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Calor - Wenn die Hitze ruft

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Zusammenfassung

Ryora darf niemand finden. Denn Calor gelten als ausgestorben — und eine lebende Calor wäre für viele Furor nichts weiter als ein begehrter Brutkasten. Also versteckt sie sich. Vor allem während ihrer Hitze, wenn ihr Duft selbst durch Salz und Meer kaum zu verbergen ist. Dann steht Zaglan vor ihrem Nest. Groß. Gefährlich. In Brunst. Ryora weiß, dass sie ihn fürchten sollte. Doch ausgerechnet dieser Furor lässt ihren Instinkt zum ersten Mal etwas fühlen, das gefährlicher ist als Verlangen. Sicherheit.

Genre:
Romance
Autor:
Dirnenqueen
Status:
In Arbeit
Kapitel:
1
Rating
n/a
Altersfreigabe
18+

Zaglan

Die roten Lichter des Armaturenbretts unseres Raumschiffs blinkten unaufhörlich. Ein warnendes Geräusch der Getriebe ertönte und als ich aus dem Fenster sah, stieg dichter Rauch auf.

Das war nicht gut.

Mein Blick wanderte zu meinen Gefährten, die sich alle irgendwo panisch festhielten, nachdem wir eine Sturzlandung vollzogen. Am Boden kugelte Werkzeug, Akten oder das angebissene Sandwich von Marlex herum.

,,Alles in Ordnung?", rief ich in die Runde und wie aufs Stichwort sprangen die Atemmasken von der Decke. Zu spät, meine Liebe.

Marlex erhob sich als Erster von seinem Sitz. ,,Erinnert mich daran, diesem Kerl nicht mehr hinters Steuer zu lassen." Er marschierte hinüber zum Armaturenbrett und betätigte mehrere Knöpfe, bis die Sirene aufhörte uns in den Ohren zu dröhnen.

,,Es hätte uns schlimmer treffen können."

Payton der noch immer an die Wand gedrückt war und seine Krallen in das Metal bohrte, sah mich mit funkelnden Augen an.

,,Ja." Er zog eine Hand aus dem Metal und zeigte anklagend auf mich. An der Stelle wo seine Krallen noch waren, waren nun Löcher.

,,Wir hätten sterben können!" Seine grünen Schuppen stellten sich auf und klapperten bedrohlich. Als Antwort fingen auch meine dunkelblauen an zu rasseln und mein Schweif peitschte in jede Richtung. Ein Knurren entkam meiner Kehle und ich umgriff das Steuer fester als beabsichtigt.

,,Forderst du mich heraus?"

Contus erhob sich von der Ecke des Raumes. Seine braunen schulterlangen Haare waren verwuschelt und einige Strähnen hingen ihm ins Gesicht. Sein roter Schweif zuckte nervös hinter ihm. ,,Wir beruhigen uns alle einmal." Meine Muskeln waren zum Zerreißen angespannt. War leichter gesagt als getan. Ich starrte in Paytons grünbraune Augen und ließ erst locker, als dieser wegsah. Gut.

Contus strich sich die Haare aus dem Gesicht, sah zu Marlex der weiterhin Hebel und Tasten betätigte. ,,Wie schlimm ist es?"

,,Nicht gut. Das Getriebe scheint hinüber zu sein.", knurrte er.

Er drehte sich zu uns um. ,,Aber das kann ich erst sagen, wenn ich es mir genauer angesehen habe."

Die Schiebetür hinter uns öffnete sich zischend und ein klatschnasser nur mit einem Handtuch bedeckter Tiron kam herein, gefolgt von Xerxys.

,,Verdammt, was zum Henker ist passiert?" Tiron fuchtelte wild mit seinen Armen um sich. Sein goldgelber Schwanz folgte ihm dabei. Xerxys hatte mühe dem auszuweichen, stellte sich jedoch etwas abseits von ihm. Verschränkte seine Arme und bedachte Tiron mit einem bösen Blick.

,,Zuerst war ich unter meiner schönen heißen Dusche und im nächsten Moment flog ich schon gegen VIER meiner Kästen!"

