Prolog: Erben und Allianzen
Der Whiskey brannte wie das Höllenfeuer in Adrians Kehle, und trotzdem schenkte er sich noch einen ein.
Maxwell hob eine Augenbraue. „Hast du es verlernt, langsam zu trinken?“
Adrian lehnte sich in der Lederkabine zurück und ließ das Glas zwischen seinen Fingern kreisen. „Ich trinke langsam, wenn mich ein Scheiß interessiert.“
Maxwell schnaubte und stieß mit seinem Glas gegen Victors. Ihr Vater wirkte viel zu entspannt für die Neuigkeiten, die er gleich auspacken würde.
„Ihr beide tut so, als wäre das hier ein nettes Treffen“, murmelte Adrian. „Was ist es wirklich?“
Victor Blackwood sprach nicht sofort. Er lehnte sich einfach zurück, die Hände gefaltet, und beobachtete seine beiden Söhne wie ein Mann, der seinen Zug bereits gemacht hatte und nur noch darauf wartete, zu sehen, wie die Dinge liefen.
Maxwell war es, der das Schweigen brach.
„Na los, kleiner Bruder. Versuch, dich nicht an deinem Drink zu verschlucken, ja?“, grinste er. „Du heiratest.“
Adrian blinzelte. „Zum Teufel tue ich das.“
Victors Stimme war ruhig und präzise. „Du bist neunundzwanzig, Adrian. Es ist an der Zeit.“
„Ich leite die Hälfte deiner Operationen. Ich brauche keine Ehefrau. Ich brauche weniger Bullshit.“
Victor hob eine Braue. „Du brauchst Stabilität. Jemand, der deine Rücksichtslosigkeit zügelt.“
Maxwell kicherte. „Übersetzung: jemand, der dich festbindet und dich davon abhält, mit deinen Stimmungsschwankungen unsere Allianzen in die Luft zu jagen.“
Adrian verzog das Gesicht. „Ich habe kein Interesse daran, mit irgendeiner Mafia-Prinzessin heile Welt zu spielen, die mich an die Leine legen will.“
Maxwell zuckte mit den Schultern. „Es ist nicht das Ende der Welt, weißt du. Paloma und ich sind verheiratet und wir vögeln immer noch wie die Karnickel.“
„Danke für das Kopfkino.“
„Ich sage nur – Heirat bringt dich nicht um. Sie macht dich vielleicht sogar ein bisschen weniger zu einem kalten Bastard.“
Adrian trank den Rest seines Whiskeys aus. „Wenn ich einen Babysitter wollte, würde ich einen anheuern.“
Victor beugte sich schließlich vor und faltete die Hände. „Du musst dich nicht mit weniger zufriedengeben. Ich habe eine Vorauswahl getroffen. Töchter mächtiger Familien. Gut erzogen, gehorsam, wunderschön.“
„Jesus Christus“, murmelte Adrian.
Victor ignorierte ihn und zog ein gefaltetes Blatt aus seiner Innentasche, als wäre es eine verdammte Regierungsakte. Er schob es über den Tisch.
Maxwell pfiff leise. „Du hast tatsächlich eine verdammte Liste gemacht?“
Victors Augen blitzten auf. „Ich bin ein praktischer Mann.“
Adrian nahm die Liste mit einem Seufzer auf und ließ seine Augen über die Namen gleiten wie ein Auftragsmörder, der einen Katalog von Zielen durchsieht.
Name: Gianna Russo
Alter: 25
Polierte und ruhige Persönlichkeit
Flexibel/ anpassungsfähig
In einem Kloster aufgewachsen
Victor lehnte sich zurück und schwenkte sein Getränk.
