LIEBE OHNE DREHBUCH

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Summary

Sie hasst seine Filme. Er liebt ihr Buch. Blöd nur: Jetzt sucht er sie. Gabriela schreibt Dark Romance, hat eine große Klappe und mit Romance ungefähr so viel am Hut wie ein Biker mit rosa Glitzerhelm. John ist Hollywoodstar, charmant bis zur Körperverletzung – und leider Fan ihres Buches. Als er beschließt, sie ausgerechnet beim Elefantentreffen im Bayerischen Wald zu finden, treffen Schnee, Glühwein, Motorräder und zwei sehr große Egos frontal aufeinander. Eine RomCom mit bissigem Humor bayerischem Chaos und einem Hollywoodstar, den Gabriela am liebsten im Schnee verbuddeln würde.

Status
Ongoing
Chapters
15
Rating
4.9 13 reviews
Age Rating
18+

Dark Romance auf Sächsisch

JOHN

Hingebungsvoll stand Dolly, meine Haushälterin – geschniegelt, … na ja, zumindest geschniegelt im Rahmen ihrer Möglichkeiten – vor mir, gefesselt an dem hölzernen „Kreuz“, das ich für sagenhafte 26,95 bei eBay irgendwo aus Sachsen geschossen hatte. Ein echtes Schnäppchen. Vermutlich auch der Grund, warum es bei jedem zweiten Atemzug bedenklich knarzte.

Ihre Lippen bebten erwartungsvoll, wie jeden Mittwoch. Ihr persönlicher „Durchstaub-Tag“, wie sie es so poetisch nannte. Ich hingegen versuchte, meiner Rolle gerecht zu werden: dunkel, gefährlich, dominant.

Spoiler: Ich kam aus Sachsen. Das machte die Sache… schwierig.

„Na, Dolly…“, setzte ich an und versuchte, meine Stimme tief und bedrohlich klingen zu lassen. Heraus kam irgendwas zwischen „Tatort-Kommissar“ und „Bäckermeister auf Koffein“. Ich räusperte mich. Konzentrier dich, verdammt.

Mit maximaler Dramatik griff ich zur schwarzen Lederpeitsche an der Wand. Rein optisch eher ein Pinterest-Deko-Objekt als ein ernstzunehmendes Instrument, aber hey – Haltung ist alles.

Ich hob elegant die Peitsche, – zumindest in meinem Kopf –, schwang sie nach hinten, bereit für den perfekten, kontrollierten Schwung nach vorne zu Dollys unfemininem Körper… naja, was konnte man schon erwarten mit 76? Das Silikon von einst hatte offenbar längst den Ruhestand angetreten, so wie Dolly auch , und die Feuchtigkeit… sagen wir, die hatte sich diskret aus "dem Staub "gemacht , im wahrsten Sinne .

Also ..ich hob elegant die Peitsche und dann passierte es. Ein trockenes, fast beleidigtes Plopp ertönte. Die Peitsche hatte sich im Knauf unseres IKEA-Hemnes-Schranks verfangen. Dem gleichen Schrank, den wir letzte Woche zusammengebaut hatten. Mit 15 eigenen Spax Schrauben, weil die Hälfte fehlte.

Ich erstarrte. Ganz ruhig bleiben. Das ist lösbar. Vorsichtig zog ich

Nichts.

Ich zog etwas stärker. Der Schrank knarzte.

„Alles… unter Kontrolle“, murmelte ich und warf Dolly einen möglichst souveränen Blick zu.

Ich zog noch einmal. Diesmal mit Nachdruck. Die Peitsche zog zurück und plötzlich war ich nicht mehr der dominante Herr der Lage, sondern ein erwachsener Mann im direkten Kräftemessen mit einem Möbelstück aus Pressspan. Ich versuchte, mich elegant zu befreien. Wirklich. Aber je mehr ich zog, desto mehr zog die Peitsche zurück – wie ein trotziges Gummiband mit Rachegelüsten.Nochmal ein letzter, kraftvoller Ruck.

Großer Fehler.

Die Peitsche schnellte los.

Mein Gleichgewicht verabschiedete sich höflich und mein gesamter, ach so gefährlicher Körper machte eine ausgesprochen undominante Bewegung nach vorne.

Direkt Richtung Kreuz.

Direkt Richtung Dolly.

Direkt ins Verderben.

