Blut & Knochen - Die Drachenblut Chroniken

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Summary

** In einer von Krieg zerrütteten Welt, liegt das Leben einer Drachenprinzessin ausgerechnet in den Händen eines Drachenjägers. Bald schon müssen beide ihre bsoherige Weltansicht hinterfragen: Wer ist wirklich das Monster? ** Inmitten der Berge, haben sich die Drakon versammelt und planen, sich endlich gegen die Menschen zur Wehr zu setzen. Hierfür sollen die Prinzessin des Nordens Nurijet und der Thronerbe Addorans, Velaris, miteinander verbunden werden. Stattdessen jedoch fühlen sich jene und der jüngere Prinz Ahren gefährlich zueinander hingezogen - und schmieden den wahnsitzigen Plan, gemeinsam fortzulaufen. In der Zwischenzeit macht sich der Bastardsohn des Königs von Dathur, ein gefeierter Dathurischer Drachentöter & Held, gemeinsam mit einem Trupp aus ganz eigenen Gründen zu den Grenzgebirgen auf. Als er dort unerwartet eine Drachin gefangen nimmt und jene sich in eine Frau verwandelt, sieht er sich unerwartet neuen Problemen gegenüber. Bald bereiten ihm nicht nur aufkeimende Gefühle zu seiner Beute Probleme, sondern auch die wachsenden Differenzen unter seinen Leuten. Und bei all dem Ärger ahnt der Jäger nichteinmal, welcher Schatz ihm hier in die Hände gefallen ist... oder welche Gefahr es bedeuten könnte, sich in den Feind zu verlieben.

Status
Ongoing
Chapters
4
Rating
n/a
Age Rating
18+

0.1 - Prolog

Das Brüllen war ohrenbetäubend laut.

Alle Vögel, die sich noch irgendwo in ihren Nestern verkrochen hatten, stoben spätestens jetzt in den schummrigen Abendhimmel empor. Rotorange war das Licht, das die Bäume des dathurischen Waldes und den aufsteigenden Nebel einfärbte. Genauso Rot wie das Blut, das aus den Wunden der Bestie ins Laub sickerte. Ein drückender Gestank hing über dem seichten Ufer, zog bereits zwischen die Bäume und über den Fluss hinweg.

Tod.

Es roch nach Tod und Blut.

Der Drache brüllte noch einmal. Lang, klagend und schmerzerfüllt. Das Geräusch war ohrenbetäubend und erschütterte Knochen bis ins Mark. Dann sträubte er sich mit mächtigen Flügelschlägen gegen die Ketten um seinen Leib. Die Bestie war so groß wie ein Haus, mit massigen, klauenbewährten Pranken und Flügeln, die in Dornen aus Horn endeten. Tobend vor Zorn versuchte der Drache, die schwarz glänzenden Ketten zu zerbeißen und zuckte heftig zurück als seine Zähne das seltsame Material berührten. Es war kein hartes Eisen, hätte nicht die Stärke besitzen dürfen, diesem Ungetüm standzuhalten - und doch verblieb das Biest an Ort und Stelle gefesselt.

Wie auf ein stilles Signal, stoben Menschen aus dem Dickicht und scharten sich um die zugeschnappte Falle. Auf den ersten Blick mochte es nach Chaos aussehen, doch wenn man genau hinsah, so geschah kein Handgriff unüberlegt. Männer in dicken Rüstungen aus Leder und bis an die Zähne bewaffnet, riefen sich laute Kommandos zu. Speere mit schimmernden, schwarzen Spitzen flogen durch die Luft und schlugen dem Drachen heftige Wunden. Sie drangen durch die Schilddicken Schuppen aus Horn wie in Butter. Keiner gewöhnlichen Waffe wäre es gelungen, mit einem noch so gut platzierten Treffer auch nur eine der Schuppen zu lösen. Doch dies waren keine gewöhnlichen Waffen - und sie wurden auch nicht von gewöhnlichen Männern geführt. Es waren Drachenjäger. Und diese hier waren besonders gründlich.

Einen Drachen in eine Falle zu locken, war bereits ein Kunststück für sich, an dem viele gescheitert waren und es mit ihrem Leben bezahlten. Der Mechanismus durfte quasi nicht sichtbar sein, auch nicht besonders geruchsintensiv und es hatte ewig gedauert, die Ketten aus einem Stahl- und Obsidiangemisch so zu verbergen, dass die Kreatur sie zu spät bemerkte. Denn das war der Grund, warum die Jäger ihre Beute nun „in Ruhe” töten konnten. Obsidian wirkte auf die Magie dieser Wesen wie eine Zelle auf einen Gefangenen: Er blockierte ihre Macht, drückte die tödlichen Kräfte nieder und erlaubte es den Menschen, überhaupt in Reichweite zu gelangen.

Normale Drachenjäger hätten vor dieser Herausforderung wahrscheinlich sofort den Schwanz eingezogen und dankend abgelehnt. Ihnen war nur der Profit wichtig, das Geld, dass sich mit dem Verkauf von Drachenteilen verdienen ließ.

