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Circusboy

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Zusammenfassung

Jedes Jahr verschwindet der Cirque des Rêves für den Winter in Südfrankreich. Doch dieses Jahr ist alles anders, auf den Weg dorthin findet der Zirkus auf einer verlassenen Straße in Belgien einen angeschossenen jungen Mann. Er nennt sich Nero. Mehr verrät er nicht. Während die Artisten versuchen herauszufinden, wer er ist, wird schnell klar, dass Nero vor etwas weitaus Gefährlicherem flieht als vor den Menschen, die auf ihn geschossen haben. Je länger er beim Zirkus bleibt, desto mehr drohen längst begrabene Geheimnisse ans Licht zu kommen. Und während alle Antworten suchen, verliebt sich ausgerechnet Lucien, der lebensfrohe Star der Manege, in den einzigen Menschen, der ihn konsequent auf Abstand hält. Doch manche Vergangenheiten lassen sich nicht hinter sich lassen. Und manche Wahrheiten verändern alles.

Genre:
Lgbtq
Autor:
Luna Luis
Status:
vor 8 Stunden
Kapitel:
28
Rating
5.0 (1 Bewertung)
Altersfreigabe
18+

Prolog


Es gibt so viele tragische Geschichten von kaputten Menschen da draußen.

Manche sind so traurig, dass sie einen nicht mehr loslassen, wenn man sie hört, und man tagelang an das Schicksal dieser Menschen denkt.

Es gibt fast schon absurde Lebensgeschichten. Solche, die jeder sofort als erfunden abstempeln würde, wenn man sie in einem Film sehen würde.

Und dann gibt es noch die, die für Außenstehende gar nicht besonders tragisch wirken, für die Person selbst aber das Schlimmste ist, was passieren kann.

Ich maße mir also nicht an, dass mein Leben etwas Besonderes ist.

Ein klassisches Drama mit Happy End würde ich es nennen.

Ein Kind im Pflegesystem, weitergereicht von Familie zu Familie und mit sechzehn dann schließlich in einer Abmachung – natürlich absolut nicht legal – verkauft.

Klingt hart, ja, ich weiß.

Aber ich wurde von meinen Pflegeeltern an einen Zirkus verkauft. Das Beste, was mir passieren konnte.

Die Abmachung: Sie tun so, als wäre ich weggelaufen, und ich darf beim Zirkus bleiben.

Bei Fleur. Der fünfzigjährigen, liebevollen Frau, die mit ihren Mann Andre diesen Wanderzirkus für Leute wie mich gegründet hat.

Sie ist wie eine Mutter für mich. Nein, nicht nur für mich, für all die verlorenen Seelen hier mit traurigen Geschichten, die keiner hören will.

Sie sah mich und wusste, dass ich hierher gehöre, und ich bin ihr dankbar, dass sie mich damals angesprochen hat.

Ich schulde ihr und Andre alles.

Und jetzt, acht Jahre später, bin ich immer noch hier. Bei meiner Familie. Da, wo ich hingehöre.

Ich bin fleißig, helfe, wo ich kann, arbeite hart und habe zugegebenermaßen ein etwas zu großes Ego.

Ich bin glücklich.

Das können nur wenige von sich behaupten, oder?

Glücklich sein. Aber ich bin es tatsächlich.

Hier darf ich ich sein.

Ein überaus hübscher Seiltänzer, der sich nach seinen Auftritten kaum vor frustrierten Ehefrauen und viel zu freizügig gekleideten Teenagern retten kann.

Ernsthaft, die himmeln mich an.

Keine Ahnung, wer meine Eltern waren, aber gute Gene hatten sie.

Kennst du den Typen, dem einfach alle zu Füßen liegen? Der, der in Filmen der Captain des Footballteams ist? Der Blonde mit den blauen Augen, 1,85groß, braun gebrannt, muskulös und mit Sixpack?

Yep, das bin ich.

Ich könnte jede Frau mit einem Zwinkern in meinen Camper locken.

Blöd nur, dass ich schwul bin.

Auch etwas, das viele da draußen als tragisches Schicksal sehen.

Der arme schwule Waisenjunge, der als Nomade im Zirkus lebt.

Fast.

Denn ich bin nicht arm.

Ich bin kein Waise.

Und schwul zu sein stört mich nicht. Auch keinen anderen hier.

Wenn es dich stört, ist es dein Problem. Wie gesagt: großes Ego undso.

Das bin ich. Das ist mein Leben und meine Familie.

Ich liebe alles daran.

Ich liebe es, dass der Zirkus aus Leuten wie mir besteht.

