Five Days Faith & Sylas by Rita Andrews at Inkitt
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Five Days - Faith & Sylas

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Summary

Faith lebt im Jetzt. Weil Zukunft bedeutet, sich festzulegen. Zwischen Highschool, familiärem Druck und den Schatten ihrer Vergangenheit versucht sie einfach nur, ihren eigenen Weg zu finden. Sylas lebt für seine Zukunft. College Football ist seine Chance auf ein anderes Leben. Er trainiert härter als alle anderen, verfolgt einen klaren Plan und kann sich keine Ablenkung leisten. Schon gar nicht durch ein Mädchen, das plötzlich ständig in seinen Gedanken auftaucht. Was zwischen ihnen beginnt, sollte unkompliziert bleiben. Doch aus hitzigen Diskussionen, schlaflosen Nächten und einer Anziehung, die sich nicht ignorieren lässt, wird schnell mehr. Während Faith vor ihrer Vergangenheit davonläuft und Sylas alles für seine Zukunft riskiert, geraten ihre Gefühle immer mehr außer Kontrolle. Und irgendwann geht es nicht mehr nur um Nähe – sondern um Entscheidungen, die alles verändern könnten. Denn zwischen all den Tagen, die einfach vorbeiziehen, gibt es manchmal ein paar wenige, die das ganze Leben auf den Kopf stellen.

Status
Ongoing
Chapters
29
Rating
5.0 4 reviews
Age Rating
18+

Kapitel 1 - Teil 1 Faith


Faith

Ungeduldig klopfe ich gegen die Zimmertür meiner älteren Schwester. »Aly, wir haben nicht den ganzen Abend Zeit. Komm endlich!«

»Du weißt, dass ein perfektes Outfit Zeit braucht! Falls es dir nicht passt, kannst du ja ohne mich gehen«, entgegnet Alyssa trotzig.

Ich beiße die Zähne zusammen, um einen Fluch zu unterdrücken. »Schön wär’s …«, presse ich hervor. Seit zehn Minuten stehe ich hier, fertig gestylt vor ihrer Zimmertür und werde langsam wahnsinnig. Wie viel Zeit braucht sie denn noch?

Seufzend fahre ich mir mit beiden Händen durch die langen, schwarzen Strähnen. Sie sind noch genauso glatt, wie ich sie frisiert habe. Trotzdem fühlt es sich an, als würden mir bald büschelweise die Haare ausfallen – wie in einem Albtraum. Denn mein Leben ist gerade ein einziger verdammter Albtraum!

Seit drei verfluchten Tagen wohnt Alyssa nun mit unserer Mutter hier. Bei Dad und mir.

Drei verdammte Tage, und meine Freiheit ist Geschichte.

Vorher konnte ich mich einfach rauschleichen, die ganze Nacht mit meinen Freunden feiern, während es nur Dad und mich hier gab. Aber jetzt, wo meine Eltern sich versöhnt und einen Neuanfang gewagt haben, behält mich Mutter strenger im Auge, als mir lieb ist. Vermutlich würde sie mich an die Leine legen und mein Fenster mit Gitterstäben verbarrikadieren, wenn es legal wäre. Also blieb mir heute nichts anderes übrig, als meine Schwester zu überreden mitzukommen – andernfalls wäre die Party für mich gestrichen worden.

Das Vibrieren meines Smartphones hält mich vom erneuten Hämmern ab.

Nachdem ich es aus der Gesäßtasche ziehe, leuchtet mir eine Nachricht von meinem besten Freund Mo entgegen:

Ich warte im Auto vor der Tür.

Normalerweise stehe ich längst draußen, wenn er um die Ecke biegt. Heute müssen wir uns wohl beide in Geduld üben.

Ich tippe zurück:

Sind gleich da.

Zumindest hoffe ich, das Alyssa in den nächsten Minuten fertig sein wird.

