Das ungeborene Kind
B-29.75.R.38-457: irgendwo über dem Meer.
Grelle Blitze zerrissen die Nacht und Donner antwortete ihnen in wütenden Wellen. Darunter tobte ein fremdes Meer, schwarz und unbarmherzig. Als tanzten beide Elemente miteinander, während sie sich gegenseitig in einem Akt aus grenzenloser Wut erbarmungslos anbrüllten. Die Gewalt der Natur scherte es daher nicht, was weit über ihr und zwischen den finsteren Wolkentürmen geschah. Ein Riss aus Licht tat sich aus dem Nichts am Firmament auf und spaltete den Schleier zwischen dieser und einer anderen Welt. Das Ereignis dauerte kaum länger als einen Herzschlag an. Gerade lang genug, um zwei Körper hindurchfallen zu lassen.
Luna klammerte sich fest an Jonathan. Auch wenn nicht alles nach Plan verlief, durchzog sie ein Anflug von Stolz. Sein erster richtiger Weltensprung. Sie lächelte traurig, drehte sich im Fall mit dem Rücken zum Wasser und versuchte mit aller Kraft diese Position zu halten. Schon im nächsten Moment schlugen sie beide mit unbändiger Wucht auf der Wasseroberfläche ein und wurden augenblicklich voneinander getrennt. Verzweifelt streckte Luna ihre Hände nach Jonathan aus, da brach auch schon eine Welle über sie hinein und drückte sie noch weiter in die Tiefe. Orientierungslos und der Gewalt des Meeres ausgeliefert, stieg der Druck auf ihrer Brust. Ihre Lungen brannten. Die Kraft der Blitze drang kaum noch bis zu ihr vor. Schließlich durchbrach, von Luna unbemerkt, nur noch das seichte, flackernde Leuchten ihres Anhängers die Dunkelheit, bis auch dieses, zusammen mit ihrem Bewusstsein, gänzlich erlosch.
***
B-14.91.I.74-002: Zwei Wochen zuvor.
Verborgen unter einer tief ins Gesicht gezogenen Kapuze, sodass nur einzelne rote Strähnen eines wilden Haarwuchses wie Funken im Wind darunter hervorblitzten, ließ das Mädchen auf dem bemoosten Mauerstück zum angrenzenden Leisepark im Rhythmus ihrer eigenen Ungeduld unentwegt die Beine baumeln. Feine Splitter aus Licht tanzten über ihren schwarzen Hoodie, während ihr sichelförmiger, azurblauer Stein an seinem Lederband sachte hin und her schwang. Sie verzog das Gesicht und schaute zum Himmel hinauf. Das war definitiv nicht, was sie meinte, als sie beschloss, ihren Vater finden zu wollen.
Es gab längst keinen Zweifel mehr: Er war da. Schon über eine Stunde saß Luna auf dem Sims des Mauerstücks und betrachtete das in der Hitze flimmernde, weiße Mauerwerk des alten Mehrfamilienhauses auf der anderen Straßenseite sowie die mit unzähligen Pflanzen bestückte Dachterrasse des Obergeschosses.
Und doch blieb sie sitzen. Nicht, weil sie es so wollte, im Gegenteil. Ihre Beine hätten längst den Sprung gewagt, hätten sie schon irgendwie über den Gehweg getragen bis hinauf zu seiner Tür. Aber es fehlte etwas. Etwas ganz entscheidendes sogar. Eine gute Erklärung. Eine plausible, halbwegs normale Begründung für das, was sie ihm gleich erzählen würde. Doch genau hier war der Haken. Wie erzählte man jemanden, so eine verrückte Geschichte, wie die ihre?
