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City Overlords

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Zusammenfassung

In einer Stadt in North Carolina, wo Dunkelheit und Geheimnisse tief verwurzelt sind, entdeckt Raven die schockierende Wahrheit hinter dem Menschenhandel, der Frauen in die FĂ€nge skrupelloser TĂ€ter fĂŒhrt. Angetrieben von ihrem Gerechtigkeitssinn und dem Wunsch, diesen Teufelskreis zu durchbrechen, formt sie eine unkonventionelle Allianz mit den betroffenen Frauen und grĂŒndet eine Biker-Gang. Als sie Dominik, den geheimnisvollen Boss eines rivalisierenden Biker-Clubs, trifft, wird ihr Kampf gegen das Unrecht noch komplexer. Inmitten dieser unvorhersehbaren Situation mĂŒssen Raven und Dominik sich den Herausforderungen ihrer Mission stellen. WĂ€hrend sie Seite an Seite kĂ€mpfen, verwischt sich die Grenze zwischen Freundschaft und etwas Tieferem. Geheimnisse und unerwartete Wendungen prĂ€gen ihren Weg, wĂ€hrend sie alles riskieren, um fĂŒr das Richtige zu kĂ€mpfen und die Stadt von ihrem dĂŒsteren Geheimnis zu befreien.

Status:
Complete
Kapitel:
40
Rating
5.0 (8 Bewertungen)
Altersfreigabe
16+

Kapitel 1


Halloo, meine lieben.

Bitte geht hier nicht so hart mit mir um. es ist das erste mal, dass ich in so eine Richtung schreibe.  anke.


Ich legte meinen Kopf ĂŒber die Lehne meines Stuhles, meine Locken fielen herab und ich atmete tief ein und aus. Dieser Job war zweifellos das Langweiligste, was ich jemals irgendwie machen konnte. Dagegen war Angeln mit meinem Vater gar nichts. Die TĂŒr ging auf und Nicholas kam herein. Groß, blaue Augen, braune, irgendwie nie gekĂ€mmte Haare.


Er wollte an mir vorbeigehen. 

“Stoooooop!” rief ich und sah ĂŒber den Tresen hinweg. 

Er stoppte, schloss kurz seine Augen, um die Genervtheit, die in ihm hochstieg, zu kontrollieren, drehte sich ein StĂŒck um und sah mich mit seinen blauen Augen an. Seine Augenbraue schoss in die Höhe. 

“Tja, deine Uniform lĂ€sst dich nicht alles machen.” 

Wie oft dachte er, er mĂŒsste mich ĂŒbergehen, nicht auf mich hören, weil ich die Tochter des Chefs bin und hier nur die SekretĂ€rin? Er vergrub eine Hand in seine Uniformhose und sah mich weiter an. Ich legte meinen Kopf in meine Hand, dessen Arm ich auf meinem Schreibtisch gelehnt hatte. 

“Mein Vater ist beschĂ€ftigt,” sagte ich und sah ihn an. 

"Seit wann interessiert mich sowas, Raven?” 

Gott, irgendwas triggerte mich an diesem Kerl massiv. 

“Seitdem mein Vater sagte, dass keiner rein soll.” 

“Ich
 darf rein,” sagte er entschlossen und hob BlĂ€tter hoch, die er bei sich in der Hand hatte. 

“Gib mir die BlĂ€tter doch einfach!” Ich stand auf und wollte sie mir schnappen, er zog sie sofort weg. 

“Na na na! Wer will denn da was lesen, was er nicht darf!” Er kam meinem Gesicht gefĂ€hrlich nahe und ich sah ihn stur in seine blauen Augen. 

“Na na na! Und wer meint, ich lese das bitte?!” 

“Weil du alles machst, nur nicht hören.” 

“Ich kann dich nicht ausstehen!” 

“Gleichfalls!” 

Und wir starrten uns an. Blau gegen GrĂŒn. 

“Was zur Hölle tut ihr da!?” rief mein Vater und wir zuckten gleichmĂ€ĂŸig zurĂŒck. 

“Das wird irgendwann geklĂ€rt,” sagte Nicholas. 

“Du kannst mich mal.” 

“Heute nicht, Babe!” 

Ich Ă€rgerte mich schwarz und wollte gerade noch etwas kommentieren, aber mein Vater schenkte mir einen Blick, der mich sofort verstummen ließ, und Nicholas folgte ihm mit seinem selbstgefĂ€lligen Grinsen.


Nach dem Feierabend stand ich vor meinem Bike und massierte mir meinen NasenrĂŒcken. Gerade als ich meinen Helm aufsetzen wollte, klingelte mein Handy. 

