Ein früherer Test
Es dauert lange in Operational Force 141. Als er dazukam, hatte er bereits die Reichweite eines „Feldmarschalls“und sie sagten es nur Price. Du verbringst gerne Zeit mit deinen Machtfreunden und alle genießen die Gesellschaft des anderen als Familie. Heute schließt er sich einem neuen Mädchen mit Gewalt an. Betreten Sie die Basis; Seine High Heels machen ein lautes Geräusch auf dem Boden. Er trug sein Haar zu einem hohen Pferdeschwanz, übermäßiges Make-up: Eyeliner, Lippenstift, Lippenstrahl, Lidschatten ... Alles. Der neue Rekrut heißt Shanty. Aber sein Codename ist „Darling“. Alle blickten von dem, was sie taten, auf. Ghost und Gaz hörten auf, Poker zu spielen, kurz bevor Shanty den Raum betrat. Soap und Alejandro hoben ihren Blick auf ihr Kartenspiel, du bist gegangen, um deine Messer zu reinigen. Shanty betritt den Besprechungsraum und lächelt, mit seinem Koffer an seiner Seite. Sein Rock war erschreckend kurz für eine Militäruniform und seine Kleidung war völlig unpassend. Er begrüßte und sprach, mit hoher Stimme, als wäre es ein Schurke.* „Mein Gott! Hallo!“ Price seufzte und präsentierte ihn. „Jungs, das ist Shanty Volkov... ist der neue Satin-Soldat, der unserer Gruppe beitritt.“ Shanty lächelte und sprach. „Nennt mich Liebling! Das ist mein Name im Einsatz!“ Luna ging an Shanty vorbei und steckte gerade ihr Messer ein. „Hat wer einen Clown-Unfall bestellt?“, fragte sie und lehnte sich an die Wand am Ende des Raumes.
Das Klacken der Absätze auf dem Betonboden verstummte abrupt. Shantys eben noch strahlendes Lächeln gefror, als der Kommentar von Luna wie eine kalte Brise durch den Raum schnitt. Sie blinzelte mehrmals, wobei ihre künstlichen Wimpern fast die schwer geschminkten Lider berührten.
„Oh mein Gott“, hauchte Shanty und legte sich theatralisch eine Hand auf das Dekolleté ihrer viel zu engen Bluse. Sie warf Captain Price einen hilfesuchenden Blick zu, bevor sie sich wieder der Wand zuwandte, an der Luna lehnte. Ihre Stimme wurde eine Nuance höher, ein künstlicher Singsang, der die Irritation nur mühsam verbarg. „Man hat mir gesagt, die Task Force sei professionell. Ich wusste nicht, dass wir hier auch Comedy-Kurse belegen müssen.“
Soap unterdrückte ein kurzes Husten, das verdächtig nach einem Lachen klang, und tauschte einen schnellen Blick mit Alejandro aus. Die beiden hielten ihre Karten nun etwas tiefer, während Ghost nicht einmal den Kopf hob; seine ganze Aufmerksamkeit galt weiterhin dem Zerlegen seiner Pistole, doch die Starre seiner Schultern verriet, dass er jedes Wort registrierte.
„Ignorier das einfach, Captain“, fuhr Shanty fort und trat einen Schritt näher an Price heran, wobei sie den Abstand zu Luna bewusst mied. „Manche Frauen können es wohl einfach nicht ertragen, wenn jemand ein bisschen frischen Wind in den Laden bringt. Ich bin hier, um zu arbeiten, nicht um Zickenkriege zu führen. Ich komme mit Männern sowieso viel besser klar, die sind nicht so... emotional aufgeladen.“ Price rieb sich mit dem Daumen über die Stirnfalten unter seinem Boonie-Hat. Er stieß einen langen Atemzug aus, der nach altem Tabak und Erschöpfung roch. „Darling, das hier ist kein Schönheitswettbewerb. Stell deine Tasche ab“, brummte er, ohne direkt auf den Schlagabtausch einzugehen.
Shanty kräuselte die Lippen zu einem Schmollmund, der auf einem Schlachtfeld völlig deplatziert gewirkt hätte. Sie warf einen Blick über die Schulter zu Luna, ihre Augen verengten sich für einen Sekundenbruchteil. „Ist das Messer eigentlich nur zur Deko da, oder kannst du damit auch umgehen, ohne dir die Nägel zu ruinieren?“
Sie ließ das Messer „aus Versehen“ aus ihrer Hand rutschen, sodass es nur knapp an Shantys Kopf vorbeischoss und sich anschließend in die Tür bohrte. „Oh, wie es scheint, hat mein Messer wohl keine Lust auf kleine hässliche Minis. Da ist mir der Comedy-Club dann schon lieber“, sagte sie, ohne den Blick zu heben. Das dumpfe Thud, mit dem das Messer im Holz der Tür einschlug, hallte wie ein Peitschenknall durch den Raum. Für einen Moment schien selbst das Atmen im Raum auszusetzen. Das Messer vibrierte noch leicht, nur Zentimeter von Shantys sorgfältig gestylter Hochsteckfrisur entfernt.
Shanty riss die Augen auf, ihre Pupillen weiteten sich vor Schreck, bevor sie theatralisch nach Luft schnappte. Sie erstarrte, die Hände halb erhoben, als wollte sie den Schrecken physisch abwehren. Dann suchte ihr Blick sofort den von Price, ihre Unterlippe begann leicht zu zittern ein perfekt einstudiertes Manöver.
