Das Ende
Die Erde war am Ende. Hügel, die einst mit üppigem Grün bedeckt waren, waren nur noch leblose Haufen Dreck. Das Grün verschwand vor Jahren, die Tiere, die einst hier lebten, wurden von diesen schwarzen Löchern, die jetzt die nackten Hügel beherbergten, verschlungen. Es gab keine Hoffnung mehr für Lebewesen, da ihre Heimat schon tot war. Es wurde auch langsam an der Zeit für die Menschen, den Kadaver, den sie einst Erde nannten, zu verlassen. Und da liefen wir los.
Ihr fragt euch sicher, wohin wir gingen. Nun, das wussten wir auch nicht. Wir folgten einem Pfad, dessen Ende wir nicht kannten. Wir liefen an Hügel und verstorbenen Wiesen vorbei. Das einzige, was sie noch belebte, waren diese schwarzen Löcher, die auftauchen, um Lebewesen zu verschlingen. Sie waren wie riesige Augen, die auf uns hinab schauten, uns verhöhnten, denn sie weigerten sich, uns zu verschlingen.
Unser Pfad endete in einer Wüste. Vor uns standen in schwarze Mäntel gehüllte Gestalten, die neben zwei Türen standen. Im Gegenteil von all den Märchen, die man uns erzählte, waren diese Türen gleich. Man konnte nicht vom Aussehen der Tür erraten, wohin sie uns führen würde, aber wir traten trotzdem davor. Man stellte jeden von uns eine einzelne Frage, die wir beantworten sollten, leider gab es einige arme Unwissende, die die Antwort zu ihrer Frage nicht kannten. Das Gesicht wurde ihnen gestohlen und sie wurden dazu verdonnert auf den leblosen Körper der Erde zu irren, auf der Suche nach etwas was sie nicht wussten.
Ich war an der Reihe. Ich verspürte weder Angst noch Aufregung. Vielleicht ein bisschen Reue, aber dafür ist es jetzt zu spät.
«-----------?», fragten sie.
«-----------», antwortete ich.
Sie öffneten einer der Türen und zeigten hinein. In dieser Tür war nichts, und vielleicht war das auch, was ich werde sein, nichts. Bevor ich durch die Tür lief, drehte ich mich noch einmal um. Ich betrachtete diese Einöde, die einst voller Bäume und Tiere war, die schönen Flüsse, die nie wieder durch Täler fließen konnten, die Einöde, die wir einst Heimat nannten. Ich wollte mich verabschieden, ihr sagen, dass ich sie vermissen werde, dass ich dankbar bin für alles, was sie uns gegeben hat. Ich tat es aber nicht, denn eins war mir bewusst, so schmerzhaft es auch war, sie zu verlassen und hinter uns zu lassen, sie würde uns nicht vermissen.
Denn wer würde schon seinem Mörder nachtrauern?