Sam war immer da, wusste genau, was er tun musste. Und er hat es mit sanfter Konsequenz geschafft, uns eine Basis zu schaffen, auf der wir beide wachsen konnten.

Wie gefordert stelle ich mich schulterbreit hin, lege die Hände auf den Rücken direkt oberhalb des Hinterns ab, so dass sich die Daumen berühren und die Finger einer Hand über denen der anderen Hand liegen. Dazu senke ich ganz leicht den Kopf, aber besonders den Blick.

„Du bist langsam heute und nicht sehr konzentriert.“

Er korrigiert ein wenig meinen Oberkörper nach oben und die Beine weiter auseinander.

Schnell durchforste ich meine Gedanken und stelle erstaunt fest, dass es stimmt. Mir war es gar nicht aufgefallen, aber ich hänge den ganzen Tag schon hinterher. Sei es beim Aufstehen, Eincremen, spazieren gehen, Essen oder Befehle befolgen. Mist.

„Erklärst du mir das?“, lässt er seine Forderung wie eine Frage klingen und macht es mir damit einfach. Mit einem lauten Seufzen suche ich nach den richtigen Worten.

„Bitte entschuldige, Sam. Der Abschied hier fällt mir schwer und ich habe nicht bemerkt, dass ich etwas neben der Spur bin.“

„Neben der Spur und Grenzen testend“, wiederholt er. „Keine gute Mischung, Kleiner.“

„Ist da noch Raum für eine Entschuldigung, Sir?“, versuche ich mein Glück und höre das leise erhabene Lachen, das ich so gerne habe, obwohl es in der Regel ein Nein bedeutet.

„Es waren schon sehr viele Entschuldigungen für einen Tag. Zieh dich aus.“

Oh, Ausziehen. Das klingt gut. Also erstmal.

„Meine Entschuldigungen können sensationell sein“, nehme ich den Mund ziemlich voll, während ich mich Stück für Stück von meinen Klamotten trenne.

Sam beobachtet mich mit einem amüsierten Lächeln und lässt sich nicht in die Karten schauen. Nicht mal dann, als ich nackt vor ihm stehe und dem Wahnsinn eine weitere Chance gebe.

Vorsichtig und langsam streiche ich durch seine wunderschönen schwarzen Haare, am Nacken entlang, nach vorne über seine Brust, bis runter zur Jeans. Über den Knopf bis in seinen Schritt. Und als ich dort stoppe und ganz sacht über den Stoff streiche, redet er mit mir, als würde er das gar nicht merken.

„Weißt du, David“, intensiv schaut er mich an, „der einzige Grund, warum ich dir noch nicht deinen sexy Hintern versohlt habe, ist der, dass ich das Instrument zu Hause vergessen habe, weil du es ausnahmsweise beim Koffer packen aufgeräumt und somit aus meiner Sichtweite gelegt hast. Aber wenn du dein Verhalten nicht sofort anpasst, nehme ich auch gerne meine Hand. Egal wer vor der Tür vorbei läuft oder eventuell etwas im Nebenzimmer hört. Hast du mich verstanden?“

Verdammt, Grenze überschritten. Noch in derselben Sekunde ziehe ich meine Hand zurück und sinke auf die Knie, um ihn damit hoffentlich etwas milder zu stimmen.

„Du verdienst eine kalte Dusche“, sagt er und bevor ich es mich versehe, steht er hinter mir, greift unter meine Arme und hebt mich mit einem Ruck nach oben, um mich dann mit dem Bauch auf dem Bett landen zu lassen. Mein Arsch direkt auf der Kante.

„Und ich kann dir versprechen, dass du eine bekommst, solltest du einen Orgasmus haben.“

Oh, oh. Nicht gut. Sam hat den Dom in sich wiedergefunden, nachdem er die letzten Tage viele Frechheiten unter den Tisch fallen ließ. Ich hätte das mehr würdigen sollen, anstatt es darauf anzulegen. Aber ich liebe nun mal beide Seiten. Gehorsam und Frech.

Ich höre hinter mir einen Reißverschluss und ich habe so viele Ideen, was ich gerne tun würde. Aber ich verhalte mich still, bewege mich nicht und versuche mich darauf vorzubereiten, was kommen wird. Denn wenn Sam ankündigt, dass ich keinen Orgasmus haben sollte, heißt das noch lange nicht, dass ich nicht in der Lage sein werde, einen zu haben. Im Gegenteil. Es wird eher schwierig sein, es zu verhindern.