„Captain... haben Sie das gesehen?“, piepste sie, ihre Stimme klang brüchig und viel zu hoch. Sie machte einen hastigen Schritt weg von der Tür und stolperte fast über ihre eigenen Absätze, bevor sie sich demonstrativ nah an Soap drückte. „Ich... ich wollte doch nur freundlich sein. Warum ist sie so geladen? Ist das hier normal?“
Soap lockerte seinen Griff um die Karten, ein schiefes Grinsen stahl sich auf sein Gesicht, während er das Messer in der Tür musterte. „Sie hat eine ruhige Hand, Darling. Das war Präzisionsarbeit.“
„Präzisionsarbeit? Das war fast mein Gesicht!“, zischte Shanty, während sie sich eine Haarsträhne aus der Stirn strich, die gar nicht verrutscht war. Sie warf einen giftigen Blick in Richtung der Wand, an der Luna lehnte. Ihre Stimme wurde wieder süßlicher, fast mitleidig. „Schon gut. Ich verstehe das ja. Wenn man sich den ganzen Tag nur mit Waffen und Schlamm beschäftigt, vergisst man wohl, wie man sich gegenüber anderen Frauen benimmt. Wahrscheinlich ist es der Neid, weil manche von uns ihre Weiblichkeit nicht an der Garderobe abgegeben haben.“
Price massierte sich die Schläfen, sein Blick fixierte das Messer. „Genug jetzt“, brummte er, doch der Unterton von Müdigkeit war unüberhörbar. „Darling, geh auf dein Zimmer. Luna, lass das Messer stecken, bis sie raus ist.“
Shanty verschränkte die Arme vor der Brust, was ihren Ausschnitt noch mehr betonte. „Ich gehe ja schon. Es ist echt anstrengend, wenn die Stimmung so... toxisch ist. Kommt einer von euch Jungs mit? Ich weiß gar nicht, wo die Quartiere sind, und ich möchte ungern nochmal als Zielscheibe enden, nur weil jemand seine Emotionen nicht im Griff hat.“ Sie sagte, dass es geradeaus gehe, dann den linken Flur hinunter und die zweite Tür rechts sei, während sie sich streckte
Shanty starrte auf das vibrierende Messer in der Türverkleidung, dann auf den Flur, den Luna so beiläufig beschrieben hatte. Sie schluckte schwer, wobei ihr Kehlkopf unter der dicken Schicht Make-up kurz zuckte. Ein hasserfülltes Funkeln blitzte in ihren Augen auf, als sie sah, wie entspannt Luna sich streckte, ein Bild von vollkommener Souveränität, das Shanty innerlich vor Neid kochen ließ.
„Ganz schön aggressiv, findest du nicht auch, Johnny?“, hauchte Shanty und wandte sich mit einem rasanten Stimmungswechsel an Soap. Sie legte ihm eine Hand auf den Unterarm und klimperte mit ihren falschen Wimpern. „Ich meine, ich versuche nur, eine gute Kameradin zu sein, und sie wirft mit Messern. Das ist... so unweiblich. Ich könnte niemals so verbittert sein.“
Soap warf einen Blick auf ihre Hand auf seinem Arm, dann zu dem Messer in der Tür. „Sie wirft nicht nur, Darling. Sie trifft meistens auch genau das, was sie treffen will. War wohl ein Warnschuss.“
Shanty schnaubte leise und warf das Kinn in den Nacken. Sie sah zu Price, der die Szene mit versteinerter Miene beobachtete. „Captain, ich hoffe, die Unterkunft hat ein Schloss. Ich weiß ja nicht, ob ich heute Nacht ruhig schlafen kann, wenn hier Leute mit Komplexen ihre Waffen nicht im Griff haben.“
Sie griff nach dem Griff ihres pinkfarbenen Rollkoffers, der so gar nicht zum restlichen Gepäck der Basis passte. „Linker Flur, zweite Tür rechts... danke für die ‚Hilfe‘. Aber ich glaube kaum, dass sie sich von jemandem Befehle geben lassen muss, der seinen Frust an Möbeln auslässt.“
Bevor sie losstöckelte, drehte sie sich noch einmal halb um und musterte Luna mit einem herablassenden Blick. „Vielleicht sollte sie mal einen Wellness-Tag einlegen. Das entspannt die Gesichtszüge. Aber gut, manche von uns haben eben Ausstrahlung, und andere... haben Messer.“
Mit einem übertriebenen Hüftschwung und lautem Absatztrappeln steuerte sie auf die Tür zu, machte jedoch einen weiten Bogen um das Messer, das immer noch im Holz steckte. „Kommt jemand mit?“
Sie hob den Kopf, ihr Blick war eiskalt. Sie sagte, es sei kein Befehl gewesen, sondern eine Information, und dass man lernen solle, ein Soldat zu sein – sonst würde man noch im Training an der eigenen Dummheit sterben. Barbiepuppen brauche hier niemand. Außerdem solle man Respekt vor Soldaten haben, die einen höheren Rang hätten, oder müsse sie das noch einmal „auf dummerisch“ erklären. Dabei zog sie ihre Kapuze tief ins Gesicht.
