Into the storm

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Summary

Für Josie soll das erste Jahr am Alder Cove College vor allem eines bedeuten: Freiheit. Endlich unvernünftig sein. Endlich herausfinden, wer sie sein will. Wäre da nicht ihr Bruder Jace, der dank seines Rugby-Stipendiums längst zu den bekanntesten Spielern am ACC gehört und streng darauf bedacht ist, dass Josie kein Leid widerfährt. Und dann beauftragt er auch noch seinen besten Freund Merrick damit, die Rolle des Aufpassers zu übernehmen, wenn er selbst nicht da ist. Merrick ist arrogant, kontrollierend und unerträglich attraktiv. Und taucht grundsätzlich genau dann auf, wenn Josie ihn am wenigsten gebrauchen kann. Als ihre akademische Zukunft plötzlich von einer psychologischen Facharbeit abhängt, bleibt ihr keine andere Wahl, als mehr Zeit mit ihm zu verbringen. Zwischen hitzigen Wortgefechten, einer unvergleichlichen Freundesgruppe und einer Menge fragwürdiger Entscheidungen entsteht etwas, das sich nicht länger verdrängen lässt. Eine Geschichte über Freundschaft, Humor und stürmische Gefühle.

Genre
Romance
Author
honigsalz
Status
Ongoing
Chapters
3
Rating
n/a
Age Rating
18+

Kapitel : Josie





Alder Cove #1

Into the storm



Kapitel 1 : Josie

Hätte man mir prophezeit, dass ich die erste Woche meines Studiums betrunken und verkatert verbringen würde, ich hätte mich um nichts in der Welt anders entschieden.

Alder Cove ist der absolute Wahnsinn.

Ich fühle mich hier freier als je zuvor.

An diesem kleinen Küstenort kann ich umsetzen, was ich mir schon so lange

vorgenommen habe: egoistisch zu sein.

Nicht, dass ich Egoismus auch nur im Ansatz tolerieren würde - ehrlicherweise gibt es kaum etwas Unattraktiveres als egozentrische, selbstverliebte Egomanen - aber ein ganz kleines bisschen davon?

Um jemand anderes zu sein? Ein unbeschriebenes Blatt? Hell yeah.

Jojo Miller transformiert zu Josie.

Älter, unabhängiger und ein kleines bisschen weniger verantwortungsbewusst.

»Go Josie, go go go!«

Betrunkenes Gegröle von einem Dutzend verboten gut aussehender Sportstudenten vermischt sich mit dem pulsierenden Beat, der aus einer Boombox dringt.

Lachend werfe ich den Kopf in den Nacken, zerre das Haarband von meinem Handgelenk und binde mir einen schnellen, unordentlichen Knoten.

Während ich herausfordernd mit den Augenbrauen wackele, wische ich mir nicht vorhandenen Schweiß von der Stirn und ernte dabei ein paar glucksende Lacher.

Ich weiß nicht, ob ich wirklich bereit für Runde zwei bin, weil mein Kopf bereits nach der ersten Runde damit begonnen hat, im Takt eines galoppierenden Pferdes gegen meine Schädeldecke zu hämmern.

Schwindelig ist mir auch.

Jetzt wäre der perfekte Zeitpunkt aufzuhören. Dieser hauchzarte Moment der Beschwipstheit kurz vor dem Filmriss.

Aber, wenn es eine Sache gibt, die Vergangenheits-Jojo und Gegenwarts-Josie gemein haben, dann die Unfähigkeit, ihre Grenzen zu kennen. In vielerlei Hinsicht.

Nachdenklich kaufe ich auf meiner Unterlippe herum.

Vielleicht sollte ich es doch sein lassen.. das exzessive Partymachen der letzten Tage hat definitiv seine Spuren hinterlassen.

Seit meiner Ankunft vor vier Tagen habe ich gefühlt dauerhaft einen gewissen

Pegel, und so lustig das auch ist, es ist genauso anstrengend.

»Na los, Freshie. Mach die anderen Erstsemestler stolz«, johlt jemand aus dem Off und bringt mich damit sofort wieder in Versuchung.

Ach verdammt.

Wieso hat mir nie jemand gesagt, wie atemberaubend es ist, von muskulösen, sexy Mitstudenten, die eine Abneigung gegen Oberteile zu haben scheinen, angefeuert zu werden?

Das entfacht in mir glatt den Gedanken, diesem ganzen Sportding vielleicht doch eine Chance zu geben.

Wobei.. nein. Ausgeschlossen.

Wenn ich daran denke, wie versessen mein Bruder Jace schon zu Highschoolzeiten war und wie ätzend seine Freunde.. dann lieber doch nicht.

Das Beste an meiner Zeit hier, wird es sein, dem ganzen aus dem Weg gehen zu können, wann immer ich will.

Psychologie und Sportmedizin werden sich vermutlich nicht allzu häufig kreuzen.

