Nebenjob Geisterjagd - Band 4

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Summary

Finster und verschlingend rollt die Verschwörung. Die Liebe und die Freundschaft werden auf die Probe gestellt. Die Eifersucht verdirbt. Neue Bekanntschaften erblühen. Menschen nähern sich von weither. Kinder gesegnet mit Gaben, aber von der Gesellschaft gefürchtet. Feind oder Gefährte? Mutter und Kind im Sterben. Aber dem Tod trotzend greift die Hand in tiefe Dunkelheit. Ein Säugling, geboren in schweren Zeiten, einsam und verlassen. Mit dem Schicksal verwoben. Ein starkes Band. Kummerlindernd und leuchtend hell im tiefen Dunkeln. Und die Gefahr lacht, lauert im Verborgenen. Mit geschärften Klingen. Triggerwarnung: Gewaltdarstellungen, Trauma, Diskriminierung, Angstzustände, Konfrontationen mit paranormalen Wesen, mit Spinnen und anderen Geschöpfen, die Ekel auslösen Cover: ChaosMary

Status
Ongoing
Chapters
11
Rating
n/a
Age Rating
18+

Kapitel 1

Kräftig sind die Böen. Grau die Wolken. Unruhig das Gewässer. Und doch gibt es keine Einschränkungen auf dem Schiffsverkehr. Der Wind lädt das himmelblaue Haar zum Spielen ein und doch ist die Laune dunkler als der Himmel. Immer, wenn Skyla Zeit zum Nachdenken braucht, dann sucht sie den Hafen auf. Nun ist ein Wendepunkt in ihrem Leben erreicht. Das Zusammenleben mit ihren Eltern wäre somit nicht mehr möglich. Der Auszug klingt nach der einzigen Möglichkeit, ihr Leben im Griff bekommen und die Harmonie in der Familie zu retten.

Das geliebte Trockenfleisch schmeckt bei all dem Kummer nur halb so gut und doch braucht Skyla einen Energielieferanten. Zum Einkaufen fühlen sich ihre Knochen zu schwer, daher folgte ein Griff in die Wundertüte. Das gepökelte Stück bekommt durch eine einzelne Träne einen stärkeren Salzgeschmack. Ein Schniefen und Skyla wischt sich das Beweismittel ihrer Schwäche aus dem Gesicht.

„Verfluchte Gabe!“, brummt sie gefrustet.

Daraufhin klopft die Teddybärenpfote sanft gegen ihren Arm. Ihr Dämon Kai spielt den Mitfühlenden. Auch, wenn sein Beistand nicht echt sein sollte, fühlt Skyla Dankbarkeit für seine Nähe. Nie hat sie sich als Kind an ein Stofftier geklammert, aber nun drückt sie den blauen Bären ganz fest an ihre Brust. Ein Blick auf den blauen Plüschbären und sie könnte meinen, sich den Kampf gegen die Hexe Naomi eingebildet zu haben. Kai lag blutend am Boden. Sie bangte um sein Leben, aber der Bär trägt keinerlei Narben und Verletzungen aus der Auseinandersetzung. Dämonen sind wahrlich beängstigend. Es sind nicht mal vierundzwanzig Stunden vergangen und ihr Bär zeigt sich komplett erholt. Auch ihr Schutzgeist scheint von Gewissensbissen geplagt, schließlich hetzte Naomi ihn gegen seinen Willen gegen Skyla auf. Noch viel kein Wort zwischen ihnen. Stattdessen sitzen sie stumm am Hafen und verschieben sämtliche Gespräche auf später.

Das lästige Vibrieren des Handys meldet sich nach einer kleinen Pausen. Seit ihrem Verschwinden wird sie zu getextet von allen Seiten und nun folgt ein weiterer Anruf.

„Ich wette es ist Thomas!“

Ihr Patenonkel blieb bislang verbissen. Kaum stürmte Skyla aus dem Haus mit dem Gepäck, versucht er sie ständig zu erreichen. Aber Kai verwaltet ihr Handy, ansonsten befände es sich schon längst am Grund des Flussbettes.

