Begegnungen
Es ist Freitag Abend. Das Licht schimmert seicht durch die abgehangenen Räume des Nachtclubs und die Musik fängt langsam an durch die massive Anlage zu dröhnen. Als der Boden anfängt zu vibrieren und langsam die Nacht zum Tag macht erwacht der Ort wider zum Leben.
Das „Howling“ ist einzigartig. Nicht, weil es etwas besonderes ist, sondern weil es die einzige Bar und der einzige verfluchte Nachtclub im Umkreis von mindestens 50 Km ist. Er liegt am Rande eines der größten Werwolfsgebiete unseres Kontinents. Die meisten Kunden sind daher eher außergewöhnlicher Natur.
Ich bin Valerie, halb Mensch, halb Wolf, aber vor allem das Mädchen für alles. An guten Tagen Manage ich die Bar, die Gäste, bin Türsteherin und sorge für gute Laune während Chris, mein Chef, zu tief in ins Glas geschaut hat.
Versteht mich nicht falsch. Ich liebe ihn und als er mich vor einigen Monaten fand war ich komplett am Boden. Man könnte sagen er hat mein Leben gerettet, aber er sollte weniger trinken.
Das „Howling“ ist sein Leben und seine einzige Liebe. Manchmal denke ich auch, es ist der einzige Ort an dem er sich mit anderen Menschen beschäftigt und . Er hat mir nicht nur einen Job gegeben sondern ein neues Zuhause geschenkt.
Als ich die schweren Kisten Whisky aus dem Keller trage, stürmt er mir bereits entgegen.
„Meine Güte Vall, sag doch was“, brüllt er mir durch die Musik bereits entgegen und reißt mir den Kasten aus den Armen. „Wofür? Ich bin doch nicht Krank Chris“. „Kümmere dich lieber um unsere VIP Lounge“ ruft er mir entgegen und nickt mit seinem Kopf in Richtung Sofaecke.
Meine Augen rollen unabsichtlich von links nach Rechts. Die Kunden in seiner neuen Lounge sind meine persönliche Hölle. Arrogant, geizig und furchtbar von sich selbst überzeugt. Trotzdem Folge ich seinem Wunsch und bewege meinen schlanken Körper durch die tanzenden Gäste. Die Luftfeuchtigkeit im Raum treibt mir bereits die Schweißperlen auf die Stirn und meine Haare kleben mir bereits im Nacken fest. Genau aus diesem Grund trage ich heute möglichst wenig. Es ist Spätsommer und der Raum ist stickig. Mein kurzes Top und meine Hotpants bringen dabei gar nichts, aber machen es zumindest nicht schlimmer.
Als ich endlich ankomme sehe ich Sie. Die Gäste der Lounge sind mir unbekannt. Das ist ungewöhnlich, da hier nicht viele neue Menschen oder Wolfe zutritt haben. Umringt von zwei anderen eindeutigen Wandlern sitzt er. Großschultrig, lange Haare, Lederjacke bei 36°C. Ich muss bei seinem Outfit fast etwas schmunzeln. Hier wurde eindeutig Optik vor Wetter gestellt. Seine durchdringenden Augen fixieren mich bereits. Er hat definitiv eine wichtige Position. An ihm strahlt alles „Mr. Wichtig“ aus.
„Hey guten Abend, ich bin Valerie eure Kellnerin. Was kann ich euch gutes tun?“ lächle ich freundlich. „Whisky dreimal“ sagt der grimmige Wolf in der Mitte und schaut mich dabei kaum an. „Gerne, dann bin ich sofort wider zurück“. Hektisch schlängle ich mich zurück zur Bar.
„Drei Whisky für den schlecht gelaunten Bad Boy in der VIP“, ich lehne mich über die Bar als ich Chris die Bestellung entgegen rufe. Sein Blick verdunkelt sich augenblicklich. „Vall so kannst du auf keinen Fall über ihn sprechen“. Selten habe ich ihn so blass gesehen. „Das ist unser Alpha“. Alpha Aiden Blackstone. Stark, düster und scheinbar kurz angebunden und etwas unfreundlich. „Sei freundlich und kein Augenrollen“ haucht mir Chris streng entgegen, als er den letzten Whisky auf das Tablett stellt.
Schon wenige Minuten später trete ich meinen Rückweg an und stelle den dreien ihr Getränk auf den Tisch. Die Menschen und Wölfe sind heute ausgelassen. Der Alkohol fließt in Massen, während das Licht eine nahezu hypnotisierende Wirkung auf mich hat. Auf der Tanzfläche spüre ich plötzlich Hände an mir, die definitiv weder mir gehören, noch eingeladen wurden dort zu sein. Vor mir ein mächtig angetrunkener Gast. Shawn ist bekannt. Er gehört zu den Schoßhunden und damit Kriegern des Rudels. Das bedeutet er soll eigentlich für die Sicherheit sorgen, aber in Wirklichkeit ist er meistens betrunken und belästigt gerne andere Wölfe. Es ist für die meisten hier nichts neues, aber bislang wurde ich von ihm meistens verschont.
„Hände von meinem Hintern!“ knurre ich ihn an. „Ach komm schön Maus, hab doch etwas spaß. Stell dich nicht so an“ lallt er mir entgegen und versucht mich enger an sich zu drücken. Mich überkommt der Ekel und ich kann nicht sagen woran es genau lag, der Geruch von Alkohol, dem Schweiß oder seine schmierigen Pfoten, aber irgendetwas bricht in mir bevor ich ihn über die Menge in Richtung Ausgang schleudere.