Schmunzelnd neige ich den Kopf zur Seite und sehe in das Gesicht des Typen, der mich am lautesten anfeuert und der mir nach 4 Tagen Dauerparty eigentlich ein Begriff sein sollte.

Aber wenn ich eines bin, dann furchtbar schlecht mit Namen.

Da sind sein niedliches Zahnpastalächeln und die astronomisch durchtrainierten Brustmuskeln leider auch keine Hilfe.

Offensichtlich reicht es nicht aus, jeden Tag mit ihm und Mina gemeinsam zu frühstücken, während wir den nächsten Abriss planten.

Ich habe einfach keine Ahnung, wer er ist.

Ich glaube, sein Name fängt mit einem B an. Brad? Bryan? Irgendwas mit B. Doch ja. Ich bin mir sicher.

Ein kleines bisschen zumindest.

»Ist ja gut.«, beschwichtige ich ihn grinsend und spreche mir gleichzeitig etwas Mut zu.

Ein paar Schlückchen Bier werden mich schon nicht umbringen.

Auch, wenn das Bier allmählich schal schmeckt. Was kein Wunder ist, es ist schließlich bereits seit dem Vormittag in Benutzung und nicht nur einmal umgekippt und wie eine vollgefressene Made quer über dem Laminatboden gerollt.

Bin ich froh, dass ich hier nicht wohne.

Ich werde zwar mein Bestes tun, um

Mina beim Aufräumen zu unterstützen, aber sie wird vermutlich noch Wochen später

Überbleibsel der Partys finden.

Ein Höschen oder die Verpackung eines Proteinriegels oder so.

Gedanklich halte ich eine elementare Regel fest: In meiner WG werden keine Hauspartys stattfinden.

Ich werde mein Collegeleben ganz nach dem Motto »Gast auf jeder Collegeparty, niemals Gastgeberin« bestreiten.

Verdammt, wo ist Mina eigentlich?

Im Laufe des Abends hat sie sich zu meiner persönlichen Cheerleaderin entwickelt und die fehlt nun.

Kurzerhand hatte sie zwei Pappbecher zerschnitten und als Pompons zweckentfremdet.

Ich beschließe, meine temporäre Mitbewohnerin nach einer weiteren Demonstration meines Könnens zu suchen.

Als Jace mir mitteilte, dass seine beste Freundin auf mich Acht geben würde, malte ich mir alle möglichen Schreckensszenarien aus.

Eine langweiliger als die Nächste.

Denn wenn Jace jemandem seine Beschützerrolle aufzwingt, kann das Endprodukt nur grausam sein.

Glücklicherweise kam es anders. Ganz anders.

Denn Mina - Mina ist der absolute Hammer.

Sie sieht aus wie das Mädchen von nebenan. Lange, schwarzbraune Haare, die

bis unter ihre Brüste fallen, ein niedlicher Pony, der ihre meerblaue Augen einrahmt und ein Lächeln, das voller Wärme ist.

Aber.. nunja. Stille Wasser trügen.

Mina ist abenteuerlustig, witzig und so viel weniger spießig als angenommen.

Ich war weder auf den andauernden Partymarathon vorbereitet, noch auf das viele

Gelächter, das ein Zusammenwohnen mit ihr mit sich bringt.

Und ich liebe wirklich alles daran.

Nachdem ich ein weiteres Mal tief durchgeatmet habe, klatsche ich in die Hände und bringe mich in Position.

Dann? Ja, dann mache ich einen Handstand.

Auf einem 60-Liter-Fass.

In Windeseile wird mir der Schlauch zwischen die Lippen geschoben und ehe

ich mich versehe, trinke ich fünfzehn Sekunden ohne Unterlass.

Am Ende zahlen sich meine Luftanhalt-Wettkämpfe mit Jace also doch aus.

Der Jubel der Anwesenden schickt eine Welle an Endorphinen durch meinen Körper.

Ich liebe es hier! Collegepartys sind schmutzig. Und so unfassbar witzig!

Irgendwas-mit-B schnipst mit lachend gegen mein Haar und gerade, als er zu sprechen beginnt, durchschneidet eine von Selbstgefälligkeit getragene Stimme den Raum.

Selbst über die Musik hinweg, kann ich seine Worte verstehen: »Ernsthaft Mina? »Haltet sie von den Idioten fern.« Das ist deine Interpretation davon?«

Irgendwo ist ein Kichern zu hören.

Dann ertönt Minas betrunkener Sing-Sang.

»Trink mit, Hayes fucking Merrick. Merrick fucking Hayes.«

Ein paar der Anwesenden stimmt in ihr Lachen ein, untermalt von einem Seufzen, das aus nächster Nähe kommt.

Ich verenge meine Augenbrauen, um meinen Blick zu schärfen, und blinzele zwischen meinen Armen zu dem Mann hindurch, der mit verschränkten Armen vor mir zum Stehen kommt.

