Paris
Paris bei Nacht.
Der Eiffelturm und das Leuchten der Stadt der Liebe.
Definitiv anders, als ich es mir je vorgestellt habe.
Aber wer bin ich, die berühmte Stadt der Liebe nicht auch mit dem verklärten Zauber eines Mannes zu sehen, der etwas gefunden hat, das er nicht wieder hergeben will.
Ganz egal, wie sehr er sich selbst und dem Mann seines Herzens versprochen hat, es „ungezwungen und ohne tiefere Bedeutung“ angehen zu lassen.
Und nun sind wir hier, in Frankreich, im verdammten Paris bei Nacht, direkt vor dem Eiffelturm in einer sündhaft teuren Suite. Allein.
Ich höre, wie hinter mir die Badezimmertür geschlossen wird und Schritte von edlen, glänzenden Lederschuhen sich fast lautlos und sicher über den weichen Teppich in meine Richtung bewegen.
Mit dem Sektglas in der Hand nicke ich dem blonden Mann zu, der nur gut zwei Zentimeter kleiner ist als ich, es jedoch immer wieder auf fast schon energische Weise bestreitet.
Ich drehe mich zu der nächtlichen Stadt vor dem Fenster um, versuche den Gedanken zu verdrängen, dass in nur wenigen Stunden dieser wundervolle Mann, ebenso wie ich, wieder in ein Flugzeug steigen und uns ein Ozean erneut trennen wird.
Als wären unsere sozialen und gesellschaftlichen Unterschiede nicht schon groß genug.
Ich schaffe es gerade noch, den Gedanken zu verdrängen, als eine warme, massierende Hand sich auf die eine und ein fast zärtlich raues Kinn auf die andere Schulter legen.
Ich kann schemenhaft Henrys Herzschlag an meinem Schulterblatt spüren, als er mit seiner warmen, sanften Stimme, die mir auch nach all den Monaten noch einen warmen Schauer über die Haut jagt, flüstert: „Ich denke, wir sollten diese Nacht Liebe machen.“
Bitte was?
Im ersten Moment gelingt es meinem leicht alkoholisierten Hirn nicht, diese Aussage zu greifen, doch als sie endlich wirklich angekommen ist, erfasst mich ein heißer und kalter Schauer gleichermaßen.
Ich drehe mich zu dem Mann um, der mich mit seinen dunkelblauen Augen mit einer Mischung aus Verletzlichkeit und Ernst ansieht.
„Oh...“, entfährt es mir, und im selben Moment realisiere ich, wie dämlich das klingen muss, also versuche ich mich klarer auszudrücken.
Tausend Dinge drehen sich in meinem Kopf gleichzeitig. Darunter die Tatsache, dass ich es will, dass ich diesen intimsten aller Momente, die ein Mensch mit einem anderen teilen kann, mit ihm, mit Henry Fox teilen will.
Und gleichzeitig werde ich mir meiner Unerfahrenheit bewusst. Der Tatsache, dass der Mensch, den ich liebe, ein Mann ist und ich diese Erfahrung mit einem Mann noch nie geteilt habe. Natürlich habe ich darüber gelesen, ja es gab genügend schwule Pornos im Internet, mein Browserverlauf war voll davon.
Und ich hatte bereits den ein oder anderen Blowjob im College. Doch die Realität... Das ist etwas anderes.
Also stammele ich, während er mich mit diesem unglaublich scheuen Blick ansah, der beinahe schrie „Ok, vergiss es, es war ein Fehler!“: „Ich meine, ja!“ Und erhalte eines dieser kurzen, fast geschäftlichen Nicken, von dem ich wusste, dass sie meist nur eine höfliche Bestätigung dessen waren, was das jeweilige Gegenüber gerade sagte.
„Ich bin bereit dafür“, bestätige ich schnell, höre jedoch die Unsicherheit in meiner Stimme, auch wenn ich sie versuche zu unterdrücken.
Wie so oft, wenn ich über alle Maßen nervös bin, fange ich an, Unsinn vor mich her zu reden.
