Kapitel 1

Vor den fünf Jugendlichen stand ein Fahrzeug in Flammen. Taehan zog eine Zigarette aus seiner Hosentasche und hielt sie an das Feuer. Seojun betrachtete seinen Zwillingbruder mit gerunzelter Stirn. „War kein Feuerzeug aufzutreiben?“, fragte er spöttisch.
„Hat sich eben so ergeben.“ Taehan zuckte mit den Schultern. Etwas abseits standen Jaehyuk, Minjae und Hyunwoo, deren Blicke nervös zwischen dem brennenden Fahrzeug und den beiden Brüdern hin und her wanderten. Seojun wandte sich ihnen zu. Ein freundliches Lächeln breitete sich auf seinem Gesicht aus. „Wir waren das nicht.“
Die drei Jungen nickten, ohne ein Wort zu erwidern. Taehan zog an seiner Zigarette und blies mehrere Rauchkringel in die Luft, die sich mit dem aufsteigenden Qualm vermischten. „Waren wir aber. Zwar nicht absichtlich, aber ja, es ist unsere Schuld.“
Seojuns Lächeln verschwand. Er packte seinen Bruder an der Schulter und zog ihn näher zu sich. „Sag mal, spinnst du total? Was willst du damit bezwecken?“, zischte er ihm ins Ohr. Taehan war ihm einen Seitenblick zu. Ein provokantes Grinsen umspielte seine Lippen. „Wie du willst, Bro“, erwiderte er mit der Zigarette zwischen den Lippen. Anschließend wandte er sich den anderen drei Jungen zu.
„Ihr hab Seojun gehört. Wir waren das nicht. Wir sind nur zufällt hier vorbeigekommen.“ Er deutete mit der Zigarette auf die drei. „Einer von euch ruft jetzt die Feuerwehr und meldet den Brand.“
Minjae setzte zum Widerspruch an, doch Hyunwoo hielt ihn mit einer Handbewegung zurück und schüttelte den Kopf. Dann holte er sein Handy hervor und tat, was Taehan verlangt hatte. Er wählte den Notruf.
Kurze Zeit später trad die Feuerwehr ein, begleitete von mehreren Polizeibeamten. Von dem Fahrzeug war inzwischen kaum mehr als ein ausgebranntes Wrack übrig geblieben. Seojung ging ohne zu zögern auf die Beamten zu und erklärte ihnen, dass sie auf dem Weg zum Convience Store gewesen seien, als sie das bereits brennende Fahrzeug entdeckt hätten. Seine gelassene Haltung und die Selbstverständlichkeit, mit der er die Ereignisse schilderte, ließen keinen Zweifel an seiner Darstellung erkennen. „Wir müssen dann auch weiter“, fügte Seojun höflich hinzu. „Unser Nachmittagsunterricht beginnt gleich, und wir möchte nicht zu spät kommen.“
Der ältere Polizist betrachtete die fünf Jugendlichen, ehe er ihre Personalien aufnahm und ihnen erklärte, dass sie möglicherweise noch einmal befragt werden müssten. Anschließend ließ er sie gehen. Kaum waren die Jungen um die nächste Straßenecke gebogen, brach Minjae sein Schweigen. „Glaubt ihr, die haben uns das abgekauft? Was, wenn sie herausfinden, dass wir das waren?“
Jaehyuk zuckte gleichgültig mit den Schultern. „Und wenn schon? Was wollen die uns denn anhaben? Wir kommen aus wohlhabenden Familien. Vergiss das nicht.“
Als die fünf Jungen die Schule erreichten, wartete bereits die nächste Überraschung auf sie. Der Rektor hatte sie in sein Büro bestellt. „ich wusste, dass es so kommen würde“, murmelte Minjae mit beinahe weinerlicher Stimme. Die anderen warfen ihm genervte Blicke zu, woraufhin er den Kopf senkte. Er wusste, was sie ihm damit zu verstehen geben wollten. Der ältere Herr empfing die fünf Schüler mit einem freundlichen Lächeln. „Ihr wisst, weshalb ihr hier seid?“, brach er schließlich das Schweigen.
„Nein, das wissen wir nicht“, antwortete Seojun.
Für einige Sekunden hielten sie dem Blick des jeweils anderen stand, ehe der Rektor nickte und sich seinem Bildschirm zuwandte.
„Herr Kim war vorhin bei mir und hat eine Beschwerde eingereicht.“ Er hob den Kopf und betrachtete die Jungen abwartend.
Die Anspannung, die bis eben noch zwischen ihnen geherrscht hatte, löste sich. Sie waren davon ausgegangen, dass ihre Beteiligung an dem Fahrzeugbrand aufgeflogen war.
„Was ist Herr Kim denn so empfindlich?“, beschwerte sich Taehan. Im selben Augenblick spürte er den Ellenbogen seines Bruders in seiner Seite. „Es tut uns leid“, erklärte Seojun und verbeugte sich leicht. Die anderen folgten seinem Beispiel. Nur Taehan blieb aufrecht stehen, bis Seojun ihn am Nacken packte und nach unten drückte. Ein verlegenes Lächeln huschte über das Gesicht des Rektors.
„Ach, nicht doch. Seid einfach wein wenig nachsichtiger mit eurem Lehrer.“
„Natürlich werden wir das“, versicherte Seojun höflich. „Allerdings müssten wir jetzt gehen. Wir sind bereits zu spät zum Unterreicht.“
Der Rektor nickte verständnisvoll und entließ die fünf Schüler mit einem zufriedenen Lächeln. Als sein Blick jedovh auf Taehan fiel, erstarrten seine Gesichtszüge für einen Augenblick. Trotzdem hielt er sein Lächeln aufrecht.








