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Rider's Promise

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Zusammenfassung

Ein Versprechen. Ein ungelöster Todesfall. Und ein Geheimnis, das tief unter Montana begraben liegt. Seit dem mysteriösen Tod ihres Mannes kämpft Emma Carter allein um die Zukunft ihres kleinen Diners und ihres zehnjährigen Sohnes Ben. Als die Schulden überhandnehmen und ein skrupelloser Geldverleiher Anspruch auf ihr Grundstück erhebt, bleibt ihr nur noch ein letzter Ausweg: die Männer, die einst die engsten Freunde ihres verstorbenen Mannes waren. Für Jake Walker, Cowboy, Rancher und Mitglied der Iron Riders, ist die Bitte um Hilfe mehr als nur eine Gefälligkeit. Ryan Carter war einst sein bester Freund – und Jake hat nie an dessen angeblichen Unfall geglaubt. Als eine alte Holzkiste, vergessene Unterlagen und ein rätselhafter Hinweis aus der Vergangenheit auftauchen, beginnen Jake und seine Freunde nach Antworten zu suchen. Ihre Spur führt zu verborgenen Tunneln, geheimen Aufzeichnungen und einem Netz aus Lügen, das weit über die Grenzen der kleinen Stadt Red Creek hinausreicht. Während die Gefahr wächst und alte Feinde bereit sind, alles zu tun, um ihre Geheimnisse zu schützen, müssen Jake und Emma lernen, einander zu vertrauen. Doch manche Wahrheiten sind tödlich – und manche Versprechen verändern das Leben für immer. Ein atmosphärischer Roman voller Spannung, Loyalität, Romantik und Abenteuer – vor der beeindruckenden Kulisse Montanas, wo Staub, Pferde und Motorräder aufeinandertreffen und die Vergangenheit niemals wirklich ruht.

Status:
Abgeschlossen
Kapitel:
15
Rating
5.0 (1 Bewertung)
Altersfreigabe
13+

Zwei Welten

Der Morgen begann wie fast jeder Morgen in Montana.

Die ersten Sonnenstrahlen schoben sich über die Gipfel der Crazy Mountains und tauchten die weiten Ebenen in goldenes Licht. Ein leichter Nebelschleier hing noch über den Weiden, während Tausende Tautropfen auf dem hohen Gras glitzerten.

Jake Walker saß bereits seit einer Stunde im Sattel.

Sein schwarzer Hengst Shadow bewegte sich ruhig über das hügelige Land der Red Creek Ranch. Vor ihnen graste eine Herde Black-Angus-Rinder. Einige Kälber hatten sich etwas zu weit von der Gruppe entfernt und Jake lenkte seinen Hengst mit kaum sichtbaren Bewegungen wieder in ihre Richtung.

Er liebte diese Stunden. Keine Motoren. Keine Stimmen. Kein Lärm. Nur die Weite Montanas. Der Wind. Und die Tiere.

Mit seinen neununddreißig Jahren war Jake keiner der Cowboys mehr, die sich beweisen mussten. Die Rodeo-Wettbewerbe seiner Jugend lagen lange hinter ihm. Mehrere Narben an Schultern und Rippen erinnerten ihn täglich daran.

Heute war er einfach nur Rancher. Und damit zufrieden. Zumindest meistens.

Shadow schnaubte leise. Jake strich dem Hengst über den Hals.

„Du hast es besser als wir Menschen, alter Freund. Du musst dir keine Gedanken über Rechnungen, Ärger oder dumme Entscheidungen machen.”

Das Pferd zuckte mit den Ohren.

Jake grinste. „Ja, ich weiß. Du denkst wahrscheinlich dasselbe über mich.”

Sein Funkgerät knackte. „Walker, hörst du mich?”

„Laut und deutlich.”

„Zwei Kälber sind durch den Nordzaun geschlüpft.”

Jake verdrehte die Augen. „Natürlich sind sie das.”

„Könnte dein Glückstag werden.”

„Dann müsste ich erst einmal Glück haben.”

Ein Lachen erklang aus dem Lautsprecher. Jake steckte das Funkgerät wieder weg und ritt weiter.


Gegen Mittag war die Arbeit erledigt.

Die Sonne stand hoch am Himmel und die Hitze begann über dem staubigen Boden zu flimmern.

Jake fuhr seinen Pick-up nach Hause.

Seine Ranch war klein. Ein einfaches Holzhaus, ein Stall, eine Werkstatt und ein paar Hektar Land.

Mehr brauchte er nicht.

Als er die Scheune öffnete, stand dort seine zweite große Leidenschaft. Eine tiefschwarze Harley-Davidson. Blitzblank poliert. Chrom, Leder und Stahl.

Ein völliger Gegensatz zu Pferden und Cowboys.

Und doch gehörte beides zu seinem Leben.

Er wechselte den verschwitzten Arbeitshut gegen eine Baseballkappe und begann an der Maschine zu schrauben.