Diese Truppe allerdings... hatte noch andere Motive. Es gab nur eine einzige Gruppe von Jägern in diesen Landen, die von einem Königssohn höchst selbst angeführt wurde. Von Marmoris Demegereth, dem unehelichen Sohn des Königs von Dathur. Ein Bastard, mit seiner Schaar von Verrückten, die alle nichts Besseres mit ihrem Leben anzufangen wussten, als Drachen zu jagen. So - oder so ähnlich - hätte man es wohl am Hof erklärt.

Doch vom Schloss des Königs, im schwarzen Fels bei Skyreach, war die Truppe im Augenblick weit entfernt.

Stattdessen waren sie tief ins Landesinnere vorgestoßen, um das unstillbare Verlangen des Adels nach Drachenressourcen zu stillen. Mittlerweile waren die Bestien selten geworden, der Bedarf nach ihren Teilen dagegen jedoch immer größer. Drachenressourcen warne so mächtig wie wundersam. Manche besaßen heilende Wirkung, andere enthielten genug Magie, um ewiges Feuer zu erzeugen, kleine Kunststücke zu vollführen, alte Gesichter zu verjüngen oder dort einen Sohn zu schenken, wo die Fruchtbarkeit längst vertrocknet war. Doch um an diese Wundermittel zu kommen riskierten Menschen wie Mo und seine Truppe täglich ihr Leben. Denn die Jagd nach einem Drachen war alles andere als ein Kinderspiel.

Auch diesmal war es nicht anders.

Sie hatten es geschafft, das Biest zu täuschen und es in eine Falle zu locken, die ihr Erfinder ausgetüftelt hatte. Feandan, mit seinem Kopf voller fantastischer und manchmal auch beängstigender Ideen, hatte tatsächlich einen Weg gefunden, die intensive Aura der Obsidianketten zu mildern, indem er den perfekten Anteil Eisen zu Obsidianpulver fand. So konnten sie diese wie Stricke und die verlockende Falle auslegen... und der Drache biss an. Jetzt sträubte sich die Kreatur gegen den brennenden Schmerz der Ketten, warf sich zornig und panisch umher und versuchte seine Kräfte zu benutzen. Doch die Wirkung blieb aus.

Speere steckten bereits in den Flanken des Drachen und durchlöcherten die Membranen seiner Flügel, nachdem Mo seinen Leuten befohlen hatte, ihn zuerst flugunfähig zu machen. An langen Seilen befestigte Klingen surrten, ehe sie ausgeworfen wurden und sich in den Flughäuten verhakten. Mit einem ekelhaften und reißenden Geräusch zerrten die Männer anschließend mit aller Kraft dann daran - und zerschnitten in die großen Flügel wie in die gespannten Segel eines Schiffes. Kupferfarbenes Blut floss in Strömen über den mächtigen, mit dicker Schuppenhaut bedeckten Körper. Es weichte den Boden auf, machte ihn matschig und zäh, sodass der metallische Gestank einem fast den Atem nahm.

„MEHR SPEERE!“, brüllte ein dunkelhaariger Berserker, in dessen Händen eine grünlich glänzende Klinge zitterte. Kupfernes Blut tränkte seine Kleidung und der Blick aus den harten Augen war wild. Mit einem animalischen Schrei schleuderte er das vergiftete Kurzschwert. In dem Wurf lagen die Präzision und das Können von vielen Jahren. Als die Schneide sich schräg unter einer gelösten Schuppe im Fleisch des Drachen versenkte, erinnerte das jaulende Heulen beinah an einen sterbenden Hund.

Marmoris hatte den Hinweis seines Kriegers verstanden. Mehr Speere... sie hatten den Drachen fast soweit. Mittlerweile hatten sich aus dem kostbaren Blut mehrere kleine Ströme gebildet, die abwärts der Böschung in Richtung Fluss liefen.

‘Nein! Wir brauchen so viel wie möglich davon!’

Grimmig umfasste der Bastardprinz den Speer auf seinem Rücken. Er selbst war außer Atem und überströmt von Schweiß und Drachenblut. Doch die Kreatur hatte noch keinen von ihnen erwischt – und das war erstaunlich, wenn man bedachte, wie lange sie bereits kämpften. Mos Muskeln brannten und er wusste selbst nicht, woher er die Kraft nahm durchzuhalten. Es war purer Überlebenswille, der sie alle antrieb. Die Rechnung war einfach: Das Biest oder Sie.

Dann griff er nach einem Beutel an seine Gürtel und öffnete ihn. Feiner, silbriger Staub rieselte zu Boden und haftete sich sofort an das feuchte Blut. Mit grausamer Entschlossenheit rieb Marmoris die Spitze seines Speeres mit dem Drachenblut ein. Anschließend entleerte er den Inhalt des Beutels darüber. Es handelte sich um eine tödliche Mischung aus zerstoßenem Obsidian und einer Pflanze, die das Gerinnen von Blut verhinderte. Feandan hatte erst neulich die Mischung ausprobiert und festgestellt, dass das Drachenblut bei Kontakt mit der Mixtur noch schneller floss.

Als die Spitze vollständig bedeckt war, setzte sich der Drachenjäger in Bewegung. Sein ganzer Körper war gespant, jeder Muskel in Bereitschaft. Er war schnell und entschlossen und kam so unvermittelt in die Nähe des Drachen, dass dieser seine Anwesenheit erst bemerkte, als es schon zu spät war. Die Kreatur wollte sich aufbäumen, eine Pranke heben und den Angreifer abwehren... doch dazu kam es nicht.