»Ich warte unten. Beweg dich, bitte!«, rufe ich ihr durch die Tür zu, bevor ich auf meinen hohen Absätzen die Holztreppe hinunter stöckle.

In dem schmalen Flur unseres Hauses bleibe ich stehen und zögere. Mein Blick fällt auf die Haustür.

Für einen Moment juckt es mir in den Fingern, die kühle Metalklinke zu drehen. Nur ein Ruck – und ich wäre draußen.

»Du siehst hübsch aus, Faith.«

Ich zucke zusammen und reiße meinen Kopf herum.

Dad lehnt am Türrahmen zum Wohnzimmer. Das fahle Licht der Flurbeleuchtung lässt ihn mit seinen tiefen Stirnfalten und dem fast völlig ergrauten Haar noch erschöpfter aussehen, als in letzter Zeit sowieso schon. »Entschuldige, ich wollte dich nicht erschrecken«, sagt er und lächelt leicht.

Mein Herz zieht sich bei seinen Worten zusammen. »Schon gut. Ich war nur in Gedanken.«

Sofort verwerfe ich meinen Fluchtplan, denn es würde ihn in Schwierigkeiten bringen, sollte ich mich nicht an die Abmachung mit Mutter halten. Ein Wunder, dass sie ihm noch nicht vorgeworfen hat, ihr Leben zerstört zu haben, weil wir nun in dieser Bruchbude wohnen.

»Faith, ich weiß, wir waren Monate lang zu zweit hier und dies ist nun eine neue Situation, dass deine Mutter und Alyssa endlich bei uns sind. Mach es ihnen bitte nicht zu schwer«, sagt Dad und kratzt sich verlegen am Kinn. Als hätte er meine Gedanken gelesen, kommt er gleich zum Punkt: »Deine Mutter muss sich an all das hier gewöhnen. Gib ihr etwas Zeit.«

Ich presse die Lippen aufeinander.

Sie wird sich nie daran gewöhnen!

Okay, ich muss zugeben, dass wir beide uns auch erst an all das hier gewöhnen mussten. Statt dem eleganten Penthouse mit gläserner Fassade bietet die Umgebung nun eher ältere sowie durchschnittliche Einfamilienhäuser. Ebenso ist unser Haus auch nicht mal halb so groß wie das damalige Appartement. Bodentiefe Fenster und begehbare Kleiderschränke haben wir gegen Sprossenfenster und Wandschränke getauscht, aber was soll's?

»Klar Dad. Wir bekommen das schon hin«, sage ich mit so viel Überzeugung, dass ich es mir selbst fast glaube. Allein damit er aufhört, sich sorgen zu machen, schließlich hat er in diesem Jahr schon genug durchgemacht. Es war für keinen von uns leicht, den Luxus zu verlieren, aber seine Schuldgefühle brechen mir das Herz.

Er macht einen Schritt auf mich zu. »Pass heute Abend bitte auf deine Schwester auf. Ihr ist das alles fremd. Du weißt doch, wie …«

»Dad, entspann dich«, falle ich ihm ins Wort, bevor er weiter ausholt. »Es wird schon nichts passieren.«

Dankbar lächelt er mich an. »Wann bist du nur so erwachsen geworden?«

»Hey, ich bin immerhin schon siebzehn.« Ich gebe ihm einen Kuss auf die Wange, in der Hoffnung, ihm damit ein Stück seiner Sorgen zu nehmen. »Hab dich lieb, Dad.«

»Ich dich auch, Faith. Viel Spaß und stell nichts an.« Er zwinkert mir zu, wie er es immer tut, wenn ich ausgehe. Woraufhin ich unschuldig lächle, wie ich es immer tue, wenn er diesen Satz sagt. Doch mein Lächeln versiegt, als mir das Familienfoto, eingerahmt in glänzendes Silber, an der Flurwand auffällt, das bisher dort nicht gehangen hatte.