Aus Menschen, die wild zusammengewürfelt aus aller Welt kommen, mit Schicksalen und Geschichten, die Bücher füllen könnten.

Wir haben einen Veteranen, der eindeutig traumatisiert von seinen Einsätzen ist.

Wir haben Zwillinge, die von ihren Eltern so sehr dazu gezwungen wurden, wie ein einzelner Mensch zu sein, dass sie fast ihre jeweilige Individualität verloren hätten.

Wir haben Fleur und Andre, die immer Kinder wollten, aber das Leben hat ihnen keine geschenkt.

Wir haben einen Messerwerfer, der nie über seine Vergangenheit spricht und jede Frage, die man ihm stellt, mit einer gehörigen Portion Sarkasmus beantwortet. Ach ja, und er flirtet, als bräuchte er das wie die Luft zum Atmen.

All diese Menschen sind hier, ziehen mit uns durchs Land, machen aus jeder Show ein unvergessliches Erlebnis und jeden Abend sitzen wir dann zusammen am Lagerfeuer und sind einfach glücklich. Das liebe ich am meisten. Das Knistern und die wärme des Feuers, meine Familie um mich und dieses Gefühl der zugehörigkeit das man hat.

Eine Einheit.

Eine Familie.

Naja.

Bis vor einer Woche.

Also, wir sind noch eine Familie, ja.

Aber da gibt es ein klitzekleines Ereignis in Form eines ausgehungerten, angeschossenen Jungen, der von uns im Straßengraben gefunden wurde, der für einiges an Diskussion sorgt.

Junge … pff. Ein Mann eigentlich.

Aber der Typ ist so dünn und klein, dass man ihn für zwölf halten könnte.

Er ist zweiundzwanzig Jahre alt, heißt Nero und will auf keinen Fall ins Krankenhaus.

Diese drei Infos hat er uns gegeben und dann hat er geschwiegen.

Und Fleur tat das, was sie immer tut. Sie nahm ihn mit.

Unser Veteran Mike versorgte seine Wunden und jetzt sitze ich seit einer Woche neben seinem Bett und wache über ihn.

Ich bin neugierig. Wie immer, wenn ein Neuer zu uns stößt. Ich will ihn kennen und seine Geschichte hören. Ich wette sie ist tragisch…

Denn niemanden verschlägt es einfach so zu uns. Zu uns finden nur Menschen, die uns brauchen. Das sagt Fleur immer.

Und das sagte sie auch, als Andre die Polizei rufen und den Jungen ins Krankenhaus bringen wollte.

Ja, die beiden streiten, seit er hier ist. Sie streiten oft aber in dieser Sache hier ist es besonders heftig.

Andre will keinen Ärger und jeder vernünftig denkende Mensch weiß,dass dieses schwarzhaarige kleine Bündel, das gerade vor mir im Bett schläft, Ärger bedeutet.

Fleur allerdings ist Fleur.

Sie ist Mutter durch und durch und wenn ihr Beschützerinstinkt ersteinmal geweckt ist, dann hast du verloren. Und genau deshalb bin ich hier.

Ich passe auf, dass der Kleine nichts anstellt. Obwohl das kaum möglich ist, so wie er zugerichtet wurde.

Ich sitze hier und glaube daran, dass irgendeine höhere Macht ihn zu uns brachte.

Weil er uns braucht.

Er braucht diesen Zusammenhalt, diese Einheit. Unsere Familie. Ansonsten hätten wir ihn nicht gefunden. Der Junge braucht Halt und eine Chance.

Und ich will ihm diese geben. Ich will ihm die gleiche Chance geben, die ich bekommen habe. Die gleiche, die jeder von uns bekam, als er ohne alles und am Ende seiner Kräfte diesem Zirkus beigetreten ist.

Ich bin glücklich.

Ich bin dankbar.

Und es ist endlich Zeit, dieses Glück jemandem zurückzugeben. Und anscheinend ist irgendeine höhere Macht, an die ich nicht glaube, der Meinung,dass ich sie ihm geben soll.

Nero.

Dem mageren Jungen mit der Schusswunde, den schwarzen Haaren und den grünen Augen.

Er verdient es.

Er verdient mich.

Er verdient uns.

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Gutes Schreiben

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Überzeugende Handlung

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Toller Charakter

2

Toller Charakter

Starker Dialog

2

Starker Dialog

author

Der Einstieg ist Dir sehr gut gelungen. Gefällt mir😘😘😘

2 Monate
3
author

Das erste Kapitel ist super gelungen. Toller Schreibstil und eine ungewöhnliche Familie. Bin gespannt auf die nächsten Kapitel 🫶

25 Tage
1

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