Prolog
Vertrauen ist wie ein unsichtbares Band zwischen Menschen. Man sieht es nicht, man kann es nicht festhalten, aber man spürt, wenn es da ist. Und man spürt es noch stärker, wenn es zu reißen droht. Ich habe lange geglaubt, Vertrauen sei etwas Selbstverständliches. Etwas, das einfach da ist, wenn man es braucht. Heute weiß ich, dass es Mut braucht. Mut, sich zu öffnen. Mut,jemanden näher an sich heranzulassen, obwohl man weiß, wie leicht Nähe wehtun kann.
Ich heiße Clarissa Isabella Carter. Die meisten nennen mich Bee. Nur meine Mom nennt mich Clarabella so wie früher, als alles noch einfacher war und die Welt nicht voller Fragen steckte. Ich bin siebzehn und gehe auf die Highschool. Es ist mein letztes Jahr. In ein paar Monaten werde ich achtzehn, und eigentlich sollte sich alles leicht anfühlen. Abschluss, Zukunftspläne, Erinnerungen sammeln.
Ein Jahr, das vorbeizieht, ohne Spuren zu hinterlassen. So hatte ich es mir zumindest vorgestellt. Ich wusste nicht, dass man sich verändern kann, ohne es sofort zu merken.
Dass es manchmal nur einen Moment braucht, einen Blick, eine Begnung, um alles ins Wanken zu bringen. Ich dachte, Vertrauen bedeutet Sicherheit. Heute weiß ich, dass es ein Risiko ist. Dass man etwas von sich hergibt, ohne zu wissen, ob man es je zurückbekommt.
Vielleicht ist diese Geschichte meine Art, das zu verstehen. Vielleicht ist es meine Art, nicht wegzulaufen, wenn Gefühle kompliziert werden und Menschen Mauern um sich errichten. Denn ich wusste damals noch nicht, dass alles an einem einzigen Morgen beginnen würde. Dass ein einziger Blick reichen würde, um meine Welt aus der Balance zu bringen und mich auf einen Weg zu führen, von dem ich nicht wusste, ob er mich retten oder zerbrechen würde.