Das Schnappen nach Luft war so übertrieben, dass es fast die Belüftungsanlage des Raumes übertönte. Shanty starrte auf die Kapuze, hinter der Luna ihr Gesicht verbarg, und ihre sorgfältig geschminkten Lippen bebten vor unterdrückter Wut. Das Wort „dummerisch“ schien bei ihr tiefer zu sitzen als das Messer in der Tür.
„Barbie-Puppe?“, wiederholte sie mit schriller Stimme und warf einen verzweifelten Blick in die Runde, als würde sie darauf warten, dass einer der Männer für sie in die Bresche sprang. „Ich versuche nur, ein wenig Anstand und Weiblichkeit in diesen... diesen grauen Betonklotz zu bringen! Ich wusste nicht, dass man hier seine Persönlichkeit abgeben muss, um ernst genommen zu werden.“
Sie rückte ihre Weste zurecht, die viel zu sauber für diesen Ort wirkte. „Und was den Rang angeht... mein Vater hat mir schon alles beigebracht, was ich wissen muss. Er sagt immer, dass Frauen, die sich wie Männer aufführen, nur ihre eigenen Unsicherheiten überspielen wollen.“
Price unterbrach das aufkeimende Wortgefecht mit einem tiefen Grollen, das keinen Widerspruch duldete. „Genug. Darling, Abmarsch. Linker Flur, wie sie gesagt hat. Und nimm deinen Koffer mit.“ Shanty stieß ein beleidigtes Zischen aus. Sie packte den Griff ihres pinken Koffers so fest, dass ihre Fingerknöchel weiß hervortraten. Bevor sie sich umdrehte, beugte sie sich ein Stück vor, als wollte sie unter Lunas Kapuze spähen.
„Viel Spaß noch beim Messerschleifen“, giftete sie leise, laut genug, dass nur Luna und die nahestehenden Männer es hören konnten. „Vielleicht findet sie ja irgendwann eine Persönlichkeit, die nicht aus Stahl besteht. Aber manche von uns brauchen eben keinen Krieg, um sich wertvoll zu fühlen.“
Mit einem Ruck riss sie ihren Koffer herum, wobei die Rollen auf dem Boden quietschten, und stöckelte los. Das rhythmische Klack-Klack ihrer Absätze entfernte sich in Richtung des Flurs, bis schließlich eine Tür lautstark ins Schloss fiel. Im Raum blieb eine schwere Stille zurück. Soap lockerte seine Schultern und stieß einen langen Pfiff aus. Er sah zu dem Messer, das immer noch in der Tür steckte. „Die wird uns noch richtig Freude bereiten, was?“, murmelte er und warf Ghost einen Seitenblick zu.
Ghost bewegte nur minimal den Kopf, seine Augen blieben auf der Tür fixiert, durch die Shanty gerade verschwunden war.
Luna trat zur Tür, zog das Messer mit einer kurzen, routinierten Bewegung aus dem Holz und steckte es weg. Anschließend griff sie sich ein Bier. Mit gespielt hoher Stimme äffte sie Shanty nach: „Oh, könnte mir jemand helfen? Ich weiß nicht, wie man das aufmacht, die Nägel müssen noch trocknen.“
Ohne eine Miene zu verziehen, öffnete sie die Flasche selbst und setzte sie an.
Das Zischen der Bierflasche beim Öffnen war das einzige Geräusch, das für einen Moment die verblüffte Stille durchschnitt. Dann prustete Soap los. Er schlug sich mit der flachen Hand auf den Oberschenkel und schüttelte den Kopf, während er sich zu Alejandro lehnte.
„Verdammt, das war auf den Punkt, Ma'am!“, rief Soap und grinste breit. „Die Stimme... ich hätte schwören können, sie steht noch mal hinter mir und verlangt nach einem Handspiegel.“
Price stieß ein kurzes, trockenes Lachen aus, das in seinem Bart verloren ging. Er lehnte sich in seinem Stuhl zurück und sah zu, wie Luna den ersten Schluck nahm. „Man merkt, dass du heute deinen geduldigen Tag hast“, brummte er. Er warf einen Blick zur Tür, in der das Messer noch immer steckte. „Aber im Ernst, sie ist die Tochter eines Navy-Captains. Ein politisches Minenfeld auf High Heels.“
Alejandro schob die Schüssel mit den Nachos in die Mitte des Tisches. „Politik hin oder her, im Feld zählt nur, ob sie Deckung gibt oder im Weg steht. Und im Moment sehe ich eher eine Stolpergefahr.“ Er sah zu Luna und zwinkerte. „Guter Wurf übrigens. Der Luftzug hat ihr sicher das Make-up getrocknet.“
Ghost, der bisher kein Wort gesagt hatte, legte das letzte Teil seiner Waffe mit einem metallischen Klicken an seinen Platz. Er hob den Kopf, und seine dunklen Augen fixierten Luna unter der Maske. „Sie wird nicht lange durchhalten, wenn sie das Messer beim nächsten Mal fängt“, stellte er nüchtern fest. Seine Stimme war tief und vollkommen humorlos, doch in der Art, wie er sich wieder seinem Magazin zuwandte, lag eine seltene Form von Zustimmung. „Das hier ist kein Ort für Puppen.“ Soap schnappte sich nun auch ein Bier und hielt es in die Runde. „Auf die neue ‚Darling‘ der Einheit. Möge sie lernen, dass Nägel hier nur zum Festkrallen im Schlamm gut sind.“ Er sah zu Luna. „Was meinst du, wie lange braucht sie, bis sie den ersten Nervenzusammenbruch kriegt, weil keine Seidennachthemden in der Kaserne liegen?“
Luna zog das Messer mit einer routinierten Bewegung aus der Tür und wischte es beiläufig ab, bevor sie es wieder verstaute. „Ach, nennen wir es einfach meinen Tag der Geduld“, meinte sie trocken.