„Oh Gott—!“, rief sie noch.

Ich krachte halb stolpernd, halb fliegend gegen sie. Das Kreuz schwankte bedrohlich, als hätte es selbst keine Lust mehr auf diese Situation. Für einen kurzen Moment standen wir beide einfach nur da – eingefroren in einer sehr fragwürdigen Pose. Dann kippte alles.

Ich rutschte ab, verlor endgültig die Kontrolle und landete mit einem unsanften RUMMS neben dem Bett. Mein Kopf traf die Kante des Queensizebetts. Natürlich auch IKEA.

Sterne explodierten vor meinen Augen. Bunte. Sehr viele bunte. Da lag ich nun, flach und würdelos auf dem Rücken während Dolly über mir hing. Immer noch gefesselt. Jetzt allerdings… schief- Sehr schief....


Ungläubig schnellte meine Augenbraue nach oben, während mein Blick immer wieder über dieselben Zeilen glitt, als würden sie sich heimlich verändern, sobald ich blinzelte. Noch einmal laß ich die Stelle, dann noch einmal und schließlich ein drittes Mal, einfach um sicherzugehen, dass ich mir das hier nicht gerade komplett zusammenhalluzinierte.

Was zum Teufel machte dieser Typ da?

Für einen kurzen Moment wurde es still in meinem Kopf, doch dann lief die Szene wie ein Film vor meinem inneren Auge ab. Dramatische Musik setzte ein, Schatten krochen über die Wände, Spannung lag in der Luft, und da war dieser Kerl, der offensichtlich überzeugt war, gefährlich zu sein. Wirklich gefährlich. So gefährlich, dass vermutlich selbst sein Spiegelbild Respekt vor ihm hatte.

Und dann kam der Moment.

BAM.

IKEA-Bettkante.

Ich verlor völlig die Fassung. Ein lautes, unkontrolliertes Lachen brach aus mir heraus, so heftig, dass ich mich kurz nach hinten werfen musste, um überhaupt noch Luft zu bekommen. Das war kein cooles, kontrolliertes Lachen, kein lässiges Schmunzeln, sondern dieses peinlich ehrliche Gelächter, bei dem man Geräusche macht, die man sonst nur aus Tierdokumentationen kennt. Gemächlich lehnte mich zurück, schüttelte den Kopf und rang nach Luft, während ich versuchte, mich wieder einigermaßen zu beruhigen.

Das sollte Dark Romance sein?

Das war doch keine Dark Romance. Das war ein sächsischer Endkampf gegen Möbel.

Grinsend wischte ich mir über den Mund, drehte das Buch in meinen Händen, als könnte ich irgendwo einen Hinweis entdecken, dass das alles ein Scherz war. Kopfschüttelnd las ich den Klappentext.

Autorin: Gabriela Schmidt. Germany.

Meine Augenbraue wanderte erneut nach oben, diesmal noch ein Stück weiter. „Okay…“, murmelte ich leise, während ich das Buch skeptisch musterte, „ich wusste ja nicht, dass die Deutschen so einen Humor haben.“ Ich verzog leicht den Mund. „Also… die Sachsen gehen da ja komplett anders rein.“

Belustigt ließ ich mich tiefer in mein Chesterfield-Sofa sinken und betrachtete das Cover. „Ich meine, ganz ehrlich“, setzte ich an und schnaubte leise, „wenn ich mir einen dunklen, gefährlichen Typen vorstelle, dann kämpft der gegen Feinde, vielleicht gegen Dämonen oder gegen sich selbst.“ Ich hob das Buch ein Stück an und sah es streng an. „Aber nicht gegen einen Hemnes-Schrank.“

Ein weiteres Lachen entkam mir, dieses Mal begleitet von einem kurzen Kopfschütteln. „Und schon gar nicht verliert er.“ Ich lehnte mich zurück und stellte mir gerade vor, wie ein Sachse versucht, bedrohlich zu klingen. Ich räusperte mich demonstrativ tief. „Komm her… ich bin gefährlich…“ Ich verzog belustigt das Gesicht. „…und im nächsten Moment klingt es, als würde er dir ein Brötchen verkaufen.“

Ein erneuter Lacher brach aus mir heraus und kurz musst ich mich am Sofa festhalten, um nicht wirklich abzurutschen. „Sorry, aber ganz ehrlich, ich liebe das hier.“

Eigentlich war so etwas absolut nicht mein Ding. Ich las keine sächsische Dark Romance. Aber ich musste zugeben: Es war viel zu amüsant, um das Buch wegzulegen. Ehrlich, wer kam auf solche Ideen? Diese Gabriela offenbar. Diese Frau schrieb, als hätte sie beim Tippen ein Glas Wein neben der Tastatur stehen und gleichzeitig mit jeder Figur einen Streit angefangen. Der Humor war trocken, scharf und herrlich respektlos.

