Prolog
Die Verwandlung war kein sanftes Einschlafen. Es war eine Explosion. Ein gewaltiger Riss im Gewebe meiner Existenz, der alles Menschliche in mir wegbrannte und Platz für etwas schuf, das weitaus hungriger, schneller und wilder war.
Ich erinnere mich an den Geschmack von Blut – süß wie schwerer Wein und heiß wie flüssiges Gold. Ich erinnere mich an die massiven Arme, die mich hielten, als meine Welt in Trümmer brach. Und ich erinnere mich an die Augen, die mich in der Dunkelheit beobachteten: Draven. Ein Mann, der so alt war wie die Schatten selbst und der mich mit einem einzigen Blick dazu bringen konnte, gleichzeitig zu zittern und zu brennen.
In der Villa der Schattenjäger hätte ich eine Gefangene sein sollen. Eine zerbrechliche Neugeborene, die vor Angst in der Ecke kauert. Doch als ich das erste Mal die kalte Luft der Nacht einatmete und diesen seltsamen, blumigen Duft wahrnahm, der aus meinen eigenen Poren zu strömen schien, wusste ich: Ich würde mich nicht beugen.
Ich war keine Blume, die man pflückt und in eine Vase stellt. Ich war eine Wildnis, die gerade erst erwachte.
„Du bist ein Problem, Runa“, hatte Draven in jener ersten Nacht geraunt, während er mich mit einer Mischung aus Misstrauen und unbändigem Verlangen ansah.
„Dann fang besser an, Lösungen zu finden“, hatte ich geantwortet.
Es war der Beginn eines Spiels, das keine Regeln kannte. Ein Spiel aus Flucht und Fang, aus Training und Verführung, aus markerschütternden Schreien und leisem Lachen in der Küche. Ich wusste noch nicht, dass ich Dravens unerschütterliche Welt aus den Angeln heben würde. Ich wusste nur, dass die Nacht mir gehörte – und dass ich bereit war, jeden Zentimeter davon auszukosten.
Die Jagd hatte gerade erst begonnen. Und diesmal war ich es, die das Tempo bestimmte.