Reckless Hearts

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Summary

Ashley Miller hat ihr Leben im Griff. Also fast. Sie ist alleinerziehende Mutter, beruflich kurz vor dem Durchdrehen und ziemlich gut darin, alles mit Sarkasmus, Kaffee und purem Funktionieren zusammenzuhalten. Gefühle? Kompliziert. Vergangenheit? Abgehakt. Männer? Noch komplizierter. Dann taucht Grayson wieder auf. Der Junge, den sie nie ganz vergessen hat. Der Mann, vor dem sie damals weggelaufen ist. Und der Einzige, bei dem sich selbst ein harmloses „Hey“ anfühlt wie eine schlechte Idee. Was mit einer Nacht beginnt, die keiner von beiden geplant hat, wird schnell zu etwas viel Gefährlicherem: alten Gefühlen, neuen Fehlern und der Erkenntnis, dass manche Menschen einen nicht in Ruhe lassen egal, wie lange man sie aus seinem Leben verbannt hat. Als dann auch noch ein zu einfacher Ex, ein plötzlich nicht mehr ganz platonischer bester Freund und eine siebenjährige Tochter mit perfektem Timing ihr sorgfältig kontrolliertes Chaos sprengen, muss Ashley sich fragen, wie lange man vor etwas davonlaufen kann, das sich immer noch wie Zuhause anfühlt. Eine Second-Chance-Romance über alte Wunden, falsche Sicherheiten und die eine Person, die alles in dir durcheinanderbringt, nur weil sie wieder vor dir steht.

Status
Ongoing
Chapters
9
Rating
n/a
Age Rating
18+

Kapitel 1

Ich lehne barfuß im Türrahmen, die Kaffeetasse in der Hand, und sehe zu, wie das Morgenlicht über eine Küche wandert, die endlich groß genug ist, um sich nicht wie eine Falle anzufühlen.

Unser erster Morgen im neuen Haus.

Na ja, gemietetes Haus. Aber nach den letzten Jahren fühlt sich dieses Wort fast nebensächlich an.

Überall stehen Kartons, halb offen, halb vergessen.Der Geruch von frischer Farbe hängt in der Luft, die Fenster sind groß, der Boden knarrt und trotzdem habe ich zum ersten Mal seit Langem das Gefühl, dass ich atme.

Vielleicht, weil ich weiß, wie es sich anfühlt, keine Luft zu bekommen. Nach der Trennung von Riley’s Vater war alles klein. Zu eng. Zu laut oder zu still, je nachdem, ob er gerade geschrien hat oder gegangen ist.

Diese winzige Zwei-Zimmer-Wohnung, in der die Küche auch als Wohnzimmer diente, war der Ort, an dem ich angefangen habe, mir ein neues Leben zusammenzukratzen.

Nur Riley und ich.

Zwischen Second-Hand-Möbeln und dem Versuch, herauszufinden, wie man ein Kind großzieht, während man gleichzeitig lernt, sich selbst wieder zu mögen.

Und jetzt stehen wir hier.In unserem Haus. Mit Türen, die ich selbst zuschließen kann, wann immer ich will.

Das hier ist kein Luxus, es ist ein Sieg.

Riley sitzt auf dem Boden und malt auf einem Karton, auf dem Küche-Gläser steht.

„Mama, schau mal, das ist unser Haus!“

Ich gehe zu ihr. „Und das bin ich mit Glitzer auf den Haaren?“

Sie nickt eifrig. „Wir haben ein ganzes Haus!“

Ich lache. „Fast. Wir mieten es.“

„Ist doch das Gleiche.“

„Fast“, sage ich.

Auf der Arbeitsplatte liegt der Schlüsselbund, den mir der Vermieter gestern gegeben hat: zwei Haustürschlüssel, einer für das Tor, einer, bei dem ich noch nicht weiß, wozu er gehört.

„Mama?“

„Hm?“

„Bist du glücklich?“

Ich sehe sie an, die Zahnlücke, die Sommersprossen, die Frage, die viel zu groß ist für so ein kleines Gesicht.

„Ich glaube schon“, sage ich. „Ein bisschen jedenfalls.“

Sie nickt zufrieden und malt weiter.

Ich gehe zum Fenster, streiche über die Fensterbank und entdecke einen alten Karton ohne Beschriftung. Ich öffne ihn nur einen Spalt breit. Obendrauf liegt ein zerknicktes CD-Heft.

Here Without You — 3 Doors Down.

Mein Herz macht dieses kleine, nervige Stolpern. Diese CD hat nichts mit erwachsenen Entscheidungen zu tun. Sie gehört zu einer Zeit, in der man noch dachte, Gefühle seien Antworten und nicht Warnungen.

Und ganz sicher gehört sie nicht zu Riley’s Vater.Der hatte ungefähr so viel Romantik in sich wie ein kaputter Staubsauger. Nein.

