Chapter 1
Asher
Blitzlichter.
Überall.
Sie verfolgen mich inzwischen wie Schatten — vor Clubs, vor Hotels, nach Shows, selbst dann, wenn ich einfach nur versuche, verdammt nochmal Luft zu holen.
„ASHER! HIERHER!“
„ASHER, STIMMT ES, DASS SIENNA DICH BETROGEN HAT?“
„ASHER, SEID IHR GETRENNT?“
Ich ignoriere sie.
Zumindest versuche ich es.
Mein Security-Team drängt mich durch die kreischende Masse, während Kameras in mein Gesicht blitzen und Reporter sich beinahe überschlagen, um den nächsten Skandal aus mir herauszupressen.
Zu spät.
Der Skandal existiert längst.
Und ihr Name ist Sienna Vale.
Supermodel.
Weltweit begehrt.
Unfassbar schön.
Unfassbar zerstörerisch.
Unsere Beziehung war nie Liebe.
Sie war Schlagzeile.
Feuer.
Sex.
Zerstörung.
Wir waren das Paar, das jede Titelseite dominierte.
Die goldenen Bad-Decision-Lieblinge der Presse.
Wenn wir liebten, dann exzessiv.
Wenn wir stritten, dann öffentlich.
Besonders öffentlich.
Wie letzte Nacht.
„Du bist ein verdammter Lügner!“
Siennas Stimme hallt noch immer in meinem Schädel nach.
Das Rooftop des angesagtesten Clubs in L.A.
Prominente.
Alkohol.
Paparazzi.
Das perfekte Schlachtfeld.
„Vielleicht solltest du einmal aufhören, alles zu inszenieren!“, hatte ich zurückgeschossen.
Sie lachte dieses kalte, wunderschöne Lachen, das immer kurz vor der Eskalation kam.
„Oh bitte, Asher. Dein ganzes Leben ist eine Inszenierung.“
Dann warf sie mein Handy.
Direkt in ein Champagnerglas.
Innerhalb von Sekunden waren Kameras überall.
Sienna schrie.
Ich schrie zurück.
Jemand filmte alles.
Natürlich.
Heute Morgen trendet #AsherAndSiennaBreakup weltweit.
Videos.
Memes.
Analysen.
Fans, die Partei ergreifen, als wäre unser Zusammenbruch eine Netflix-Serie.
Vielleicht ist er das auch.
Nur ohne Happy End.
„Du bist offiziell nicht mehr tragbar.“
Vivians Stimme klingt so trocken wie immer, als sie mir am nächsten Morgen mehrere Magazine auf den Tisch knallt.
Titelseiten.
ASHER HALE: ROCKSTAR OUT OF CONTROLTOXIC LOVE: INSIDE THE DESTRUCTION OF MUSIC’S WILDEST COUPLELABEL INSIDERS FEAR CAREER COLLAPSE
Ich starre auf das Coverfoto.
Sienna, perfekt gestylt trotz Tränen.
Ich, wütend, verwahrlost, außer Kontrolle.
Ein Disaster in Designerklamotten.
„Dramatisch“, murmele ich.
Vivian sieht aus, als würde sie mich gern erwürgen.
„Du hast in den letzten sechs Monaten—“
Sie zählt an ihren Fingern ab.
„Drei Club-Schlägereien. Zwei Hotelzerstörungen. Einen alkoholisierten Live-Auftritt. Und jetzt eine öffentliche Trennung mit einem Supermodel.“
„Wenn du’s so sagst, klingt es fast beeindruckend.“
„Es ist katastrophal!“
Ich lehne mich zurück, verschränke die Arme und starre an die Decke.
Vielleicht hat sie recht.
Vielleicht bin ich tatsächlich kurz davor, alles gegen die Wand zu fahren.
Aber was erwartet sie?
Dass ich mich ändere?
Dass ich plötzlich der brave Vorzeige-Star werde?
Nicht mein Stil.
„Die Band steht kurz vor ihrer Welttournee“, sagt Vivian schärfer.
„Investoren zweifeln. Sponsoren ziehen sich zurück. Dein Ruf ist verbrannt.“
Da ist es wieder.
Ruf.
Image.
Marke.
Manchmal frage ich mich, ob irgendjemand in diesem Business noch den Unterschied zwischen mir und meinem öffentlichen Ich erkennt.
Vielleicht ich selbst nicht mal mehr.
„Also?“ frage ich schließlich kühl.
„Was ist dein Rettungsplan?“
Vivian schweigt einen Moment.
Und dieses Schweigen macht mir mehr Angst als jede Schlagzeile.
Dann legt sie mir einen Ordner hin.
„Ab sofort“, sagt sie langsam, „werden wir dich komplett neu aufbauen.“
Ich runzle die Stirn.
„Wie?“
Ihr Blick wird kalkuliert.
Gefährlich.
„Mit Kontrolle.“
Ich lache bitter.
„Viel Glück damit.“
Noch ahne ich nicht, dass genau dieser Moment alles verändern wird.
Dass mein größter Skandal nicht mein Untergang sein wird.
Sondern der Anfang von etwas, das ich nie wollte.
Oder vielleicht genau das, was ich gebraucht habe.
Das Licht blendet mich.
Der Bass hämmert so hart durch meinen Körper, dass mein Puls sich dem Takt anpasst, während ich auf die Bühne im ausverkauften Stadion von Los Angeles trete.
70.000 Menschen.
Ein Meer aus Lichtern, schreienden Stimmen und purem Chaos.
„LOS ANGELES!“
Die Antwort ist ohrenbetäubend.
Genau so muss es sein.