Dann ließ sie den Blick kurz zur Tür schweifen, durch die Shanty verschwunden war. „Ich gebe ihr exakt fünf Minuten, dann steht sie wieder hier, jammert herum und fängt an, gegen mich zu giften.“
Mit diesen Worten setzte sie sich auf die Fensterbank, lehnte sich entspannt zurück und nahm einen weiteren Schluck aus ihrer Bierflasche.
Soap prustete sein Bier fast über den Tisch, als er deine Imitation hörte. Er klopfte sich grinsend auf den Oberschenkel. „Ganz ehrlich? Die Stimme hast du perfekt drauf. Jetzt fehlen dir nur noch die künstlichen Wimpern und der Drang, uns alle zwei Minuten zu erzählen, dass du ‚eigentlich gar kein Make-up brauchst‘“, witzelte er und warf Alejandro einen amüsierten Blick zu.
Price schüttelte den Kopf, während er sich eine Zigarre ansteckte. Der Rauch kräuselte sich unter der Decke. „Fünf Minuten? Das ist großzügig geschätzt“, brummte er und sah auf seine Armbanduhr. „Ich gebe ihr drei, bis sie merkt, dass es im Quartier keinen Ganzkörperspiegel gibt.“
Ghost blieb reglos an seinem Platz, doch das leichte Beben seiner Schultern verriet, dass er den Schlagabtausch aufmerksam verfolgte. Er reinigte schweigend den Schlitten seiner Waffe weiter, während die Atmosphäre im Raum kurzzeitig wieder entspannter wirkte.
Plötzlich hallte ein vertrautes, wütendes Klack-Klack-Klack durch den Korridor. Die Schritte waren schneller und ungleichmäßiger als zuvor.
Keine vier Minuten waren vergangen, als die Tür mit einem Schwung aufgerissen wurde. Shanty stand im Rahmen, ihr Gesicht war leicht gerötet, und sie hielt eine durchsichtige Kulturtasche fest umklammert. Sie ignorierte dich auf der Fensterbank demonstrativ und wandte sich sofort mit bebender Unterlippe an Price und Soap.
„Das kann nicht euer Ernst sein!“, stieß sie hervor und warf ihre Haare über die Schulter. „In meinem Zimmer riecht es nach Schmieröl, und das Schloss klemmt. Ich wollte doch nur meine Sachen ordentlich wegräumen.“ Sie machte einen kleinen, unsicheren Schritt auf Soap zu und senkte die Stimme in diesen typischen, hilflosen Tonfall. „Johnny, könntest du... vielleicht mal nachsehen? Ich kenne mich mit diesen groben Militärschlössern nicht aus. Eine normale Frau wäre da drin wahrscheinlich völlig aufgeschmissen, aber ich versuche ja, tapfer zu sein.“
Sie warf dir einen schnellen, giftigen Seitenblick zu, bevor sie wieder den „verletzlichen“ Blick aufsetzte. „Es ist echt schwer, wenn man hier so gar nicht willkommen geheißen wird, sondern nur von... anderen Frauen schikaniert wird, die wohl vergessen haben, wie man sich gegenüber Gästen verhält.“
Luna lehnte weiterhin lässig auf der Fensterbank, ihr Gesicht tief im Schatten ihrer Kapuze verborgen. Mit übertrieben hoher Stimme äffte sie Shanty nach: „Oh nein, meine Nägel könnten ja abbrechen, wenn ich versuche, den Schlüssel richtig ins Schloss zu stecken. Soapilein, könntest du das machen? Die Nägel sind erst neu und mein Make-up frisch.“
Dann senkte sie die Stimme wieder in ihren gewohnten, kühlen Tonfall. „Mädel, kneif die Arschbacken zusammen und sei eine richtige Frau. Oder muss man dir erst zeigen, wie das geht?“ Sie nahm einen ruhigen Schluck von ihrem Bier, ohne auch nur aufzublicken. „Soll man dir auch noch erklären, wie man lange Dinger in ein Loch richtig einführt?“, fügte sie trocken hinzu. Das Schnappen nach Luft, das Shanty jetzt von sich gab, klang wie das verzweifelte Keuchen eines gestrandeten Fischs. Ihre Wangen liefen unter der dicken Schicht Puder dunkelrot an, und ihre sorgfältig nachgezogenen Augenbrauen schossen so weit nach oben, dass sie fast in ihrem Haaransatz verschwanden. Sie starrte auf die Kapuze, die Lunas Gesicht verbarg, als hätte sie gerade ein Monster erblickt.