Sie biss sich auf die Unterlippe, spürte das Schwingen ihres Anhängers um ihren Hals und hielt still. »Ach! Fuck it! Wird schon schief gehen!« Dann stieß sie sich mit einem Ruck von der Mauer, landete auf dem Bürgersteig und überquerte mit geradezu beispielloser Rücksichtslosigkeit die belebte Straße. In genau dem Moment, als sie die Haustür erreichte, trat eine schon beinahe winzige Dame in ihren späten Vierzigern samt Blümchenhut und Handtasche aus der Tür. Rasch schlüpfte Luna an ihr vorbei ins Treppenhaus. Für einen flüchtigen Moment schaute Luna zurück. Irritierte Blicke trafen sich. Shit! Schnell drehte Luna ihr wieder den Rücken zu und zog sich die Kapuze ihres Hoodies tiefer ins Gesicht. Das war die alte Dierks! So Jung hätte Luna sie fast nicht erkannt! Luna fluchte innerlich. Warum hatte sie sich noch einmal umgedreht? Das tat sie sonst nie. Denn nur so konnte man sichergehen, dass man am schnellsten wieder vergessen wurde.
Dass die Sonne an diesem Nachmittag im Juni so unerbittlich brande, war ein Umstand, um den sich die Bewohner des alten Berliner Mehrfamilienhauses in der Heinrich-Roller-Straße wenig scherten. Selbst im Obergeschoss war es angenehm kühl. Luna begrüßte diesen Umstand, besonders wenn sie bedachte, welche Herausforderung sie noch vor sich hatte. Ihre Hände zitterten vor Anspannung, als sie die Tür erreichte, vor der es ihr so lange grauste. Gleich würde sie an der großen, grauen, unüberwindbar scheinenden Tür klingeln. Jedes Mal, wenn sie den Finger hob und er fast den bronzenen Knopf berührte, schreckte sie zurück, als könnte die Klingel jeden Moment zuschnappen. Ein irrationaler Gedanke. Es war schließlich nur eine normale Wohnungstür. Wenn Luna gewollt hätte, hätte sie diese vermutlich mühelos durchbrechen können. Sie dachte in ihrer Nervosität für einen Augenblick sogar darüber nach, hielt es dann jedoch für unangebracht und verwarf den Gedanken direkt wieder. Dennoch, je länger sie vor dieser Tür stand, desto schwieriger erschien es ihr, den letzten Schritt zu wagen und endlich diese verdammte Klingel zu betätigen. Hatte sie wirklich keine andere Wahl? Wahrscheinlich würde Jonathan ihr ohnehin nicht glauben und wer konnte es ihm verübeln? Es war zu verrückt, was sie ihm gleich mitteilen würde.
Luna nahm einen tiefen Atemzug. Der Duft von Bratkartoffeln, Bohnen und Speck lag in der Luft, zwei Stockwerke unter ihr kochte offenbar jemand. Ihre Zunge fuhr wie von selbst über ihre Lippen. Wann hatte sie das letzte Mal gegessen? Nicht ablenken lassen! Denk nach! Du musst ihn überzeugen, aber wie? Sie krempelte die Ärmel ihres viel zu großen, schwarzen Hoodies hoch. Nie hätte sie erwartet, dass sie so nervös sein könnte. Dann fasste sie all ihren Mut zusammen. Ding Dong.
Luna biss sich leicht auf die Unterlippe. Erst passierte nichts. Kein noch so kleines Geräusch war aus der Obergeschosswohnung des Mehrfamilienhauses zu hören. In ihrer Ungeduld betätigte sie den Knopf noch ein zweites und drittes Mal, in der Hoffnung, dass sich die verdammte Tür endlich öffnete.
Er wird dir nicht öffnen, meldete sich eine Stimme in ihrem Kopf. Warum sollte er auch? Was bist du schon für ihn? Er kennt dich doch überhaupt nicht! Halt die Klappe!, wehrte Luna ab und schüttelte ihren Kopf, um die negativen Gedanken loszuwerden.
Da brummte der Summer, während sich fast zeitgleich die Tür zur Wohnung öffnete und ein Mann in seinen späten Dreißigern zum Vorschein kam. Das Haar dunkelbraun, voll und unpassend zum Rest des Looks sehr gepflegt. Er trug eine nichtssagende dunkelblaue Jogginghose nebst einem grauen Fan-T-Shirt, welches vom Logo des Films Jurassic Park zeigte. Seine muskulösen Arme spannten den Stoff darüber. Irgendwie typisch für ihn, fand Luna.