Und wenn Sam will, dass ich auf verlorenem Posten stehe, dann wird es auch so sein.

Eine Tube wird geöffnet und dann ist er schon hinter mir. Und ich merke schnell, er will einfach nur puren Sex. Kein Vorspiel, kein großes Vorbereiten. Das erste Eindringen ist langsam, damit es nicht weh tut, aber nach ein paar Bewegungen findet er einen schnellen Rhythmus, was mich in echte Schwierigkeiten bringt. Jeder Stoß ist tief und sorgt zusätzlich für Reibung auf dem Bett. Und wenn man nackt ist, macht es das nur schwerer. Die Erregung zieht in meinen Schwanz und da er sich nicht aufrichten kann, tut es zusätzlich weh. Ich versuche mich genau darauf zu konzentrieren und hoffe so die Geilheit zu überlisten, aber mein Körper ist ein mieser Verräter. Das hier ist ja nicht mein erstes Mal und inzwischen vermischt sich so ein leichter Schmerz mit meiner Geilheit und treibt sie nur an. Eine Gänsehaut breitet sich auf meiner Haut aus und Sams Hände legen sich um meine Hüften. Dann zieht er mich etwas hoch. Mein Penis schnellt so schnell nach oben, dass ich einen kurzen Schmerzenslaut nicht unterdrücken kann.

Sam hält kurz inne, versenkt sich dann noch etwas tiefer und legt eine seiner Hände sanft um meinen Schwanz. Doch der erste Gedanke ist keine Erleichterung, so wie noch am Anfang unserer Beziehung. Als ich noch ahnungslos war.

„Bitte gib mir eine Chance, Sam“, wimmere ich leise, doch seine Hand fährt langsam auf und ab.

„Warum sollte ich das tun?“, fragt er in aller Seelenruhe und ich ahne, das hier wird ein Drahtseilakt.

„Ich weiß, ich habe meinen Gehorsam die letzten Tage vergessen und dich herausgefordert, aber bitte lass den Urlaub nicht mit einer kalten Dusche enden.“

Er pumpt mich weiter. Langsam, aber spürbar und ein leichtes Kribbeln zieht vom Unterleib in gefühlt alle Richtungen.

„Die Erkenntnis kommt sehr spät.“

„Ich weiß, Sir“, sage ich angestrengt atmend und spiele alle Karten auf Ehrlichkeit.

„Gesetz den Fall, ich würde überlegen dich heute davonkommen zu lassen… dann erwarte ich in den nächsten, sagen wir mindestens achtundvierzig Stunden, eine deutliche Verbesserung deines Verhaltens. Fällst du in dieses Muster zurück, gehe ich konsequent dagegen vor. Ich hoffe, du hast mich verstanden.“

„Klar und deutlich, Sir“, gebe ich von mir, obwohl mein Verstand und auch mein Körper alle Hände voll damit zu tun haben, nicht zum Höhepunkt zu kommen.

In dem Moment, wo Sam mir eine Hilfestellung schenkt, indem er seine Hand wieder an meine Hüfte legt, überkommt mich eine leichte Welle von Frust über den zwar verbotenen, aber auch verpassten Höhepunkt. Das ist eigentlich nichts Neues in diesem Zusammenhang und trotzdem kann ich es nicht so gut ignorieren wie sonst.

„Atmen, David.“ Wenn einem nicht mal auffällt, dass man die Luft angehalten hat, ist man wirklich neben der Spur. „Tiefer… noch tiefer… du machst das gut… atme bewusst... du kannst den Frust ertragen.“

Seine Worte legen sich wie Balsam auf meine Seele und ich liebe ihn dafür, dass er meinen leichten Umschwung bemerkt und sofort gegensteuert, ohne sich selbst aus den Augen zu verlieren.

„Okay?“, flüstert er nach ein paar Sekunden.

„Okay“, bestätige ich, entspanne mich und Sam nimmt langsam seinen Rhythmus wieder auf. Natürlich kommt die Erregung zurück, doch ich halte es deutlich besser aus, weil ich weiß, alles ist nur auf seinen Orgasmus ausgelegt und ich bin nicht mehr wirklich gefordert. Ich genieße sogar diesen Zustand, auch wenn ich weiß, dass ich definitiv keinen Höhepunkt haben werde. Auch das war mal ganz anders und hat einige Lernstunden gebraucht, um an diesem Punkt anzukommen.

