Thirty days in the bunker!

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Summary

Dreißig Tage, einen Monat, keine Flucht möglich und aufeinander angewiesen.

Status
Complete
Chapters
14
Rating
4.7 6 reviews
Age Rating
18+

Kapitel 1

Mein Großvater war ein seltsamer, mürrischer Mann. Solange ich denken konnte, war er ein Sonderling, grenzte sich von dem Menschen ab. Er war der Meinung gewesen, dass er ohne sie besser auskommen könnte, alleine glücklicher war. Großmutter war früh gestorben und er hatte mit uns Enkeln nichts am Hut, verkroch sich in einem Haus, das in einem kleinen Wäldchen lag. Um herauszubekommen, wo es stand, brauchte ich mehrere Jahre. Abgeschieden von der Welt, hörten und sahen wir nichts von ihm. Selbst, als ich einmal hinfuhr, um ihn zu besuchen, hatte ich wenig Erfolg. Das Haus stand einsam auf einer kleinen Lichtung und konnte über einen Feldweg erreicht werden. Ohne geländegängiges Fahrzeug fast unmöglich. Daher ließ ich meinen Wagen vorher stehen, brauchte über eine halbe Stunde, bis ich vor dem Gebäude stand. Es sah eher wie ein Betonklotz mit Dach aus, die Fenster waren mit schweren Gittern gesichert, dahinter Rollläden heruntergelassen, die genauso stabil aussahen. Sie erinnerten mich eher an Stahlwände und hatte etwas Rost angesetzt, als wenn sie seit Jahren nicht bewegt worden waren. Im Haus musste es entsprechend dunkel sein, wie in einer Höhle.

Ich ging zur vermeintlichen Tür, die tief in das Mauerwerk eingelassen war und genauso abstoßend aussah, wie alles andere. Hier zeigte sich, wie dick das Mauerwerk wirklich war. Ich schätzte es auf mindestens einen halben Meter. Die Tür bestand ebenfalls aus Stahl, wobei die Schutzfarbe die sie vor Rost schützen sollte, teilweise abgeblättert war. Hier und da waren dunkelbraune Flecken in der dunkelgrünen Tür zu erkennen, die die Korrosion deutlich anzeigten. Eine Klingel oder Türschild fand ich nicht, nur einen kleinen Kasten an der Wand, dessen Deckel mit einem dicken Vorhängeschloss gesichert war. Stattdessen hing an einer Schnur ein mittelgroßer Hammer von der Decke und ich nahm an, dass ich damit klopfen konnte. Also nahm ich ihn und pochte damit an einer Stelle gegen die Tür, die danach aussah, als wenn es die richtige war. Hier schien das blanke Metall hervor, als wenn es dort öfters getroffen worden war.

Ein dumpfer Laut kam mir entgegen, der mir anzeigte, dass die Tür massiv war, nicht aus Blech bestand.

Ich wartete lange, nahm den Hammer ein zweites Mal zur Hand, ließ ihn wuchtiger gegen die Tür schlagen. Vielleicht hatte der alte Mann mich nicht gehört.

„Was ist, wer stört?“, hörte ich plötzlich eine Stimme, die jedoch nicht von innen kam, sondern hinter mir erklang. Auf der Stelle drehte ich mich um und vor mir stand mein Großvater, hatte sich wenig verändert, seitdem ich ihn das letzte und einzige Mal, bei der Beerdigung meiner Großmutter, gesehen hatte. Seine Kleidung war grob, ein Blaumann, teilweise löchrig, nicht passgenau. Über der Schulter hatte er eine Axt gelegt, deren Stiel über seinem Oberkörper hing. An den Füßen trug er grobe, verschmutzte Lederstiefel, die danach aussahen, als wenn sie seit Jahrhunderten existierten.

Die Haut seines Gesichts war dunkel und sah gegerbt aus, ein weißer, langer, ungepflegter Bart wuchs an seinem Kinn, die wenigen Haare, die ihm geblieben waren, hingen wirr um den Kopf herum. Einzig seine Augen schienen lebhaft zu sein. Sie leuchteten in einem klaren Blau und sahen mich mehrmals von oben bis unten an, schienen sich nicht klar darüber zu sein, wer ich sein könnte.

„Ich kenne dich doch, habe dich irgendwo schon einmal gesehen!“, war sein erster Gedanke, den er laut aussprach, bevor ich einen Ton sagen konnte.

„Ich bin es, Tim, dein Enkel!“, meinte ich trocken und er nickte gedankenversunken, schien mich zu erkennen.

„Ist lange her, bis ganz schön gewachsen!“, erklärte er und nahm die Axt von der Schulter, stellte sie mit der Klinge nach unten auf den Boden und stützte sich darauf ab.

„Ja, ist lange her, fast dreißig Jahre!“, gab ich zurück und er schien darüber nachzudenken, was dort gewesen sein konnte. Eine Reaktion darauf konnte ich nicht entdecken. Stattdessen sah er mich an, als wenn seine Augen mich durchbohren wollten.

„Und was willst du von mir?“, fragte er kurz und bündig. Seine Stimme ließ keine Freude erkennen, dass ich ihn gefunden hatte.

„Ich wollte dich besuchen. Es war nicht leicht dich zu finden. Du bist schließlich ein Teil meiner Familie!“

„Familie!“, wiederholte er, zog ein wenig Rotz hoch und spuckte es neben sich auf den Boden.

„Als wenn mich diese Familie interessieren würde. Als wir sie gebraucht hatten, war sie nicht da, fühlte sich nicht angesprochen. Deine Eltern hatten nichts Besseres zu tun, als sich um sich selber zu kümmern, genauso wie Onkel und Tante. Ein großer Haufen Egoisten, auf die ich gut und gerne verzichten kann. Du kannst nichts dafür, du warst zu jung. Es spielt auch keine Rolle. Familie gibt es für mich seit Langem nicht mehr. Am besten du gehst wieder, vergisst mich und streichst mich aus deinen Gedanken. Ich glaube nicht, dass wir Gemeinsamkeiten haben. Geh!“

Das letzte Wort sprach er lauter und eindringlicher aus als andere und ich war mir sicher, dass er es genauso meinte, wie er es gesagt hatte. Ich würde keine Verbindung zu ihm finden, dafür schien seine Meinung über unsere Familie zu negativ belastet zu sein.

„Schade. Ich hätte dich gerne besser kennengelernt. Es tut mir leid, wenn ich dich gestört habe!“, sagte ich resigniert, zuckte mit der Schulter und drehte mich um, ging nachdenklich den Weg zurück. Kurz bevor ich außer Sicht des Hauses kam, drehte ich mich ein letztes Mal um und sah ihn vor dem Eingang stehen. Weiterhin stützte er sich auf der Axt ab und sah in meine Richtung.

Es war das zweite und letzte Mal, dass ich ihn sah.

Zwei Jahre vergingen, trotzdem konnte ich ihn nicht vergessen, dachte traurig darüber nach, wie einsam und zurückgezogen er im Wald lebte. Als ich bei meinen Eltern zu besuch war, fragte ich sie ein weiteres Mal, warum sie mit Großvater gebrochen hatten, doch ich stieß auf taube Ohren. Sie sahen sich kurz an, und als einzige Antwort kam: „Es geht dich nichts an!“

Damit musste ich mich zufriedengeben, was Opa betraf, darüber herrschte in der Familie eisernes Schweigen. Auch andere zu fragen, brachte mich nicht weiter. Es war wie eine Mauer, gegen die ich rannte. Auch als ich erwähnte, dass ich bei ihm gewesen war, brachte keine Änderung.