,,Zaglan ist geflogen.", sagte Payton nüchtern und richtete seine Kampfuniform zurecht. Meine Augen verengten sich und ich wollte schon ansetzen zu sprechen, als Tiron mich bereits unterbrach.

,,Was? Seit wann lassen wir ihn fliegen?"

Knurrend baute ich mich auf. ,,Ich bin euer Anführer! Also darf ich auch das Raumschiff benutzen!" Contus seufzte im Hintergrund und ohne das ich hinsehen musste, wusste ich dass er seine Stirn verzweifelt massierte. Tiron verschränkte seine Arme vor seiner nackten schuppigen Brust. ,,Ja. Dürfen und können sind jedoch zwei verdammt große Unterschiede."

,,Da hat er recht.", meldete sich Marlex wieder zu Wort.

,,Okay, tut mir leid!", resigniert schoss ich meine Arme in die Luft. ,,Ich habe den Jondra-Schwarm nicht gesehen!"

Marlex schnaubte, ging jedoch zur Schiebetür und verschwand. Payton schüttelte seinen Kopf und lachte freudlos. ,,Ist klar." Er zeigte zu dem Qualm der beim Fenster zu sehen war. ,,Ich bin mir ganz sicher, gehört zu haben: Oh, ein Jondra-Schwarm." Dabei verstellte er seine Stimme und ließ mich dümmlich klingen. ,,BEVOR wir aber hineingeflogen UND abgestürzt sind!"

,,Ich wusste es.", flüsterte Tiron und schüttelte mit zusammengekniffenen Augen den Kopf.

,,Es reicht jetzt." Contus knallte eine Werkzeugtasche auf eine Arbeitsfläche. ,,Sollte jemand verletzt sein, sollte er es jetzt sagen und ich schaue es mir an." Er wühlte in der Tasche und holte eine Zange heraus. ,,Und wenn nicht dann bitte ich darum, den Hintern zu bewegen und zu versuchen das Schiff wieder in den Gang zu bekommen."

,,Seit wann hast du denn das sagen?", merkte ich an.

Dieses Mal knallte er die Zange fest auf die Fläche. Doch ich zuckte nicht zusammen. Zeigte keine Schwäche. Im Gegenteil. Meine dunkelblauen Schuppen stellten sich bedrohlich auf und ließen ein Rasseln ertönen. Selbst die langen Schuppen meines Schwanzes stellten sich merklich auf. Formten sich zu einem Morgenstern. Contus zeigte ebenfalls seine biologischen Waffen. ,,Seitdem du mein Schiff ruiniert hast."

Schuldgefühle breiteten sich in mir aus und das Rascheln ließ etwas nach. Wäre ich dem Schwarm ausgewichen hätten wir das Problem nicht. Noch dazu kam, dass ich es mir nicht eingestehen wollte etwas falsch gemacht zu haben. Contus hatte so lange an dem Schiff gearbeitet und ich hatte es leichtfertig ruiniert.

,,Kann ich etwas tun?"

Er schüttelte den Kopf. ,,Geh zu deinem Gefährtenlator.", er zeigte zum Ausgang. ,,Du warst schon lange nicht mehr in der Brunst. In letzter Zeit bist du unwiderstehlich geworden."

Es ärgerte mich, dass man mir Befehle erteilte. Aber er hatte recht. Ich war seit kurzem wirklich schrecklich. Nur wollte ich mit keinem verdammten Roboter Sex haben. Wütend und enttäuscht von mir selbst ging ich durch die Schiebetür und direkt zur Luke. Draußen an der frischen Luft zog ich sie erstmal tief durch meine Lungen. Musste jedoch Husten, als ich aus versehen den Qualm einatmete. Langsam drehte ich mich herum zum Schiff und schluckte einmal kräftig. Scheiße. Wegen der Landung waren viele Stellen aufgerissen und kaputte hervorragende Kabeln setzten Blitzfunken frei. Daran werden wir Wochen sitzen. Dabei hatten wir gar keine Zeit. Wir haben eine Mission und die ging jetzt wegen mir den Bach unter. Marlex stand an einem der Löcher. Seine Arme waren verschränkt und sein dunkelvioletter Schweif bewegte sich nachdenklich im Tackt des Windes.