»Ach ja, das Bild … Deine Mutter hat darauf bestanden, es aufhängen«, murmelt mein Vater, während ich die lächelnden Gesichter betrachte. Auf meine Schultern legt sich eine Schwere, die von Sekunde zu Sekunde droht mich zu erdrücken, je länger ich unsere perfekte Vorzeigefamilie betrachte.

Wie kann sie darauf bestehen, dieses Bild aufzuhängen?

Das Hupen von draußen erinnert mich daran, dass Montano wartet. Es ist das Zeichen, dass mein bester Freund langsam ungeduldig wird.

»Aly, komm endlich!«, rufe ich die Treppe hoch und kehre dem Foto den Rücken zu.

Alyssas Plateau-Absätze machen auf den Treppenstufen einen solchen Lärm, dass ich mir am liebsten die Ohren zuhalten möchte.

Sie ist doch sonst so eine Diva, warum muss sie ausgerechnet jetzt ein Elefant sein? Als würde sie wollen, dass Mutter mitbekommt, wann wir zur Party aufbrechen.

Meine Schwester trägt ihr schwarzes Versace-Minikleid mit Rundausschnitt und Medusaknöpfen auf der linken Seite. Ein knöchellanger, cremefarbener Wollmantel rundet ihr Outfit ab. Schlicht und hübsch – typisch Alyssa. Sie hatte schon immer einen klassischen Stil, während ich eher der sportliche Typ bin.

Elegant schiebt sie sich die braunen Locken zur Seite. »Dafür schuldest du mir einen Gefallen.«

Schlimm genug, dass ich sie überreden musste mitzukommen, jetzt bin ich ihr auch noch etwas schuldig. Vermutlich wird dieser Gefallen bei Alyssa mein Untergang sein, indem sie mich zu einem Gespräch auffordern wird, das ich nicht führen will.

»Du bist früher auch mit zu Partys gegangen.«

»Dort kannte ich die Gäste. Hier kenne ich niemanden.«

»Ich stelle dir ein paar Leute vor. So kennst du an deinem ersten Schultag zumindest einige«, sage ich, um ihr die Unsicherheit und damit ihre schlechte Laune zu nehmen.

»Mit wem fahrt ihr zu der Party?« Als die herablassende Stimme unserer Mutter ertönt, verstärkt sich meinen Wunsch, hier rauszukommen.

Muss sie wieder so ein verdammter Kontrollfreak sein? War ja klar, dass sie Alys Gestampfte hört.

»Mit Montano«, antworte ich knapp und eile zur Tür, damit sie meine enge Jeans und das schulterfreie, bordeauxfarbene Top unter der schwarzen Lederjacke nicht kritisieren kann. Ihrer Meinung nach trägt man grundsätzlich hübsche Kleider auf Partys.

»Faith?«, ruft sie und betritt mit klackernden Absätzen den Flur.

»Mutter?«, erwidere ich förmlich und drehe mich zu ihr herum. Kerzengerade und mit verschränkten die Arme vor der Brust, steht sie neben Dad und lässt ihren Blick an mir hinabgleiten.

Perfektes Haar, tadelloses Make-up – die Eleganz von New York, die sie so verbissen aufrechterhält, passt nach Cantrell wie ein Abendkleid in den Supermarkt.

»Bleibt nicht zulange weg. Und du kannst auch Mom sagen. Sei nicht so störrisch.«

»Ja, Mutter.«

»Faith …«, ermahnt mein Vater sanft.

Ich begegne seinem besorgten Blick und reiße mich zusammen. »Bis später«, sage ich nur und verkneife mir – Dad zuliebe – jede weitere Bemerkung, die mir auf der Zunge liegt. Ohne Mutters entnervtem Seufzen Beachtung zu schenken, eile ich hinaus.

Draußen schlägt mir die kalte Februarluft entgegen, klar und trocken, scharf genug, um mich für einen Moment innehalten zu lassen. Doch mit jedem Schritt zum dunkelroten Pontiac auf der anderen Straßenseite fällt mir das Atmen leichter.

