Die Stadt hinter der Mauer

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Summary

Eine verlassene Stadt in einer verlorenen Welt. Zu ruhig. Zu perfekt. Zu gefährlich. Seit Jahren kämpfen Tessa und ihre Gruppe ums Überleben - bis sie einen Ort finden, der alles verändert. Vorräte. Sicherheit. Hoffnung. Doch etwas stimmt nicht. Keine Menschen. Keine Spuren. Und trotzdem... sind sie nicht allein. Als sie unter der Stadt ein dunkles Geheimnis entdecken, beginnt ein Spiel aus Angst, Misstrauen und Wahrheit. Wem gehört diese Stadt wirklich? Und was wartet unter ihnen?

Status
Ongoing
Chapters
8
Rating
4.5 2 reviews
Age Rating
13+

1.Hinter der Mauer

Langsam wurde es dunkel.

Die Gruppe war seit Stunden unterwegs, auf der Suche nach einem Unterschlupf für die Nacht. Doch außer endlosen Bäumen hatten sie nichts gefunden.

„Ich kann nicht mehr... mein Bein bringt mich noch um", jammerte Sarah und verzog schmerzverzerrt das Gesicht.

Tessa blieb stehen und kniete sich zu ihr. Vorsichtig untersuchte sie ihren Knöchel. Er war stark geschwollen, ein dunkler Bluterguss zog sich über das Gelenk.

Das war gar nicht gut!

Sie mussten ihn dringend versorgen. Aber hier draußen war es zu gefährlich, um länger stehen zu bleiben.

Vor ein paar Kilometern waren sie einer kleinen Horde begegnet. Acht Verlorene.

Der Kampf war anstrengend gewesen, aber sie hatten es überstanden. Ohne größere Verletzungen.

Bis auf Sarah.

Sie war unglücklich gestürzt und hatte sich das Sprunggelenk verdreht.

Alle waren erschöpft.

Keine Häuser und keine Spuren von Menschen waren zu sehen.

Nur Stille.

Und die ständige Angst vor den Verlorenen, die irgendwo zwischen den Schatten umherstreiften.

Eine richtige Mahlzeit hatten sie schon lange nicht mehr gehabt. Die Kräfte ließen nach, die Schritte wurden langsamer.

Sie konnten es kaum glauben.

Nur noch dreizehn von ihnen waren übrig.

Nach und nach hatten sie immer mehr verloren.

Freunde.

Begleiter.

Menschen.

Tessa wusste, dass sie nicht mehr lange durchhalten würden, wenn sie nicht bald einen sicheren Ort fanden.

Das Wasser war seit Stunden aufgebraucht.

Da blieb David plötzlich stehen.

Er drehte sich zu Tessa und deutete nach vorne.

„Schau dir das an."

Zwischen den Bäumen ragte eine Mauer auf.

Etwa drei Meter hoch.

Alt, aber stabil.

Mitten im Wald.

Tessa trat näher und musterte sie.

„Was glaubst du, ist dahinter?" fragte David leise.

Sie zögerte einen Moment.

Dann: „Finden wir es heraus. Wir gehen an der Mauer entlang."

Einige aus der Gruppe murrten.

„Wir sollten uns lieber ausruhen..."

„Ich kann kaum noch laufen..."

Doch niemand widersprach ihr wirklich.

Also setzte sich die Gruppe wieder in Bewegung.

Schritt für Schritt folgten sie der Mauer.

Bis sie schließlich ein großes Holztor erreichten.

Alt. Schwer. Geschlossen.

David trat vor und klopfte dagegen.

Ein dumpfes Geräusch hallte durch den Wald.

Alle hielten den Atem an.

Warteten.

Nichts.

Keine Bewegung.

Keine Antwort.

Gemeinsam entschieden sie, dass David und Tessa zuerst über die Mauer klettern sollten.

Die anderen halfen ihnen hinauf. Hände griffen nach Armen, zogen, stützten, bis beide schließlich oben standen.

Für einen Moment sagte keiner etwas.

Tessa blieb einfach stehen, vor ihr lag eine ganze Stadt.

Häuser reihten sich aneinander, die Dächer überwuchert, die Gärten verwildert. Alles wirkte verlassen - aber nicht zerstört.

Als wäre die Zeit einfach stehen geblieben.

Und dann fiel ihr etwas auf.

Kein Wind.

Keine Tiere.

Keine Stimmen.

Nur Stille.

Eine unnatürliche, drückende Stille.

David sah zu ihr hoch.

„Träume ich?"

Tessa ließ den Blick weiter über die Stadt wandern.

Dann ein leises Lachen.

„Wäre ein schöner Traum... Eine ganze Stadt nur für uns."

Sie tauschten einen Blick.

Dann sprangen sie hinunter.

Das Gras war hoch, fast bis zu den Knien. Es raschelte leise unter ihren Schritten.

Beide blieben kurz stehen, sahen sich um.

Nichts.

Keine Bewegung.

Niemand war zu sehen.

„Komm", sagte Tessa leise. „Wir holen die anderen rein."

Das Tor ließ sich schwer öffnen.

Ein lautes Quietschen zerriss die Stille.

Beide hielten inne.

Lauschten.

Nichts.

Dann öffneten sie es ganz.

Die Gruppe trat hastig ein, einer nach dem anderen.

„Schnell!", flüsterte David.

Sobald alle drin waren, zogen sie das Tor wieder zu.

Mit einem dumpfen Geräusch fiel es ins Schloss.

Stille.

Wieder diese Stille.

Doch diesmal standen sie mitten darin.

Alle blieben stehen und sahen sich um.

Vor ihnen lag eine Straße, gesäumt von Häusern.

Sarah stupste Ben an.

„Sieh dir das an... die Straßenlaternen leuchten."

Ben runzelte die Stirn.

„Es gibt Strom?"

Drei Jahre.

Drei Jahre, seit die Verlorenen die Welt übernommen hatten.

Und hier...

...leuchtete Licht.

Tessa sah sich um.

„Wir suchen uns ein Haus für die Nacht", sagte sie ruhig. „Sichern es und morgen sehen wir weiter."

Lara trat neben sie.

„Mir gefällt das nicht", murmelte sie. „Irgendwas stimmt hier nicht. Spürst du das nicht?"

Tessa antwortete nicht.

Sie ging auf eines der nächstgelegenen Häuser zu.

Klein und Unscheinbar. Nah am Tor.

Sie zog ihre Waffe und nahm die Taschenlampe.

„David, komm."

Gemeinsam öffneten sie die Tür.

Sie war nicht verschlossen.

Langsam traten sie ein.

Der Lichtstrahl wanderte durch den Raum.

Staub lag auf den Möbeln.

Aber...

keine Spuren von Chaos.

„Was ist hier los...?", flüsterte Sarah.

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