Texte einer DIS Betroffenen

All Rights Reserved ©

Summary

Hier werden in unregelmäßigen Abständen Gedichte oder kurze Texte hochgeladen, die von uns als DIS Betroffene verfasst wurden🍃 Da es passieren kann, dass wir sensible Themen behandeln, hier ein paar Triggerwarnungen: TW: sexuelle- und körperliche Gewalt, SVV, Sexualität, Blut, Suizidgedanken, Flashbacks

Genre
Drama
Author
Evolisystem
Status
Ongoing
Chapters
1
Rating
n/a
Age Rating
18+

Mittwoch 15:30

Geschrieben von S🌷

Mittwoch 15:30. Meine Gedanken sind unruhig, wild durcheinander. Nervosität fährt durch meinen Körper. Ein paar Therapiestunden war ich schon nicht mehr da, andere von uns hatten viel zu bereden mit ihr. Mit ihr, unserer Hoffnungsträgerin.

Mittwoch 15:30. Wie immer, als ob meine letzte Therapiestunde nicht schon eine Weile zurückliegt, lasse ich mich in den weichen Sessel fallen und es fühlt sich an wie Aufatmen. Aufatmen, nachdem ich mal wieder zu lang das Gefühl hatte die Luft nur anzuhalten.

Mittwoch 15:30. Ich werde freundlich begrüßt, so wie immer. Die ersten Fragen von ihr, immer die gleichen. Wer denn da ist und nachdem das klar ist, was ich noch brauche, um mich wohl und sicher zu fühlen.

Mein Blick fällt mehr auf den Boden als in das Gesicht, dass mir freundlich zu blickt. Länger als sonst überlege ich die Decke mit Fransen um den Körper zu legen. Mein Fuchskuscheltier halte ich fest. Ein Zettel in der Hand mit gequetschten, viel zu vielen Worten. Eine Muschel, genannt Therapiemuschel, liegt wie immer neben mir.

Das Thema schwer, Sprechen noch mehr. Aber ich spür ich bin nicht allein. Dunkle Momente folgen, Erinnerungen ziehen mich rein. Mein Blick fällt noch mehr auf den Boden. Bin ich vielleicht doch allein?

Doch die Hoffnungsträgerin unterbricht die Dunkelheit mit sanften Worten. Kaum zu glauben, damals ist nicht heute. Kaum zu glauben ich bin doch nicht allein. Und egal wie dunkel meine Gedanken auch werden und wie allein ich mich fühl.

Mittwoch 15:30 darf ich spüren. Spüren nicht allein zu sein. Spüren wie Licht in die dunkelsten Gänge all dieser Erinnerungen und Gedanken kommt. Spüren das er nicht mehr alle Macht hat. Nicht über mich und auch nicht über die Hoffnungsträgerin.

Die Hoffnungsträgerin, sie ist ein Mensch. Und doch hatte ich vorher nie Kontakt zu so einer Art von Mensch. Mittwoch 15:30 und sie sitzt mit mir ruhig in meiner Dunkelheit. Lässt mich nicht allein. Bringt mir bei Leben ist viel schöner, als in der Dunkelheit zu bleiben.

Sie sitzt mit mir in der Dunkelheit, findet diese viel weniger angsteinflößender als ich und hat eine Kerze mitgebracht. Und doch sieht sie gleichzeitig meine Angst und trägt sie mit mir. Die Kerze flackert und bricht die ewig vorkommende Dunkelheit.

Die Hoffnungsträgerin, sie sitzt mir gegenüber und es fühlt sich an, als würde sie mich an die Hand nehmen. Vorbei an der Todesangst und dem Schmerz gelangen wir gemeinsam an einen helleren Ort.

Wieder zurück im Sessel, im Hier und Jetzt. Sagt sie mir es ist vorbei, sterben wirst du nicht. Lerne zu sprechen, zu sprechen über das doch eigentlich Unaussprechliche. Doch weiß ich die Hoffnungsträgerin bleibt an meiner Seite, egal wie schwer jedes Wort auch wiegen mag.

Also vorbei an der Todesangst und dem Schmerz hin zu Ich darf sprechen darüber und sterbe nicht. Hin zu Hilfen für Kopf und Körper, zu mehr Sicherheit und Mut.

Mittwoch 15:30. Nun fühle ich mich ein ganzes Stück leichter, wirkt die ganze Dunkelheit doch viel kleiner. Und die Hoffnungsträgerin begleitet mich, durch jede Dunkelheit und durch jedes Licht. Schenkt mir Hoffnung und Mut, das brennende, schmerzende Feuer in mir ist am Ende der Stunde nur noch eine sanfte Glut.

Mittwoch 15:30. Die Stunde vorbei, Zeit wieder gerast. Doch geh ich leichter raus als rein. Keine Nervosität, keine Dunkelheit. Denn die Hoffnungsträgerin schenkte mir ihre wertvolle Zeit.

S🌷