Mein bester Freund lächelt mir vom Steuer aus zu. »Hi, bereit für die Party?« Seine haselnussbraunen Augen leuchten voller Vorfreude.

»Hey«, begrüße ich Montano, als ich mich auf den Beifahrersitz setzte. »Ich bin froh, wenn wir hier weg sind.«

Die Ärmel seines Langarmshirts sind hochgekrempelt, was den Blick auf seine breiten, voll tätowierten Arme freigibt. Irgendwann lasse ich mich auch noch tätowieren. Etwas, das zu mir passt und Mutter in den Wahnsinn treibt.

»Qué ha pasado?«, fragt er und runzelt die Stirn.

»Nichts ist passiert. Ich will einfach nur zur Party.«

Endlich spaziert Alyssa aus dem Haus, als hätte sie sich extra Zeit gelassen.

Montanos Augen weiten sich. »Ist das deine Schwester? Alter, sie ist echt heiß.«

Belustigt stoße ich ihm dem Ellbogen in die Seite. »Fang nicht gleich an zu sabbern«, ermahne ich ihn gerade noch, bevor Alyssa auf den Rücksitz steigt.

»Und die Frau vor der Tür? Ist das eure Mom?«, fragt Montano neugierig.

Ich sehe zur Haustür, wo Mutter uns mit missbilligendem Blick beobachtet.

Als hätte sie mich für heute nicht schon genug gestalkt.

»Ja. Jennifer Gellar, die Eiskönigin höchst persönlich! Fahr, bevor sie uns wieder aus dem Wagen zerrt.«

Sofort gibt er Gas und je weiter wir uns von Mutter entfernen, desto mehr fällt die Spannung von mir ab. Meine Schultern sinken und ich lasse mich tiefer in den Sitz gleiten.

»Aly, das ist Montano Delgado. Mo, das ist meine Schwester Alyssa«, stelle ich die beiden schließlich einander vor.

Er dreht seinen Kopf zu ihr, lächelt charmant und begrüßt sie mit einem »Hallo.«

Aly gibt ein schüchternes »Hi« zurück.

»Kai hat mich schon gefragt, wo wir bleiben«, berichtet Mo mir.

Ich rolle mit den Augen. »Bestimmt hat er es wieder gepostet.«

Mo nimmt das Smartphone aus der Ablage und scrollt durch seinen Account. Panisch schnappt Alyssa nach Luft, als er auf den Bildschirm, statt auf die Straße sieht. Dann streckt er mir sein Smartphone hin. »Klar, da steht’s!«

Ich betrachte das Selfie von unserem Kumpel. Seine krausen Haare stehen wild vom Kopf ab und er grinst breit, während Partygäste hinter ihm Grimassen ziehen. Dieser Kerl verbreitet sein ganzes Leben im Internet.

»Mann, ich liebe seine Haare«, bemerke ich.

»Hey, ich habe auch tolle Haare«, entgegnet Mo.

Ich streiche ihm über seinen kurzen Borsten. »Wie ein Biber.«

»Du Hexe!«

Ich lache. »Ich liebe dich auch.«

Dann lehne ich mich zu ihm herüber, lege meinen Arm um seinen Nacken und mache ein Selfie, bei dem wir beide eine Grimasse ziehen. Anschließend schicke ich das Ergebnis an Kai und poste es über den Account von Mo.

»Seid ihr zusammen?«, fragt Alyssa zögernd.

Montano und ich sehen uns an und brechen in schallendes Gelächter aus.

Zwischen Montano und mir hat sich vom ersten Moment an diese tiefe Freundschaft entwickelt. Nicht, dass er kein attraktiver Typ wäre – Ganz im Gegenteil. Mit der sonnengeküssten Haut, den mandelförmigen Augen und Tattoos, die sich wie Landkarten über seinen trainierten Körper ziehen, ist er ziemlich attraktiv. Nur habe ich in ihm eher einen Bruder und er in mir eine Schwester gefunden, sodass keiner von uns beiden je das Bedürfnis hatte, diese Freundschaft auf eine andere Ebene zu verlegen.