„Hört... hört ihr das?“, stammelte sie und wandte sich mit weit aufgerissenen Augen an die Männer in der Runde. Ihre Stimme zitterte jetzt nicht mehr nur vor gespielter Hilflosigkeit, sondern vor echtem, brodelndem Zorn. „Das ist ja... das ist ja völlig unter der Gürtellinie! Johnny? Captain? Lasst ihr euch das bieten? Sie ist total vulgär!“
Soap, der gerade einen Schluck aus seiner Flasche nehmen wollte, verschluckte sich prompt und prustete eine Ladung Bier auf den Tisch. Er wischte sich lachend den Mund ab und warf Luna einen anerkennenden Blick zu. „Technik ist alles, Darling. Wer das Werkzeug nicht beherrscht, sollte nicht auf der Baustelle spielen“, warf er grinsend ein, offensichtlich amüsiert über die zweideutige Spitze.
Shanty stampfte mit dem Absatz auf den Boden, ein trockenes Knallen, das ihre Frustration unterstrich. „Ich rede von Anstand! Mein Vater würde diesen Laden hier sofort schließen lassen, wenn er wüsste, wie man hier mit Frauen umgeht, die noch... echte Werte haben.“ Sie richtete ihren Blick wieder auf Luna, ihre Stimme wurde giftig und scharf. „Nur weil sie sich wie ein Kerl aufführt und keine Ahnung hat, wie man sich als Dame präsentiert, muss sie nicht auf mich herabsehen. Manche von uns brauchen eben keine Messer, um sich wichtig zu fühlen. Wir haben Charme. Aber das Wort kennt sie wahrscheinlich nicht mal.“
Price massierte sich nun mit beiden Händen das Gesicht. Ein tiefes, erschöpftes Seufzen drang aus seiner Brust. „Darling, es reicht. Wenn du Hilfe mit dem Schloss brauchst, frag Gaz. Wenn du weiter über ‚Frauen-Werte‘ diskutieren willst, such dir ein anderes Publikum.“
Shanty schien für einen Moment die Sprache verloren zu haben. Sie warf den Kopf in den Nacken, packte ihre Kulturtasche so fest, dass das Plastik knirschte, und starrte Luna hasserfüllt an. „Schön. Wenn ihr alle auf dieses Niveau abrutschen wollt... bitte. Ich bin hier, um zu arbeiten, nicht um mir Sex-Witze von frustrierten Soldatenweibern anzuhören.“
Mit einem Ruck drehte sie sich auf ihren Absätzen um, was sie fast wieder ins Straucheln brachte, und rauschte aus dem Raum. Das Klack-Klack-Klack ihrer Flucht hallte noch lange im Flur nach.
Ghost hob den Blick von seinem Magazin und sah kurz in Lunas Richtung.
Sie zuckte nur mit den Schultern, als wäre nichts gewesen. „Was denn? Ich habe sie doch nur gefragt, ob sie Hilfe braucht, den Schlüssel ins Schloss zu bekommen“, meinte sie mit einem schiefen Grinsen.
Dann hob sie ihr Bier leicht in Richtung von Soap. „Dein Spruch war auch nicht schlecht“, fügte sie trocken hinzu und nahm einen weiteren Schluck.
Soap prustete erneut los und hätte beinahe sein Bier über den Tisch verschüttet. Er hielt sich den Bauch, während er versuchte, wieder zu Atem zu kommen. „Oh Mann, Luna... ‚lange Dinger richtig einführen‘?“, wiederholte er und schüttelte grinsend den Kopf. „Ich glaube, du hast ihr gerade einen Systemabsturz verpasst. Die wird morgen wahrscheinlich mit einem Handbuch über Etikette zum Dienst erscheinen.“
Er stieß mit seiner Flasche leicht gegen Lunas. „Auf den ‚Clown-Unfall‘. Das war das Beste, was ich seit Monaten gehört habe.“
Price zog tief an seiner Zigarre und stieß den Rauch langsam in Richtung Decke aus. Er blickte von seiner Uhr auf und sah zu Luna auf der Fensterbank. Ein schwaches, kaum sichtbares Lächeln versteckte sich in seinem Bart. „Du machst mir das Leben nicht gerade leicht, weißt du das? Ihr Vater wird mir morgen die Leitung heißlaufen lassen“, brummte er, wobei der tadelnde Tonfall fehlte. „Aber im Kern hast du recht. Wer hier überleben will, muss mehr können, als nur gut auszusehen und sich über die Inneneinrichtung zu beschweren.“
Alejandro nahm sich einen weiteren Nacho und biss laut knackend hinein. „Sie denkt wirklich, das hier ist ein Ferienlager. Wenn wir das nächste Mal im Schlamm liegen, wird sie wahrscheinlich fragen, ob es den Schlamm auch in einer passenden Farbe zu ihrem Lippenstift gibt.“
Ghost, der bisher wie eine Statue gewirkt hatte, bewegte sich nun. Er schob die gereinigte Pistole in das Holster an seinem Oberschenkel, das metallische Klicken klang endgültig. Dann sah er zu Luna auf, seine Augen hinter der Maske fest und ernst. Schließlich neigte er den Kopf ein kleines Stück zur Seite – eine stille Geste der Anerkennung unter Profis.