„Irrtum“, meldet sich ihr kleiner Plüsch-Dämon.

„Dann Lukas.“

Wieder schüttelt Kai seinen Kopf.

„Dann halt mein Vater.“

Plötzlich weiten sich ihre Augen, denn es könnte auch ihr Ausbilder David sein. Für ihren Ausbilder sollte sie unbedingt erreichbar bleiben. Blitzschnell entwendet sie ihrem Schutzgeist ihren Besitz und schnalzt abwegig.

„Tessa!“ Tatsächlich spielt Skyla mit dem Gedanken, ihre eitle Cousine zu ignorieren, aber das würde ihr Tante Mary verübeln, daher nimmt sie den Anruf entgegen. „Hey, Prinzessin.“

Im Gefecht gegen Tessa darf Skyla keine Schwäche zeigen. Ihre Cousine peinigte sie genug, daher teilt Skyla auch gern als Erste aus. Nur fühlt es sich in diesem Moment falsch an, als sie Miss Eingebildet bitter schluchzen hört.

„Was ist los, Tessa?“

Diesmal zeigt Skylas ehrliches Interesse und die Sorge gewinnt an Größe, dass der feindliche Ritterorden eine weitere Möglichkeit fand, um ihre Familie zu zerstören. Oder womöglich beweist Tessa sich ebenfalls als ein Geistermagnet und hat wieder eine böse Seele am Hals.

„Störe ich, Skyla?“

Beunruhigend! Bislang hat sich Tessa nie darum geschert, dass Skyla Wichtigeres zu tun hätte, als mit ihr zu telefonieren. Außerdem folgte noch keine Stichelei.

„Nein, meine Arbeit beginnt erst in zwei Stunden. Was kann ich für dich tun? Du klingt bedrückt. Ist alles okay bei dir?“

Ihre Cousine schnieft laut und lacht bitter.

„Ist das nicht verrückt? Ich habe Sorgen und die erste Nummer, die ich wähle, ist deine.“

Skyla nickt entgeistert, denn das können sie als einen historischen Moment feiern.

„Hast du dich vielleicht verwählt?“

„Leider nein.“

Damit entlockt sie Skyla ein Lachen. Ein ehrliches. Oma Ulrike würde sich über diese Tatsache mehr als freuen. Ihre beiden Enkel begraben doch tatsächlich das Kriegsbeil.

„Dann ist es ja wirklich ernst, Tessa.“

Das Schweigen von der anderen Leitung bestätigt das Ganze noch einmal. Es scheint, als zweifelt Tessa ihre Entscheidung an. Daher hilft Skyla ihr auf die Sprünge.

„Du wirst doch nicht erneut von einem Geist heimgesucht?“

Allein die Erinnerung an den Zorn der Bestie lässt Skyla erschaudern. Tessas Verfolger war ganz oben auf der Liste der schlimmsten Kreaturen. Dabei war das Rohmaterial ein pflichtbewusster und liebender Bruder, der durch den Verlust einer geliebten Person die Dunkelheit in sein Herz einlud. Das Schlimme daran ist, dass Skyla viele Parallelen zu dem Opfer erkennt. Das Böse befindet sich immer ganz nah und singt verführerisch. Noch sind Skylas Mauern hoch, um die Versuchung größtenteils auszublenden, und das Material gleicht an festen Stahl. So schnell wird nichts durch den Schutzwall dringen. Aber leichte Erschütterungen können der sicheren Festung gefährlich werden. Eine Sorge bleibt noch immer Emilies Verschwinden. Eine Mitschülerin und Freundin, die mit der ganzen Geistersache nichts zu tun hat, und doch als Druckmittel dient, weil sie im engen Kontakt zu Skyla steht. Seit Neujahr ist Emilie verschwunden und die erste Woche ist bereits um. Keine guten Aussichten.

„Es betrifft nicht mich, Skyla.“

Tessa Worte lassen sie an der eigenen Spucke verschlucken. Kai klopft besorgt dem jungen Medium auf den Rücken.

