Kapitel 1
Savannah
Ich war 16, als ich von meinem Onkel das erste Mal bei dem Spiel eingesetzt wurde. Kurz vorher waren meine Eltern bei einem Autounfall gestorben; daraufhin kam ich zu meinem Onkel und seiner Freundin. Sie hassten mich vom ersten Tag an, egal ob sie mich noch gar nicht kannten oder mich nur einmal in ihrem Leben gesehen hatten. Ich war für sie nur ein nerviges Etwas, um das sie sich kümmern sollten.
Wenn man in dieser Welt genug Geld hat, darf man an Glücksspielen teilnehmen, die jegliche Grenzen überschreiten. Natürlich wurde ich direkt bei der nächsten Gelegenheit dort eingesetzt. Der 18. Dezember ist der einzige Tag im Jahr, vor dem ich Angst habe, denn bis jetzt — neun Jahre nach dem ersten Spiel — wurde es nie besser, außer einmal.
Ich kam mit 22 zu einer alten, sehr lieben Dame, Luise, die mich gewonnen hatte und sich tatsächlich freute. Ich wurde wie eine Tochter von ihr behandelt und sie war froh, mich zu haben. Ich war so glücklich, endlich jemanden zu haben, der mich auch wollte und mich nicht als Dienstmädchen oder Dreck behandelte. Bei ihr musste ich keine Angst haben, sondern wurde beschützt, sogar vor ihrem ekelhaften und hinterhältigen Enkel.
Leider starb Luise nach nicht einmal sechs Monaten plötzlich. Natürlich musste ich daraufhin zu ihrem Enkel Desmond ziehen. Ich hatte solche Angst in der Nacht, wenn er vor meinem Zimmer auf und ab lief, dass ich die meiste Zeit zitternd vor Erschöpfung einschlief. Ich bekam kaum etwas zu essen von ihm und seiner Frau, weil sie es für Verschwendung hielten. Also bekam ich nur so viel, dass ich überleben konnte und genug Kraft hatte, den Haushalt zu erledigen.
Eines Tages wurden seine Blicke intensiver, und mir wurde bewusst, dass der 18. Dezember endlich kommen musste — sonst würde er meine Jungfräulichkeit nehmen. Das war das Einzige, was mir noch gehörte, und ich wollte es auf keinen Fall verlieren. Ich dachte, ich hätte es bald geschafft, als er mich am 15. Dezember nachts in meinem Zimmer einschloss.
Rückblick:
Ich hörte das Knarren der Tür. „Bitte lass es nicht er sein…“ Schweißperlen tropften von meiner Stirn. Ich spürte eine Bewegung hinter mir auf dem Bett und wusste an seinem aufdringlichen Geruch, dass es Desmond war. Und ich wusste, dass nur er meine Jungfräulichkeit nehmen wollte; es konnte niemand anderes sein.
Desmond flüsterte mir ins Ohr: „Du wirst mir jetzt zuhören, du kleines Miststück! Du warst in den letzten Monaten frech und unbrauchbar, und ich musste dich hier durchfüttern. Ich glaube, du kannst dich endlich mal erkenntlich zeigen. Oder meinst du nicht?“ Mir stockte der Atem, und ich wusste nicht, wie ich aus dieser Situation herauskommen sollte. Es kam kein Ton aus meinem Mund. Ich wollte schreien oder weglaufen, aber mein Körper war nicht mehr unter meiner Kontrolle.
Ich spürte seinen widerlich warmen Atem an meinem Ohr und an meinem Hals etwas Kühles und Spitzes — er hatte ein Messer. Desmond fing an zu stöhnen, als er mir unter der Decke, die ich so fest hielt, als hinge mein Leben davon ab, grob die Brust umfasste. Er flüsterte wieder: „Ich werde dafür sorgen, dass du dir wünschst, nie geboren worden zu sein, wenn du nur einen Mucks von dir gibst, hast du mich verstanden?“ Ich konnte nur nicken. Wie sollte ich nur aus dieser Situation flüchten mit einem verdammten Messer an meinem Hals?