Meine Finger umklammern das Mikrofon, Schweiß rinnt über meinen Nacken, Adrenalin schießt wie Feuer durch meine Venen.
Das hier ist mein Element.
Nicht die Schlagzeilen.
Nicht die Paparazzi.
Nicht das verdammte Chaos meines Privatlebens.
Hier oben verschwimmt alles.
Jeder Song trifft wie ein Stromschlag.
Jeder Blick ins Publikum erinnert mich daran, warum ich trotz allem immer wieder zurückkomme.
Ich bin nicht kontrollierbar.
Nicht auf der Bühne.
Nicht im Leben.
Und genau deshalb lieben sie mich.
Der letzte Refrain explodiert durch die Arena, Pyrotechnik schießt in die Luft, und die Fans schreien meinen Namen, als könnten sie mich retten.
Vielleicht glauben sie das sogar.
Wenn sie wüssten.
„Das war krank!“
Jace, unser Gitarrist, schlägt mir backstage grinsend auf die Schulter.
„Wie immer“, murmele ich und kippe den nächsten Whiskey.
Die Aftershow-Party startet, noch bevor ich überhaupt richtig von der Bühne runter bin.
Musik.
Alkohol.
Drogen.
Willige Blicke.
Das Übliche.
Menschen drängen sich um mich, lachen zu laut, berühren mich zu selbstverständlich.
Ich kenne dieses Spiel.
Und ich spiele es verdammt gut.
Mein Blick bleibt an einer Blondine hängen.
Langes Kleid.
Volle Lippen.
Dieses typische „Ich weiß genau, wer du bist“-Lächeln.
Perfekt.
Sie tritt näher.
„Unglaubliche Show.“
„Ich weiß.“
Sie lacht.
Ein paar Drinks später verlasse ich die Party mit ihrer Hand in meiner.
Keine Namen.
Keine Fragen.
Keine Erwartungen.
Nur Ablenkung.
Mein Penthouse über den Lichtern von L.A. fühlt sich genauso leer an, wie ich mich meistens morgens fühle.
Designer-Möbel.
Panoramafenster.
Luxus in Perfektion.
Und trotzdem nie Zuhause.
Die Nacht verschwimmt.
Parfum.
Lachen.
Warme Haut.
Zu viel Alkohol.
Nichts Besonderes.
„ASHER!“
Mein Schädel fühlt sich an, als würde er explodieren.
Ich stöhne, presse ein Kissen über meinen Kopf.
„Verschwinde.“
„Steh. Sofort. Auf.“
Vivian.
Natürlich.
Ich öffne widerwillig ein Auge.
Sie steht in meinem Schlafzimmer wie die personifizierte Hölle in High Heels, während die Frau von letzter Nacht längst verschwunden ist.
Zum Glück.
„Du ruinierst mein Leben“, murmele ich.
Vivian wirft mir ein Tablet ins Bett.
„Nein. Du ruinierst deins.“
Ich kneife die Augen zusammen.
Neue Schlagzeile:
ASHER HALE: WILDE NACHT MIT UNBEKANNTER SCHÖNHEIT NACH SKANDAL-KONZERT
Darunter Fotos.
Ich.
Offensichtlich betrunken.
Die Frau.
Mein Penthouse.
Scheiße.
„Wie—“
„Paparazzi.“
Vivian sieht mich an, als wäre ich intellektuell beleidigend.
„Überraschung.“
Ich lasse mich zurück aufs Bett fallen.
„Ich brauche definitiv härteren Alkohol.“
„Du brauchst Kontrolle.“
Da ist sie wieder.
Ihr Lieblingswort.
„Die Tour startet in wenigen Wochen“, fährt sie fort. „Und bis dahin wirst du verschwinden.“
Ich runzle die Stirn.
„Was?“
„Kein Club. Keine Partys. Keine Frauen. Kein L.A.“
„Das klingt nach Freiheitsberaubung.“
„Das klingt nach Schadensbegrenzung.“
Ich setze mich langsam auf.
„Und was genau soll ich tun? Meditieren?“
Vivian ignoriert meinen Sarkasmus wie immer.
„Du gehst nach Hause.“
„Ich bin zuhause.“
„Nein.“
Sie verschränkt die Arme.
„Du gehst in dein Anwesen. Außerhalb der Stadt. Weg von allem.“
Mein Kiefer spannt sich an.
Das abgelegene Haus.
Ruhe.
Isolation.
Keine Ablenkung.
Die Hölle.
„Auf keinen Fall.“
„Doch.“
„Vivian—“
„Deine letzte Haushälterin hat gekündigt.“
Ich blinzle.
„Was?“
„Zitat:“
Sie schaut auf ihr Handy.
„Ich weigere mich, weiterhin benutzte Dessous aus Kronleuchtern zu entfernen.“
…
Okay.
Fair.
„Du bekommst eine neue.“
Ich fahre mir durchs Gesicht.
„Großartig.“
Zum ersten Mal klingt ihre Stimme nicht genervt.
Sondern ernst.
„Denn wenn du so weitermachst, zerstörst du nicht nur deine Karriere.“
Stille.
„Sondern dich selbst.“
Für einen Moment sage ich nichts.
Weil ich den verdammten Unterschied zwischen Übertreibung und Wahrheit kenne.
Und weil ich langsam fürchte, dass sie recht hat.
Drei Tage später sitze ich in meinem Wagen Richtung abgelegenes Anwesen.
Fort von L.A.
Fort vom Lärm.
Fort von mir selbst.
Noch weiß ich nicht, dass diese erzwungene Pause alles verändern wird.









toller Auftakt. Das "fair" auf die Kündigung der letzten Haushälterin hat mich echt abgeholt 😁😁😁.