„Sie ist ein Sicherheitsrisiko“, stellte Ghost mit seiner tiefen, rauen Stimme fest. „Ihre Aufmerksamkeit liegt auf den falschen Dingen. Wenn sie nicht lernt, den ‚Schlüssel‘ zu kontrollieren, wird sie im Feld nicht nur sich selbst, sondern das Team gefährden.“
Soap grinste Ghost an. „Ach komm, Simon. Sogar du musst zugeben, dass die Imitation göttlich war. ‚Soapilein‘?“ Er schauderte theatralisch. „Bitte nenn mich nie wieder so, Luna. Davon kriege ich Ausschlag.“
Luna nahm noch einen Schluck aus ihrer Flasche, bevor sie leicht den Kopf schüttelte. „Keine Sorge, ich werde dich nicht so nennen“, meinte sie trocken in Richtung Soap. Dann lehnte sie sich etwas zurück und ließ ihren Blick kurz durch den Raum wandern. „Morgen kann sie ja als Erste die Übungen machen“, fügte sie ruhig hinzu. „Mal sehen, wie viel von dem Auftreten übrig bleibt, wenn es ernst wird.“ Ihre Stimme blieb kühl, fast gleichgültig. „Und wenn ihr Vater meint, hier Druck machen zu müssen…“ Sie zuckte leicht mit den Schultern. „Am Ende stehen wir auf dem Schlachtfeld. Wir sind die, die den Job machen und den Kopf hinhalten. Nicht er.“ Ein kaum sichtbares, schiefes Lächeln huschte über ihre Lippen. „Vielleicht sollte er sich das überlegen, bevor er solche… wie dieses Clown Unfall auf uns loslässt.“ Soap grinste breit und klatschte leise in die Hände, während er sich den Rest seines Biers genehmigte. „Morgen früh um sechs auf dem Übungsplatz? Das will ich für kein Geld der Welt verpassen. Ich wette ein Monatsgehalt, dass sie nach den ersten hundert Metern im Schlamm ihre Nägel sucht“, sagte er und stieß einen kurzen Lacher aus. „Und danke, dass du das mit dem ‚Soapilein‘ geklärt hast. Wenn das Schule macht, quittiere ich den Dienst.“ Price nahm die Zigarre aus dem Mund und betrachtete die Aschespitze. Sein Blick wanderte kurz zu der beschädigten Tür und dann zurück zu Luna. „Du hast recht. Der Name ihres Vaters mag ihr die Tür hierher geöffnet haben, aber er wird sie nicht durch den Hindernisparcours tragen. Das Schlachtfeld macht keinen Unterschied zwischen einer Captain-Tochter und einem Niemand.“ Er lehnte sich vor und stützte die Ellbogen auf die Knie. „Morgen wird sich zeigen, aus welchem Holz sie geschnitzt ist. Wenn sie beim ersten Anzeichen von Schweiß zusammenbricht, hat sie hier nichts verloren.“ Alejandro schob die leere Nacho-Schale beiseite und verschränkte die kräftigen Arme vor der Brust. „Ich werde die Zeit stoppen. Aber ich glaube nicht, dass wir eine Stoppuhr brauchen. Ein Kalender wäre vielleicht angemessener, wenn sie versucht, in diesen Schuhen über die Mauer zu klettern.“ Ghost, der bisher nur zugehört hatte, bewegte sich nun leicht. Das Licht der nackten Glühbirne an der Decke warf tiefe Schatten in die Augenhöhlen seiner Maske. „Wir sind nicht hier, um Babysitter zu spielen“, brummte er. Seine Stimme war so rau wie Sandpapier auf Metall. „Morgen wird kein Clown-Unfall, sondern ein Reality-Check. Wenn sie dumm genug ist, ihre Ausrüstung nicht zu respektieren, wird der Boden sie das lehren.“ Er sah kurz zu Luna auf der Fensterbank. „Du solltest die Erste sein, die den Parcours läuft. Zeig ihr, was ein Soldat ist. Vielleicht versteht sie es dann ohne ‚Dummerisch‘.“
Soap lachte und hob seine Flasche. „Das ist ein Wort! Eine Vorführung von unserem Field Marshal persönlich. Danach kann Darling direkt ihre Koffer packen und zurück zu Papi fliegen.
