1. ~ Leere
Margo
"Jetzt komm endlich. Warum muss ich dich denn wie ein kleines, pubertäres Kind hinter mir her schleifen? Du weist doch, das hier wichtige Leute unter uns sind. Also benimm dich gefälligst. Diese Veranstaltung ist wichtig für mich. Und nur neben bei, für deine Zukunft auch."
"Diese Menschen gehören nicht zu meiner Zukunft, also kannst du es vergessen, dass ich mich von irgendwelchen alten Säcken und ihren Juniors begrabschen lasse." Ich überkreuze meine Arme vor der Brust und lass mich widerwillig von meiner Mutter durch den Raum ziehen. Sie ist doch die, die mich hier durch den Saal schleift, da braucht sie doch nicht so ein Fass aufzumachen. Kann mich ja hier stehen lassen, wenn ihr das peinlich ist. Die hat sie doch nicht mehr alle.
"Ach, erzähl doch nicht so ein Quatsch. Du wirst hier von niemanden begrabscht. Und jetzt hab dich nicht so. Du hörst dich ja an wie dein Vater."
Ja Mom. Und genau das ist der Grund, weshalb ich nicht bei dir lebe. Du hörst mir nicht zu. Mal wieder! Warum kannst du denn nicht sehen, das ich hier um Hilfe schreie? Das ich mir wünschen würde, du würdest deine Bedürfnisse nicht über meine stellen.
Ich bin es doch, die an erster Stelle stehen sollte. Oder? Ihr eigen Fleisch und Blut! Und trotzdem schaut sie mich mit diesem Blick an. Als wäre ich eine Enttäuschung. Ihr größter Fehler. Eine Schande.
>Du bist nichts Wert, Margo. Alles was du machst ist Falsch. Lass es doch einfach bleiben. Hör auf deine Mutter. Gib dich ihnen hin. Lass dich von diesen Wölfen zerfleischen. Los Margo, spürst du das? Diese Leere? Sie hilft dir. Sie hilft dir nichts mehr zu fühlen.<
Mein Schädel fängt an zu brummen und ich fass mir leicht genervt an der Schläfe. "Ist gut. Ich komm ja schon." Und somit zieh ich meinen Arm aus den Griffen meiner Mutter und folge ihr, wie ein dressierter Köter auf Schritt und Tritt. Leere. Ja das ist es, was ich in diesem Moment wirklich spüren will. Leere. Nichts, rein gar nichts. Ich will hier nur weg. Weg von meiner Mutter. Weg von diesen aufgeblasenen, arroganten Menschen um mich rum. Weg von hier. Weg für immer. Ich will einfach nur allein sein.
Nach ein paar Stunden, in denen ich meiner Mutter gefolgt bin und fremde, fettige Hände geschüttelt habe, entschuldige ich mich bei meiner Mutter um auf die Toilette zu gehen.
Ich drehe das kalte Wasser auf und halte meine Handgelenke drunter. Ich genieße diesen Moment von Ruhe. Es ist sonst keiner um mich. Keiner der mich mit einem falschen Lächeln täuschen will. Keiner der sich an mich drückt. Keiner der mir zu nahe-... "Na, wusste ich doch das ich dich hier finde."
Ich schaue hoch in den Spiegel und sehe hinter mir einen durchtrainierten, hübschen jungen Mann. Blondes, kurzes Haar. Honigbraune Augen. Mit leider genau diesem Lächeln im Gesicht. "Was willst du hier, Hanry. Das ist die Damentoilette, also verschwinde."
"Na na na, du musst ja nicht gleich so unfreundlich werden."
Ich greife nach einem der Gästehandtücher, trockne meine Hände und drehe mich zu ihm um. "Also?"
"Ich hab mich nur gefragt, ob das stimmt, was man so über deiner Mutter erzählt?"
"Und das wäre?", gelangweilt lehne ich mich mit dem Rücken gegen den Waschbecken und stütze meine Hände links und rechts von mir ab.
