Kissed by a Lycan

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Summary

Lykaner sind der Adel unter den Werwölfen. Sie sind ihnen nicht nur physisch überlegen, auch die Flut an Gefühlen, die sie für ihren Seelenverwandten mitbringen, ist außergewöhnlich. Lord Callum Weston hatte nicht erwartet Peninnah Elves zu treffen, doch was er für sie mitbrachte, war nichts im Vergleich zu dem, was in ihrer Vergangenheit im Verborgenen lag.

Status
Complete
Chapters
60
Rating
4.8 50 reviews
Age Rating
18+

1 | Abreise

Callum ♡


Ich schob die Frau genervt von mir weg. Der Sex hatte mich gar nicht entspannt, im Gegenteil, das musste aufhören. Ich konnte mir nicht mehr wahllos Frauen ins Bett holen.

Ich hatte vor geraumer Zeit damit aufgehört und gestern nachgegeben. Kyle hatte sie mir ausgesucht und irgendwie ahnte ich auch warum.

Sie war geistreich und hatte mich den Abend über charmant unterhalten. Im Bett war sie sogar richtig gut. Sie hatte einen wunderschönen Körper und wusste ihn einzusetzen.

Kyle hatte alles richtig gemacht und dennoch fühlte es sich falsch an.

Wir hatten einen tollen Abend, aber letztlich merkte ich, an der Art, wie sie jetzt mit mir redete, dass ihr meine Stellung und das Ansehen am Hof wichtiger war als ich.

Sie hatte den gestrigen Abend über alles getan, um es zu verheimlichen, und dennoch war es mir nicht entgangen. Ich hatte es einfach ignoriert, wie bei so vielen vor ihr.

„Kyle“, schrie ich und stand auf, ohne mich noch einmal nach ihr umzudrehen. Es war unfair, aber ich war Callum Weston, was interessierte es mich. Sie plapperte unentwegt weiter von ihren Vorhaben und wie ich sie dabei unterstützen sollte. Ich hatte das zu oft gehört.

„Wo verdammt nochmal ist Kyle?“, brüllte ich. Ich riss die Tür von meinem Schlafzimmer auf und lief in den Flur.

„Kyle“, schrie ich noch einmal. Nichts tat sich.

„Er ist schon abgereist, Sir.“ Smith erschien etwas irritiert um die Ecke. „Ich dachte, Sie wüssten es“, sagte er leicht pickert.

Ich war noch nackt, das sollte ihm nicht so viel ausmachen. Okay, das war nach den dreißig Jahren, die er für mich arbeitete, vielleicht das erste Mal.

„Wohin?“, fragte ich genervt und rieb mir über das Gesicht. Lang konnte es noch nicht her sein.

„Santa Barbara“, antwortete er so ruhig, als wenn er mir vom Wetter berichten würde, was er nie tat.

„Packen sie unsere Sachen, Smith“, wies ich ihn an und ging zurück in mein Schlafzimmer. Ich sah mich um, was ich brauchte und Smith nie anrühren würde und auf die Frau in meinem Bett.

Sie strähnte sich die Haare und legte sich erwartungsvoll in die Kissen. Vor hundert Jahren hatte mich dieser Anblick wahnsinnig gemacht, doch heute schüttelte ich nur den Kopf über sie.

Ich war nicht bereit, ihr zu geben, was sie wollte und Sex erfüllte mich schon lange nicht mehr. Es tat mir leid, es ihr sagen zu müssen. „Was machst du noch hier?“, fragte ich etwas zu harsch die Frau in meinem Bett, deren Namen ich vergessen hatte.

„Mistkerl“, fauchte sie mich an. Zurecht. Ich sah sie aus meinem Zimmer flüchten. Sie war die Erste seit zwei Jahren, die ich zu mir gelassen hatte, nach noch einer längeren Periode davor.

Es gab mir gar nichts mehr bei einer Frau zu sein, wenn ich sie nicht wirklich wollte. All diese Frauen, die Tag für Tag um meine Gunst buhlten, hatten nur Geld, Macht und Ansehen im Kopf.

Nicht eine traf ich, die nichts von mir wusste oder nicht gleich bei dem Blick auf mein Sakko Goldmünzen in den Augen hatte. Es war immer das Gleiche.

Wäre nur eine dabei gewesen, die nicht an meinem Geld und meiner Stellung interessiert gewesen wäre, ich hätte sie hundert Jahre behalten. Mensch, Wolf, es war mir egal. Ich wollte nur endlich etwas spüren.

Ich wollte nicht mehr verloren sein in all den hundert Jahren, die vor mir lagen. Ich suchte die Eine, die mich will. Mich und nicht die Fassade von Callum Weston.

Genervt fuhr ich mir durch die Haare. Kyle war schon wieder bei seinem Erasthai. Seit er ihn gefunden hatte, vernachlässigte er seine Pflichten und mich. So sollte es sein, ich durfte es ihm nicht übelnehmen, dass er gefunden hatte, was mir verwehrt blieb.

