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Kurzgeschichten

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Zusammenfassung

Eine Sammlung von Kurzgeschichten, die spontan entstehen - inspiriert von Momenten, Gefühlen und Gedanken. Jede Geschichte ist eine eigene Reise: manchmal nachdenklich, manchmal humorvoll, manchmal düster und überraschend. Diese Geschichten folgen keinem festen Genre, sondern erforschen verschiedene Emotionen, Welten und Situationen. Kann man im Alltag das Außergewöhnliche finden? Welche Geschichten verbergen sich in den kleinen Augenblicken des Lebens? Öffne diese Sammlung und lass dich von den Erzählungen überraschen und inspirieren.

Genre:
Other
Autor:
HappySad85
Status:
vor 2 Jahren
Kapitel:
1
Rating
n/a
Altersfreigabe
13+

Drei Tage Freiheit

Ein Master hatte einen Diener, der stets zu seinen Diensten stand. Einmal sagte der Master: "Ich habe keine Aufgaben für die kommenden drei Tage für dich. Mach, was du willst. Am Samstag aber werde ich etwas Spezielles für dich haben."

Der Diener freute sich, da er für drei Tage, wie es bei ihm üblich jeden Tag war, keine Aufgaben für den Master erledigen musste. Kein Frühstück vorbereiten, keine Schuhe putzen, keinen Boden schrubben, kein Mittagessen kochen, kein Stall ausmisten, kein Wasser tragen, kein Holz hacken, kein Abendessen servieren, keine Füße waschen und den Master ins Bett bringen. Drei Tage nichts davon. Er fühlte sich wie ein Koloss, endlich frei.

Doch an seinem zweiten Morgen begann er, nachzudenken. Es wurde ihm langweilig, und seine Gedanken fingen an zu kreisen. Warum hatte der Master ihm drei Tage freigegeben? Und was hatte der Master am Samstag vor? Er begann, sich Szenarien auszumalen, und spürte, wie die Angst in ihm wuchs. Er versuchte, sich auf alle möglichen Aufgaben vorzubereiten, die am Samstag auf ihn zukommen könnten. Doch je mehr er darüber nachdachte, desto mehr wuchs der Berg in seinem Kopf.

Zerfressen von Unsicherheit beschloss er, Antworten zu suchen, bevor der Samstag anbrach. Er ging zum Master und fragte: „Master, könntet Ihr mir sagen, was mich am Samstag erwarten wird?“ Der Master sah ihn an und antwortete mit einem leichten Schmunzeln: „Ah, der Samstag, der Samstag... Warum fragst du? Es ist erst übermorgen. Und was wäre das Besondere an der Aufgabe, wenn ich sie dir schon verrate?“

Der Diener entschuldigte sich und lief hinaus in den Hof. Doch seine Angst hatte ihn bereits fest im Griff. Er erinnerte sich plötzlich, dass der Master vor ihm einen anderen Diener hatte, der jetzt in einem Dorf zehn Kilometer entfernt lebte. Vielleicht wusste dieser etwas über die „große, spezielle, geheime Aufgabe“. Also packte er etwas zu essen ein, füllte eine Flasche Wasser auf und machte sich auf den Weg.

Nach zweieinhalb Stunden erreichte er das Dorf und fand den früheren Diener schnell. Ohne Umschweife fragte er: „Ihr habt doch früher für den Master gearbeitet. Er hat eine spezielle, große, geheime Aufgabe für mich am Samstag. Ihr müsst doch wissen, was das ist, oder?“ Der Mann schaute ihn lächelnd an und antwortete: „Ich hatte keine spezielle, große, geheime Aufgabe. Und selbst wenn, würde ich es nicht verraten. Es sind die Geheimnisse des Masters und seiner Lehren.“ Ohne ein weiteres Wort drehte sich der Mann um und ließ den Diener sprachlos und verzweifelt zurück.

