1. Kapitel / Leonie
Das Schuljahr neigt sich dem Ende zu und Leonie würde sich freuen, wenn die letzten zwei Wochen ruhig verlaufen würden. Alle Klassenarbeiten sind geschrieben und weil sie im vorletzten Schuljahr ist, steht die Abschlussfahrt für ihren Jahrgang an. Sie sind eine der ersten Klassen bei denen die Abschlussfahrt vor dem Abschluss stattfindet. Irgendjemand im Schulministerium fand das es eine tolle Idee ist, damit sich die Schülerinnen im letzten Schuljahr ganz auf die Prüfungen konzentrieren können.
Die meisten aus ihrer Klasse freuen sich auf die Abschlussfahrten, nur Leonie hat keine Lust darauf. Sie ist eigentlich eine Außenseiterin und hat in der Schule keine wirklichen Freunde. Zu ihrem Glück hat sie in der Schule aber auch keine wirklichen Feinde. Es gab zwar zu Beginn des Schuljahres mal einen Vorfall mit einer Mitschülerin, aber das ist schnell wieder unter gegangen. Außerdem war sie zum Abschreiben gut genug (ihre Noten sind immer zwischen 1ern und 2ern). Ansonsten hat sich aber niemand für sie interessiert. Ihre langen roten Haare tragen nicht unbedingt dazu bei, dass ihre Beliebtheit steigt. Aber wenigstens nennt sie niemand ein Streichholz, so wie sie immer in der Grundschule genannt wurde. Das war aber vorbei als ihre Mutter Martha zu Beginn des Gymnasiums in die Stadt gezogen ist, nachdem sie sich von Leonies Vater Andre getrennt hat.
Als die Schulglocke das Ende der letzten Stunde verkündet, sind alle schnell auf den Beinen um das Klassenzimmer und die Schule zu verlassen. „Denkt daran dass wir am Montag in die Abschlussfahrt nach Frankreich starten.“ sagt ihre Lehrerin Frau Wagner. Ein Raunen geht durch die Klasse, weil die meisten keine Lust darauf haben. Das Programm für die Abschlussfahrt ist voll mit Kultur und Kunst, die meisten der Schulter hatten aber nur Party und schlafen im Kopf.
Leonie steht auf und wird dabei von den anderen Schülerinnen nicht wahrgenommen. Sie läuft an ein paar ihrer Mitschülerinnen vorbei, direkt zum Ausgang des Klassenzimmers. Als sie kurz vor dem Ausgang ist, rempelt sie mit einer anderen Person zusammen. „Pass doch auf.“ sagt Kim aufgeregt und funkelt Leonie an. Die weicht dem Blick aus, in dem sie auf den Boden sieht. „Entschuldigung.“ flüstert sie. Kim sieht sie nur kurz an und wird von ihrer Freundin Vanessa abgelenkt. „Kommst du Kim?“ „Wir wollten doch noch in den H&M gehen.“ „Wir brauchen noch Klamotten für den Ausflug.“ sagt Vanessa. „Komme.“ sagt Kim und Leonie sieht erleichtert nach oben. Doch Leonie bemerkt wie Kim immer noch zu ihr blickt und ihre Augen starren in Richtung Leonie. Oh fuck jetzt bin ich auf der Abschussliste denkt sich Leonie.
Nicht schon wieder. Ich bin letztes Jahr schon mit ihr zusammen gerasselt beziehungsweise ihrer Freundin Vanessa. Leonie hatte bei der Mittagspause eine Colaflasche geöffnet die unter zu viel Druck stand. Als sie die Flasche beim Öffnen neben sich hält, spritzt die Cola aus der Flasche und trifft Vanessas weiße Hose. Die flippt aus und beschuldigt Leonie alles absichtlich gemacht zu haben. Leonie antwortet nichts und Kim kann Vanessa nach wenigen Minuten beruhigen. Das war ihre einzige Interaktion und sie haben nie wieder mit einander gesprochen. Darüber war Leonie glücklich, aber nach dem damaligen Zwischenfall waren alle Chancen auf Interaktion mit den anderen Schülerinnen vorbei. Niemand spricht mit ihr, egal ob in der Klasse, bei Gruppenarbeiten oder in der Pause. Nur beim Thema Hausaufgaben wir d sie um Unterstützung gebeten beziehungsweise mit in die Lage der anderen hineingezogen.
Nach 5 Stationen mit dem Bus und 10 Minuten laufen erreicht Leonie die Wohnung die sie mit ihrer Mutter bewohnt. „Hallo Leonie.“ hört sie als sie die Tür öffnet. „Hallo.“ sagt Leonie und geht in Richtung ihres Zimmers. Sie wollte nicht mit ihrer Mutter reden, aber sie steht im Flur bevor Leonie ihre Zimmer erreicht. „Am Montag ist doch euer Schulausflug.“ sagt ihre Mutter Martha. „Ja deswegen.“ „Kann ich hierbleiben?“ fragt Leonie. „Warum?“ „Ich hatte so viel Spaß mit meinen Klassenkameradinnen.“ sagt Martha. „Aber ich habe keine Freunde.“ „Das wird ultra nervig.“ sagt Leonie und atmet hörbar aus.„Ach stell dich nicht so an.“ „Vielleicht findest du noch Freunde.“ sagt ihre Mutter und Leonie atmet genervt aus.
Am nächsten Tag ist Freitag und der letzte Schultag der Woche. Leonie hat bis Mittag Schule und bemerkt den Blick von Kim als sie das Schulgebäude betritt. Leonie blickt auf den Boden und spürt weiterhin den Blick von Kim. Sie geht trotzdem weiter ins Klassenzimmer. Als sie alleine im Klassenzimmer sitzt, taucht wenig später Kim auf. Sie betritt zusammen mit ihrer Freundin Vanessa das Klassenzimmer. „Die Jungs werden sich die Augen rausglotzen, wenn du den Bikini am Meer an hast.“ sagt Vanessa. „Ja ich freue mich schon auf die Ferien.“ „Wobei ich nur auf Karim achte.“ sagt Kim lächelnd.
Kim ist seit einem halben Jahr mit Karim aus der Parallelklasse zusammen. Er gilt als einer der best aussehenden in ihrer Altersstufe und ist daher bei allen begehrt. Aber da Kim eine der hübschesten Mädchen in ihrer Altersstufe ist, war es völlig normal dass sie zusammen gekommen sind. Beide gelten jetzt als das Traumpaar ihres Jahrgangs. Leonie war in Gedanken versunken und hat Kim und Vanessa angestarrt. „Gibt es was Streichholz?“ fragt Vanessa und lässt Leonie auf ihren Tisch blicken. „Richtig so Streichholz.“ „Das bekommt man vom Starren.“ sagt Vanessa bestimmend. Vanessa ist dafür bekannt einzelne Mitschülerinnen zu mobben und Leonie hatte es die letzten Monate immer geschafft nicht mehr auf ihrem Radar zu sein. Na toll denkt sich Leonie. Sie blickt noch einmal auf als weitere Schüler das Klassenzimmer betreten und sieht wie Kim weg sieht.