“Ja?” 

“Wir haben einen von ihnen. Er fĂ€hrt gerade wieder in Richtung North Carolina rein.” 

“Können die von The Banished nicht wenigstens warten, bis ich zuhause bin!?” fauchte ich. 

“Tut mir leid, Raven, du bist am nĂ€chsten dran.” 

“Hast du ihn noch?” 

“Ja, sie haben alle die Tracker nicht gefunden, aber alle RĂ€der sind ausgeschaltet, nur dieses nicht.” 

“Das kommt davon, wenn man Tracker benutzt, die nur bei Bewegung angehen,” murrte ich. 

“Tja, wir haben nicht so viel Geld wie sie, was kann ich dafĂŒr?” Ich hörte Alice noch, bevor ich mit der Zunge schnalzte. 

“Ich stell dich um, warte, ich muss meinen Helm aufsetzen.” 

Ich legte mein Handy zur Seite, stellte die Verbindung auf meinen Helm um, wĂ€hrend ich ihn aufsetzte. 

“So.” 

“Er fĂ€hrt auf die Koordinaten zu.” 

Ich biss auf meine Lippe. 

“Koordinaten: 35.7355 und -81.3276.” 

Ich zog meine Handschuhe drĂŒber. 

“Ich finde das wirklich riskant. Wenn er mich entdeckt, war es das.” 

“Raven, er atmet dir fast in den Nacken, so nah ist er. Vielleicht weißt du dann, wo sie stecken.” 

“Du hast leicht reden, Alice. Sitzt sicher vor dem PC.” 

“Ich glaube an dich, girl.” 

Ich seufzte. 

Ich tippte die Koordinaten in mein Navi ein. 

“Wenn die mich schnappen, hast du ein Problem.” Mit einer Bewegung war mein Visier unten und ich fuhr los. 

“Sag mir Bescheid, wenn du ihn siehst. So wirklich unsichtbar sind sie ja nicht, außer Nick.” 

“ErwĂ€hne diesen Namen nicht,” knurrte ich. 

Nick, Dominik, AnfĂŒhrer dieser Drecksbande. 

Kopf der ganzen Gang, verantwortlich fĂŒr Menschenhandel, Prostitution. 

Ich hab ihn ein paar Mal gesehen, kurz vor knapp, verfolgt, wieder gedreht, weil es zu brenzlig wurde. 

Bis auf ein einziges Mal: 

Meine MĂ€dels und ich fuhren nachts, wie immer. 

Mein Vater schaffte es nicht, den Menschenhandel hier in North Carolina Einhalt zu gebieten. Zu oft, zu viel, Razzien brachten nichts. 

So viele Tote an den Straßen der Autobahnen, so viele, dass die Polizei versuchte, es zu vertuschen, versuchte, nichts nach außen zu lassen. 

Und sie kriegten nichts hin. 

Irgendwann lernte ich Rachel kennen. 

Es war spĂ€t abends, als eine große Mannschaft an Polizisten in das Revier meines Vaters kamen. Ich wollte gerade packen, als ich doch Überstunden machen musste. 

Ich lief meinem Vater hinterher. Einige Frauen saßen in einer Reihe, sie sahen abgemagert, verdreckt und verĂ€ngstigt aus. 

Ich wurde in das BĂŒro meines Vaters gerufen, wo Nicholas schon stand. 

“Was ist?” fragte ich und gab ihm direkt die Papiere mit allen Informationen, die mir die Polizisten ĂŒberbrachten. 

“Und was macht der Schleimbolzen hier?” 

Nicholas schnalzte mit der Zunge. “Babe, sag einfach, dass du auf mich stehst.” 

“Im Leben nicht!” 

Nicholas lachte. 

“Darf man ĂŒberhaupt Tattoos haben als Bulle?!” 

“Ich nickte auf seinen Hals, wo man einen einfachen Blitz sah.” 

“Das geht dich einen Scheißdreck an, Raven.” 

“Ruhe!” rief mein Vater völlig ĂŒbermĂŒdet und gereizt. 

Wir sahen ihn beide an. “Raven, du machst heute lĂ€nger. Wenn es sein muss, die Nacht.” 

“Was? Warum?!” 

Nicholas seufzte: “Echt jetzt?” fragte er und seine blauen Augen trafen meine. “Keiner der Polizisten hier, ob weiblich oder mĂ€nnlich, ist so einfĂŒhlsam wie du. Wenn die Frauen jetzt jemanden brauchen, dann bist du das.” 

Ich sah ihn verwirrt an. 

“Ein Lob von dir?” 

“Sei still, Raven,” knurrte er. 

“Ihr wisst, was ihr zu tun habt.” 

