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Weit entfernt von gestern

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Zusammenfassung

"Weit entfernt von gestern" erzählt die bewegende Geschichte von Alex und Tom, deren Wege sich nach einer Jugend voller unausgesprochener Gefühle und Missverständnisse wieder kreuzen. In den rauen, faszinierenden Landschaften Schottlands entdecken sie nicht nur einander, sondern auch sich selbst neu. Zwischen dem Schmerz der Vergangenheit und der Hoffnung auf einen Neubeginn müssen sie sich der Frage stellen, ob Liebe die Zeit und die Narben, die sie hinterlassen hat, überwinden kann. Wird es ihnen gelingen, alte Wunden zu heilen und den Mut zu finden, endlich ehrlich zueinander zu sein? Eine Geschichte über verlorene Chancen, die Magie des Wiederfindens und die Schönheit, die in jedem Neuanfang steckt.

Status:
Abgeschlossen
Kapitel:
41
Rating
n/a
Altersfreigabe
16+

Prolog

Lara ist sechzehn und lebt mit ihrer Familie auf einem kleinen Bauernhof in Hussendorf. Für Außenstehende wirkt ihr Leben idyllisch – weite Wiesen, grasende Kühe, der Duft von frischem Heu. Doch hinter dieser Fassade verbirgt sich eine Realität voller harter Arbeit und Enttäuschung. Die Verantwortung für den Hof lastet fast vollständig auf ihren Schultern, denn auf ihre Mutter Doris kann sie sich schon lange nicht mehr verlassen. Doris verbringt die Tage auf der Couch oder im Schlafzimmer, klagt über Krankheiten und versteckt sich hinter Ausreden, die Lara längst nicht mehr hören kann. Bitten um Hilfe beantwortet sie mit einem unbeteiligten Blick, der jedes Gespräch im Keim erstickt.

Svea, ihre zwei Jahre jüngere Schwester, hat es sich in diesem Chaos bequem gemacht. Sie vergräbt sich stundenlang in ihren Zeichenblock oder steht vor dem Spiegel, immer darauf bedacht, gut auszusehen, falls doch einmal jemand vorbeikommt. Jede Bitte um Mithilfe wehrt sie mit einem genervten Lächeln ab, manchmal auch mit einem sarkastischen Kommentar, der Laras ohnehin strapazierte Geduld auf die Probe stellt. „Das kannst du doch viel besser allein“, sagt Svea dann, und Lara spürt die unsichtbare Mauer zwischen ihnen – eine Distanz, die Svea zu genießen scheint.

Nur Florian, ihr achtjähriger Bruder, ist ein Lichtblick. Für ihn trägt Lara all die Lasten, die sie sonst zu erdrücken drohen. Florian klammert sich an sie, wenn die Stimmung im Haus kippt, und in diesen Momenten weiß Lara, dass sie alles ertragen kann – allein für ihn. Nachts hält sie oft seine kleine Hand, bis er ruhig einschläft, und in diesen Augenblicken fühlt sie einen Hauch von Sinn in ihrem Leben. Florian ist es, der sie hin und wieder zum Lächeln bringt.

Ihr Vater Frank ist ein Rätsel. Manchmal hat Lara das Gefühl, dass er sie versteht – vielleicht sogar insgeheim bewundert. In seltenen Momenten stehen sie schweigend nebeneinander, während die Sonne hinter den Hügeln versinkt, und für einen Augenblick scheint eine stille Verbundenheit zwischen ihnen zu existieren. Doch diese Momente sind flüchtig. Häufiger kehrt Frank müde und wütend vom Feld zurück, und Lara weiß, dass sich seine Frustration in scharfen Worten oder sogar in Schlägen entladen könnte. An solchen Tagen schweigt sie, arbeitet noch mehr und versucht, unsichtbar zu sein.

Auch die Schule bietet ihr keinen Zufluchtsort. Ihre Mitschüler verspotten sie – wegen des Geruchs nach Stall, den sie trotz aller Bemühungen nicht immer verbergen kann, oder wegen ihrer abgetragenen Kleidung, die ihr stets ein wenig zu groß ist. Lara hat gelernt, wie man sich in den Hintergrund drängt, wie man unsichtbar bleibt.

Doch es gibt zwei Menschen, bei denen Lara ein Gefühl von Sicherheit hat. Nina, ihre beste Freundin, bringt sie zum Lachen und erinnert sie daran, dass sie nicht völlig allein ist. Und dann ist da David, ein neuer Klassenkamerad, der sie vom ersten Moment an fasziniert hat. Zunächst schwärmt sie für ihn, doch als David ihr anvertraut, dass er schwul ist, entwickelt sich eine tiefe Freundschaft. Bei ihm kann sie über Dinge sprechen, die sie niemandem sonst anvertraut, und in seiner Nähe fühlt sie sich gesehen. Dennoch bleibt die Sehnsucht nach einem anderen Leben. Lara träumt von Liebe, Geborgenheit und einem Ort, der sich wie ein echtes Zuhause anfühlt.

Eines Nachmittags erzählt Nina ihr von einer Silvesterparty, die ihr Freund Tim veranstaltet. Mit einem verschmitzten Lächeln drängt sie Lara, mitzukommen, und meint, es sei an der Zeit, endlich etwas Neues auszuprobieren. Lara zögert. Solche Feiern lösen in ihr oft nur Unbehagen aus. Doch Nina lässt nicht locker, und irgendwann gibt Lara nach. Vielleicht, denkt sie, könnte diese Nacht etwas verändern…



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