Sommersonne, Chlorträume und Badboys
Sand in der Badehose ist eine der nervigsten Erfindungen der Menschheit. Dicht gefolgt von Sonnencreme in den Augen - und Typen wie Alec.
Ich ließ mich auf mein Handtuch plumpsen, der feine, warme Sand des Seebads Lichtenau rieselte mir in die Kniekehlen. Das Wasser glitzerte friedlich in der Sonne, kleine Wellen plätscherten ans Ufer, Möwen kreischten irgendwo am Steg. Der Geruch von Sonnencreme und frittierten Pommes lag in der Luft - typischer Sommertag. Typisches Chaos. Typisch ich, mittendrin.
„Okay, Hailey. Sag mir bitte nicht, dass du wieder zu den Badboys rüberstarrst." Jess schob ihre Sonnenbrille hoch, als wollte sie mich durchleuchten.
„Ich starre nicht", sagte ich. „Ich beobachte. Wissenschaftlich."
„Klar. Und ich bin ein stilles, zurückhaltendes Mauerblümchen."
Ich verdrehte die Augen - und konnte trotzdem nicht anders, als einen verstohlenen Blick zur anderen Seite des Strands zu werfen. Dort, wo die Musik etwas lauter war, die Leute kühler wirkten, die Sonnenbrillen dunkler - und wo Jordan lag.
Jordan Becker. 1,89, Badboy-Aura, ständiger Schatten auf der Seele (wahrscheinlich) und der Grund, warum mein Herz regelmäßig die Choreografie eines TikTok-Tanzes hinlegte.
Er lag auf einem Handtuch im Sand, sonnte sich halb aufgestützt, schwarze Shorts, Kopfhörer drin, Sixpack draußen. Natürlich sah er nicht her. Natürlich war ich Luft. Heiße, nervöse, ängstlich-schwärmende Luft.
„Du hast diesen Blick", murmelte Jess. „Diesen 'Wenn ich nur einmal mit ihm reden könnte...'-Blick."
„Hör auf."
„Mach ich. Sobald du aufhörst, sabbernd zu fantasieren."
Ich wollte gerade kontern, als ein Schatten über unser Handtuch fiel. Und nein - nicht der romantische Jordan-auf-dem-Weg-zu-mir-Schatten. Sondern der „Oh bitte nicht"-Schatten.
„Na, Prinzessin."
Alec.
Ich atmete tief durch. Jess richtete sich auf. Ich blieb liegen - vielleicht würde ich mich im Sand auflösen.
„Was willst du, Alec?" fragte ich möglichst gleichgültig. Das hatte ich geübt. Leider hörte man trotzdem mein genervtes Zittern.
„Vielleicht endlich mal 'ne Entschuldigung. Weißt schon - dafür, dass du mich wie Müll behandelt hast."
Ich schnaubte leise. Alec hatte sich nie davon erholt, dass ich ihm im Frühjahr auf dem Pausenhof einen Korb gegeben hatte. Vor Publikum. Nicht mit Absicht. Ich war einfach ehrlich gewesen. Und er? Drama auf zwei Beinen.
„Ich hab dir nur gesagt, dass ich kein Interesse habe."
„Ja, genau - und das sagst du jetzt auch Jordan, oder? Ach warte - du traust dich ja nicht mal, ihn anzusehen, ohne rot zu werden."
Jess setzte sich kerzengerade auf. „Du hast da was am Kinn. Ich glaub, das ist dein Ego - es fällt dir runter."
Alec schnaufte verächtlich. Ich wollte gerade aufspringen, als plötzlich eine neue Stimme dazwischenfuhr.
„Alec. Chill. Geh."
Jordan.
Er war aufgestanden, stand nun ein paar Meter entfernt, den Blick auf Alec gerichtet, völlig ruhig - und irgendwie noch einschüchternder als vorher.
Alec zögerte. „War doch nur Spaß."
„Sah nicht so aus", meinte Jordan und schob sich die Sonnenbrille ins Haar.
Alec verzog das Gesicht, murmelte etwas und ging. Jess sah mich mit hochgezogenen Brauen an. Ich... war einfach nur froh, dass ich atmen konnte.
Jordan sah mich einen Moment lang an - richtig an - dann sagte er nur: „Er ist manchmal ein Idiot. Tut mir leid."
Bevor ich antworten konnte, war er schon wieder bei seiner Clique.
„Okay", sagte Jess langsam. „Ich geb dir genau fünf Sekunden, bevor ich durchdreh - Jordan hat dich gerade gerettet. Wie aus 'nem Buch. Wie aus deinem Kopf."
Ich grinste. Und obwohl ich es niemals zugeben würde...
Vielleicht hatte sie recht.