Er sah Nicholas mit einem bedeutungsvollen Blick an, er nickte und ging. Ich runzelte die Stirn und sah ihm hinterher. 

“Was macht der denn?” 

“Nimm es mir nicht ĂŒbel, aber das geht dich nichts an.” 

Ich verdrehte die Augen und ging hinaus. 

Und dann saß ich im Verhörraum. Ich hatte Rachel vor mir, leicht braun gebrannt, große braune Augen. Ihre Haare waren abrasiert, sie sah vor sich, aber nicht verĂ€ngstigt wie die anderen, sondern eher
 stur. 

“Herje,” murmelte ich, als ich ihr kaputtes Oberteil sah. Um die Beine hatte sie nichts. 

Ich zog meinen Pullover aus. “Hier,” sagte ich. 

Sie sah mich verwirrt an. 

“Zieh das an, eine Schande, dass die Cops euch nichts zum Anziehen gaben.” 

“Es
 ging zu schnell,” sagte sie angestrengt und rau. 

“Willst du was trinken?” 

“Ich traue dir nicht. Bei diesen Schweinen waren auch Polizisten.” 

“Ich weiß
 Wir kennen das Problem. Aber hey, ich bin nur SekretĂ€rin. Kein Bulle.” 

Sie sah mich an, ihre Augen sahen verwirrt aus. 

“Wieso zur Hölle darfst du dann hier sitzen?!” 

Mein Stuhl schob sich von meiner Bewegung zur Seite und ich stand auf, um zum Wasserkasten zu gehen. Ich nahm eine Flasche und ging ĂŒber den kahlen weißen Boden herĂŒber zum Tisch und stellte es ihr hin. 

“Mach auf, du siehst, dass sie komplett zu ist.” 

Ihre Augen wurden schmal und ich seufzte und nahm die Flasche wieder. Ich öffnete sie und trank. 

“Da. Siehst du.” 

Aber sie sagte nichts. 

“Oh, entschuldige
 Magst du nicht, wenn andere dran waren? Kann ich verstehen.” 

Sie lachte bitter. 

“Ich war ein Gegenstand im Menschenhandel, MĂ€dchen,” brummte sie und nahm die Flasche. 

“Ich musste Sperma von Kerlen schlucken, die ich nicht mal richtig gesehen habe.” 

Mein Mund öffnete sich, aber es kam kein Ton heraus. 

“Ab Kerl 50 habe ich aufgehört zu zĂ€hlen.” 

Sie setzte die Flasche an und trank. 

Hastig. Sie verschluckte sich und hustete. 

“Alles okay?!” 

Sie nickte. 


Und so fing alles an. 

Ich hörte mir die ganze Nacht alles an. 

Rachel wurde eines Nachts nach einer Party aufgegriffen, betĂ€ubt und verschleppt. 

Sie fragte irgendwann nach dem Datum und dann hatte sie eine leichte Schockstarre. 

Sie schien zwei Jahre lang vermisst gewesen zu sein. Ich musste mir alle grauenhaften Dinge anhören, die sie selber erlebt hatte oder sehen musste. 

Vergewaltigung. 

VerstĂŒmmelung. 

Prostitution. 


Ich sah sie erst Monate spĂ€ter wieder. 

Und irgendwie hatte mich das geprĂ€gt. 

Rachel und ich freundeten uns an, kurze Zeit spĂ€ter stieß Alice auf uns, sie sollte Aussagen in einem Cyberangriffdelikt. 

FĂŒr sie war es blöd, dass sie vor meinem Vater die Papiere bekommen hatte. 

FĂŒr mich und Rachel war es ein Segen. 

Ich hatte mich nun Monate mit diesem Menschenhandelsfall auseinandergesetzt und mir in den Kopf gesetzt, meinem Vater zu helfen, auch wenn er nichts davon wissen durfte. 

Wegen Rachel. 

Und wegen den ganzen anderen Frauen und MĂ€dchen. 

Und dann bemerkte ich, dass Alice die Gesuchte war und sie mehr oder weniger erpresste. 

Am Anfang war es gar nicht ihr Ding, mit mir zusammenzuarbeiten, vor allem nicht mit dieser Erpressung, und mein Stil war das auch nicht, aber was sollte ich machen?! 

Ich wĂ€lzte mich Nacht fĂŒr Nacht durch die Ordner meines Vaters, schrieb Routen auf, schrieb Notizen, und irgendwann landeten wir im Darknet, was
 zum GlĂŒck Alice und Rachel ĂŒbernahmen. 

Alice war es gewöhnt, dort zu sein, und Rachel war so abgehĂ€rtet, dass sie, egal was sie dort sah, einfach so wegsteckte. 