Luna zuckte leicht mit den Schultern und streckte sich, als wäre es die selbstverständlichste Entscheidung der Welt. „Na gut, ich mach’s“, sagte sie ruhig. Ein schiefes Grinsen huschte über ihr Gesicht. „Aber ich wette drei Kisten Bier, dass sie um sechs nicht mal auf dem Trainingsplatz steht, sondern noch irgendwo sitzt und sich schminkt.“
Soap grinste so breit, dass man seine Zähne im fahlen Licht der Deckenlampe aufblitzen sah. Er schlug mit der flachen Hand auf den Holztisch, sodass die leeren Bierflaschen kurz klirrten. „Drei Kästen? Abgemacht! Ich setze dagegen, nur weil ich sehen will, wie sie versucht, mit ihren aufgeklebten Krallen eine Range-Card auszufüllen“, rief er und hielt Luna seine Hand hin, um die Wette per Handschlag zu besiegeln. „Aber wehe, du hast recht. Dann schulde ich dir das gute Zeug aus den Highlands.“
Alejandro schüttelte nur schmunzelnd den Kopf und lehnte sich mit verschränkten Armen zurück. „Ich rühre die Wette nicht an. Ich habe heute gesehen, wie sie auf diesen Absätzen gelaufen ist. Wenn sie morgen um sechs auf der Matte steht, dann höchstens, weil sie die ganze Nacht durchgemacht hat, um ihr Gesicht zu schichten.“
Price nahm einen letzten, langen Zug von seiner Zigarre. Die Glut leuchtete hell auf, bevor er den Rauch langsam ausstieß, der sich wie ein Schleier zwischen den Soldaten ausbreitete. Er sah von Soap zu Luna und dann zu Ghost. „Morgen früh um sechs auf dem Platz. Keine Ausnahmen. Wer zu spät kommt, läuft Extrarunden – egal, wer der Vater ist“, stellte er mit einer Endgültigkeit fest, die keinen Raum für Diskussionen ließ. Er drückte die Zigarre in einem schmucklosen Aschenbecher aus und stand auf. „Genießt euer Bier. Morgen wird ein langer Tag.“ Ghost blieb noch einen Moment sitzen, seine Augen starrten auf die Stelle an der Tür, an der eben noch das Messer gesteckt hatte. Er gab ein tiefes, fast unhörbares Brummen von sich, das bei ihm als Lachen durchgehen konnte. Er erhob sich langsam, die schwere Ausrüstung an seinem Körper knarrte leise bei der Bewegung. Ohne ein weiteres Wort zu sagen, nickte er Luna kurz zu – eine unterkühlte, aber unmissverständliche Geste der Anerkennung für die Ansage gegenüber der Neuen – und verschwand mit lautlosen Schritten im Schatten des Flurs. Soap kippte den Rest seiner Flasche hinunter und zwinkerte Luna zu. „Ich hoffe, du magst dunkles Lagerbier. Denn das wirst du morgen Abend von mir bekommen, wenn Darling pünktlich um sechs in voller Montur – inklusive Lippenstift – vor uns salutiert.
Sie schlug ein, der Handschlag war fest und ohne Zögern. „Gut, mal sehen, wer gewinnt“, sagte sie ruhig. Ein leicht spöttischer Unterton schwang in ihrer Stimme mit. „Dagegen habe ich nichts – solange es keine Stöckelschuhe und keine aufgesetzte hohe Stimme mitbringt.“ Dann stand sie auf, zog ihre Kapuze noch ein Stück tiefer ins Gesicht und richtete sich auf. Ihr Blick wanderte kurz zu Ghost, und sie nickte ihm knapp zu, bevor er im Schatten des Flurs verschwand.
Soap grinste so breit, dass seine Augen fast zu Schlitzen wurden. Er schlug kräftig auf den Tisch, was die leeren Flaschen zum Tanzen brachte. „Abgemacht! Drei Kästen. Ich hoffe, du hast schon mal Platz in deinem Spind gemacht, denn dieses Bier wird mir verdammt gut schmecken.“ Er lehnte sich mit einem triumphierenden Funkeln in den Augen zurück. „Ich wette, sie taucht auf, nur um uns zu beweisen, dass sie ‚eine von den Jungs‘ ist – natürlich mit wasserfester Wimperntusche, falls sie ins Schwitzen kommt.“ Price drückte seine Zigarre endgültig im aschenbecher aus. Der dichte, schwere Rauch hing noch wie ein grauer Schleier über dem Tisch. Er erhob sich schwerfällig, das Knarren seines Lederstuhls unterstrich die Ernsthaftigkeit seiner Worte. „Macht was ihr wollt mit eurem Bier. Aber wehe, einer von euch ist morgen nicht auf dem Damm, weil er heute Abend zu tief ins Glas geschaut hat.“ Er warf einen kurzen Blick zur Tür, durch die Andrea verschwunden war, und schüttelte fast unmerklich den Kopf. „Und Luna? Sei morgen nicht zu gnädig. Wenn sie meint, hier eine Show abziehen zu müssen, dann soll sie spüren, was es bedeutet, diesen Rang wirklich zu tragen.“
Alejandro stand ebenfalls auf und klopfte Soap auf die Schulter. „Ich bleibe bei meiner Meinung. Das wird ein Desaster in Zeitlupe. Ich gehe schlafen, bevor ich mir noch bildlich vorstellen muss, wie sie versucht, ein Sturmgewehr mit frisch lackierten Fingernägeln zu halten.“ Das gedämpfte Licht im Raum schien die Müdigkeit der Soldaten zu betonen, die nach dem Einsatz noch immer in ihren Knochen steckte. Ghost war bereits lautlos im dunklen Flur verschwunden, und auch Alejandro machte sich auf den Weg. Soap schnappte sich seine Flasche und zwinkerte in Richtung der Kapuze von Luna. „Sechs Uhr scharf, Field Marshal. Ich freue mich schon auf das Gesicht, wenn sie merkt, dass der Hindernisparcours keine Rücksicht auf ‚Darlings‘ nimmt.
Sie schnaubte leise. „Ich und gnädig? Nein… keine Lust. Die wird morgen eher weinen“, meinte sie trocken, während ihr Blick nach draußen glitt.
Dann legte sie kurz eine Hand auf Soaps Schulter. „Alejandro hat recht, die Vorstellung ist schon ein Graus für die arme Ausrüstung“, fügte sie mit einem schiefen Grinsen hinzu.