Ich war eifersüchtig.

Ich fragte mich, wie sooft, was ich falsch gemacht hatte. Wie hatte er es geschafft, mit seinen fünfzig Jahren seinen Erasthai zu finden, und ich nicht in zweihundert Jahren. Zu allem Überfluss wusste sein Erasthai seit zwei Jahren immer noch nicht, wer oder was Kyle war und wohin ihn Kyle mitnehmen würde. Es schien außer mir niemanden zu stören.

Er redete dauernd davon, dass er vorsichtig sein müsse. Er ist zu wertvoll. Das stellte ich gar nicht in Frage. Aber warum erklärte er es ihm nicht. Wieso?

Xavier, sein Erasthai, war zur Hälfte Werwolf. Er wusste, was und wer wir waren, warum also die Vorsicht? Ich fühlte mich gezwungen, wieder einmal auf ihn aufzupassen.

Eigentlich sollte es anders herum sein. Er war immerhin meine rechte Hand und ich nicht seine. Aber nachdem er bei seinem letzten Date mit Xavier ein ganzes Kino in Brand gesteckt hatte, fühlte ich mich einmal mehr für ihn verantwortlich.

Er hatte mir versprochen, nichts zu unternehmen, ohne mich vorher zu informieren. Doch jetzt wusste ich, dass die Frau in meinem Schlafzimmer eine organisierte Ablenkung von ihm war.

Ich hatte unterschätzt, wie stark die Bindung zu seinem Erasthai war. Ich hatte ihn unterschätzt und musste schmunzeln. Nicht mit mir.

Nach einer ausgiebigen Dusche kam ich zurück in mein Zimmer und Smith stand stramm vor mir. „Smith, beruhigen sie sich.“

Ich blickte auf die gepackten Koffer, die vor ihm standen und zurück zu Smith, dem die Schweißperlen von seinem Gesicht in alle Richtungen den Hals hinunterliefen.

„Smith. Haben Sie Ihre Koffer auch schon gepackt?“ Fragte ich unnötigerweise nach. Es war eher ein Scherz als eine Aufforderung, aber er rannte sofort aus dem Raum und ich schüttelte nur meinen Kopf. Ich musste vorsichtiger sein. Der arme Kerl würde sonst bei der nächsten Anweisung einen Infarkt bekommen.

Santa Barbara? Tippte ich schnell ins Telefon und schickte die Nachricht an Kyle. Ich brauche bessere Frauen, die mich von deinen Plänen ablenken!

Kyle würde sich noch wundern. Ich sah durch meine Papiere und Smith wieder im Türrahmen auftauchen.

„Wie finden Sie Santa Barbara?“, fragte ich ihn.

„Zu heiß um die Jahreszeit, Sir“, antwortete er.

„Das spüren wir doch gar nicht, Smith.“

„Richtig, Sir“, antwortete er monoton.

„Wie viele Kinos wird Kyle ohne uns noch in Brand stecken?“, fragte ich ihn.

„Eine Menge“, antwortete er so ruhig, als wenn es ihm keine Sorgen bereitete.

„Dann sollten wir ihn davon abhalten, was denken Sie Smith?“

„Dass Sie sich auf die Reise Ihres Lebens begeben, Sir.“ Überrascht sah ich ihn an. Smith wusste viel. Er wusste immer mehr, als er zugab, aber er konnte nicht in die Zukunft sehen.

„Sie klingen wie ein Orakel, Smith“, scherzte ich.

„Ich bin keines. Ich glaube an Einsen und Nullen. Meine Erasthai war eines, wie Sie wissen“, antwortete er in demselben anteillosen und gleichförmigen Ton.

Er hatte nie viel über sie erzählt, außer, dass sie eine Hexe war und er sie verlassen hat, etwas, dass ich mir nicht vorstellen konnte. Er sagte immer, dass das Leben für sie eine Perlenkette ist. Ein Leben fügt sich an das Nächste und manchmal kann man es beeinflussen zu aller Wohl.

Das war zu viel Macht. Ich war mächtig, dessen war ich mir bewusst. Ich konnte nicht nur mit einem Wort die Geschicke von Rudeln lenken. Ohne Anstrengung konnte ich eines auslöschen, wenn ich entschied, dass sie andere gefährdeten, doch dazu war es hundert Jahren nicht mehr gekommen.

Dennoch die Schatten der Vergangenheit lagen über mir. Ich war nicht auf alles stolz, was ich getan hatte. Manchmal rufen sie mich und bereiten mir schlaflose Nächte. Ein anderes Mal erwecken sie in mir Ängste und bringen die, die ich liebe, in Gefahr.

Die Zukunft zu beeinflussen, war ein gefährliches Spiel. Sich in die Geschicke anderer einzumischen, weil man dazu in der Lage war, schien mir nicht mehr richtig. Ich war müde der Aufgabe und der Frauen, die in meinen Betten lagen, um mir etwas zu entlocken.