Ich weiß bis heute nicht, ob der Menschenhandel sie so hart machte oder ob sie einfach dort ihren Verstand verlor. 

Über das Darknet machten wir aus, wer TĂ€ter sind, und darĂŒber kamen wir StĂŒck fĂŒr StĂŒck weiter. 

Bis wir sie fast mal erwischten. 

Das erste Mal stand ich Dominik gegenĂŒber und hielt meine Waffe auf ihn. Das erste Mal zitterte ich noch und er lachte. 

Wir standen am Port of Wilmington, einem der wichtigsten HĂ€fen an der OstkĂŒste. 

“Du zitterst,” hörte ich Dominik zum ersten Mal sprechen. Dunkel, rau, emotionslos und gedĂ€mpft durch seinen verdammten Helm. 

“Halts Maul!” rief Rachel, aber Dominik schnaubte, seine Augen verengten sich. 

“Ihr seid nur zu zwei. Ihr mĂŒsst echt Mumm haben. Kommt wieder, wenn ihr mehr seid.” 

“Machst du dich etwas lustig?!” 

Dominik sah sich einige der großen Container an. 

“Lustig? Ich? Nein. Im Gegenteil. Aber ihr seid jetzt doch keine Gefahr. Schaut euch um.” 

Er sah sich herum und ich sah, dass ĂŒberall Leute standen und auf uns zielten. 

“Seht ihr? Keine Chance. Geht.” 

“Wieso solltest du uns einfach so gehen lassen?!” 

“Weil ich genug zu tun habe mit der Ware.” 

Man hörte aus der Entfernung Sirenen und ich sah Rachel an, als ich in die Dunkelheit hinter Dominik sah. “Fuck!” rief er. 

“Haut ab. Jetzt!” rief er uns zu und ich runzelte die Stirn. 

Wir?! Warum wir?! Wir waren die Guten! 

Aber verdammt, er hatte recht! Wenn mein Vater rauskriegt, was ich hier tat, hatte ich ein Problem. 

“Rachel, komm!” rief ich. 

“Was?! Wir haben ihn doch jetzt!” 

Ich lief vor, ohne ein weiteres Wort, aber sie merkte, dass ich recht hatte. 

Wie naiv wir waren. 

Zu dritt. 

NatĂŒrlich konnten wir nichts ausrichten! 

Wir haben es Dominiks Gnade zu verdanken, dass wir lebten. 

Das ließ mir keine Ruhe. 


Und als ich gerade am Polizeirevier meines Vaters vorbeikam, piepte mein Handy. Ich stoppte meine Maschine und nahm den Anruf entgegen. “Wir brauchen dich,” sagte mein Vater. 

“Was? Es ist mitten in der Nacht.” 

“Ich sehe dich aus dem Fenster. Was machst du eigentlich noch draußen?!” 

Ich seufzte und sah hoch in den zweiten Stock des GebĂ€udes, das Fenster leuchtete hell. 


Ich kam oben an und da ich als SekretĂ€rin niemanden aufhalten konnte, ging ich sofort auf das BĂŒro meines Vaters zu und öffnete die TĂŒr. Mein Vater stand immer noch am Fenster und Nicholas saß auf seinem Stuhl. Er hatte den Kopf nach hinten und die Augen zu. 

“KaffeekrĂ€nzchen oder was?” fragte ich und er schnaubte, immer noch mit geschlossenen Augen. 

“Was ist denn?” 

“Wir haben schon wieder Frauen abfangen können.” 

“Was?” 

“Am Port of Wilmington kamen einige an, die wir abfangen konnten.” 

“Was?! Und dann habt ihr dieses Arschloch nicht fangen können?!” 

Oh Gott, was hatte ich GlĂŒck, dass ich und Rachel rechtzeitig da weg waren. 

Und Nicholas schnaubte wieder. 

“Junge, hast du die Nase zu?!” fauchte ich. 

Er sah mich mit einem Auge an. 

“Wie sollen wir Dominik einfach schnappen?! Weißt du, wie schwer das ist? Der Typ ist schlau.” 

“Du lobst einen Schwerverbrecher
 wieso sind deine Haare so nass?” 

Ich sah ihn an, er sah allgemein abgekĂ€mpft aus. Seine Haare waren an den Spitzen voll mit Schweiß. 

“Sorry? Ich war am Tatort
 Das
 ist anstrengend.” 

Nun schnaubte ich und er setzte sich gerade hin. Er sah mich an, seine Augen wurden schmal. “Als SekretĂ€rin kannst du das natĂŒrlich nicht wissen.” 