Sams letzte Stöße werden härter und auch wenn er mir kein Stöhnen oder etwas in der Richtung gönnt, spüre ich seine Explosion trotzdem, als er tief in mir inne hält, sich sein ganzer Körper anspannt und er sich kurz danach aus mir zurückzieht.

Er säubert uns notdürftig, zieht mich vorsichtig vom Bett, sieht mir zufrieden in die Augen, haucht einen Kuss auf meine Lippen und fragt: „Warme Dusche?“

„Total gerne.“



Eine halbe Stunde später liege ich an meinen Master gekuschelt im Bett. Die Dusche hat mir gut getan und ich bin zur Ruhe gekommen. Aber ich finde es trotzdem schade, dass der Urlaub morgen vorbei ist.

„Mach deinen Kopf frei, Kleiner. Du kannst den Umstand nicht ändern.“

„Du sollst nicht immer meine Gedanken lesen“, beschwere ich mich halbherzig.

„Und du sollst mir nicht immer widersprechen.“

Stimmt, soll ich nicht. Aber mein Hirn ist leider oft viel langsamer als mein vorlautes Mundwerk.

„Es war traumhaft. Wir sollten das auf jeden Fall irgendwann nochmal machen.“

„Hm hm“, gibt er mir recht, dreht mich zur Seite, kuschelt sich von hinten an und legt den Arm um mich. „Schlaf jetzt.“

Ein warmer Kuss landet in meinem Nacken und ich versuche mich zu entspannen.

„Gute Nacht, Sam.“

„Gute Nacht, mein Kleiner“, flüstert er, drückt mich an sich und ich fühle mich direkt geborgen, aber immer noch nicht müde.

Es vergehen viele lange Minuten. Sam atmet immer ruhiger und schläft schnell ein, während ich das Zeitgefühl verliere. Es könnte eine halbe Stunde um sein oder schon drei. Ich habe keinen Plan.

Vorsichtig befreie ich mich aus der Umklammerung und laufe so leise wie möglich zur Terrasse, gehe nach draußen und kriege vor Schreck fast einen Herzkasper, als jemand meinen Namen ruft.

„Ruby? Was zur Hölle machst du hier draußen?“

„Das könnte ich dich auch fragen“ grinst sie mich zwei Balkone weiter an.

„Kann nicht schlafen“, maule ich ein bisschen.

„Ich auch nicht. Der Urlaub war einfach zu geil. Es ist so blöd, dass wir schon nach Hause müssen. Ich habe keinen Bock auf Schule.“

„Kenn ich. Aber nach einer Weile kommt man mit ihr klar und kann sich sogar drauf freuen.“

Wir starren uns gegenseitig an, ich versuche keine Miene zu verziehen und trotzdem lachen wir Sekunden später über meinen Schwachsinn. Entweder geht man gern zur Schule oder eben nicht. Aus welchen Gründen auch immer.

Wir puschen uns hoch und mitten in unserem lauten Lachanfall geht hinter dem Fenster des mittleren Balkons plötzlich das Licht an und wir schalten sofort. Kurz die Faust gezeigt, was für uns beide sowas wie “Kopf hoch“ oder“ Bleib stark“ heißen soll und dann verschwinden wir schnell wieder in unseren Zimmern.

Leise schließe ich die Tür, schaue zum Bett und bin mir nicht sicher, ob Sam wach ist. Er hat sich gedreht und liegt mit dem Gesicht zum Fenster. Vorsichtig schleiche ich auf meine Seite, lege mich fast in Zeitlupe rein und Triumph fließt durch meine Adern, weil ich es geschafft habe, ihn nicht zu wecken. Zumindest so lange, bis ich die Decke über mich lege und seine Stimme höre.

„Ich tue jetzt so, als hätte ich euch nicht gehört.“

Einen kurzen Moment überlege ich zu sagen, ich tue so, als hätten wir nichts gesagt. Aber dann ist mir der Frieden und der Schlaf doch wichtiger und ich kuschele mich als Antwort lieber von hinten an ihn ran. Er fasst nach meinem Arm, legt ihn über seine Hüfte und braucht nichts weiter zu sagen. Minute für Minute komme ich runter, entspanne mich und falle dann endlich in einen ruhigen Schlaf.