„Pass mal auf Mäuschen, kennst du den Begriff Hausverbot? Kennst du das Wort nein? Wenn nicht lernst du nun ein neues Wort vielleicht sogar gleich zwei“ spucke ich ihm regelrecht entgegen, als ich Ihn vor die Tür des Nachtclubs schiebe. Die Gäste störten sich daran kaum. Das sich Wolfe prügeln kommt hier häufiger vor, vorallem aber bei Shawn, doch trotzdem starrt mich ein paar dunkle Augen durch den Raum hinweg an. Sein Blick prickelt wie Sekt auf meiner Haut.
Ein leeres Glas wird bereits aus Richtung der VIP Area wie eine Trophäe in die Luft gehalten, als mein Blick seinen trifft. Etwas Atemlos durch die schwüle Luft im Club, komme ich am Tisch an. Der linke Begleiter flötet mir bereits entgegen „Hey schöne wir nehmen nochmal eine Runde. Ach was mach direkt zwei draus“
„Klar gerne, gleicher Whisky?“ alle drei nicken Synchron „Die Kollegin kümmert sich gleich darum“ sage ich beiläufig. Das Adrenalin des Moments jagt immernoch durch meine Adern und ich brauche etwas frische Luft. Auf dem Weg zurück schmeiße ich mein Tablett auf die Bar und gebe meine Bestellungen weiter und gehe in Richtung Personalraum und Lager.
Aiden lehnt bereits lässig an der Tür. „Alpha Aiden“ sage ich höflich,nicke ihm beiläufig zu, als ich hektisch an Ihm vorbei laufe.
„Das vorhin war beindruckend“ sagt er in Richtung meines Rückens. Seine tiefe Stimme jagt mit einen Schauer über den Körper. „Ich sehe selten Frauen, die plötzlich eine solche rohe Kraft aufbringen um einen anderen Wolf, wie ein Papierflieger über die Massen zu befördern“ ich lächle unwillkürlich. „Oh er kann also doch vernünftig Sprechen. Also wenn es euch stört, dann solltet ihr euren Leuten auch beibringen wie man mit Frauen umgeht.“ Die Worte sprudeln ungefiltert bereits durch meinen Mund bevor ich es richtig begreifen kann. Ein Gefährliches schiefes lächeln umspielt seine Lippen, als er auf mich zugeht. „Ich sagte ich bin beeindruckt. Nicht das es mich stört.“ Er streift meine Schulter als er in Richtung der Toiletten an mir vorbei geht.
Als mir die kühle Luft von draußen durch die Hintertür entgegen schlägt fühle ich mich erfrischter und ziehe den frischen Sauerstoff als hätte ich seit Jahren kaum atmen können. Eine Gestalt steht im Schatten. Als ich näher komme erkenne ich meinen ungebetenen Gast. Es ist Shawn. Rudelkrieger, dauernd betrunken, übertriffig, ein Ekel und meine sehr kurze, aber erfolgreiche Prügelei von eben. „Du wirst das bereuen, mich so gedemütigt zu haben“ flucht er mir entgegen. Schlagartig bewegt er sich auf mich zu. Seine Hand zu klauen verwandelt an meinem Hals und drückt mich gegen die Steinwand. „Glaubst du, du kannst das mit mir machen? Dachtest du das wirklich Außenseiterin?“. Überrascht durch den heftigen Aufschlag muss ich unweigerlich aufstöhnen. „Du machst einen gewaltigen Fehler Shawn“ presse ich durch seine Hand hinweg. „Einen Fehler? Schlampe pass mal auf mit wem du hier sprichst.“ Er ist sichtlich wütend, aber das macht ihn unvorsichtig. Als mein Knie ihn hart zwischen den Beinen trifft lässt er meinen Hals los. Ich ringe einen kurzen Moment nach Luft bis ich mich gesammelt habe, meine Wut kocht langsam über. Ein unangenehmes Brennen breitet sich auf meiner Haut aus als ich anfange gegen ihn zu Kämpfen. Als einige Boxschläge ihn treffen sackt er langsam in sich zusammen. Ich kann meine Kraft und Wut kaum kontrollieren und bin froh als ich unterbrochen werde. Zwei Männer stürmen an mir vorbei auf ihn zu und Packen ihn.
„Schafft ihn weg“ sagt eine mir nur allzu bekannte Stimme hinter mir. Alpha Aiden kommt langsam auf mich zu . Seine Augen wechseln wild von tierisch zu menschlich. Sanft nimmt er meine blutige Hand in seine großen Hände. „Du blutest“ – „Das ist nicht meins“ sage ich mit einer Mischung aus Scham und Stolz. „Darum sollte sich trotzdem jemand kümmern“ flüstert er regelrecht. Chris rennt bereits aus dem Hinterausgang zu mir. „Alpha, ich mach das sofort, oh Gott Vall, was hast du nur angestellt?“, „Beeindruckend gekämpft, wider einmal, aber wir übernehmen ab hier“, sagt Aiden und nickt beiläufig ein paar mal zu seinen Begleitern , welche seine Befehle sofort verstehen. „Chris, Valeria“ verabschiedet er sich und verschwindet aus unserer Reichweite.1








