Vorwort & Widmung
Vorwort
Es gibt einen Satz, den wir Menschen sagen, wenn wir nicht wissen, wohin mit ihrem Schmerz:
Was dich nicht umbringt, macht dich stärker.
Aber was, wenn es mich müde macht? Wenn es mir den Schlaf nimmt, meine Leichtigkeit, dieses selbstverständliche Vertrauen darauf, dass morgen etwas Gutes wartet?
Was, wenn ich weiterlebe und mich trotzdem kaum noch wiedererkenne?
Dieser Text erzählt von einer jungen Frau, die für andere da sein möchte, während sie selbst kaum noch Halt findet. Von einem Verlust, der ihrem Freund den Boden unter den Füssen nimmt. Von der Angst um Menschen, die sie liebt. Und von den Nächten, in denen niemand bemerkt, wie viel Kraft es sie kostet, den nächsten Morgen zu erreichen.
Er erzählt auch von Liebe. Von zwei Menschen, die einander brauchen und gerade nicht wissen, wie sie sich erreichen können.
Inhaltshinweis: Die folgenden Kapitel behandeln Tod und Trauer, schwere Erkrankungen im familiären Umfeld, emotionale Überforderung, Einsamkeit und Albträume. Entscheide in deinem eigenen Tempo, ob du weiterlesen möchtest. Am Ende findest du einen behutsamen Abschluss und Hilfsangebote.
Du musst diesen Text nicht zu Ende lesen, um irgendetwas zu beweisen.
Widmung
Für alle, die gelernt haben, zuerst zu fragen:
Wie geht es dir?
Und auf dieselbe Frage mit gut antworten, weil die Wahrheit zu viel Platz einnehmen könnte.
Für diejenigen, die nachts Telefonnummern für andere heraussuchen und nicht auf den Gedanken kommen, selbst anzurufen.
Für alle, deren Stärke so selbstverständlich geworden ist, dass niemand mehr fragt, wie schwer sie sich heute tragen lässt.
Und für dich, wenn du jemanden liebst, dem du seinen Schmerz nicht abnehmen kannst.
Du darfst an seiner Seite stehen.
Du darfst dabei auch eine Hand brauchen, die deine hält.
Für R.
Ich hätte dir gewünscht, dass wir diese Worte niemals brauchen.
Dass dein Vater noch da wäre. Dass du deine Mutter in den Arm nehmen könntest, ohne selbst einen Halt verloren zu haben. Dass ich dir begegnen könnte mit mehr Kraft, als ich gerade in mir finde.
Ich kann dir deinen Schmerz nicht abnehmen. Manchmal weiss ich nicht einmal, welche Worte dich erreichen. Aber ich liebe dich — auch in den Stunden, in denen wir beide still werden und einander schwerer finden.
Wenn ich von meiner Einsamkeit erzähle, möchte ich dir damit zeigen, was ich bisher verschwiegen habe. Du sollst wissen dürfen, wie es mir geht, so wie ich wissen möchte, wie es dir wirklich geht.
Ich wünsche mir deine Nähe. Und ich verstehe, dass du sie gerade auch deiner Mutter schenken möchtest. Beides lebt in mir, manchmal schmerzhaft dicht nebeneinander.
Du musst für mich nicht so tun, als wärst du stark.
Ich möchte lernen, das bei dir auch nicht mehr tun zu müssen.
Ich weiss nicht, wie wir durch diese Zeit kommen. Aber ich wünsche mir, dass wir ehrlich miteinander bleiben und uns Hilfe holen dürfen, wenn unsere eigene Kraft nicht reicht.
Ich liebe dich. Und ich hoffe, dass wir einen Weg finden, auf dem keiner von uns allein bleiben muss.









Sehr eindrücklich.