Ich machte einen gefĂ€hrlichen Satz vor, aber mein Vater rĂ€usperte sich. 


Das zweite Aufeinandertreffen ging nicht so super aus, zumindest nicht fĂŒr mich. 

Wir waren mehr. Einige der verschleppten Frauen, die die Cops meines Vaters gerettet hatten, schlossen sich uns an. 

Diesmal waren wir viel mehr und wir waren organisierter. Jede der MĂ€dels war mit mir, Rachel und Alice verbunden. Wir hatten alle unsere Helme auf und wir waren wieder am Hafen. 

“Siehst du sie?” fragte ich Seraphina, die wie wild kicherte. 

Jap, sie hatte im Menschenhandel definitiv einen Knacks wegbekommen. 

Aber so verrĂŒckt sie war, sie war unglaublich wichtig. Sie hatte vor der EntfĂŒhrung eine Vorliebe fĂŒr Waffen und hatte sie immer noch. 

Sie bildete unsere MĂ€dels aus und das seit Monaten und das hart. 

“Joooo,” rief sie. 

“Ca. 10 auf Bikes und Dominik, der Spast vorne an.” 

Mein Herz fing an zu klopfen und ich stellte mich sicher hinter einen der Container. Meine Stiefel machten leichte GerĂ€usche, danach war es still. Man hörte nur das Wasser und den Wind, der hier wehte. 

Und dann irgendwann hörte ich Motoren. Ich sah zu Rachel rĂŒber, die mich auch ansah. 

Doch bevor wir agieren konnten, rief Dominik ein lautes “Stop!” an seine Leute. Alle hielten an. 

Er konnte mich unmöglich sehen, aber er stieg von seiner Maschine ab, zog seine Waffe und sah sich um. 

“Hier stimmt was nicht.” Seine Stimme hallte zwischen den Containern wieder. 

GedĂ€mpft, aber rau. Er zog seinen Helm ab, die Sturmhaube blieb an. 

Er lief den Weg entlang, sein Gang wie von einer Katze, geschmeidig, leise, aber bedrohlich. Er hatte alles im Blick und alles im Kopf, wahrscheinlich spannte er sich Szenarien und hatte dabei direkt eine Lösung im Kopf. 

Sein schwarzes Shirt spannte sich um seinen breiten Oberkörper, wĂ€hrend seine schwarze Hose lĂ€ssig hing. 

Junge, junge, wĂ€rst du kein Schwerverbrecher, könnte man dich glatt heiß finden. 

“Auf eure Positionen,” flĂŒsterte ich und bekam von allen ein gehorsames “Ja.” 

Ich blickte auf die Container. Man sah sie nicht, meine MĂ€dels waren alle da. Alle an ihren Waffen, bereit, Dominik umzubringen, bereit wie Schlangen, die eine Maus umzingelten. Dominik ließ seine Schultern fallen und stöhnte. "Die schon wieder!” rief er und wedelte mit seiner Waffe. 

“Kommt raus, wir sind nicht blöd.” 

Ich sah zu Rachel, die mich ansah. Sie schĂŒttelte den Kopf. “Ich brauche RĂŒcken-Deckung,” sagte ich und meine MĂ€dels antworteten alle: “Alles klar.” 

Ich kam aus meiner Deckung hervor und zielte mit meiner Waffe auf ihn. 

“Du bist echt unterhaltsam,” sagte er, als er mit seiner Waffe ebenfalls auf mich zielte. “Mir ist es egal, warum oder wieso. Wenn ihr euch uns in den Weg stellt, puste ich dich um, SĂŒĂŸe.” 

Ich schnaubte: 

“Lasst die Frauen gehen.” 

Dominik lachte: “Auf gar keinen Fall.” 

Er wedelte mit seiner Waffe. “Was ist euer Problem? Seid ihr Robin Hood fĂŒr Menschenrechte? Oder wollt ihr mit Geld verdienen?!” 

Mir wurde ĂŒbel. 

“Wie kann man mit Frauen und MĂ€dchen Geld verdienen wollen?!” 

Seine Augen wurden schmal und er antwortete nicht sofort. 

“Das ist Ware, nichts weiter, und jetzt hau ab. Du nervst,” sagte er und machte seine Waffe scharf. Das habe ich schon unzĂ€hlige Male beim Training mit meinem Vater gesehen und selber gemacht. Ich konnte schießen und Dominik auch. 

“Das wĂŒrde ich nicht tun,” murmelte ich und man hörte von ĂŒberall ein Klicken. Meine MĂ€dels zielten alle auf ihn und er hob die Augenbraue. “Naja, wenigstens mehr als vor ein paar Wochen.” Seine MĂ€nner hinter ihm schmunzelten. “Komm, lass sie schießen, SĂŒĂŸe.” Meine Augen wurden schmal, er war sich seiner Sache viel zu bewusst. 