Er drehte mich auf den Rücken und zog die Decke weg. Ich starrte ihn an, als er mich grinsend und sabbernd betrachtete. Ich betete, dass jeden Moment irgendwer hier in mein Zimmer kommen würde, aber es kam niemand. Ich würde meine Jungfräulichkeit an diesen stinkenden, ekelhaften, sabbernden Mann verlieren, der mir in den letzten Monaten jeglichen Lebensmut genommen hatte. Jetzt würde er mir auch den Rest nehmen.
Seine Hand glitt zwischen meine Beine und rieb so gefühllos, dass es weh tat. Mir liefen immer mehr Tränen, und ich versuchte, mich von ihm wegzudrehen. Er drückte das Messer immer fester an meinen Hals; ich glaube, es blutete schon, denn etwas Warmes lief in meinen Nacken. Er stöhnte weiter und schlug mir plötzlich ins Gesicht, dabei bewegte er sich zwischen meine Beine, die ich versucht hatte geschlossen zu halten, aber keine Chance hatte. Er rieb sich an mir, und ich bemerkte seine Erektion, die mich noch mehr anekelte. Ich wollte sie nicht spüren, aber was sollte ich tun?
Er glitt mit seinem Messer zu meinen Brustwarzen und flüsterte mir ins Ohr: „Deine Titten sind prächtig. Schade, dass sie das nach dieser Nacht nicht mehr sein werden.“ Er lachte und drückte das Messer auf meine Brustwarze, die zu bluten anfing. Ich schrie, weil ich diesen Schmerz nicht mehr aushalten konnte. Alles schien mit meinem Körper zusammenzubrechen und brannte einfach. Er schlug mir wieder ins Gesicht, weil ich nicht aufhören konnte zu schreien. Er versuchte, meinen Mund zuzuhalten, aber ich war zu laut — dann ging die Tür auf und Evelin, seine Frau, stolperte entsetzt ins Zimmer.
„Du verdammte Hure, ich wusste, du verführst meinen Mann!“ schrie sie. Ich schüttelte den Kopf und wollte aufstehen, ihr zeigen, dass ich Verletzungen an meinem Körper hatte, aber dazu kam ich nicht: Er nahm sein Messer und schnitt mir damit in den Bauch. Ich brach direkt zusammen, und alles wurde schwarz… vielleicht sogar, Gott sei Dank.
Ich wurde in einem Nebenraum wach und wusste, dass ich wieder eingesetzt worden war. Ich wusste nicht, wer mich als Nächstes gewinnen würde, aber konnte es noch schlimmer werden, fragte ich mich. Ich dachte an Luise und vermisste die alte, nette Dame. In den letzten drei Jahren wurde es nicht schlimmer, aber auch nicht unbedingt besser. Es kamen Narben dazu, und blaue Flecken hatte ich immer, jeden Tag. Die Menschen, die mich besaßen, fanden immer Gründe, mir wehzutun — ich brauchte eigentlich nur zu atmen.
Jetzt bin ich 25 Jahre und siehe da: wieder sitze ich in dem verdammten Nebenraum und warte, wer mich holen kommt. Es dauert vier Stunden, bis endlich die Tür aufgeht und ein Mann mit grau-schwarzem Haar in den Raum kommt, in dem ich auf einem Stuhl sitze. Hier gibt es nichts außer weißen Wänden, einem Stuhl und einer Toilette in der Ecke.
Der Mann kommt auf mich zu und reicht mir die Hand. Mit einem Grinsen stellt er sich als Mike vor. Ich erhebe mich, lege zögerlich meine Hand in seine und bemerke, dass er sie behutsam hält. Noch keiner meiner Besitzer hat mich je so berührt; immer war es grob und fest, so dass es weh tat. Aber ich freue mich lieber nicht zu früh, denn am Ende werde ich sicher wieder kein Glück haben. Ich flüsterte: „Danke, ich bin Savannah.“
Er führt mich zum Ausgang, und zwei Männer in schwarzen Anzügen warten an der Tür. Einer der Männer öffnet die Hintertür und deutet mir, dass ich mich in den SUV setzen soll. Ich setze mich auf die Rückbank; neben mir sitzt Mike und schaut mich beruhigend an. Ich fühle mich seltsam sicher, etwas, das mir in meinem Leben nicht oft passiert ist.