Mein Hirn und mein Mund sind dann meistens nicht auf einer Wellenlänge, und so höre ich mich so einen Unsinn sagen wie: „Ich meine, wer sagt heute noch ,Liebe machen' dazu? Sollen wir uns Lana Del Ray dabei anhören, oder...“
„Ok, ok...“ Henry greift an meinen Hinterkopf und zieht mich näher zu sich. Offensichtlich hat er gespürt, dass ich völlig hilflos bin in diesem Moment.
Es sind diese Augenblicke, wo er die Führung übernimmt.
Die Kontrolle behält, die ich gerade verloren habe.
Er zieht mich in einem kurzen Kuss, um meinen Redefluss zu unterbrechen, und sieht mir mit diesem ruhigen Selbstbewusstsein in die Augen, das auch meinen Verstand endlich wieder zumindest halbwegs fokussiert und meine anschließende Frage auf einen eher logistischen Teil lenkt. Zumindest so weit, wie es mein noch immer leicht alkoholisiertes Hirn hinbekommt, das sich seltsamerweise nun verdammt nüchtern anfühlt.
„Es ist nur... Wer... macht... was?“ Ich schlucke, versuche dem Blick standzuhalten, der sanfter, verstehender wird, als ich weiter vor mich hin stammele: „Denn ich bin... Ich habe...Noch nie...“ Jede Kraft scheint meinen Köper unter dem ruhigen, dunkelblauen Blick zu entweichen, und wieder ist es Henry, der entspannt und selbstbewusst dasteht, als ich meinen Kopf senke und ihn auf seiner Schulter ablege.
„Oh man, ich bin gerade so uncool...“ Seine Arme umfangen mich, streicheln mir über meinen Rücken, der zu meiner Schande gerade ziemlich unmännlich zittert, während ein warmes, aufmunterndes Lachen seine Brust hebt. „Ich war auf einem englischen Internat, mein Lieber. Vertrau mir, du bist in guten Händen.“
Und noch bevor mein Hirn diese Aussage wirklich analysieren und meine Neugierde wecken kann, was genau diese Information in mir auslösen könnte, zieht Henry meinen Kopf sanft nach oben und küsst mich.
Sofort spüre ich, dass dieser Kuss anders ist.
Auf eine Weise, die mein Herz gegen meinen Rippenbogen hämmern lässt und meinen Atem in meiner Brust festhält.
Die Art, wie Henry sein dunkles Jacket öffnete und über die Schultern streift, hat bereits etwas Sinnliches.
Dieser Blick, der deutlich zeigt, dass er nicht nur weiß, was er tut, sondern sich seinen Bewegungen auch völlig sicher ist.
Ich kann den Blick nicht eine Sekunde lang abwenden.
Der Griff um seine Krawatte, die er für seine Verhältnisse fast hektisch vom Hals zerrt.
Und die schlanken Finger, die ebenso stark wie zärtlich sein können, die an den winzigen Knöpfen seines Hemdkragens zu zittern beginnen.
„Vorsichtig... Die Knöpfe sind standhaft.“
Ich sehe den Schalk, der in seinen wundervollen Augen schimmert, und gehe auf das Wortspiel nur zu gerne ein.
Es ist unsere Art, einander zu sagen, was wir fühlen, ohne es wirklich auszusprechen.
„Hmhm... Steif“, schmunzle ich und ernte ein Lächeln, das mein Herz schneller schlagen lässt.
Ich kann spüren, dass auch mein Prinz aufgeregt ist.
Und lasse mich nur zu gern darauf ein, die Situation für uns beide etwas aufzulockern, während ich schließlich meine Hand über die nackte Haut seiner Hüfte wandern lasse.
Gott, wie ich diese kleine Kuhle an seiner Hüfte liebe, wo meine Hand perfekt hineinpasst.
Ich gestatte mir erneut den Gedanken, dass diese Stelle nur für mich geschaffen wurde und ziehe Henry enger an mich.
Ich kann seinen Atem an meinem Gesicht spüren, als meine Nase über seine streichelt.
Wir verlieren uns in diesem Moment.
Atmen die Nähe des anderen und versuchen unserer Nervosität Herr zu werden. Ich muss gestehen, in meinem Fall vergebens.
Henrys Körper ist wundervoll.