»Ja, bitte?«, erhob Jonathan King gelassen die Stimme. Seine stahlblauen, alles durchdringenden Augen zeugten von einer inneren Ruhe und Besonnenheit, wie sie nur wenige besaßen, als er das Mädchen betrachtete. Auch das war typisch für ihn.
Luna holte tief Luft und ignorierte das unbehagliche Beben in ihrer Brust sowie jeden quälenden Gedanken, der sie davonrennen lassen wollte. »Hi, ich – ähm – weiß, das klingt jetzt vielleicht etwas verrückt.« Sie verschränkte ihre Arme vor sich, um das leichte Zittern ihrer Handflächen zu verbergen. »Ich heiße Luna – und – bin deine Tochter.«
—
Jonathans Augen weiteten sich überrascht und er spürte den aufsteigenden Kloß in seinem ausgeprägten Kehlkopf. Er dachte, er höre schlecht, habe einen Schlaganfall oder so etwas. Hatte sie gerade tatsächlich gesagt, was er glaubte gehört zu haben? Tochter? Das war doch lächerlich. Er und ein Kind? Das konnte unmöglich sein. Er war sechsunddreißig und hatte nie auch nur einen Gedanken an eigene Kinder verschwendet. Für ihn waren Kinder nur der tief verwurzelte Wunsch, etwas von sich in dieser Welt zurückzulassen. Etwas, das sagte: Ich war hier, und das ist mein Erbe. Jonathan fand diese Vorstellung zwar ganz nett, dennoch war es ihm nie in den Sinn gekommen, selbst eines haben zu wollen.
Jonathan räusperte sich. »Du musst dich irren. Ich meine, okay, ich war nie ein Kind von Traurigkeit, was das angeht, aber ich halte nicht viel von Kindern und habe auch sicherlich keines unwissentlich in die Welt gesetzt.«
—
Entmutigt ließ Luna die schmalen Schultern hängen. Ich habe es dir doch gesagt, flüsterte die Stimme in ihrem Kopf. Sie hatte solche Worte erwartet und dennoch trafen sie Luna mit einer Wucht, die sie am liebsten auf direktem Wege davon rennen lassen wollte. Nein! Ich bin zu weit gekommen, um jetzt das Handtuch zu werfen! Sie schüttelte erneut den Kopf, befreite sich von dem Flüstern, das ihr riet zu verschwinden und blickte mit gestrafften Schultern zu ihm auf. »Und dennoch stehe ich hier. Dumm gelaufen.«
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Der plötzlich herausfordernde Tonfall verunsicherte Jonathan. Während ihre großen, bernsteinfarbenen Augen ihn ansahen, als könnten sie kein Wässerchen trüben, sprach ihr ganzes Auftreten mit einem Mal eine völlig andere Sprache. Eine, die etwas bedrohliches hatte. Aufmerksam musterte er den Rotschopf samt ihrer wild wuchernden Locken, die bereits den Eindruck erweckten, als habe das Mädchen vor ihm ein paar wilde, durchzechte Nächte mit sehr wenig schlaf oder gar einer Dusche hinter sich. Mattschwarz angestrichene Lippen und Nägel, sonst kein erkennbares Make-up. Dafür aber eine gerötete Nasenspitze. War sie erkältet?