Und nun wusste ich warum. Wie aus dem Nichts standen hinter Seraphina und Co. seine MĂ€nner und alle hielten ihre Waffen an die Köpfe der MĂ€dchen. Ich fluchte. 

“Meine MĂ€nner sind so leise wie Schneeleoparden. Kennst du die Tiere? Die hört man nicht.” 

“Ich will bestimmt nicht ĂŒber Tiere labern!” rief ich. “Und ich will nicht, dass irgendwelche Weiber mit Waffen auf mich zielen, so hat jeder sein PĂ€ckchen zu tragen.” 

Oh Gott, was gingen mir seine SprĂŒche auf den Sack. 

“Oh, also wenn der Schnuckel mich erschießt, bin ich einverstanden,” rief Seraphina und grinste nach oben zu dem Kerl, der verwirrt auf sie schaute. “Elliot, lass dich nicht von ihr verwirren!” fluchte Dominik hinauf. Seraphina grunzte laut. Sie hatte definitiv einen an der Klatsche, aber das war scheißegal, sie wusste, was sie tat, und wenn dieser Elliot nur eine falsche Bewegung machte, hatte sie sofort ihre Waffe in seinem Mund und drĂŒckte ohne schlechtes Gewissen ab. 

Und dann geschah es tatsĂ€chlich. Elliot zuckte nur mit dem Finger, Seraphina wirbelte sofort herum, ihre quietscheentengelb gefĂ€rbten Haare fielen um ihre Schulter, als sich das pinke Gummi löste. Sie warf Elliot auf den Boden, kniete sich auf seinen RĂŒcken, Elliot schrie auf. Wahrscheinlich drĂŒckte sie ihr Knie in seine LendenwirbelsĂ€ule. “Hab dich!” rief sie fröhlich. Ihr Jeansrock spannte sich, die Netzstrumpfhose, die sie stĂ€ndig trug, reflektierte das leichte Licht von dem großen Kran hinter Dominik und seinen Leuten. 

“Schade, dass wir uns nicht in der Supermarktschlange kennengelernt haben,” sagte sie wieder und zielte mit ihrer pinken Waffe auf seinen Kopf. 

“Du Schlampe!” schrie der arme Kerl unter ihr und Seraphina drĂŒckte die Waffe an seine SchlĂ€fe. “Äh, Ă€h, Ă€h, wer will denn unhöflich sein?” 

“Elliot, Halt die Fresse!” rief Dominik und dann sah er auf mich. Er legte seinen Kopf in den Nacken. 

Seine blauen Augen musterten mich. 

Und dann drĂŒckte er ab. 

Die Kugel rammte meinen Arm und traf den Container hinter mir. Ich spĂŒrte, wie Muskeln getroffen wurden, ein stechender Schmerz durchbohrte mich. Sofort machte mein Kreislauf schlapp und ich fiel auf meine Knie. 

“Das hier ist keine Barbiewelt, SĂŒĂŸe. Haltet euch daraus!” sagte Dominik ruhig und sah auf mich. 

“Vergiss es,” sagte ich hinter zusammengebissenen ZĂ€hnen. Ich hielt mir meinen Arm. Mein Körper konnte sich nicht zwischen Hitzewelle und KĂ€lteschocks entscheiden. Er legte seinen verdammten Kopf wieder schief. “Warum?” 

“Weil ich nie wieder Frauen und MĂ€dchen, wie meine MĂ€dels, sehen will, die ein Schatten ihrer selbst sind.” 

Seine Augen wurden schmal und dann sah er nach oben. Er sah Seraphina an, dann zu Rachel hinter mir und wieder hoch zu all den anderen Gesichtern, die auf den Containern standen und zu mir gehörten. 

“Nehmt sie mit,” sagte er zu Rachel gewandt. 

“Was?!” fragte ich und ich hörte meine MĂ€dels auch im Hintergrund scharf die Luft einziehen. 

Er drehte sich um und wedelte mit der Hand. “Ja, haut ab. Beim nĂ€chsten Mal sieht es schlechter fĂŒr euch aus.” 


Ich kam hoch ins Polizeirevier. Ich hielt meinen Arm, mein Atem ging viel zu tief und meine Hand war voller Blut. 

Ich hatte die Hoffnung, dass keiner da war und ich in Ruhe die Wunde verpflegen kann. 