Alyssa schnaubt verärgert über unser Gelächter.

»Baby, deine Schwester ist meine Hermanita … Aber mit dir wäre ich gern mal zusammen«, flirtet er.

Ich drehe meinen Kopf und lache über Alys weit auf gerissene Augen, als könne sie nicht glauben, was Mo gerade gesagt hat. »Beachte seine Sprüche einfach nicht«, rede ich meiner Schwester zu, bevor sie knallrot anläuft. Innerlich grinse ich belustigt bei der Vorstellung, wie erschrocken sie über die staatliche Schule sein wird, auf der viele tun und lassen, was sie wollen. Mich eingeschlossen.

»Und du hör auf, sie anzubaggern.« Ich schlage Mo spielerisch gegen den Arm, obwohl es mich amüsiert, wie er versucht, Alyssa aus der Reserve zu locken.

»Ich bagger sie nicht an! Ich bin nur ehrlich«, verteidigt er sich. »Ist dir das unangenehm, Alyssa?«

Aly schluckt sichtbar, tastet nervös nach ihrer feinen goldenen Halskette und spielt daran herum. »Nein … Natürlich nicht. Alles in Ordnung.«

Ich kenne sie besser, ebenso wie den Gesichtsausdruck, wenn sie lügt. Doch ich beschließe, meinen nächsten Kommentar für mich zu behalten. Nicht, dass sie sauer wird und mir die Party verdirbt.



Mein bester Freund parkt den Wagen gegenüber dem alten, zweistöckigen Haus, aus dem laute Musik dröhnt. Wir schlendern durch den verwilderten Vorgarten, über einen unebenen Pflastersteinweg und die wenigen Stufen zur Veranda hinauf. Kaum öffnet Montano die Tür, schlägt uns ein Mix aus stickiger Luft, süßem Alkohol und wummernden Beats entgegen. Ich trete durch die schmale Diele ins Wohnzimmer, wo die Party in vollem Gange ist.

In der rechten Ecke mixt ein Typ im Sportanzug Musik, die aus gewaltig Boxen dröhnt. Dabei nickt er mit dem Kopf im Takt des Popsongs und fummelt an seinem Mix Pult herum. Hinter ihm flackert ein buntes Lichterspiel, das den Raum in ein ständiges Auf und Ab aus Farben taucht. Einige Begeisterte tanzen, während andere sich unterhalten oder ihren verbotenen Alkohol aus den blauen Plastikbechern schlürfen.

Ich entdecke meine Freundin Stacy, die grinst, als unsere Blicke sich treffen. Sie hebt die Hand und winkt uns zu ihrer Couchecke, wo auch der Selfikönig Kai sitzt.

»Hey Leute«, begrüße ich beide und werfe meine Jacke lässig über die Rückenlehne der Couch. »Das ist meine Schwester Alyssa.«

Kai begrüßt Mo mit einem ausholenden Händedruck, mich mit einer Umarmung. Aly streckt ihm höflich die Hand entgegen. »Hi Alyssa«, sagt er und schüttelt sie.

Stacy hingegen fällt meiner Schwester, wie auch Mo und mir um den Hals. »Schön dich kennenzulernen, Alyssa.«

»Danke.« Meine Schwester lächelt verunsichert, als Stacy sich wieder hinsetzt und auf das freie Sitzkissen neben sich klopft. Montano nimmt meiner Schwester den Mantel ab und legt ihn sorgfältig mit der eigenen Jacke über die Rückenlehne der Couch. Dann schlägt vor, uns etwas zu trinken zu holen, und rettet Aly vor der neugierigen Stacy, in dem er sie fragt, ob sie ihm Gesellschaft leisten möchte. Mit gerunzelter Stirn sucht sie meinen Blick, als wolle sie mich fragen, ob sie ihm trauen kann.