Nicht, dass ich das bereits seit meiner Teenagerzeit wüsste, oder dass ich nicht jede einzelne Muskelerhebung nicht bereits seit Monaten in meinem Kopf abgespeichert hätte, aber...
Nun ja.
Ihn nun im Licht des Kaminfeuers zu betrachten, seine Haut mit meinen Fingerspitzen zu erkunden und auch seine Finger meine Arme entlangfahren zu spüren, das hat etwas nahezu Magisches.
Er wandert meine Vene entlang nach oben, streichelt über meine Brustmuskeln und scheint mich zu betrachten, wie ein Bildhauer sein neuestes Meisterwerk.
Ich muss gestehen, es sind diese Blicke, die mich tief im Inneren mehr berühren, als alles, was ich je erlebt habe.
Ich fühle mich unglaublich kostbar, wenn er mich so berührt und mit diesen wundervollen Augen betrachtet.
Seine Finger gleiten zu meiner Kette und nehmen den Schlüssel in die Hand, der daran hängt.
Einen Moment lang spielen sie damit, bevor er seine Hand vollends darum schließt und mich näher heranzieht.
Seine Lippen finden meine und dieser zarter Kuss raubt mir die Sinne.
Er öffnet meine Lippen mit seinen, lässt seine Zunge über meine tanzen und fordert sie zu einem innigen Spiel auf, das auch meinen letzten Funken Verstand für eine lange Zeit aussetzten lässt.
Irgendwann führt Henry mich in Richtung Bett, lässt mich nicht los, während er sich darauf fallenlässt und leise lacht, als ich mich auf ihn legte.
Unsere Küsse werden frenetischer, sehnsüchtiger und ich spüre an meinem Bauch, wie hart er bereits für mich ist.
Das kleine Päckchen in blauer Folie liegt neben einem winzigen Sachet Gleitgel.
Ich habe so etwas zuvor noch nie gesehen, doch mein Verstand ist gerade so benebelt, dass es mir völlig egal ist, wie und woher Henry dieses kleine Ding gezaubert hat.
Mit fast schon träumerischer Sicherheit streift er mir das Gummi über und massiert meinen harten Schaft sanft, während er mir in die Augen sieht.
Schließlich benetzt er zwei meiner Finger mit dem Gel, legt sich zurück und weist mir den Weg.
Vorsichtig beginne ich den heißen, pochenden Muskel zu dehnen.
Versuche gar nicht erst vorzugeben, ich wüsste, was ich hier tue, sondern vertraue nur auf Henrys Gesichtsausdruck und seinen immer schneller werdenden Atem.
Schließlich öffnet er seine Schenkel etwas weiter, und ich platziere mich dazwischen.
Hitze umfängt mich, raubt mir den Atem und ich ahne, dass dies nicht nur von der Tatsache herrührt, dass ich Haut an Haut mit dem Prinzen von England liege.
Er hebt sein Becken etwas an, so dass ich wie von selbst an die richtige Stelle rutsche.
Meine Spitze gleitet in ihn und er beugt sich mir entgegen. Vorsichtig halte ich inne, obwohl meine Sinne völlig überladen sind. Die Angst, ihm weh zu tun, ist dauerhaft präsent, doch ich vertraue Henry.
Grenzenlos...
Seine Hand fährt über meinen Rücken, legt sich auf meine untere Wirbelsäule und presst mich langsam tiefer.
Ich folge seiner stummen Anweisung und schiebe mich in den warmen, engen und unglaublich sinnlichen Muskelkanal in Henrys Innerem.
Eine neue Art von Hitze umfängt mich, Enge massiert meinen Schaft und meine Instinkte werden immer lauter. Jede Faser von mir realisiert, was gerade passiert.
Wir sind eins.
Henrys Lippen öffnen sich und er sucht kurz meinen Blick, während er sich vorbeugt.
Sein Körper gewöhnt sich an meinen Schaft.
Worauf sich auf dem wundervoll offenen Gesicht eine verletzliche Röte bildet und er einen langen Atemzug ausstößt und sichtlich entspannt.
Er ist bereit und ich bin es auch.
Sein Nicken ist das Zeichen, mich langsam zu bewegen. Verdammt...
Diese Enge gepaart mit Henrys Blick.
Voller Vertrauen.
