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Über Träume, Feinde und einen Menschen, der Götter frisst

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Zusammenfassung

In einer Welt, in der jeder Wunsch erfüllt, oder zumindest visuell vorgelebt und angeschaut werden kann, hat der Großteil der Menschheit das Träumen verlernt. Silas nicht. Doch er sieht sich vor, mit seiner Fähigkeit zu prahlen, denn in einer Welt, wo alles zu einer neuen Währung werden kann, auch seine Träume, kann man schnell unter die Räder geraten. Deswegen bewahrt er stillschweigen und kämpft lieber gegen die neuen Götter, die von den Technokraten erfunden werden.

Genre:
Scifi
Autor:
manchmal_Satu
Status:
vor 9 Monaten
Kapitel:
1
Rating
n/a
Altersfreigabe
18+

Morgenstund hat Monstrosität im Mund

„Sie sollten etwas Essen. Am besten eine Banane.“

Mein Strahl ging in ein Tröpfeln über. Ich stützte meine Ellenbogen auf meine nackten Beine und ließ mein Gesicht in die offenen Handflächen fallen.

„Halt die Fresse“, grummelte ich, reichlich angesäuert.

„Oh, das klingt nicht gut. Soll ich ihnen einen Zugang zu Psyche geben?“

„Nein.“

„Wie bitte?“

Ich verdrehte die Augen hinter meinen Handflächen, gab es auf zu verzweifeln oder an AI-Mord zu denken und fuhr mit meinen Fingern durch meine durch nächtliche Aktivitäten verwuschelten Haare.

„Ich habe NEIN gesagt!“

„Sie sollten an ihrem Ton feilen Silas.“

Die Versuchung war groß, sich selber zu schwören, ab morgen ins Waschbecken zu pieseln, aber dann hätte ich spätestens übermorgen die Gesundheitspolizei am Hals.

„Und du solltest nicht nerven“, entgegnete ich doch etwas zu kindisch. Und als wäre die künstliche Monstrosität in meinen Wänden und Rohren zu Rache wegen meinem ungehobelten Ton fähig, sprühte sie meine Intimsphäre mit etwas zu kühlem Wasser ab. Ich biss die Zähne zusammen und wartete auf die Trocknungsphase, die sogleich einsetzte.

Endlich mit meiner Morgenpinkelroutine fertig, stand ich auf und zog meine Pyjamahose hoch.

Ich ging hinüber zum Waschtisch. Der Hahn nebelte meine Hände ein, dann besprühte er sie mit Seife.

Der Mann, der mich im Spiegel anblickte, sah nicht wie ich aus. Ich war doch erst zweiunddreissig. Der Mann sah jedoch aus wie fünfundvierzig und war verdammt hässlich, geplagt vom Schlaf statt erholt auszusehen.

„Was für ein Scheißleben“, bemitleidete ich mich selber.

„Bitte Hände einseifen. Bitte Hände einseifen.“ Das monotone Geseier, das die Monstrosität von sich gab, drang endlich in meine Gehirnwindungen ein.

Ich wollte den Hinweis nicht annehmen. Ich wollte die Seife am Hosenboden abwischen und die Verwünschungen, die zwangsweise folgen würden, ignorieren und meiner Wege gehen. Doch ich schaltete mein Hirn aus, zählte innerlich bis dreissig, während ich mir äußerst grob fahrlässig meine Finger einseifte. Der digitale Unmensch war anscheinend zufrieden, denn er ließ das Wasser laufen, damit ich die Seife loswurde. Als warme Luft über meine Finger blies, ließ das Geschöpf in meinen Wänden eine weitere Gemeinheit von sich.

„Sie haben Morgen einen Termin bei Doktor Torin Berger.“

Ich zuckte zusammen und hob ruckartig meinen Kopf, sodass es in meinem Nacken knackte.

„WAS! Warum?“

„Sie haben Stimmungsschwankungen, ihr Abbild verrät mir, dass sie schlecht geschlafen haben und sie wollten keine Hilfe, als ich sie ihnen anbot.“

„Wenn es darum geht, dass ich zu Psyche nein gesagt habe, dann bitte! Mach einen Termin!“

Das Geschöpf in meinen Wänden ignorierte meinen Einwurf, sondern laberte einfach weiter.

„Dazu hat mir die Toilette verraten, dass ihre Werte nicht im Normberreich liegen. In ihrem inneren System ist ein Bug, was Abklärung benötigt.“

Ich meine Stirn faltete sich zum Wettersteingebirge und ich überließ meine Augen kurz einer beruhigenden Dunkelheit, ehe ich meine Lider wieder aufzwang.

„Was ist mit: freier Wille und so?“

„Natürlich können sie sich entscheiden, den Termin bei Doktor Torin Berger nicht wahrzunehmen.“

„Gut, dann nehme ich ihn nicht wahr.“ Ich blickte mich im Spiegel an, dank der müßigen Diskussion noch einmal um ein halbes Dutzend Jahre gealtert und erwartete schon, dass meine grauen Augen ein Eigenleben entwickelten, um mich Böse nieder zu starren, währenddem mein Mund sich öffnete, um mit einer gespaltenen Zunge die nächsten Worte von sich zu geben, die ich hörte. Doch mein Spiegelbild blieb genauso reglos wie ich.

„Dann wird Morgen nach ihrer Morgenroutine die Gesundheitspolizei an ihrer Türe klingeln.“

Ich füllte meine Lungen mit Luft, dann presste ich alles zu meinen Nasenlöchern raus. Wenn ich etwas noch mehr hasste, als die Digitale Entität in meinem Wänden, dann war es die Gesundheitspolizei.

„Bitte bestätige den Termin beim Doktor.“

„Hervorragend! Soll ich Sie morgen früher wecken?“

„Gott bewahre! Natürlich nicht! Ich gehe jetzt Bananen kaufen.“

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