Sie richtete sich wieder auf und strich ihre Kleidung glatt. „Ich geh noch ein paar Übungen machen und dann ins Quartier. Hab dir schon mal genug Platz freigemacht“, sagte sie beiläufig.
Ohne eine Antwort abzuwarten, wandte sie sich ab und verschwand in Richtung Turnhalle. Soap lachte leise und schüttelte den Kopf, während er die Wärme der Hand von Luna auf seiner Schulter spürte. Er hob seine Flasche noch einmal an, als wäre es ein offizieller Trinkspruch auf die bevorstehende Niederlage der Neuen. „Verlass dich drauf, Marshal. Ich werde den Platz in meinem Spind eigenhändig freiräumen. Und wehe, das Bier ist nicht eiskalt!“ Er sah ihr mit einem frechen Grinsen nach, als sie sich Richtung Ausgang wandte. „Viel Spaß beim Trainieren! Übertreib’s nicht, sonst hast du morgen kein Mitleid mehr für unsere kleine Prinzessin übrig.
Sie grinste leicht und hob zum Abschied die Hand, bevor sie den Raum verließ.
Nach einiger Zeit erreichte sie die Turnhalle. Ohne zu zögern zog sie ihre Maske über, sodass nur noch ihre Augen sichtbar waren. Die Kapuze streifte sie ab, ließ sie locker nach hinten fallen und lockerte kurz ihre Schultern.
Dann trat sie in die Mitte der Halle. Ihre Bewegungen wurden sofort präzise und kontrolliert, jeder Schritt saß. Sie begann mit dem Nahkampftraining – schnelle Kombinationen, saubere Techniken, kraftvoll und gleichzeitig effizient. Der Raum füllte sich mit dem dumpfen Geräusch ihrer Schläge und Tritte, während sie sich ganz auf das Training konzentrierte und alles andere ausblendete. Das dumpfe Echo der Schläge gegen den schweren Boxsack füllte die spärlich beleuchtete Turnhalle. Jeder Treffer war präzise, trocken und hart – ein Rhythmus, der die angestaute Gereiztheit des Abends in reine kinetische Energie umwandelte. Der Schweiß brannte in den Augenwinkeln hinter der Maske, doch das hinderte die Bewegungen nicht. Hier drinnen gab es keinen Platz für Parfümwolken oder spitze Absätze; hier roch es nach altem Leder, Magnesium und harter Arbeit.
Ein Schatten löste sich aus der dunklen Ecke bei den Kraftstationen. Ghost lehnte dort, die Arme vor der massiven Brust verschränkt. Er hatte seine Weste abgelegt, trug nur noch sein schwarzes Combat-Shirt, das die Tätowierungen an seinen Unterarmen betonte. Er beobachtete die Schlagfolge eine Weile schweigend, bevor er sich abstieß und langsam näher kam. „Du hast den Rhythmus gewechselt“, bemerkte er. Seine Stimme war in der leeren Halle noch tiefer als sonst. „Immer noch beim Clown-Unfall?“
Er trat an die gegenüberliegende Seite des Boxsacks und hielt ihn mit seinen behandschuhten Händen fest, um den Schwung abzufangen. Seine Augen fixierten die Maske von Luna. „Soap hat bereits angefangen, die Wetten in der Bar zu verbreiten. Die meisten setzen gegen sie. Aber einige hoffen auf das Spektakel.“ Er lockerte seinen Griff kurz, als würde er darauf warten, dass der nächste Schlaghagel losging. „Price wird nicht einschreiten, wenn du sie morgen rannimmst. Er will sehen, ob unter der Schminke überhaupt ein Rückgrat existiert. Wenn sie fällt, bleibt sie liegen. Das ist die Regel.“ Ein kurzes, raues Schnaufen drang unter seiner Maske hervor. „Drei Kästen Bier sind ein hoher Einsatz für jemanden, der wahrscheinlich schon beim Wecken um fünf Uhr eine Krise bekommt, weil die Luftfeuchtigkeit ihre Frisur zerstört.
Sie lachte leise auf und ließ ihre Schläge härter auf das Trainingsziel treffen. „Keine Sorge, ich bin längst nicht mehr bei diesem Clown-Unfall“, meinte sie trocken, während sie die restliche Energie aus sich herausarbeitete. „Ich lass nur den Rest raus. Und ganz ehrlich – ohne Bier nach einer Mission? Das ist doch nichts. Das wäre, als würde man sich neue Barbiepuppen aussuchen.“
Nach ein paar weiteren Bewegungen hielt sie inne, streckte sich kurz und wandte den Kopf leicht zur Seite. Ihr Blick blieb ruhig, fokussiert. „Dass Captain Price sich da nicht einmischt, ist schon mal gut“, fuhr sie fort. „Ich werde keine Gnade zeigen. Wenn sie anfängt zu heulen und zu ihrem Vater rennt, soll er ruhig kommen. Dann kann er gleich mitmachen – bis Mitternacht.“
Sie richtete ihre Maske wieder, zog sie etwas fester über das Gesicht. „Mal sehen… vielleicht gibt’s morgen ja wirklich ein Spektakel“, murmelte sie und ein kaum sichtbares Grinsen zeichnete sich unter dem Stoff ab, während sie sich wieder in Kampfstellung brachte.