Es oblag oft meinen Urteilsfindungen, zwischen dem besten für das Königreich und dem, was wir nicht duldeten zu unterscheiden. So manches Mal erschienen meine Urteile irrational und es so traf jemanden, der mir nicht unbekannt war. Ich kannte nie all ihre Gesichter, noch ihre Namen. Ich war mir dessen dennoch bewusst, dass es sie gab.

„Vila hat vorhergesehen, dass ich nach Santa Barbara gehen werde?“, fragte ich vorgespielt beiläufig, obwohl es mich brennend interessierte.

Vila war sein Schatten. Seine Erasthai, die es vorgezogen hatte, alleine zu bleiben und doch ständig in seiner Nähe war. Sie war das mächtigste Orakel, dass auf der Erde wandelte. Eine Hexe ausgestattet mit einzigartigen Gaben.

Sie konnte durch Lunas Welt reisen, Portale erschaffen, die sie binnen Sekunden von der einen Seite der Welt auf die andere brachten. Das war, was mir bekannt war. Was ich nicht wusste, war, ob sie uns überlegen war.

„Das hat sie. Deswegen bin ich hier“, sagte Smith völlig beherrscht und ich drehte mich stirnrunzelnd von ihm weg. Smith war seit Jahren bei mir. Ich wusste, dass er mich nie hintergehen würde. Mein Herz sagte es mir und nicht nur, weil ich seine Gefühle lesen konnte.

Er litt unter ihrer Abwesenheit und ihrer sporadischen Anwesenheit, das versuchte er nicht einmal zu verbergen. Nicht vor mir zumindest.

„Ist das so?“, fragte ich und zog die Schublade auf, die meine Pässe enthielt.

„Ich werde sicherstellen, dass Sie dort ankommen, Sir“, antwortete Smith ernst und ich sah zu ihm. Er kräuselte seine Stirn und erzeugte damit das erste Mal eine Gefühlsregung in seinem Gesicht.

„Spucken Sie es aus, oder verlassen Sie den Raum“, ordnete ich an und Smith entschied sich, zu bleiben.

„Mir war in die Wiege gelegt worden, dass Liebste, was mir jemals geschenkt wurde, zu beschützen.“ Ich drehte mich nach Smith um, bevor er den Satz aus gesprochen hatte. Er barg Gefühle, etwas, dass er nie offenbarte.

„Geht es Ihnen gut Smith?“, fragte ich nach. Ich wusste, ich hatte mich nicht verhört.

„Wenn Sie verzeihen Sir, ich bitte Sie, die Reise anzutreten.“ Smith streckte sich und stand stramm da. Bei Luna, ich hasste dieses Gehabe am Hof. Smith hatte ich es die ersten Jahre täglich gesagt und aufgegeben.

Ich war Callum Weston, Berater der lykanischen Königsfamilie. Ich erteilte Anweisungen, ich empfing keine. Bei Smith stieß ich so manches Mal an meine Grenzen. Er überließ immer mir die Entscheidung. Er drängte mich zu nichts, dennoch lenkte er mich so manches Mal.

„Okay. Wir fliegen nach Santa Barbara. Wir werden Kyle unterstützen“, schimpfte ich.

„Richtig. Ich werde mitkommen, um sie zu unterstützen“, antwortete er in seiner langweiligen Tonlage.

„Wie immer, Smith“, lächelte ich vor mich hin und sah ihn an. Sein Gesichtsausdruck blieb streng und obwohl ich Gefühle bei jedem lesen konnte, bei ihm konnte ich es nicht.

„Danke, Smith.“

„Danken Sie nicht mir, Sir. Es ist eine Warnung. Es ist nie gut, wenn Vila sich einmischt.“ Ich hob meine Brauen und ließ seine Worte sacken. Wir wussten beide, dass er sich noch nie so direkt geäußert hatte.

„War sie konkreter?“, hakte ich nach. Meine Natur verbot mir, eine Bedrohung zu ignorieren, selbst, wenn sie von jemandem wie Smith kam.

„Nein, sie teilte mir lediglich mit, dass Sie eine gute Zeit in Santa Barbara haben werden.“ Ich sah ihn an und wusste, was er meinte.

„Wann hatten wir eine gute Zeit?“, rümpfte ich die Nase und schüttelte ich den Kopf. „Ich korrigiere Zahlen, Sie spüren für mich die Missetäter auf, wenn mir etwas auffällt.“

Smith und ich hatten keine Freizeit, ab und an schickte mir König Caspian jemanden ins Zimmer. Bei Smith war das wirkungslos. Heute zeigte es, dass es, bei mir nicht anders war.

Ich hatte die Suche nach meiner Erasthai aufgegeben. die eine Person, die mein Leben für immer vervollständigen würde. Ich sollte nicht so hart zu den Frauen seien, die mein Bett teilten. Dennoch war ich mir immer bewusst, wen ich zu mir holte. Nutznießer, Spione, das war Alltag am Hof.

„Die wird kommen, Sir. Ich bitte Sie eindringlichst, Ihre Sachen packen zu dürfen.“