Samstags trafen sich die Iron Riders. Nicht weil sie mussten. Sondern weil sie Freunde waren. Brüder. Männer, die füreinander einstanden.

Egal ob auf einer Ranch, in einer Werkstatt oder auf der Straße.

Sein Blick fiel auf ein altes Foto an der Werkstattwand. Das Bild war bereits etwas verblasst. Drei Männer standen davor. Jake, Mason, und Ryan Carter.

Jake hielt kurz inne. Fünf Jahre. Fünf Jahre waren seit Ryans Tod vergangen. Offiziell war es ein Motorradunfall gewesen. Eine einsame Bergstraße. Eine Kurve. Zu hohe Geschwindigkeit. Ende der Geschichte.

So hatte es der Bericht der Polizei gesagt. Doch Jake hatte diese Geschichte nie geglaubt. Ryan war kein Anfänger gewesen. Er kannte jede Straße im Umkreis von hundert Meilen.

Außerdem hatte Jake kurz vor dem Unfall mit ihm gesprochen.

Ryan hatte nervös gewirkt. Abgelenkt. Besorgt. Er hatte immer wieder davon gesprochen, dass ihm etwas „komisch” vorkam.

Mehr hatte er nicht gesagt. Dann war er tot gewesen. Und alle Spuren verliefen im Sand. Jake nahm das Foto von der Wand.

„Irgendwann finde ich heraus, was passiert ist.”


Etwa fünf Meilen entfernt kämpfte Emma Carter ihren eigenen Kampf.

Der kleine Diner an der Hauptstraße von Red Creek war früher ein beliebter Treffpunkt gewesen. Heute kamen deutlich weniger Gäste. Die Wirtschaft im Ort hatte bessere Zeiten erlebt.

Emma stand hinter dem Tresen und rechnete zum dritten Mal dieselben Zahlen durch. Das Ergebnis blieb unverändert. Rot. Überall nur rote Zahlen. Die Stromrechnung. Die Lieferanten. Die Hypothek. Die Versicherung.

Sie schloss kurz die Augen. Vor fünf Jahren hatte sie geglaubt, sie würde es schaffen. Damals hatte sie zumindest noch Hoffnung gehabt. Doch Hoffnung bezahlte keine Rechnungen.

„Mom?” Emma blickte auf. Ben trat aus der Küche. Mit seinen zehn Jahren wurde er seinem Vater immer ähnlicher. Die gleichen dunklen Haare. Die gleichen blauen Augen. Manchmal tat das weh.

„Alles okay?”

Emma zwang sich zu einem Lächeln. „Natürlich.”

„Du lügst.”

„Seit wann bist du so schlau?”

„Seit ungefähr heute Morgen.”

Emma musste lachen. Zum ersten Mal an diesem Tag.

Ben setzte sich auf einen Hocker. „War wieder ein Brief dabei?”

Sie nickte. „Ja.”

„Von diesem Kane-Typen?”

Nun verschwand das Lächeln. „Darüber musst du dir keine Gedanken machen.”

„Mach ich aber.”

Emma strich ihm durchs Haar. „Das ist eine Erwachsenensache.”

Ben sah sie nachdenklich an. Dann stand er auf. „Dad hat immer gesagt, wenn jemand Hilfe braucht, soll man Freunde fragen.”

Emma schwieg. Denn genau das war das Problem. Sie hatte keine Ahnung, an wen sie sich überhaupt noch wenden konnte.


Zur gleichen Zeit beobachtete Victor Kane den Diner von der anderen Straßenseite. Er stand neben seinem schwarzen Geländewagen und lächelte. Ein kaltes Lächeln. Geduldig. Berechnend.

Er wusste genau, dass Emma kurz davor war aufzugeben. Und genau darauf wartete er. Fünf Jahre hatte niemand Fragen gestellt. Fünf Jahre hatte niemand genauer hingesehen.

Doch nun wurde es Zeit. Sehr bald würde ihm das Grundstück gehören. Das gesamte Grundstück. Und alles, was sich darunter verbarg.

Er blickte auf die alte Backsteinfassade des Diners. „Nur noch ein bisschen länger”, murmelte er. „Dann gehört ihr mir.”


Als die Abendsonne über Montana unterging, konnte niemand ahnen, dass sich zwei Leben bald unwiderruflich verändern würden.

Die eines Cowboys. Und die einer Witwe. Verbunden durch ein altes Versprechen. Durch den Tod eines Freundes.

Und durch ein Geheimnis, das seit fünf Jahren darauf wartete, endlich ans Licht zu kommen.

Denn irgendwo tief unter dem alten Diner lag nicht nur eine vergessene Goldmine. Dort war auch die Wahrheit begraben.

Und die Wahrheit hatte gerade begonnen, sich ihren Weg zurück an die Oberfläche zu bahnen.

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