In meiner Haltung kann ich nicht sonderlich viel erkennen.

Nur die prall gefüllte Sporttasche, die er unachtsam vor sich auf den Boden geschmissen hat, fällt mir sofort auf.

Bevor ich realisieren kann, was geschieht, umklammern kalte Hände meine Hüfte und bringen mich in eine aufrechte Position.

Die Kälte seiner Hände lässt mich leise aufquietschen und als als ich realisiere, wen ich vor mir habe, entweichet mir beinahe ein weiteres Quietschen.

Mit wackeligen Knien und schmerzenden Armen versuche ich auf der Stelle stehen zu bleiben, ohne wie eine betrunkene Primaballerina von rechts nach links zu stolpern.

»Na, wenn das nicht Millers kleine Schwester ist. Hi Sissy.«

Beinahe verschlucke ich mich an meiner eigenen Spucke.

»Hast du mich gerade Sissy genannt?«, platzt es aus mir heraus.

Er nickt und das Zucken seines rechten Mundwinkels wandelt meine Irritation in augenblickliche Wut um.

Okay, Merrick fucking Hayes ist noch unausstehlicher als Jace´s Erzählungen den Eindruck erweckt haben.

»Du sabberst.«

Verwirrt schiebe ich die Augenbrauen zusammen. Sein eisig grauer Blick fällt auf meine Lippen und mit Erschrecken stelle ich fest, dass ich tatsächlich sabbere.

Nicht, weil die Fotos, die Jace von ihm gepostet hat, ein paar Kilo reine Muskelmasse unterschlagen oder seinen unglaublichen Bizeps zu wenig gewürdigt haben.

Ich sabbere, weil Restschaum vom Bier immer noch an meinem Mundwinkel hängt wie ein ungebetener Pickel.

Großer Gott.

Aus dem Augenwinkel bemerke ich einen tanzenden Wirbel aus dunklem Haar, der sich mir nähert.

Ich drehe den Kopf leicht und muss lachen, als ich Mina erblicke, die ihre Hände vor sich ausgestreckt hat und auf uns zu hüpft.

Abwechselnd schiebt sie ihre rechte und linke Hand vor und präsentiert Merrick ihren Mittelfinger.

Zu meiner Überraschung muss selbst Merrick grinsen und als Mina zwischen uns stehen bleibt, macht er einen Schritt auf sie zu und haucht ihr einen Kuss auf die Wange.

»Du riechst wie eine Bierfabrik.«, murrt er und anhand ihrer bebenden Schultern weiß ich, dass sie lacht.

»Und du stinkst, als hättest du mit einer Gruppe Paviane gekuschelt. Ich dachte, dein Training beginnt erst morgen.«

Training. Stimmt.

Merrick ist im gleichen Rugbyverein wie Jace.

Auf welcher Position wohl?

Jace ist irgendeine Art Mittelmann und er meint, er würde ständig Leute anschreien – was – meiner Meinung nach – perfekt zu meinem

großen Bruder passt.

Aber was ist mit Merrick?

Verteidigt er, was ihm wichtig ist? Oder stürzt er sich mit den anderen Fleischbergen direkt ins Getümmel?

»Josie, bereit für Runde 3?«

Mister B´s Grölen tönt allmählich ziemlich verwaschen durch, was eindeutig

beweist, dass er keine Runde 3 mehr nötig hat.

Scheinbar sieht Merrick das ähnlich. In jedem Fall für mich.

Denn er schiebt Mina vorsichtig beiseite und schüttelt demonstrativ den Kopf, als er zwischen mir und Mister B hin und her schaut.

»Nope, Branston. Sissy hat genug. Oder willst du, dass dir Miller in den Arsch tritt, wenn er bemerkt, dass du seine kleine Schwester abgefüllt hast?«

Zwischen meinen Lippen entweicht ein ungläubiger Laut.

Dieser Mistkerl denkt wirklich, er könnte über mich bestimmen?

Branston – was zugegebenermaßen gar nicht einmal so weit von Brad entfernt ist – hebt kapitulierend die Arme.

»Ich hatte ja keine Ahnung. Sorry, Hayes.«

Heilige Scheiße, wo bleibt der Feminismus, wenn man ihn mal braucht?

Was denken diese Primaten sich eigentlich? Als würde Jace´s Wort oder das von Merrick

ausreichen, um die weiße Fahne zu schwenken.

»Ob und wenn, wer mich abfüllt, entscheide immer noch ich.«, zische ich.

»Und hör auf, mich Sissy zu nennen.«

»Alles klar.«

Verwundert sehe ich Merrick an.

Mit einem solch schnellen Zurückrudern habe ich nicht gerechnet.

Doch noch bevor ich zufrieden nicken kann, legt er nach. »Miller Zwei.«