Als alle im Wagen sitzen, fahren wir los, und Mike fragt: „Warum zitterst du, Savannah?“
„Es tut mir leid, ich habe es gar nicht gemerkt und versuche, es zu unterlassen“, antworte ich. „Savannah, du brauchst keine Angst vor mir zu haben. Ich weiß nicht, was du durchgemacht hast, aber hier bei mir und meinem Sohn wirst du nichts Schlimmes erleben“, sagt er und nimmt währenddessen meine Hand. Mir laufen Tränen über das Gesicht, und ich fange an zu schluchzen. Sollte ich wirklich mal Glück haben? Sollte sich wirklich jemand um mich kümmern?
„Ich danke Ihnen“, spreche ich. Er hebt sofort die Hand, und ich zucke zurück. „Oh nein, stopp, ich wollte nicht… also, ich tue dir nichts, versprochen. Ich wollte nur sagen: Stopp, bitte nenn mich einfach Mike und duz mich“, sagt er. Ich finde es so verwirrend, dass jemand so nett ist, und muss sofort an Luise denken, die auch immer so vorsichtig mit mir umging.
„Könnte ich dich bitten, mir einige Fragen zu beantworten?“ fragt er. Ich nicke, und er beginnt, mich nach meinem Alter und meinen Eltern zu fragen. Dann meint er, dass er mir erst einmal Zeit geben wolle, um mich einzugewöhnen.
Dann sehe ich, wie wir durch ein riesiges Tor fahren, wo noch mehr Männer in schwarzen Anzügen stehen. Überall sind Kameras, und einige Männer laufen mit Hunden herum. Ich bewundere das Haus, auf das wir zufahren, denn es ist riesig, mit wunderschönen Blumen auf beiden Seiten der Auffahrt. Den Eingang erreicht man über eine lange Treppe. Ich sehe mich um und bin beeindruckt, dass alles so hell und freundlich aussieht; ich hätte eher etwas Sterileres erwartet, wenn er von sich und seinem Sohn sprach.
„Gleich wird dir Miss Lorenz dein Zimmer zeigen, und ich hoffe, es gefällt dir und dass du eine gute erste Nacht hast“, sagt Mike. „Wir können gerne morgen frühstücken und alles besprechen, was wir in der Zeit, die du bei uns bist, erwarten. Hab aber keine Angst — es wird nichts Schlimmes sein, versprochen.“
„Danke“, erwidere ich und steige aus dem Wagen, als meine Tür geöffnet wird. Mike begleitet mich die Treppe hoch und öffnet mir die Tür. Ich trete in einen Empfangsbereich, der mir fast die Sprache verschlägt: Alles ist in einem hellen Cremeton gehalten, mit vielen Blumen dekoriert, und durch die Decke fallen Sonnenstrahlen. Ich sehe nach oben und entdecke eine wunderschöne Glaskuppel.
Vor mir steht eine kleine, etwas rundlichere Frau und strahlt mich an; ich kann nicht anders, als zurückzulächeln. „Ich bin Miss Lorenz, ich freue mich sehr, dich kennenzulernen“, stellt sie sich vor und nimmt mich direkt in die Arme. Erst wird mein ganzer Körper starr, aber dann spüre ich ihre Wärme, wie damals von meiner Mutter. Sie flüstert mir ins Ohr: „Nenn mich gerne Olivia, und sollte irgendetwas sein, komm zu mir, egal was es ist.“
Sie geht mit mir an der Hand eine große Wendeltreppe hoch, und wir laufen an einigen Türen vorbei. Wir stehen vor zwei Doppeltüren, eine links und eine rechts. „Das ist dein Zimmer, und ich hoffe, es ist alles zu deiner Zufriedenheit“, sagt sie und drückt mich. Ich will gerade die Tür öffnen, als jemand sie aufreißt und in mich hineinläuft — mit so einer Wucht, dass ich auf den Boden falle.
„Scheiße“, höre ich in einer dunklen, tiefen Stimme. Ich sehe hoch und kann meinen Augen nicht trauen.