Kapitel 1
Gemütlich stapfte ich durch die Reihen der Supermarktregale. Wachsam suchte ich nach den gelben Schildchen, die mir verraten würden, ob das Produkt im Angebot war. Sicher war ich nicht gezwungen, günstig einzukaufen, aber ich wollte mir immer ein finanzielles Polster erhalten, weshalb ich immer auf Schnäppchenjagd ging. Ich griff nach den Nudeln und legte diese zu den anderen Sachen.
Zu dieser Zeit war wenig los, deshalb genoss ich es auch immer, einkaufen zu gehen. Diese Ruhe brauchte ich nach einem stressigen Arbeitstag. Mir klingelten immer noch die Ohren von den Schreien einer alten Dame, die bei dem heißen Wetter dehydriert war und dadurch in ein Delir geraten war. In ihrem Wahn hatte sie gedacht, dass sich Franzosen in ihrem Keller versteckt hatten und wir sie jetzt zu diesen bringen würden.
Ich schüttelte den Kopf. Aus solchen Gründen arbeitete ich nicht in der Psychiatrie. Aber jetzt hatte ich genug über die Arbeit nachgedacht, Zeit, um meine Schnäppchenjagd weiterzuführen. Ich fuhr mir durch die langen Haare. Halb auf dem Einkaufswagen liegend, schob ich mich weiter.
Eine Mutter mit Kind auf dem Arm kam mir entgegen. Sie hatte einen genervten Gesichtsausdruck und schien mit dem kleinen Jungen zu diskutieren. Dieser schien von ihren Worten nicht beeindruckt und guckte sie mit fast dem gleichen Gesichtsausdruck an. Ich musste innerlich schmunzeln. Es erinnerte mich an mich, als ich noch klein war. Ich war ebenfalls so bockig und stur. Meiner Mutter hatte ich genauso die Nerven geraubt. Es war schon Wochen her, dass ich sie zuletzt gesehen hatte. Ich musste sie unbedingt besuchen, bevor sie anfing, sich bei meinen Schwestern wegen meiner Abwesenheit auszuweinen. Wenn das passieren würde, dann würden meine Mutter und meine Schwestern gemeinsam beschließen, mich zu besuchen, und ich konnte mir durchaus Schöneres vorstellen, als ein ganzes Wochenende diese ganze Horde zu bewirten. Von den Fragen ganz abgesehen. >Wann werd ich dann endlich meinen Schwiegersohn kennenlernen?<, >Wann kommen meine Enkel?<, >Wenn du nicht immer so grimmig schauen würdest, dann würdest du auch einen abbekommen.<
Ja, darauf konnte ich verzichten. Jedes Mal hielten sie mir mein Leben vor, dabei war es doch MEIN Leben. Ich wollte einfach keine großen Dinge drehen. Keine großen Reisen machen, keine riesigen beruflichen Sprünge, und ich brauchte definitiv gerade keinen Mann, der mich mit seinen Problemen zuheulte, wie der Letzte. Zwar war ich mit ihm schon seit drei Jahren getrennt, aber dieses nervige Gejammer hatte mich für die nächsten Jahrzehnte von Männern abgeschreckt.
Also, damit ich diese nervigen Fragen mir nur ein paar Stunden anhören wollte und keine zwei Tage, sollte ich mich auf den Weg zu meinen Eltern machen. Im Kopf ging ich meinen Dienstplan durch. Vielleicht nächstes Wochenende? Wenn ich am Freitag nach dem Dienst fahren würde, könnte ich am Sonntag zur Spätschicht zurück sein. Jap, das war ein guter Plan. Ich ging zur Kasse, bezahlte, lud alles ins Auto und fuhr los mit meinem Kleinwagen.
Es dämmerte bereits und es würde wahrscheinlich, bevor ich daheim ankam, dunkel sein. Auf der Straße war nichts los. Auf dem Land war es sowieso immer ruhig. Ich fuhr vorbei an den Wiesen und Äckern meiner vertrauten Heimat. Es war eine wunderschöne Gegend und ich liebte diese ländliche Aussicht. Gerade jetzt im orangenen Licht der untergehenden Sonne war es fast atemberaubend. Es verschaffte mir ein wohliges Gefühl und ließ mich alle Anstrengungen der Tage vergessen.
Gerade fuhr ich den kleinen Hügel hinauf. Hinter diesem würde ich in das Dorf kommen, in dem ich eine kleine Wohnung hatte.
Wenn ich bei meinen Eltern war, konnte ich auch meine alten Freundinnen besuchen. Ja, das würde ich machen, beschloss ich. Zu lange hatte ich sie nicht gesehen. Sicher hatten wir wieder viel zu erzählen. Innerlich musste ich schmunzeln, wenn ich daran dachte, wie wir lästernd zusammen saßen. Wir sollten brunchen gehen in diesem kleinen Café. Schon öfters saßen wir dort früher zusammen und haben gelacht. Wie hieß es denn noch gleich? Zum Bahnhof? Irgendwas mit Zügen? Zugstation? Nein, nicht ganz.
Ich war gerade kurz davor, die Spitze des Hügels zu erreichen. Ah, jetzt wusste ich es wieder.
Das Café hieß Endstation.
Zur Endstation. In diesem Moment sah ich Lichtkegel hinter dem Hügel auf mich zukommen. Mein Herz setzte einen Schlag aus. Voller Schock drückte ich die Bremsen durch. Ich merkte die Anspannung durch meinen Körper ziehen. Mein Kopf war wie leergefegt. Die Reifen quietschten und dann war alles weg. Das Licht, der Lärm, die Anspannung meiner Muskeln, die mich krampfhaft das Lenkrad festhalten ließen. Ja, plötzlich war alles weg. Mein letzter Gedanke war, dass ich jetzt an der Endstation war. Jetzt ist alles vorbei.