Natürlich konnte so etwas nur aus diesem ganz speziellen Galgenhumor entstehen, den man offenbar entwickelte, wenn man deutsche Alltagsnüchternheit mit sächsischer Schnauze und Dark-Romance-Wahnsinn mischte.

Normalerweise sah mein Leben anders aus. Bestenfalls stand ein Glas Wodka in meiner Nähe, die Musik dröhnte im Hintergrund, und mein Bass hing schwer an meiner Schulter, während ich mit meiner Band an Songs feilte, bis jeder Takt saß und aus Lärm endlich etwas wurde, das nach uns klang.

Und wenn ich nicht im Studio oder vor der Kamera stand, dann fand man mich irgendwo in meiner Garage zwischen meinen Maschinen, fünfzehn Harley-Davidson, jede mit ihrer eigenen Geschichte. Ich nannte sie Garage, aber andere würden sie vermutlich eher als Flughafen-Terminal bezeichnen. Zwölfhundert Quadratmeter, in denen ich manchmal einfach nur stand, mich einmal im Kreis drehte und mich fragte, ob ich inzwischen ein eigenes Postleitzahlengebiet brauchte.

Nebenbei ließ ich noch ganz entspannt eine kleine Produktionsfirma laufen. Nichts Besonderes, nicht ganz auf dem Level von Fox oder Paramount, aber ich kam mehr als gut zurecht. Ich hatte meine eigenen Studios auf Hawaii, und ja, ich lebte dort in einem Strandhaus, das man vielleicht nicht unbedingt als klein bezeichnen würde. Zwölf Schlafzimmer, zehn Bäder und drei Küchen, weil man ja nie weiß, wo man gerade stehen möchte, wenn man plötzlich beschließt, emotional zu kochen.

Ganz normaler Alltag also.

Und jetzt saß ich hier mit einem Buch über einen Kerl, der sich selbst mit einer Peitsche außer Gefecht setzte.

Leise atmete ich wieder aus, hob das Buch an und grinste. „Ah… stimmt“, sagte ich und nickte leicht. „Ich habe mich ja noch gar nicht vorgestellt.“ Ein schiefes Lächeln legte sich auf meine Lippen. „John.“

Kurz hielt ich inne. „Ja, genau,der mit dem Dreizack, zu viel Muskeln und definitiv zu wenig Stoff.“ Ich deutete mit dem Buch in die Luft. „Und jetzt fragt ihr euch wahrscheinlich, warum ausgerechnet ich hier sitze und so etwas lese.“

Ich zuckte mit den Schultern. „Ehrlich? Ich habe keine Ahnung.“

Mein Blick wanderte kurz zur Schranktür im Raum, und für einen Moment verengten sich meine Augen leicht. „Das Ding lag irgendwann auf einem Filmset herum, zwischen Requisiten und all dem Chaos“, erklärte ich und blätterte zurück zu der Szene. „Ich habe es einfach eingesteckt. Heute öffne ich meinen Schrank und dieses Buch springt mir praktisch ins Gesicht.“ Ich schnaubte leise. „Als hätte die Autorin geschrien: Nimm mich, John, hier ist ein Typ, der gegen IKEA-Möbel verliert.“

Grinsend schüttelte ich den Kopf. „Ganz ehrlich, ich wollte nur kurz reinschauen“, mein Finger tippte auf die Seite. „Jetzt will ich wissen, wie es weitergeht.“ Ich nickte leicht. „Wenn das hier der Anfang ist, dann wird das noch richtig eskalieren.“

Ich lehnte mich ein Stück zurück, schlug die nächste Seite auf und ließ meinen Blick über die Worte gleiten. „Das ist keine Dark Romance“, murmelte ich ruhig, während sich erneut ein breites Grinsen auf meinem Gesicht ausbreitete. „Das ist Sachsen auf Speed.“