Er setzte sich an einen See, starrte ins Wasser und spürte die Last seiner Gedanken. Nach drei Stunden des Nachdenkens beschloss er, zurückzugehen, auch wenn er keine Antworten gefunden hatte. Es war dunkel, als er wieder zu Hause ankam, und er war so müde und wütend – auf den Master, auf den früheren Diener, auf die ganze Situation. „Der alte Honk“, dachte er über den Master, „will mir nichts verraten. Und der andere ist keinen Deut besser.“

Er fiel erschöpft ins Bett und schlief sofort ein. Doch die Nacht war voller Alpträume. In seinen Träumen wurde er vom Master an einen Pfahl gefesselt, während der frühere Diener ihn mit Mistgabeln pikste. Beide lachten laut, und der Diener spürte eine Angst, die ihn nicht losließ.

Am dritten Tag seiner Freiheit konnte er sich nicht freuen. Er blieb im Bett liegen, schnappte sich einen Notizblock und begann, Geschichten zu schreiben. Düstere Geschichten, so finster, dass selbst Geister davor erschrecken würden. Es war sein Ventil, um die Angst und den Druck aus seinem Kopf zu lassen. Doch als er einschlief, holten ihn die Figuren aus seinen Geschichten ein. Monster, Kannibalen und andere Kuriositäten, die er erschaffen hatte, ließen ihm keine Ruhe.

Am Samstagmorgen sprang er bereits um fünf Uhr aus dem Bett und stürzte sich in die Arbeit. Er war so abgelenkt, dass er nicht merkte, wie schnell die Zeit verging. Aufgabe um Aufgabe erledigte er, bis der Abend kam. Er bereitete den Master wie gewohnt auf das Bett vor und konnte nicht mehr an sich halten. „Master, aber was ist mit der großen, speziellen, geheimen Aufgabe? Heute ist Samstag! Ich habe drei Tage gewartet und den ganzen heutigen Tag darauf hingearbeitet!“

Der Master schmunzelte leicht und sagte: „Ah ja, der Samstag... Der Samstag... Heute ist Samstag. Ich würde heute, wie nie zuvor, eine Tasse Tee trinken, bevor ich ins Bett gehe. Also könnte ich eine Tasse Tee gebrauchen. Und bring mir zwei Würfel Zucker.“

Der Diener war sprachlos. „Aber die große, spezielle, geheime Aufgabe?! Master?!“ rief er aus.

Der Master lächelte und sagte ruhig: „Tee und zwei Würfel Zucker sind alles, was ich will. Ich trinke nie Tee vor dem Schlafengehen – nur ein einziges Mal im Jahr, immer an diesem Samstag.“

Der Diener spürte, wie er innerlich zusammenbrach. „Aber Master, ich war in den letzten drei Tagen fast von Angst zerfressen. Ich konnte nicht schlafen. Ich konnte die Freiheit nicht genießen. Ich konnte nicht..."

Der Master hob die Hand und sagte: „Pssst... Ich gab dir Freiheit, weil du sie dir verdient hast. Du hast gut gearbeitet, und ich wollte dir eine Pause geben. Ich habe nie gesagt, dass es eine große, spezielle, geheime Aufgabe gibt. Das hast du selbst daraus gemacht. Du hast begonnen, nachzudenken, zu grübeln, meine guten Absichten infrage zu stellen. Du hast aus einem Maulwurfshügel einen Berg gemacht. Die Freiheit, die ich dir gegeben habe, hast du in ein Gefängnis verwandelt. Die Lektion, die du daraus lernen sollst, ist einfach: Manchmal musst du loslassen, geschehen lassen und akzeptieren, dass nicht alles im Leben kontrolliert werden kann."

Der Diener senkte den Blick und verstand, dass er selbst derjenige war, der die ganze Angst und den Druck erschaffen hatte. Die größte Lehre war nicht die Aufgabe, sondern das, was er über sich selbst gelernt hatte.

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