»Bringt mir was Gutes mit«, antworte ich auf Alyssas stumme Frage und setze mich neben Kai. Ich habe bestimmt nicht vor, jeden ihrer Schritte in Zukunft abzusegnen.

Ohne dass sie etwas erwidert, legt Montano Aly sanft die Hand auf den Rücken und lächelt ihr aufmunternd zu. Anschließend dirigiert er sie durch die tanzende Menge in Richtung Küche.

Stacy klettert mit ihren schlanken Beinen über den kleinen Tisch zwischen uns, schiebt sich ihren hochgerutschten Minirock wieder zurecht und setzt sich neben mich.

»Wie ist es jetzt, wo die beiden bei euch wohnen?«

Ich suche die richtigen Worte, um meine Freude über die Situation auszudrücken. »Zum Kotzen. Mutter ist eine Spaßbremse und hat es sich zur Aufgabe gemacht, mein Leben zu kontrollieren.«

Stacy verzieht mitfühlend das Gesicht und schüttelt ihre platinblonde Mähne. »Das ist Scheiße von deiner Mom. Sag mal, deine Schwester ist doch älter als du, oder?«

So überrascht wie sie reagieren viele, da man bei dem Wort ältere Schwester einen größeren Altersunterschied erwartet, als den, den Alyssa und ich haben.

»Etwa dreizehn Monate.«

»Krass. Ihr könntet Zwillinge sein.«

Ich schnaube. »Klar. Nur sehen wir nicht wirklich gleich aus.« Alyssa und ich sind optisch genauso unterschiedlich, wie charakterlich. Und doch waren wir früher ein Herz und eine Seele, bevor ich mit Dad umgezogen bin.

Jetzt und hier will ich weder darüber nachdenken, noch darüber reden, also schüttle ich den Kopf. »Können wir den Abend genießen und nicht über meine nervige Familie quatschen? Woher kommen eigentlich die ganzen Leute hier?«

Das Haus ist gerammelt voll. Einige kenne ich von der Schule, andere wiederum sind mir völlig fremd. Stacy lässt wirklich jeden rein, der Alkohol und Drogen mitbringt.

Meine beste Freundin zuckt mit den Schultern. »Ich glaube, irgendjemand hat es gepostet. Wie die letzten Male auch.«

Gleichzeitig sehen wir zu Kai herüber. Er blickt von seinem Smartphone auf. »Was ist? Eine Party braucht Gäste«, verteidigt er sich und zuckt unschuldig mit den Schultern.

»Dir ist klar, dass die Bullen die Party crashen werden«, erinnere ich ihn. So ist es bisher immer abgelaufen, wenn Stacy eine Party geschmissen hat.

»Ihr Onkel ist Bulle. Er kümmert sich darum, dass sie keinen Ärger bekommt.«

Stacy sieht mich an und nickt. »Da hat er recht. Onkel John nimmt mir das nicht übel. Und zum Glück nimmt Mom das auch ziemlich locker, schließlich lässt sie mich ja allein, wenn sie mit ihrem Freund in den Urlaub fährt.«

Ich runzle die Stirn. »Noch der Informatiker?«

»Nein, irgendein Handwerker. Ein cooler Typ. Ich hoffe, dass es bei den beiden klappt. Irgendwie liegt es in den Genen, dass Mom und ich mit Männern kein langes Glück haben.«

»Keine Sorge, geht mir nicht anders.«

Schlagartig verzieht sie ihr Gesicht zu einer abstoßenden Grimasse. »Also mit Phil hast du wirklich keinen guten Fang gemacht. Wo ist er eigentlich wieder? Verkauft er Koks um die Ecke?« Stacy schüttelt missbilligend den Kopf. Kai lacht laut auf und selbst ich muss bei ihrer bösen Grimasse grinsen.