Jonathan betrachtete den übergroßen Hoodie mit der Aufschrift Mythemia, die zerschlissene Jeans-Shorts und die schwarzen, abgetragenen Dr. Martens-Stiefel, die ihre schlanken Beine zierten. Ein Modell mit lächerlich hohen und klobigen Sohlen. Er mochte sich nicht vorstellen, wie jemand darin vernünftig laufen konnte. Und dennoch war sie deutlich kleiner als er mit seinen knapp einen Meter achtzig. Grummelnd kratzte er sich am Hinterkopf. »Ist der Grunge-Look in deinem Alter gerade angesagt?«
Luna schnaubte verächtlich. »Wow. War das ein schlechter Versuch, mein Alter einzuschätzen, oder sammelst du einfach gerne Arschloch-Punkte?«
Jonathan strich sich über die Nase, als ihm die unglückliche Wahl seiner Worte bewusst wurde. »Also, so war das ...«
»Siebzehn! Ich bin siebzehn«, antwortete Luna salopp. Dann sah sie an sich hinunter. »Und ich fühle mich wohl in solchen Sachen. Okay?« Sie nickte bestätigend. »Bewegungsfreiheit ist wichtig, wenn du viel unterwegs bist.«
»Okay.« Jonathan legte seine Stirn in Falten, knurrte nachdenklich in sich hinein und glich ihr Erscheinungsbild mit allen Frauen ab, die ihm gerade in den Sinn kamen. Wenn sie wirklich seine Tochter war, musste er die Mutter kennen. Denn er hatte ganz eindeutig so einige Fragen an diese.
—
Luna kräuselte ihre dunklen Lippen. »Ich weiß, das ist der Hammer, oder?«, unterbrach sie die Gedankengänge ihres Dads. »Steht da plötzlich so ein Kind vor deiner Tür. Wo kommt es her? Wo will es hin?«
»Ja, verrückt trifft es wohl eher«, murmelte Jonathan vor sich hin. Seine Brustmuskeln hoben sich, als er tiefer einatmete und sich sein Blick zu schärfen schien. »Okay, wer ist sie? Deine Mutter, meine ich. Und warum schickt sie dich ausgerechnet jetzt?«
Luna versuchte ein Lächeln, versagte jedoch bei dem Versuch, ihre übliche Portion Sympathie zu versprühen. »Puh! Schwierig. Glaub mir, von all den Dingen, die ich dir erzählen kann und werde, versprochen, gehört ausgerechnet das zu den Dingen, die du mir ohnehin nie glauben würdest.«
Stille ergriff vom Treppenhaus Besitz. Lange, lähmende und unfassbar erwartungsvolle Stille, die eine Erklärung verlangte. Zumindest, wenn es danach ging, was Luna in Jonathans Gesicht las.
Am Ende bediente sich Luna einem künstlichen Räuspern und einer Berührung ihrer Kehle, um den Mantel der Stille zu durchbrechen. »Ganz schön heiß heute, findest du nicht?«
Ein wortloses Raunen und ein kaum merkliches Nicken war Jonathans einzige Antwort darauf, während er seine Arme vor der Brust verschränkte.
»Könnte ich vielleicht ein Glas Wasser bekommen?«
Jonathans harte Miene brach unverzüglich auf und er ließ die kräftigen Arme niedersinken. »Oh. Oh. Ja, klar. Natürlich.« Er trat von der Schwelle zurück in seine Wohnung. »Wie unhöflich von mir. Komm erst einmal rein, dann können wir in Ruhe und vor allem ungestört reden.«
Als Luna die Wohnung betrat, weiteten sich ihre Augen. Der helle, freundliche und moderne Einrichtungsstil der Drei-Zimmer-Dachgeschosswohnung wirkte so harmonisch, wie sie es in Erinnerung hatte. Alles hatte seinen Platz, jedes dekorative Element, jede Pflanze wurde geschickt in Szene gesetzt, ohne dabei zu gewollt auszuschauen. Luna verharrte kurz im Flur und nahm einen tiefen Zug des Sandelholzduftes, der in der Luft lag.
»Ich würde ja gerne sagen, fühl dich wie zu Hause, aber ... fass hier fürs Erste bitte nichts ungefragt an, verstanden?« Luna nickte und Jonathan bewegte sich vorbei an Schlaf- und Wohnzimmer direkt in die Küche. Luna folgte ihm, hörte noch das »Mach es dir im Wohnzimmer bequem, ich bin sofort da«, nur um es zu ignorieren und direkt in Richtung seines Arbeitszimmers durch zu laufen.