Die CD gehört jemandem, den ich nie ganz losgeworden bin, egal, wie sehr ich mich bemüht habe. Dem Einzigen, bei dem es sich je echt angefühlt hat, ohne dass ich wusste, was ich damit anfangen soll. Ich klappe den Karton zu, schneller als nötig. ‚Später‘, murmele ich und weiß, dass ich lüge.

Ich bin vierundzwanzig, habe eine sechsjährige Tochter, ein Haus, das nicht mir gehört, aber sich anfühlt, als könnte es das werden. Vielleicht bin ich noch nicht angekommen. Aber ich bleibe hier. Erst einmal.

Als ich am Abend nach einem anstrengenden Tag die Tür aufschließe, riecht es nach Essen und Wein. Nat, meine beste Freundin seit der Schulzeit, hatte mir schon bei der Arbeit geschrieben, dass sie unbedingt mit mir reden muss und sie für uns kocht. Allerdings riecht die Zusammenstellung schwer nach Liebeskummer. Nat hat einen Schlüssel zu allem, was je mir gehört hat – inklusive meines Hauses und meiner emotionalen Stabilität. „Ich habe Essen gemacht“, ruft sie aus der Küche. Ich ziehe die Schuhe aus, schiebe Rileys Rucksack mit dem Fuß in die Ecke und folge dem Geräusch von klirrenden Gläsern. Nat steht am Herd in einem alten Shirt, auf dem Trust Issues steht, und rührt mit einem Kochlöffel in einer Pfanne, mit der anderen Hand balanciert sie ihr Weinglas. „Was ist passiert?“ „Er hat gesagt, er braucht eine Pause.“ Sie hebt den Kochlöffel wie eine Waffe. „Selbstfindung! Als wär ich seine verdammte Landkarte.“ Ich lehne mich gegen die Arbeitsplatte, nehme ihr das Glas aus der Hand, trinke einen Schluck.„Oje...“„Ja“, sagt sie und nimmt mir das Glas wieder weg.

Riley ruft aus dem Wohnzimmer: „Darf ich noch eine Folge?“ „Eine!“, rufen wir gleichzeitig. Nat seufzt, lässt sich auf einen der Küchenstühle fallen und stützt den Kopf in die Hände. Ich nehme sie in den Arm. „Weh tut es trotzdem.“ Sie lächelt mich an, aber ihre Augen glänzen. „Ich kann gerade einfach nicht alleine sein…”Ich greife nach der Pfanne, stelle sie auf den Tisch, setze mich ihr gegenüber. „Ich weiß, deswegen bleibst du heute auch hier.”

Als wir am nächsten Morgen in meiner Küche stehen und ich in den zugegebenermaßen leeren Kühlschrank blicke, reißt Nat mich aus meinen Gedanken.

„Dein Kühlschrank ist das Traurigste, was ich seit meiner letzten Beziehung gesehen hab.“ Ich schlage die Tür zu, ohne mich umzudrehen. Nat steht direkt hinter mir. „Es ist Samstag. Samstage sind meine offiziellen Einkaufstage.“

Nat lehnt sich an die Arbeitsplatte, Kaffeetasse in der Hand. Ihre Nägel sind schwarz lackiert und halb abgesplittert, wie immer, wenn sie zu viel denkt.„Du wirkst müde.“„Ich hab ein Kind, einen Job und ein Haus voller Kartons. Überraschung.“Nat hebt die Tasse. „Ich meine nicht körperlich.“Ich sehe in meinen Kaffee. „Mir geht’s gut.“„Das sagst du immer, kurz bevor du dich hinter der nächsten Liste versteckst.“Sie sieht mich über den Tassenrand an. „Früher warst du anders.“„Früher …“, entgegne ich, und das Wort hängt zu lange in der Luft. Ich lasse mich auf den Stuhl sinken, ziehe die Knie an.„Vielleicht war ich früher einfach dümmer. Oder naiver.“„Oder offener, vor allem für die Dinge, die nicht auf einer To-do-Liste stehen.“Ich nippe an meinem fast kalten Kaffee. „Und dir?“, frage ich schnell. „Wie geht’s dir heute?“Nat sieht mich über den Rand ihrer Tasse an. Lange genug, dass klar ist, sie merkt genau, was ich da tue.„Egal“, sagt sie schließlich. „Reden wir nicht über mich.“Ich kenne sie gut genug, um zu wissen, dass das Thema damit erledigt ist.„Ich geh schnell zum Bäcker und hole uns was zum Essen“, sage ich.

Während ich zur Haustür gehe, schnappe mir meine Jeansjacke, ziehe sie über und stopfe den Schlüssel in die Tasche, ohne hinzusehen. Nat ruft mir noch etwas hinterher, aber ich bin schon draußen, bevor sie den Satz zu Ende bringen kann.