Ich beginne mich langsam ein Stück aus ihm heraus und wieder in ihn hinein zu bewegen.
Koste das Gefühl der köstlichen Enge um mich herum aus, während unsere Augen niemals den Kontakt verlieren.
Ich will ihm sagen, wie viel mir das hier bedeutet, wie glücklich ich bin, dass ich diesen Moment mit ihm teile und dass er es ist, der ihn so einzigartig macht.
Doch alles, was ich hervor bringen kann, ist: „Ich kann nicht fassen, wie sehr ich mich in dir getäuscht habe.“
Es ist meine Art, ihm zu sagen, dass ich ihn liebe, ohne die drei magischen Worte sagen zu können oder gar zu dürfen.
Ich weiß, das hier sollte eher unverfänglich und gleichgültig sein.
Doch das ist es nicht.
Und wenn ich den Blick in den leicht verschleierten Augen vor mir richtig deute, dann ist es das auch nicht für ihn.
„Die meisten Menschen tun das“, haucht er zurück und ich spüre, wie ein Prickeln meine Wirbelsäule herunterläuft.
Sein Körper beugt sich mir entgegen, fordert mich auf, mich wieder zu bewegen und ich lasse mich treiben.
Synchronisiere meine Bewegungen mit den seinen, während unsere Lippen sich treffen.
Zunächst noch kontrolliert und innig, doch mit jeder Minute, die unsere Verbindung anhält, fahriger.
Seine Hand auf dem Laken sucht nach Halt, verkrampft sich, so dass ich meine hineinschiebe, um es ihm einfacher zu machen. Sofort verschränken sich seine Finger mit meinen, halten sich die Finger seiner anderen Hand zuerst in meinen Haaren, dann an meiner Schulter fest, bevor sie sich regelrecht hineinkrallen, als seine Bewegungen hektischer werden.
Sein Atem wird stockend, als er seine Stirn erneut gegen meine drückt.
Ich höre, wie er unter dem Atem meinen Namen auf den Lippen hat, zusammen mit einem heiseren Flüstern von Gott und einem lediglich gewisperten Hinweis, dass er so nah sei.
Mir geht es ähnlich.
Henrys Körper, die grenzenlose Nähe zu ihm raubt mir den Atem.
Die Finger seiner Hand verkrampfen sich um meine.
Ich kann spüren, wie er zu zittern beginnt, als er mit einem Flehen in den Augen seine Finger löst und meine Hand tiefer zu seiner pochenden Erregung an meinem Bauch schiebt. Verstehend greife ich danach, versuche meine Hand an meinen Rhythmus anzupassen.
Doch in dem Moment, wo Henrys Hüfte sich unter mir anhebt und sein ganzer Körper in einem heiseren, heißen Atemzug erbebt, verliere ich die Konzentration.
Ich spüre noch irgendwo im Hinterkopf, wie klebrig heiße Flüssigkeit meine Finger benetzt, als mein Verstand blank wird und in das fast schmerzhaft süße Delirium übergeht, was meinen Höhepunkt ausmacht.
Ich höre mich selbst seinen Namen keuchen.
Flüstere unzusammenhängende Dinge, die mein Unterbewusstsein ohne mein Zutun hervorbringt und sacke schließlich kraftlos und von Endorphinen überflutet, über dem ebenfalls schwer atmenden Henry zusammen.
Es dauert ein paar Augenblicke, bis ich zumindest körperlich wieder in der Lage bin, mich zu bewegen.
Mit geübten Griffen befreie ich mich von dem Gummi, säubere uns beide mit ein paar Taschentüchern, die neben uns auf der Nachtkonsole liegen, und werfe das Bündel mit den Resten unserer Lust in den Kosmetikeimer neben dem Bett.
Henry rutscht näher, legt seinen noch immer leicht verschwitzten Kopf auf meiner Brust ab und seufzt glücklich. Ich küsse seinen Haarschopf, schaffe es jedoch nicht mehr, meine Hand zu heben, um die weichen Haare zu streicheln. Körperlich und seelisch wundervoll erschöpft, schließe ich die Augen und lasse das süße, postkoitale Delirium meine Sinne umfangen. Mit Henry Fox in meinen Armen.