Ich ging an meinem Arbeitsplatz vorbei, bog ab und ging an die unzĂ€hligen BĂŒros vorbei, die im Schatten lagen. Mein Ziel war es, den großen Verbandskasten zu plĂŒndern, aber dann ging das Licht an. Ich zuckte zusammen und drehte mich um und sah den Gang, den ich eben noch gegangen bin, entlang. 

Ich hörte Schritte und bevor ich irgendwie reagieren konnte, lief Nicholas an mir vorbei, stoppte aber und blickte zurĂŒck und mich an. Er war außer Atem. 

“Was
 machst du hier?” fragte er und ich wusste erst nicht, was ich sagen sollte, drĂŒckte aber intuitiv meinen Arm. 

“Ich
 wollte
 Überstunden machen.” 

Er sah mich an. Seine blauen Augen schauten mich wie immer arrogant an. Wie ich es hasste. 

“Was ist mit deinem Arm?” fragte er und legte seine Augen schmal. 

“Nichts!” sagte ich viel zu schnell, viel zu auffĂ€llig. 

Das sollte ich nochmal ĂŒben. 

Er kam auf mich zu, mit festen Schritten und doch leicht wie
 ein Leopard. 

Sofort kam mir der Schneeleopard in den Kopf, den Dominik erwĂ€hnte. Nicholas hörte nicht auf, sich mit seinen blauen Augen in meine zu bohren und dann zog er meinen Arm zu sich. Ich zischte. 

Er begutachtete meinen Arm, das Blut, und riss mir, ohne mir der Wimper zu zucken, meinen Ärmel von der Bluse auf, die mittlerweile nicht mehr weiß war. 

Als er die Wunde sah, huschten seine Augen kurz zu meinen auf. Irgendwas blitzte in ihnen auf, aber er sagte nichts. Er ließ meinen Arm los, griff zum Kasten. 

Man hörte Plastikrascheln und dann ein ‘Plöp’. Er hatte den Deckel einer Desinfektionsmittelflasche abgemacht und schĂŒttete es auf meinen Arm. 

“Oh verdammt!” rief ich, ein stechender Schmerz, gefolgt von einem Brennen, krampfte sich in die Wunde. Danach presste er Mull auf die Wunde. Ein leichter, aber gleichzeitig fester Druck ĂŒbte er auf diese Wunde aus. 

“Lass das einfach sein,” sagte er leise und ich runzelte die Stirn. 

Danach hörte man, wie er Verband abwickelte, um meinen Arm zu bandagieren. 

“Was
 soll ich sein lassen?” 

Er befestigte den Verband, sah mich kurz an, aber sagte nichts mehr. 

Er ging einfach und ließ mich verwirrt alleine. 


Alle anderen Begegnungen liefen halb so dramatisch ab, er sah uns, natĂŒrlich. 

Aber jedes Mal, bevor wir agieren konnten, kamen die Leute meines Vaters. 

Und das seit drei Jahren. 

Aber in der Zeit haben wir uns vorbereitet, ihre Wege gescannt, alles gesammelt, Profile erstellt und es tatsĂ€chlich geschafft, GPS-Tracker auf ihre MotorrĂ€der zu verteilen. 

Und jetzt
 jagte ich einem hinterher. 

Alleine. 

Wie konnte ich nur so blöd sein? 

Meine Maschine beschleunigte sich, ich musste mit ihm mithalten, auch wenn er mich gar nicht sehen durfte. 

Domenik war das nicht
 er hatte eine andere Maschine. 

Irgendjemand von seinen engeren MĂ€nnern. 

Elliot oder vielleicht Christopher. 

Tattoos. Ah, Christopher. 

Er bretterte langsam eine abgelegene Straße entlang. Einige verlassene Schuppen waren zu sehen, aber ansonsten nur Wald und Berge, einige BĂŒsche viel zu nah an der Fahrbahn und ehrlich gesagt
 hier fuhren ein paar Autos, aber
 ich konnte mir nicht vorstellen, dass er mich nicht bemerkt hatte. 

Und dann auf einmal bremste er hart ab. Ich hatte keine Gelegenheit, auch zu bremsen. Er wechselte die Spur und blieb an der Seite stehen, wĂ€hrend ich MotorgerĂ€usche hinter mir hörte. Ich sah in den Spiegel. 

Oh Scheiße. 

“Alice, das war eine beschissene Idee!” sagte ich. Hinter mir fuhren bestimmt zehn MotorrĂ€der. 

“Verdammt! Die haben mich.” 

“Soll ich Rachel alarmieren?” 

Ich wĂ€gte ab. “Ich bin zu weit weg. Sag ihnen aber vorsichtshalber Bescheid. Hast du den GPS an meinem Bike aktiviert?” 