"Na das sie sich hochgerammelt hat. Ich meine, kann ja sein das sie wirklich was im Köpfchen hat, aber dafür war ihr aufstieg einfach viel zu schnell." Er schließt die Tür zu und kommt langsam auf mich zu, wie ein wildes Tier, das sich bereit macht, auf seine Beute zu stürzen und zu jagen. Ich atme tief durch die Nase ein und halte vor Wut die Luft an. "Und, wie sagt man so schön? Wie die Mutter, so die Tochter, stimmts?" Er steht jetzt direkt vor mir, in seinem Gesicht immer noch dieses dreckige, selbstsichere Grinsen. Er neigt seinen Kopf zu mir runter und flüstert mir ins Ohr. "Komm schon Margo, du willst doch nicht das hier jemand deine Mutter vor allen Leuten zu Fall bringt? Soll das denn die ganze Stadt erfahren, was für eine dreckige Nutte deine Mutter ist? Du drehst dich jetzt freiwillig, ganz elegant um, streckst mir deinen süßen, kleinen, Knackarsch zu und lässt dich von mir ein wenig verwöhnen. Na, wie hört sich das an? Das scheint mir doch nicht so schlimm, schließlich gibt es hier einige Männer, die mit dir noch viel schlimmeres angestellt hätten."
Und da ist sie wieder. Diese Leere die ich mir Wünsche. Das Nichts, welches mich in seinem dunklen Loch zieht und mich stumm schreien lässt. In meinem Kopf brummt es und verschleiert meine Sicht. Mein Herz fängt an zu rasen und ein kalter Schauer, läuft mir den Rücken runter. Wie in Trance drehe ich mich um. Meine Hände balle ich so stark zu Fäusten, dass sich meine Nägel in meiner Haut bohrt. Doch ich spüre kein Schmerz. Nicht. Ich fühle nichts mehr. Ich strecke ihm ein wenig meinen Hintern raus und kurz darauf spüre ich, wie er mir mein Kleid hoch zieht. Seine kalten Hände packen an meine Hintern und drücken fest zu. Er knetet ein paar mal bis er dann mit einer Hand ablässt. Ich höre eine Gürtelschnalle klackern und ein Reisverschluss sich öffnen. Er zieht mir mein String runter, spuckt sich in die Hand und fasst mir dann mit dieser fest an meiner Vulva. Er schmiert seine Spucke an meine Schamlippen und gleitet dann mit einem Finger dazwischen hoch und runter. "Jetzt zeige ich dir mal, welch riesen Spaß das macht, sich für jemanden den mal Liebt zu Opfern." Und schon spüre ich ihn in mir. Er schlägt so heftig mit seinen Becken zu, das ich meinen Blick zum Spiegel wende. Ich sehe mich an. Mich. Ich stehe hier, das bin ich. Doch ich fühl mich so fern. Als würde ich wie ein Geist über mir schweben und warten bis dieses Szenario ein Ende nimmt. Fühlt es sich so an, wenn man sich der Leere hingibt? Wenn man von sich selbst so weit entfernt ist? Sich wünscht, nicht hier zu sein und es in einer gewissen, imaginären Weise auch schafft?
>Was tust du da Margo? Warum wärst du dich denn nicht? Warum hast du dich ihm hingegeben? Willst du das denn? Von jemandem als Opfergabe genommen werden? Du dreckiges kleines Luder. Du stehst bestimmt darauf. Ich wusste doch, das du nichts Wert bist. Du bist ein Nichts. Ein Niemand. Genau wie...deine Mutter!<
Vor mir erkenne ich mein Spiegelbild nicht wieder. Wer ist dieses Mädchen mit langen, braunen Haaren? Mit diesen vollen, rosigen Lippen? Mit diesen grünen Augen, die sich ertränken, in dem salzigen Meer aus Tränen? Bin ich das? Warum spüre ich mich dann nicht?
Hey Leute, da bin ich wieder.
Ich hoffe es geht euch gut und verzeiht mir meine lange Abwesenheit.
Ich habe ja schon am Anfang angedeutet, das dieses Buch nichts ist, für jemand der schwache Nerven hat. Der Einstieg ist in diesem Sinne auch noch eher soft geschrieben, es wird noch einiges auf uns zu kommen. Daumen hoch?
Na dann, ick wünsch euch wat. 😜