Langsam verschränkte ich die Arme und sah das Buch an, als würde ich gleich ein ernstes Gespräch mit ihm führen. „Ich habe wirklich viele Drehbücher gelesen. Action, Drama, Weltuntergang, alles dabei.“ Ich hielt kurz inne. „Aber eine Dolly, die sich freiwillig von einem Sachsen ‚durchstauben‘ lässt… das ist neu.“

Ein langsames Nicken folgte, dann wurde mein Grinsen wieder breiter. „Das ist nicht einfach nur ein Buch, das ist ein Erlebnis“, sagte ich überzeugt. „Ganz ehrlich, selbst für Hollywood ist das frischer Stoff, und wir haben wirklich schon alles gesehen.“

Wiederholt sah ich auf den Namen. " Gabriela Schmidt" . Ein leises Lachen entkam mir. „Was geht nur in deinem Kopf vor?“, murmelte ich, während ich mir durch die Haare fuhr und dieses gefährliche Gefühl in mir aufstieg, das immer dann kam, wenn eine Idee entstand.

Ich richtete mich etwas auf. „Okay, hört mir zu. Stellt euch das vor.“ Mein Blick wurde fokussierter." Ein epischer Film, aber nicht wie ihr es kennt. Keine Götter, keine Aliens, keine Schlachten.“ Ich grinste. „Nur ein Typ aus Sachsen, ein Kreuz von eBay, eine Peitsche und ein IKEA-Schrank als Endgegner.“

Es gelang mir nicht, mir ein Lachen zu verkneifen. Begeistert klatschte ich in die Hände. „Das ist DER Film“, sagte ich überzeugt und beugte mich leicht nach vorne. „Ein komplett neues Genre. Dark Romance trifft Chaos-Comedy trifft Möbel-Action.“

Ich machte eine kurze Pause und nickte dann ernst. „Und der eigentliche Antagonist ist der Hemnes-Schrank.“ Ein kurzes Lachen entkam mir, während ich den Kopf schüttelte und wieder auf den Namen der Autorin sah. „Gabriela“, sagte ich anerkennend. „Du bist entweder mega genial oder komplett verrückt.“ Genüsslich lehnte ich mich zurück und grinste. „Egal.“

Vorsichtig nahm ich das Buch in die Hand, als würde ich gerade einen wichtigen Deal abschließen. „Ich produziere das“, erklärte ich entschlossen. „Eigenhändig und mit Originalbesetzung.“

Mein Finger zeigte in die Luft, als würde ich bereits Castings organisieren. „Nur Sachsen“, fügte ich hinzu und musste mir selbst auf die Zunge beißen, um nicht wieder laut loszulachen. „Authentizität ist wichtig.“

Wild gestikulierend stand ich von meinem Sofa auf und sah die Szenen bereits vor mir. „Wir drehen das genauso“, rief ich begeistert. „Keine Stunts, keine Tricks. Wenn die Peitsche hängen bleibt, bleibt sie hängen, und wenn der Typ fällt, dann fällt er wirklich.“

Meine Hand machte eine ausladende Bewegung und musste mich im nächsten Moment selbst am Sofa festhalten, um nicht ebenfalls zu stürzen. „Method Acting“, murmelte ich zufrieden und setzte mich wieder hin. „Und die Dialoge lassen wir exakt so“, fügte ich hinzu. „Niemand versteht sie zu hundert Prozent, aber alle fühlen sie.“

Ich sah auf das Buch, atmete zufrieden aus und tippte leicht auf das Cover. „Das wird kein Film“, sagte ich ruhig. Ein breites Grinsen zog sich über mein Gesicht. „Das wird ein Erlebnis.“

Meine Augenbraue zuckte fasziniert, während sich dieses langsame, fast schon gefährliche Grinsen auf mein Gesicht schob. „Die Leute kommen für Dark Romance und gehen mit einem Trauma vom Schrank.“

Einen Moment ließ ich den Satz im Raum stehen, als müsste selbst die Luft erst verarbeiten, was ich da gerade gesagt hatte, dann lehnte ich mich zufrieden zurück und verschränkte die Arme.

„Genial…“

Ein leises, schelmisches Lachen rutschte mir heraus, während ich den Kopf leicht schief legte und das Buch noch einmal musterte.

„Gabriela… wir müssen reden...“