“NatĂŒrlich, der im Helm auch und in deinem Ohrring.” 

“Gut. Ich muss da jetzt durch.” 

Ich beschleunigte wieder und die Kerle hinter mir auch. 

Zum GlĂŒck fuhren hier kaum noch Autos, das wĂ€re nicht hilfreich. Ich raste nun ĂŒber die verlassene Straße auf ein Tor zu. Wenn ich GlĂŒck habe, kann ich sie hier zwischen den verschiedenen Baracken abschĂŒtteln. 


Ha, von wegen. Wenig spĂ€ter musste ich vom Bike runter
 

Ich bekam gerade eine Knarre an den Kopf gehalten. 

Scheiße. 

Und doppelte Scheiße, ich war umzingelt. 

Alles voller Kerle und Bikes. 

Und hier war weit und breit keine Menschenseele. Wir standen auf einem alten, verlassenen FabrikgelĂ€nde. Konnte ja keiner ahnen, dass diese Scheißkerle ihr Quartier hier haben. 

Und meine MĂ€dels schaffen es nicht in so kurzer Zeit hierhin. 

Ich sah mich um. Es war auch nichts in der NĂ€he, außer diese Kerle, die mich alle anstarren und ihr AnfĂŒhrer direkt hinter mir. 

Ich spĂŒrte seinen heißen Atem an meinem Hals. 

“Du stinkst nach Zwiebel, Dominik.” 

Er grinste und ich sah von der Seite in seine strahlend blauen Augen. Man sah an seinen Lachfalten um die Augen, dass er grinste. Mehr sah man durch die Sturmhaube nicht. 

“Ich habe eben auch noch einen Hotdog gegessen, bevor du mich meintest zu stören, Raven.” 

Ich hasse diesen Kerl. 

“Schade, dass du nicht dran erstickt bist, Dominik.” 

“Nick, nenn mich Nick, SĂŒĂŸe.” 

“Ich bin nicht deine SĂŒĂŸe!” 

Ich kreischte auf, als er mich ruckartig zu sich umdrehte und ich genau vor ihm stand, die Pistole immer noch an meinem Kopf. 

“Ich glaube, du vergisst gerade, wer hier die Oberhand hat.” 

Er legte seinen Kopf leicht schief und musterte mich. 

“Zieht ihren verdammten Helm ab! Ich will sehen, wer darunter ist, wenn man mich schon seit drei Jahren auf die Nerven geht!” 

“Was!? Nein!” rief ich. 

Aber da wurde ich schon von zwei MĂ€nnern gepackt und der dritte wollte gerade an meinen Helm, als Dominik ihn stoppte. 

“Warte, ich mache das.” 

Scheiße, meine IdentitĂ€t ist gleich fĂŒr alle sichtbar, das war nicht gut, gar nicht gut. Meine Familie war dafĂŒr viel zu einflussreich. 

Er nahm die Waffe herunter, seine Augen wurden schmal, sein Kopf legte sich wieder etwas zur Seite. “Wollen wir mal sehen, wer hinter diesem Helm steckt und zu wem diese grĂŒnen Augen gehören, die mich nerven.” 

Er warf seine Waffe zu einem der Kerle neben ihm und dann hob er seine HĂ€nde, öffnete meinen Helm und zog ihn ab. Meine hellblonden Locken fielen herunter. 

Er hob seine Augenbraue und irgendwas leuchtete in seinen Augen auf. 

“Schau mal einer an, das Töchterchen des Polizeichefs.” 

Sie hoben alle ihre Waffen. 

“Runter, seid ihr wahnsinnig?!” rief er und alle gehorchten. 

“Lasst sie laufen.” 

“WAS?!” riefen alle und auch ich. 

Er sah mich an, seine Augen schmal, sein Blick durchbohrte mich. 

“Lasst sie laufen.” 

Ich sah ihn an, das war eine Falle. 

Es konnte nur eine Falle sein, hier war der Haken. 

Ich hörte GerĂ€usche hinter mir und ich drehte mich um. Seine MĂ€nner machten mir Platz. Ich sah Dominik wieder an, der völlig emotionslos seine Arme verschrĂ€nkt hatte und mich ansah. Diese verdammten blauen Augen! Am liebsten wĂŒrde ich ihm diese herauskratzen. 

Ich lief auf meine Maschine zu, wie eine Wahnsinnige. Die Steine unter meinen FĂŒĂŸen schleuderten zur Seite. An meinem Bike angekommen, schwang ich mich sofort drauf, beschleunigte meine lila metallic Freundin und raste sofort davon. Man konnte schon darĂŒber reden, dass ich um mein Leben fuhr. 


Irgendwann krieg ich ihn...