,,Ich habe ganz schöne Scheiße gebaut.", sagte ich und stellte mich neben ihn. Er sah mich nicht an.

,,Kannst du laut sagen."

,,Kann ich dir irgen-"

,,Nein."

Wieder fingen meine Schuppen an zu klappern. Marlex legte den Kopf in den Nacken und seufzte laut.

,,Vielleicht solltest du zu deinem Gefährtenlator. Du musst dringend in die Brunst. Dein Dominanzgehabe nervt."

Er war schon der Zweite der mir das sagte. Schnaubend drehte ich mich um und ging in die andere Richtung.

,,Wohin gehst du?", schrie mir Marlex zu.

Ich antwortete ihm nicht, denn sonst hätte ich mich umgedreht und ihm eine aufs Maul gegeben. Meine Augen verengten sich, als ich dem Gras entlang spazierte. Ich brauchte frischere Luft, vielleicht fand ich etwas um den anderen zu helfen und danach musste ich wahrscheinlich wirklich zu diesem beschissenen Roboter und in diese Drecksbrunst fallen.

In der Nähe befand sich das Meer. Man konnte die Wellen schlagen hören. Der Geruch von Meersalz, Algen und etwas furchtbar süßem konnte ich erschnüffeln. Ohne lange zu überlegen machte ich mich in diese Richtung. Warum? Keine Ahnung. Ich bin mir sicher wir brauchten eine Energiequelle, wenn alles repariert war. Oder zumindest Algensnacks.

Der Weg führte mich zu einer Schotter Abzweigung. Während ich dem lang ging wurde der Geruch des Meeres stärker. Aber auch dieser süße Duft war deutlich präsenter. Mir lief das Wasser im Mund zusammen und ohne dass ich es wollte bewegten sich meine Schuppen wellenartig. Zuerst meinen Armen rauf, dann meinen Rücken und wieder meinen Beinen hinunter. Selbst mein Schweif zuckte ungeduldig.

Ich blieb mitten auf dem Schotter stehen. Merkwürdig. Wieso verhielt ich mich so?

Eigentlich wollte ich wieder umkehren, denn mein Verhalten war mir wahrlich nicht mehr geheuer. Doch irgendwas zog mich zur Küste und meine Beine bewegten sich wie ganz von alleine. Ein Brummen vibrierte in meiner Brust, während der süße Duft immer stärker in meine Nase drang. Ich schloss genießerisch meine Augen.

Verdammt riecht das gut. Das riecht fast wie...

Nein. Konnte das sein? Ein Gefährtenlator? Nein. Warum sollte einer hier im nirgendwo sein? Aber was sollte es sonst sein? Was anderes konnte mich nicht in die Brunst versetzen. Kein Furor konnte solche Reaktionen besitzen, außer es war dieser beschissene Roboter oder....

Eine Calor. Ein Weibchen. Nein. Die sind längst ausgestorben.

Doch umso näher ich dem Geruch kam, umso weniger fühlte es sich nach dieser Maschine an. Es roch viel frischer. Viel lebendiger. Es roch natürlich, nicht künstlich.

Die Kieselsteine knisterten unter meinen Sohlen und ich bemerkte gar nicht, dass ich meine Schritte bereits beschleunigt hatte.

Ich muss dort hin. Bevor ein anderes Männchen kommt.

Wie benommen schüttelte ich meinen Kopf. Was? Doch bevor ich mehr darüber nachdenken konnte, hielten meine Beine vor einer Höhle der Küste an.

Mein Herz trommelte, gefolgt von einem wilden schlagen meines Schweifes.

Meine Schuppen bewegten sich schneller in einem rhythmischen Takt und ein lautes Brummen entkam mir. Nicht zu vergessen, die pure Erregung die durch mein Blut schoss und direkt meinen Schwanz vollpumpte.

Ich wollte schon einen Fuß in die Höhle setzten, als ein knurrendes Fauchen zu hören war und mich zwei satt grüne Augen mit schlitzgeformten Pupillen, in meine eisblauen starrten.

,,Calor.", brummte ich verführerisch.

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