Kapitel 1 Ankunft in Manhattan
Der Zug quietschte in der Station Grand Central. Celine Broker atmete tief ein, als ihre Füße zum ersten Mal den Boden von Manhattan berührten. Ihr kleiner Koffer wog schwer in ihrer Hand, während die Menschenmassen sie umströmten. Stimmen, rollende Koffer, quietschende Schuhe – alles verschmolz zu einem chaotischen Klangteppich, der sie beinahe zu überwältigen drohte.
Celine war klein, kaum größer als 1,60 Meter, zierlich und unscheinbar inmitten der riesigen Stadt. Ihr schwarzes Haar fiel weich über die Schultern, und ihre eisblauen Augen suchten die Menge ab – neugierig, vorsichtig, bereit, sich ihren Weg zu bahnen. Sie fühlte sich wie ein winziger Funke in einer gigantischen Maschine.
Ihre Tante May hatte ihr ein behütetes Leben geschenkt. Ihre Eltern waren früh gestorben, das wusste sie, doch wie und warum, das hatte Tante May nie erzählt. Auf dem Land hatte Celine Sicherheit gefunden, doch jetzt war die Stadt ihr neues Zuhause – und ihre Neugier trieb sie voran.
Ihr Apartment in Lower Manhattan war klein, kaum zwanzig Quadratmeter. Ein Bett, ein Schreibtisch, ein Fenster, das auf nasses Kopfsteinpflaster blickte. Die Straßen glänzten im Licht der Laternen, doch das Leuchten konnte die Unruhe in ihr nicht vertreiben.
Sie stellte den Koffer ab und zog die Kette unter ihrem Oberteil hervor – den Löwenkopf. Ein Erbstück ihrer Eltern, das niemand kannte. Sie drückte den Anhänger an ihre Brust und spürte einen leisen Schauer.
„Wer waren sie wirklich?“ flüsterte sie, Tränen in den Augen. „Warum musste alles so enden?“
Hoch über der Stadt saß Valentin Sandos in seinem Büro. Groß, muskulös, perfekt gekleidet, mit tiefgrünen Augen, die jede Bewegung der Stadt erfassten. Tattoos blitzten kurz unter seinen Anzügen hervor. Er war skrupellos, gefürchtet und berechnend. Sein Leibwächter Leo stand schweigend neben ihm, bereit, alles auszuführen, was Valentin verlangte.
Er hatte von einem Mädchen gehört – neu in Manhattan, geheimnisvoll. Noch wusste er nicht, wer sie war, aber etwas sagte ihm, dass sie wichtig werden würde. Heute würde er mehr herausfinden.
In ihrem kleinen Zimmer spürte Celine, dass ihr Leben nie wieder unbeschwert sein würde. Die Nacht von Manhattan legte ihre Schatten über alles – und der Löwenkopf an ihrer Brust schien heller zu leuchten, als wüsste er, was kommen würde.