„Skyla?“

„Hast du wirklich gesagt, dass du dich mal nicht um deinen eigenen Hintern sorgst?“

Es klingt einfach so unrealistisch, aber Tessa atmet hörbar auf.

„Hör auf! Nicht jetzt und nicht heute!“

Ein Blick hinauf in den Himmel und Skyla erinnert sich an Tessas Einsamkeit und den Neid gegenüber dem engen Verhältnis zu Lukas.

„Sag hast du dich verliebt, Tessa?“

Das Schweigen lässt Skyla fies lächeln, denn es scheint, als liege sie goldrichtig. Aber ihre Cousine widerspricht: „Von Liebe ist noch lange keine Rede, aber es geht hier nicht um Jungs!“

„Sondern?“

„Um meine Mutter.“

Mary – ihre liebste Tante. Sie ist schwanger und Tessa erwartet einen Bruder. Der Auszahlungstag rückt immer näher, aber wenn sich Skyla nicht irrt, ist das Baby noch nicht überlebensfähig. Die Gefahr einer Risikoschwangerschaft war Tessas Eltern bewusst und doch haben sie sich für den Nachwuchs entschieden.

„Erzähl, Tessa. Wie geht es ihr?“, fordert Skyla besorgt.

„Sie hat Schmerzen und ihre Werte sind auffällig. Seit drei Tagen wurde ihr Bettruhe verschrieben. Wir machen uns alle Sorgen, um sie.“

„Das wird schon wieder. Vielleicht interpretierst du zu viel hinein.“

Die Lüge ging viel zu leicht über die Lippen, auch wenn der Körper elendig zittert, denn Skyla ahnt Übles.

Tessa schluchzt tief. „Wenn du sie sehen könntest, dann würdest du ebenso deine Zweifel haben.“

Tiefe Grübchen bilden sich auf Skylas Stirn.Tante Mary ist der Sonnenschein der Familie. Ein fröhlicher und energiegeladener Mensch. Von allen Seiten geliebt. In Ausnahme von ihrer Schwester Corinna. Aber Vater Finn würde wissen wollen, wenn es ihr schlecht geht. Dabei hatte Skyla gehofft, ihn vorerst nicht sprechen zu müssen. Vielleicht wäre es feige, aber eine Nachricht an ihn kann nicht schaden. Hoffentlich ist er bei ihrem Auszug heute Abend nicht anwesend.

„Ich gebe meinen Vater mal Bescheid, der kommt seine Schwester sicherlich besuchen und greift ihr etwas unter die Arme“, schlägt Skyla vor.

„Ja gut.“

„Sag mal, siehst du diese Kreatur überhaupt noch?“, braucht Skyla Gewissheit und bemerkt Kais alberne Armbewegungen.

Der Bär schüttelt den Kopf, woraufhin Skyla sich umdreht und einen Kerl in unmittelbarer Nähe ausmacht. Ein steifer Riese mit einem undurchdringlichen Blick. Seine kalten Augen stieren sie an, dass es Skyla eiskalt den Rücken hinunter läuft. Passend zu seiner Ausstrahlung leuchtet seine Pupille eisblau. Er ist kahlköpfig und sein Hautton verdächtig hell. Der schwarze Mantel, die kniehohen Stiefel, sowie die dunkle Cordhose kommen dem Bild eins Soldaten recht nah. Skyla wittert Gefahr und obwohl Tessa zu ihr spricht, gilt ihre Aufmerksamkeit dem kahlköpfigen Berg hinter ihr.

„Tessa, ich rufe dich später zurück. Geht das klar?“, spricht Skyla ins Telefon, ohne den Blick von dem Kerl zu nehmen.

„Ist alles okay?“

Doch statt zu antworten, legt Skyla auf und schluckt schwer. Eine halbwegs elegante Drehung und Skyla erhebt sich mit Würde. Dabei hört sie Kai nach Luft keuchen. Kein Wunder, sie presst den Bären so feste an sich, weil ihr Körper steif wie ein Brett wurde. Angespannt vor Furcht. Justin ist bereits ein Kaliber, aber dieses Monster spielt in eine ganz andere Liga.