»Mach dich locker, ist ja nichts Ernstes.« Im Augenwinkel sehe ich, wie Kai sich eine Zigarette anzündet, und bekomme das Verlangen, ebenfalls eine zu rauchen. Also wende ich mich wieder ihm zu, ziehe fragend die Augenbrauen hoch und er reicht mir lächelnd die Zigarette, bevor er sich eine Neue anzündet.

Eigentlich rauche ich nicht, aber ab und zu schnorre ich auf Partys bei Kai eine Kippe. Im Gegensatz zu ihm ist es für mich eine genussvolle Ausnahme.

Ich entdecke Alyssa und Montano aus der Küche kommen. Sie halten Plastikbecher in den Händen und unterhalten sich interessiert.

Entspannt lege ich meinen Kopf zurück und genieße die laute Musik. Doch die Gedanken führen mich in die Zeit, als Alyssa und ich noch unzertrennlich waren. Zwar ist dies knapp ein Jahr her, doch es fühlt sich wie ein anderes Leben an. Ein Leben, zu dem ich nie wieder zurückkehren möchte. Es liegt nicht an Aly, denn sie ist die Einzige, die mir in dieser Zeit wirklich gefehlt hat. Es ist die vornehme Gegend in New York, wo das Outfit eine größere Rolle spielt als der Charakter, was mir den Magen herumdreht. Diese scheiß Privatschule voller heuchelnder eingebildeter Kids, deren Eltern mit oberflächiger und aufgesetzter Freundlichkeit um den besten Ruf wetteifern.

Damals, nachdem mir das alles klar wurde, hasste ich mein Leben, denn ich war eine von ihnen geworden. Eine reiche, verwöhnte Göre, die dachte, ihr läge die Welt zu Füßen …

»Hey Faith!«

Stacys Stimme reißt mich zurück in die Realität. Ich öffne die Augen und sehe von meiner Rauchwolke auf.

»Deine Schwester hat Probleme.« Meine beste Freundin nickt mit dem Kopf in Alys Richtung. Mit zusammengezogenen Augenbrauen setzte ich mich auf und strecke den Hals, um meine Schwester zwischen den Partygästen zu entdecken. Sie steht allein vor Sandra und ihren zwei Zombie Freundinnen. Das Miststück unserer Schule und ihre Anhängsel versperren meiner Schwester den Weg, scheinen eine hitzige Unterhaltung zu führen, wobei ich Aly nur von hinten sehen kann. Ich beiße die Zähne zusammen, während die Alarmglocken in meinem Kopf schrillen.

Wie kann dieses Miststück es wagen, Alyssa hier anzupöbeln?

»Fuck! Wo ist Mo?«

»Der ist gerade in die Küche zurück«, antwortet Stacy.

Alyssa stemmt eine Hand in die Hüfte, um meiner Feindin Paroli zu bieten.

Gerne hätte ich mir die hitzige Diskussion weiter angesehen. Hätte beobachtet, wie Alyssa sich gegen die Drei behauptet, um einschätzen zu können, inwieweit sie meine Hilfe benötigt. Doch als Sandra meiner Schwester den Inhalt ihres Bechers über das Kleid kippt, schießt die Wut in mir hoch.

Augenblicklich fahre ich hoch und drücke Kai meine Kippe in die Hand. Dann marschiere ich gefolgt von Stacy an die Seite meiner Schwester, die völlig fassungslos mit den Fingern über ihr durchnässtes Kleid tastet. Mein Herzschlag beschleunigt sich, während ich versuche, die brodelnde Wut in mir zu bändigen.

»Hast du ein Problem?« Meine Stimme hebt sich deutlich von der Musik ab, sodass sich einige Köpfe nach uns umdrehen.