Das goldene Licht der späten Nachmittagssonne fiel schräg durch die große Südwest-Fensterfront und tauchte die alten, knarrenden Parkettdielen in einen sanften Glanz. An der gegenüberliegenden Wand ragte ein schwer beladenes Bücherregal auf, dessen Holzböden sich sichtlich unter der Last bogen. Daneben stand ein abgenutzter brauner Ledersessel mit Fußhocker – einladend und bereits leicht durchgesessen.
Direkt gegenüber der Fensterfront dominierte ein chaotischer Schreibtisch: übersät mit losen Zetteln, Bücherstapeln und einer halbvollen Tasse kaltem Kaffee. Ein bewusst gesetzter Kontrast zur übrigen Ordnung des Raumes.
Luna lächelte amüsiert. Erst versicherte Luna sich, dass Jonathan noch in der Küche war, dann warf sie vorsichtig einen Blick auf die losen Notizen, doch sie konnte auf die Schnelle nichts erkennen, das ihr nutzte. Frustriert schmiss sie sich deshalb nur eine Sekunde später in den alten Relaxsessel, um es sich in diesem gemütlich zu machen.
»Das ist nicht das Wohnzimmer«, raunte Johnathan mit einem Glas in der einen und einer Karaffe voll Wasser in der anderen Hand ins Büro kommend.
»Ich weiß«, antwortete Luna tonlos.
Jonathan schenkte ihr ein, stellte die Karaffe auf seinen Schreibtisch und setzte sich auf den Hocker vor dem Sessel. »Hier.« Jonathan wartete noch bis sie das Glas entgegennahm, dann wiederholte er mit ruhiger Stimme: »Also. Wer ist sie? Deine Mutter? Und warum schickt sie dich erst jetzt? Es wird doch wohl kaum um Unterhalt oder so etwas gehen, oder?«
Luna leerte das Glas in einem Zug, schüttelte den Kopf und stellte es neben sich auf den Boden. Als sie wieder hochkam, rülpste sie ungeniert und erwiderte nur einen Moment verlegen Jonathans suchenden Blick. »Ups. Sorry.« Luna presste die Lippen zusammen. Shit! Er will das wirklich wissen, oder? Wie erkläre ich das jetzt? Ja, wie erklärst du ihm, was du bist?, höhnten die Zweifel erneut in ihren Gedanken. Sie konnte sehen, wie sich seine Miene langsam verhärtete. Er verlor die Geduld, dessen war sie sicher. Dann riss sie ihre Augen auf. »Uh! Warte! Ich habs! Damit ist es weniger verrückt!«
Jonathan wandt gerade noch rechtzeitig seinen Blick von ihr ab als das Mädchen in seinem Sessel plötzlich rasch ihren Hoodie nach oben Zug. »Wow! Was wird das?«
»Chill! Ich muss an meine Tasche kommen.« Zwischen einem alten Notizbuch mit blauem Umschlag, ihrem Na-Vi, einem gefühlten Jahresvorrat Lakritzschnecken, ihrer Nagelfeile und dem lange verlorengeglaubten Haargummi, fand Luna schließlich, wonach sie suchte.
Nur langsam öffnete Jonathan wieder die Augen und erstarrte, als er die seltsame alte Schweißerbrille betrachtete, die in der Hand des Mädchens zum Vorschein kam. Die bunten, kaleidoskopartig geschliffenen Gläser reflektierten das Licht der Sonne in tausend Splittern. Doch das wirklich spannende war die Basis dieser alten Brille. Drei Mal blinzelte er, als müsse er sich vergewissern, dass er nicht träumte. »W-wo hast du das her?«
Luna hielt die Brille hoch, sodass das Licht durch die farbigen Gläser brach und bizarre Muster an die Wand warf. Sie lächelte nicht mehr schief. Diesmal war ihr Blick direkt, fast herausfordernd.
»Aus der Zukunft«, sagte sie ruhig. »Genauer gesagt: aus deiner Zukunft.«