„Gianna Russo – fünfundzwanzig, poliert und ruhig wie eine Statue. Man sagt, sie biegt sich wie Schilf im Sturm, aber lass dich von dieser Sanftheit nicht täuschen. Im Kloster aufgewachsen, ja, aber ihr Vater hält sie verdammt kurz. Er kann es kaum erwarten, sie schnell zu verheiraten, bevor ihre Neugier ihren Ruf ruiniert.“
Name: Nicolette Vanzetti
Alter: 28
Messerscharfer Intellekt mit einer rücksichtslosen Ader
Besitzt zwei prestigeträchtige Abschlüsse
Spricht fließend vier Sprachen
Bekannt dafür, Gegner mit kalter Präzision zu demontieren
Lässt selbst die härtesten Männer erschüttert und besiegt zurück
Victor nahm einen langsamen Schluck von seinem Getränk und kniff die Augen zusammen.
„Nicolette Vanzetti – achtundzwanzig, scharf wie ein Rasiermesser und doppelt so rücksichtslos. Sie hat zwei Abschlüsse, spricht vier Sprachen und versteht es, Männer so lange fertigzumachen, bis sie um Gnade winseln. Sie spielt nicht nur das Spiel; sie schreibt die Regeln neu – und lässt sich für das Vergnügen eine saftige Servicegebühr bezahlen.“
Maxwell stieß ein leises Pfeifen aus und grinste.
„Wir nennen sie ‚Adrian im Kleid‘, und glaub mir, das ist kein Kompliment, das du hören willst.“
Adrian grinste trotz sich selbst. „Auf keinen Fall.“
Name: Alessia Romano
Alter: 26
Oberflächlich perfekt
Polierte Manieren und tadellose Etikette
Dazu trainiert, auf Befehl zu lächeln und zu knicksen
Expertin darin, still und unsichtbar zu bleiben
Völlig ungefährlich, absolut vergessenswert
„Alessia Romano – sechsundzwanzig, nur polierter Charme und leere Versprechungen. Dazu trainiert, zu lächeln, zu knicksen und verdammt noch mal die Klappe zu halten. Sie wird dich nicht herausfordern, aber sie wird keine Rolle spielen, wenn das echte Spiel beginnt.“
Adrian verdrehte die Augen. „Klingt wie eine Schaufensterpuppe mit Puls.“
Und dann – blieben seine Augen hängen.
Name: Elina Castellano
Alter: 22
Spricht leise und ist vorsichtig
Behütet, aber insgeheim neugierig
Hat Sozialpädagogik studiert, idealistisch im Herzen. Poliert genug, um Erwartungen zu erfüllen, aber unterschwellig trotzig. Bewegt sich auf dem schmalen Grat zwischen Gehorsam und Rebellion. Gilt als die „perfekte“ Mafia-Tochter.
Victors Augen huschten zu Adrian und zogen seine Aufmerksamkeit auf sich.
„Das ist die Jüngste – zweiundzwanzig. Antonio Castellanos einzige Tochter. Hat ausgerechnet Sozialpädagogik studiert.“
Adrian schnaubte. „Diese Familie züchtet Kontrollfreaks. Ich habe schon genug davon, die mir im Nacken sitzen.“
Victor zuckte mit den Schultern. „Sie ist anders. Spricht leise, behütet, aber scharf. Ihre Familie ist verzweifelt darauf bedacht, sie unter die Haube zu bringen, bevor sie anfängt, Ärger zu machen.“
Maxwell grinste. „Eine kleine Rebellin, was?“
Victor nickte langsam. „Vielleicht. Aber sie ist vorsichtig. Überschreitet die Linie noch nicht allzu sehr. Noch sauber – Castellanos Tochter, aber noch nicht verdorben.“
Adrian atmete aus, faltete die Liste in der Mitte und steckte sie in seinen Mantel.
„Ich verspreche gar nichts“, murmelte er. „Ich werde sie treffen. Das ist alles.“
Victor hob sein Glas. „Mehr verlange ich nicht.“
Maxwell kicherte. „Genieß das Buffet, kleiner Bruder. Vermassel es bloß nicht.“
Adrian leerte sein Glas erneut und lehnte sich zurück, während sich das Bild eines geheimnisvollen Mädchens mit Feuer im Blut bereits in seinen Hinterkopf schlich.
Er glaubte nicht an das Schicksal.
Aber wenn sie nur annähernd so war, wie Victor andeutete…
Könnte sie der einzige Sturm sein, dem er sich schließlich stellen müsste.
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