Das dämliche Grinsen auf ihrem Gesicht vergeht. Sofort nimmt ihre Visage wieder die üblichen arroganten Züge an. »Ich habe ihr nur gezeigt, wie ekelig der Alkohol hier ist. Außerdem weiß sie jetzt auch, wo ihr Platz ist: Nämlich ganz unten.« Die Überheblichkeit in ihrer Stimme klingt wie pures Gift.

Ihre Freundinnen stimmen ihr übertrieben nickend zu.

Wie sehr ich diese Drei hasse. Allen voran Sandra!

»Ich glaube, ich sollte dich an deinen Platz erinnern!«, drohe ich und balle die Fäuste.

»Mein Kleid …«, murmelt Alyssa aufgelöst, als könne sie endlich wieder sprechen. Ihr trauriger Gesichtsausdruck erinnert mich daran, dass dies ihr Lieblingskleid ist. Sie sollte Spaß haben und lachen, statt der Boshaftigkeit dieser Schlampe zu begegnen. Mitleid steigt in mir auf, doch ich verdränge es. In Sandras Nähe zählt nur Selbstbewusstsein und Arroganz.

Nicht heulen Aly, sonst bist du erledigt!

»Dieser Fetzen?«, entgegnet Sandra frech.

Alyssa blickt bei ihren Worten hoch, doch statt der erwarteten Tränen blitzt Zorn in ihren braunen Augen auf.

»Dieser Fetzen ist mehr wert als alles, was du besitzt!« Sie strafft die Schultern und will auf Sandra zustürmen. Aber bevor sie dazu kommt, packe ich sie am Arm und halte sie zurück.

Ich muss schon sagen, dass ich noch nie erlebt habe, wie Alyssa Gellar sich geprügelt hat, und dass ich vieles darum geben würde, dies einmal zu beobachten. Aber sie hatte noch nie eine körperliche Auseinandersetzung und mit einer Ohrfeige würde sie hier nicht weit kommen. Diesen Fehler habe ich damals bei meinem ersten Streit mit Sandra begangen, wofür ich dann die Prügel einstecken musste.

Alyssa reißt sich aus meinem Griff los, wobei sie Sandra verärgert anfunkelt. »Was hast du für ein Problem? Du kennst mich doch überhaupt nicht.«

Diese lacht schrill und schüttelt ihre rote Mähne. Ihre Freundinnen stimmen in ihr bösartiges Lachen ein. »Du bist das Problem. Als würde eine von deiner Sorte hier nicht reichen.«

Dieses Miststück hat uns vermutlich schon im Auge, seit wir das Haus betreten haben. Sie hat nur darauf gewartet, Alyssa allein abzupassen, um sie einzuschüchtern.

Ich habe das Gefühl, meine Schwester vor Sandra beschützen zu müssen, nehme Aly den Becher aus der Hand und mache einen Schritt nach vorn. »Von deiner Sorte gibt es hier leider schon zu viele.« Mit diesen Worten kippe ich den Inhalt des Bechers über Sandras blaue Bluse und lasse das Plastik vor ihre Füße fallen. Der bittere Geruch von Bier steigt mir in die Nase, während sich dunkle Flecken wie Schatten auf dem Stoff ausbreiten.

Die Musik verstummt, Stimmen brechen ab und auf einmal starren alle zu uns.

Erschrocken reißt meine Feindin den Mund auf und ballt die Fäuste. Glühender Hass brennt in ihren grünen Augen.

Ich weiß genau, was jetzt passieren wird. Deshalb schubse ich Sandra, bevor sie reagieren kann, um Abstand zu Alyssa zu schaffen.

Ich balle die Fäuste. Wohl wissend, dass auch ich gleich ein paar schmerzhafte Schläge einstecken werde. Sandras Augen sprühen Funken, als sie auf mich zu stampft, bereit, den ersten Schlag auszuteilen.

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Good Writing

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Great Character

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Strong Dialog

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Sehr gut geschrieben 👏👏

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Dankeschön ❤️

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Ich liebe den Einstieg jetzt schon. gefällt mir

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